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Das Abendland · 1867-12-15 · 24 (15.12.1867) · p. Seite 191

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
24 (15.12.1867)
Date
1867-12-15
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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101 — bereits tu der vorigen Nummer dieses Blattes rühmend erwähnt. Dr. Sonnenschein's Rede hat eine blumenreiche Diktion. Breslau, im December. Herr Rabbiner Dr. Joel wird nun doch noch zu Ehren Rappoports eine Todtenfeier veranstalten, die im Laufe dieser Woche stattfinden soll. — Das Seminar hat aus Böhmen nnd Mähren keinen neuen Zuwachs erhalten, dagegen haben Preußen, Rußland, Baiern, Baden, Meiningen, Ungarn nnd die Bukowina je einen Repräsentanten gestellt. — Hr. Dr. Freudenthal, der durch Krankheit verhindert war, rechtzeitig beim Beginne des Semesters einzutreffen, ist bereits hier angekommen itnd hat zur Freude seiner Hörer die Vorlesungen wieder ausgenommen. — Die Nachricht von dem frühen Tode des ehemaligen Seminaristen Eduard Goldmann aus Nachod hat unter seinen vielen Freunden in hiesiger Stadt die schmerzlichste Sensation erregt. — Wenn er auch der Anstalt nicht mehr angehörte, betrachteten sie ihn doch immer noch als den Ihrigen, und werden darum nie ihres liebenswürdigen, braven Collegen vergessen, der sein junges, hoffnungsvolles Leben der Wissenschaft geopfert hat. — H. K. Florenz. Unser Glaubensgenosse, Herr Advokat David Segre aus Saluzzo, italienischer Vice-Consul in Constantinopel, macht durch seine reichen GeifteSgaben und seinen Charakter dem italienischen Namen Ehre. Herr Segre, kaum 25 Jahre alt, wird ohne Zweifel eine glänzende diplomatische Carriere machen. Die im Monate Mai d. I. abgehaltene Rabbinersynode macht nur langsame Fortschritte, da die zur Abgabe eines Gutachtens aufgeforderten Gemeinden bis jetzt entweder der Aufforderung gar nicht Folge leisteten oder sich in allgemeinen vagen Erklärungen ergingen. Unser Gemeinde- Präses, Herr David Levi, Licepräsideut im Verwaltungsrathe der Nationalbank, bat den Maurizius-und Lazarusorden erhalten. Denselben Orden erhielt auch Herr Jona Olivetti aus Biella wegen seiner Verdienste um die Baumwollenindustrie, und um Förderung des Vereins für Handwerker und Künstler; ebenso wurde Herr D. G. Sacerdote mit diesem Orden dekorirt. Läueat. Israel. Paris. Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich geruhete während seines Pariser Aufenthalts eine Einladung des Barons I. Rothschilds, österreichischen General-ConsulS in Paris, anzunehmen. Jerusalem. Die türkische Regierung erweist sich seit einiger Zeit sehr günstig den Israeliten. Jedem Tribunal ist ein jüdischer Assessor für die Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen beigegeben. Der hiesige neue Gouverneur stattete dem Rabbiner eine Visite ab, und drückte ihm seine wohlwollende Gesinnung aus. Sau Franziska (Californien). Am 15. September d. I. fand in der Synagoge Ahabi Schalom ein seltenes Fest statt. Es wurde an den Drillingskindern des Herrn Henry Danziger der Akt der Beschneidung vorgenommen. Zahlreiche Einladungen wurden zu dieser religiösen Feier ausgegeben, die um halb 12 Uhr Vormittags vorgenommen wurde. Die Thore des Gotteshauses waren von der Menge, die Zeuge dieser Feier sein wollte, förmlich umlagert, doch war der Eintritt nur Jenen gestattet, die sich mit einer Einladungsj karte ausweisen konnten. Die vielen Gäste erfüllten alle Räume des Gotteshauses; man bemerkte unter den Anwesenden den General Dowell, den Gouverneur Hayght, die Präsidenten der verschiedenen Synagogen und wohlthätigen Vereine in San Franzisko. Die Gallerten waren von Damen besetzt. Jedes der 3 Kinder wurde von einer Frau eirtes Gemeindepräsidenten getragen und den Gevattern übergeben. Diese waren General