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Das Abendland · 1867-12-15 · 24 (15.12.1867) · p. Seite 190

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
24 (15.12.1867)
Date
1867-12-15
Page
Seite 190 (sequence 6)
Language
German
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— 190 Smichow den 12. Nov. 1867. Geehrter Herr Redakteur! So ungern wir auch eine Angelegenheit vor die Oeffentlichkeit bringen, die rein localer und überdieß unerquicklicher ' Nutur ist, so sehen wir uns doch im Interesse der guten Sache, die wir anregen, genöthigt diesen Schritt zu thun. Der hiesige Cultusvorstand hat sich während seiner kurzen Thätigkeit durch eigenmächtiges Gebaren, mehrsach dem größten Theile der Gemeindemitglieder feindlich gegenüber gestellt. Die Anstellung eines Rabbiners, welche vom geehrten Cultusvorst. beschlossen war, mußte pecuniürer Rücksichten wegen aufgegeben werden. In den letztverflossenen Feiertagen hat uns nun der isr. Cultusvorstand die verlockenden, melodischen Töne eines Harmoniums als Vorbote einer künftigen Orgel anzuhören gegeben, in der angenehmen Hoffnung, die Andacht zu heben und die Gemeindemitglieder dadurch zu freiwilligen Beiträgen zu veranlassen. Doch nur ein sehr kleiner Theil stimmte dafür, der größte Theil meinte es wäre viel besser und nothwendiger, wenn die Vertreter der Gemeinde auf die Hebung der Schule hinwirken würden anstatt sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, die hier in unserm erst aufblühenden Gemeindeleben noch nicht an der Zeit seien. Dem allgemeinen Wunsche und der Nothwendigkeit wäre gewiß mehr Rechnung getragen, wenn die hiesige zweiclassige Schule, zu einer dreiclassigen Volksschule erhoben und einen tüchtigen Hilfslehrer erhalten würde. Nur in dieser Richtung wird der strebsame. Cultusvorstand Ersprießliches wirken, auf keinen Widerstand stoßen und Eintracht und Zufriedenheit in unsere Gemeinde bringen. Mehrere Freunde Ihres geschätzten Blattes. Leipzig im October. Die Seelenfeier des Scheuiniö Azereth gab dem Herrn Dr. Goldschmidt Veranlassung des jünst dahingeschiedenen großen Sal. Iehuda Rappoport ehrenhaft und anerkennend zu gedenken. Redner skizzirte in lebhaften Farben das reiche wirksame Leben dieses bedeutenden Mannes, schilderte ihn gleich Zunz, daß seit 40 Jahren wackere thätige Arbeiter und Begründer der jüdischen Literatur, von denen die jetzigen Epigonen zu schöpfen und zu lernen haben. Anlehnend an Dr. Zunz Aeußerung vor 34 Jahren in seinen Gottesdienstlichen Vorträgen S. XII. „Es ist meinerseits - nicht unfruchtbarer Beifall, wenn ich des trefflichen Rappoport, dessen Namen in mehr als 110 Orten mein Buch ziert, nicht blos für die unerschöpfliche Belehrung, die mir seine gedruckten Schriften gewährten, sondern für den nunmehr dreijährigen Briefwechsel, welcher meinen Untersuchungen in manchen Punkten so sehr förderlich gewesen." „Rab. Salomon Iehuda Rappop ort inLemberg aus einem seit dem 16. Jahrh. durch literarische Leistungen berühmten Geschlechte, hat sich vornehmlich durch seine (in den Bikure Haittim befindlichen) Lebensbeschreibungen des R. Sadia Gaon, R. Nathan, R. Hai Gaon, R. Elazar Kallir, R. Chananell, R. Nisiim, — sämmtlichen Rabbinern des 10.