Dowell, Herr Wassermann in Stellvertretung des Gouverneurs und Herr John Conneß. Die Kinder erhielten folgende Namen: Abraham Linkoln Dau- -iger, Jsak Andrew Johnson Danziger, Jakob John Conneß Danziger. Man sieht, daß bei dieser Namenvertheilung die \ biblischen Patriarchen ebensowenig vergessen wurden, als die j höchsten Staatsmänner der Union. Die Operation ging schnell und glücklich von Statten, hierauf wurden die Drillingskinder von den Rabbinern verschiedener Synagogen eingesegnet und jedem Kinde eine Medaille von massivem Golde mit Namensinschrift und einer Zeichnung aus der Geschichte der Patriarchen umgehängt. Diese Medaillen wurden von der Congreß-Loge gespendet, und haben einen Werth von 150 Dollars. Hieraus wurde den Gästen ein Banquet gegeben, welchem Rabbiner Henry präsidirte. An Reden und Toasten fehlte es nicht, General Dowell und Senator Conneß hielten ebenfalls passende Reden. Der Verein Achim Rachmonia brachte durch seinen Präsidenten den Kindern 3 silberne Pokale, in denen die Namen der Drillinge eingravirt waren. Eingesendet. Hrischkov in Böhmen, am 3. December 1867. Der große Aesthetiker Joachim Winkelmann liefert uns in seiner „Geschichte der Kunst" eine so erhabene Schilderung des Lysippschen Kunstwerkes „Laokoon", daß Goethe mit Recht ausruft, man vergesse augenblicklich über die erhabene Darstellung den Künstler selbst. In einer ähnlichen Stimmung befand sich unsere Gemeinde, als am 24. v. Mts. unser gefeierter Rabbiner, Herr Dr. Melis vor einer zahlreichen Trauerversammlung eine ergreifende und schwungvolle Gedenkrede über den unsterblichen Rappoport hielt. Da es natürlich nicht mein Zweck sein kann, ins Detail der interessanten Rede einzugehen, so sei es mir gestattet, das Schema derselben in wenigen Worten zu verfolgen. Ausgehend von den Worten des Psalmisten (15, 1 & 2) zeigte der Redner in geistreicher Weise, wie jedes einzelne Wort sowohl im eigentlichen, als metaphorischen Sinne sich an dem großen Todten bewahrheite, indem dieser von seinen engern Wirkungskreise hinaus, wie ein Riesenbaum, immer weiter und weiter seine befruchtenden Arme über den ganzen gebildeten Erdkreis ausbreitete, und bei eigenem Streben nach Vollkommenheit bis ins hohe Alter für die geistige und moralische Vervollkommnung der Israeliten unermüdlich thätig war, und indem der betrauerte Todte endlich über das Grab hinaus durch das so uneigennützige Vermächtniß seiner kostbaren Bibliothek sich allein schon ein unvergängliches Monument für das forschende Judenthum gesetzt. — Bei dieser Gelegenheit freut es mich, gleichzeitig von dem segensreichen Wirken des seit ungefähr 9 Monaten abermals in unserer Gemeinde residirenden Herrn Rabbiner- Dr. Melis selbst anerkennende Erwähnung machen zu können. Abgesehen von der pünktlichsten Erfüllung seiner Berufspflichten, wodurch sich der Herr Dr. die aufrichtigste Liebe und Verehrung aller seiner Schüler und Glaubensbefohlenen erworben, hat derselbe nicht nur über Anregung der böhmischen Landesjudenrepräsentanz betreffs einer rituellen Erziehung der im Gebärhause geborenen israelitischen Findlinge in der kurzen Zeit seines Wirkens einen „isr. Landeswaisen- und Frauen-Unterstützungs-Verein" ins Leben gerufen, dem bereits mehr als 80 Frauen als Gründerinen und beitragende Mitglieder angehören, sondern durch sein Bemühen das etwa gelockertere Band zwischen dieser Cnltusgemeinde und den um-! liegenden Filialgemeinden vom Neuen fester und inniger geknüpft, wie auch größtentheils auf seine Veranlassung die beiden ehrenwerthen HH. Gemeindemitglieder: Cultusvorsteher Nathan Löwy und Adam Thaussig je ein 1860er-Originallos der Cnltusgemeinde als ewiges Eigenthum widmeten. Dank den edeln Spendern. Med. Dr. Ldots Heller, praktischer Arzt u. Ausschußmitglied.

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