—11. Jahrhunderts, — bekannt gemacht. Vielfach angebauet wird das Feld der jüdischen Literatur in diesen durch kritische Tiefe, Scharfsinn, und glänzende Gelehrsamkeit, eben so sehr als durch den frommen edlen Sinn, der in ihnen sich ausspricht, ausgezeichneten Schriften" u. s. w., Dr. G. unterließ auch nicht den klassischen körnigen hebräischen Styl R's als mustergültig hervorzuheben, erwähnte dessen jugendarbeit: „Seexith Iehuda"- in anerkennender Weise, u. s. w. Pest. Über den leider so plötzlich und inmitten seiner Pastoralen Funktion vom Tode hinweggerafften Oberrabbiner Dr. W. A. Meist, erlaube ich mir, geehrter Herr Redakteur! Ihnen einige Daten mitzutheilen. Meist wurde 1815 in Böhmen geboren. Schon als kleiner Knabe wurde er von seiner Mutter wegen eines traurigen Familienereigniffes nach Hamburg geführt, und erhielt r auch in Deutschland seine Ausbildung. Er war durch viele Jahre Rabbiner in Stettin, wo er unter andern rühmlichen Leistungen die Gründung eines Waisenhauses zu Wege brachte. 1858 wurde er als Oberrabbiner nach Pest berufen. In dieser so bedeutenden aber schwierigen Stellung wirkte er ebenfalls in humanitärer Richtung segensvoll. Als Kanzelredner war er eine Berühmtheit, er war ein geborner Redner, glänzende Diktion, geistvoller Jdeengang, herrlicher Vortrag zierten seine Leistungen auf der Kanzel, er sprach oft und viel, häufig auch unvorbereitet aber immer mit der gleichen Verve. Seine literarischen Arbeiten entsprachen seiner Geistesrichtung. Seine gedruckten Predigten, seine Hmnilien zu den „Sprüchen der Väter", seine Biographie Hartwig Wesseli'S, feine metrische Übersetzung „Prinz und Derwisch" lesen sich recht angenehm. Sein Leichenbegängnis über das im „Pester Lloyd" ausführlich berichtet wird, war großartig, und die Theilnahme, die sich unter allen Klassen der Bevölkerung kund gab, zeigte, welcher Sympathien sich der Verblichene zu erfreuen hatte. Leichenreden wurden gehalten vom Prediger Dr. Kohn in ungarischer Sprache, von Dr. Jellinek aus Wien, Dr. Hirsch aus Altofen, Dr. Steinhard aus Arad, Dr. Treuenfelö aus Stettin, einen besonderen Eindruck machte die Rede des Nichtisraeliten Herrn KovacS, so daß sich Dr. Jellinek veranlaßt sah, zum zweiten Male zu sprechen und Herrn Kovacs seinen Dank auszusprechen. Meisel's letzte Rede, in der er wie ein Soldat auf dem Schlachtfelde des Geistes fiel, wurde von dem hebr. Literaten Herrn Bacher nach der Erinnerung vom Anhören ausgezeichnet und nebst einer hebräischen Übersetzung veröffentlicht. X. Locale nnd Ausländische Nöthen. Brunn. Die bei der am 31. Oktober d. I. hier stattgefundenen Versammlung von mährischen Rabbinern, Lehrern und Cultusgemeindevorständen gewählten beiden Comite's zur Entwerfung eines Planes für den Religionsunterricht in den jüdischen Volksschulen und eines Planes für das in Brünn zu gründende theologische Proseminar, in welchem auch jüdische Lehramtskandidaten den nöthigen Unterricht in den hebräischen Lehrfächern erhalten sollen, begannen am 9. d. M. ihre Berathungen im Sitzungssaale des hiesigen isr. „Tempels und führten dieselben durch mehrere Tage fort. Uber das Resultat wird die nächste Nummer unseres Blattes ausführ - lichen Bericht erstatten. Brünn. Die unter Redaktion des Herrn Oberrabiners Leopold Löw durch mehrere Jahre in Szegedin erschienene Zeitschrift „Ben-Chananga" hört mit diesem Jahre zu erscheinen auf. Sie lieferte viele gediegene wissenschaftliche Arbeiten und dürfte daher von dem gelehrten jüdischen Publikum unangenehm vermißt werden. Freuen wir uns, daß der gelehrte Redakteur seine bewährte Feder ferner dem Dienste der jüdischen Wissenschaft weihen werde. Austerlitz. Um das durch den Tod unseres selig. Rabbiners Herrn Hermann Duschek erledigt gewordene Rabbinat in unserer Gemeinde haben sich mehrere Rabbiner beworben, und haben auch bereits einige der Bewerber Probereden gehalten. Die Wahl wird nun bald vorgenommen werden. Prag. Von den bei den Leichenfeierlichkeiten zu Ehren des selig. Rappoport gehaltenen Reden sind die der Herrn Prediger Dr. Stein und Dr. Sonnenschein gehaltenen durch den Druck veröffentlicht worden. Die des Dr. Stein wurde

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