Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 24 (15.12.1867)
- Date
- 1867-12-15
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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187 — der Epcommunication keinen Juden zu Tische laden, zu keiner j Hochzeit oder anderen Feierlichkeiten zulassen, oder an Feierlichkeiten der Juden theilnehmen, auch keine Eßwaaren von ihnen kaufen. — Wenn das Altarssacrament öffentlich durch den Ort getragen wird, so sollen sie sich in ihre Häuser begeben, und einstweilen Thüren und Fenster derselben verschließen. Am Charfreitag sollen sie nicht aus ihren Hauj fern gehen. Sie sollen mit keinem Christen über die kathoj lische Religion dcsputiren. Sie sollen ihre Weiber und Kinder,? die christlich werden wollen, daran nicht hindern. Sie sollen i keinen Christen zu ihrer Religion verlocken oder zu beschneiden i wagen. Sie sollen keine neuen Synagogen bauen, die alten dürfen sie zwar ausbessern aber nicht vergrößern und verschönern. In der Fastenzeit sollen sie kein Fleisch offen nach Hause tragen, damit es nicht scheine als spotteten sie der Christen, die in dieser Zeit vom Fleische sich enthalten müssen. Zuletzt wurde befohlen, daß diese Verordnungen alle Jahre in einer Provinzial-Kirchenversammlung erneuert, jene aber, die zur Kenntniß der bürgerlichen Obrigkeit gelangen müßten, in jeder Pfarre von der Kanzel kundgemacht werden sollen! Die Kirchenversammlnng trug dem Könige Ottokar, sowie überhaupt allen Landesherren und Richtern auf, sie unter Strafe der Epcommunication zu handhaben. So wurden zu jener Zeit durch die klerikale Macht die Rechte der Juden geschmälert. Ansprache an die studirendc Jugend ini israelitischen Tempel zu Brünn beim I Nachmittags-Gottesdienste am 30. Nov. 1867 gehalten von D.! Ehrmann, Religionslehrer an den k. k. Mittelschulen allhier. „Wie Ehrfurcht erweckend, wie hoch erhab.n ist dieser Ort", so rufe ich heute mit dem Patriarchen Jakob aus, da ich zum ersten Male von geheiligter Stätte aus euch, meine jungen Freuude und Schüler! spreche. Durch das Wort der Belehrung, das ich in diesen heiligen Hallen an euch richte, erhält das Verhältniß, in dem wir nun zu einander stehen, das Siegel der religiösen Weihe, den Stempel der innigsten, in die tiefsten Fasern des Herzens dringenden Vereinigung. Die heilige Stätte, in der die Gemeinde Gottes ihre frommer. Gebete gen Himmel schickt, in der die Gläubigen ihr Sehnen und Hoffen, ihr Begehren und Verlangen, ihren Schmerz und ihre Lust, ihr Wohl und ihr Weh, kurz alle die zartesten Regungen ihres Gemüthes auf den Schwingen der Andacht zu Gott entsenden, in der so oft die ewigen Lehren der Wahrheit und des Glaubens aus dem beredten Munde unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners verkündet werden, in der so oft weihevoller Gesang und die zur Andacht stimmenden Klänge der Musik zu Ehren des Ewig Einigen ertönen — diese heilige Stätte sagt uns, mir wie euch, die Bedeutung und Wichtigkeit des Amtes, das ich seit einigen Tagen in eurer Mitte angetreten. Von einer hohen und weisen Regierung in Würdigung meiner bisherigen Leistungen auf dem Gebiete des Unterrichts und der Seelsorge, über Vorschlag unserer trefflichen, um das Wohl der hiesigen Gemeinde und mittelbar auch um das Wohl der gesammten Judenthum vielverdienten Gemeinde-Repräsentanz, die mir so wohlwol- > lend ihr Vertrauen entgegengetragen, zu dem ehrenvollen Amte eines Religionslehrers der studirenden Jugend in einer Stadt berufen, die durch ihre Intelligenz wie durch ihre Humanität einen hervorragenden Rang unter den Städten unseres theuern Vaterlandes, unseres großen Oesterreichs einnimmt, als Nachfolger eines Mannes, der durch sein Wissen wie durch seine Berufstreue ausgezeichnet war, den der grausame Tod in dem besten Mannesalter hinraffte und seine Lebenskraft brach als noch der Geist in voller Macht in vollem Glanze stand, der seinen Schülern noch mehr als Lehrer, der ihnen Vater war, fühle sich tief im Herzen die Bedeutung, der Aufgabe, die mir mit diesem Rufe geworden. Schon der Lehrstoff an sich verlangt eine sorgfältigere Pflege als jeder andere Zweig wissenschaftlicher Ausbildung, denn hier gilt es Vergangenheit und Zukunft durch das Band der Gegenwart zu verknüpfen und in die innigste Wechselwirkung zu bringen. Auö dem Grabe der Zeiten holen wir hervor die heiligen Schätze um ihren Glanz vor euern Augen zu entfalten und sie euch als treue Begleiter für eure ganze Lebenszeit mitzugeben. Wenn ihr längst dem Jugendalter entwachsen seid, wenn längst die gestählte Manneskraft gebrochen ist, wenn euch schon das Los aller Sterblichen winkt, wird eure Seele noch von diesen Schätzen zehren, wird der Anblick dieser Schätze das Auge eures Geistes laben und erquicken, werden diese Schätze euch geleiten, beruhigend und erhebend, tröstend und die süßesten Hoffnungen spendend bis an das Grab und über das Grab hinaus. Und welchen Händen könnten wir die Hütung und Wartung dieser Schätze besser anvertrauen als der Jugend, die ihren ernsten Willen, ihren besten Eifer, ihre Geistesgaben, diese Gnadengeschenke Gottes, den Wissenschaften zuwendet, die dazu berufen ist Schmuck und Zierde des kommenden Geschlechts, die geistigen Träger einer bessern Zukunft zu werden. Wohl euch, wenn das Bewußtsein dieser erhabenen Mission in eurem Herzen erwacht ist, wenn ihr es fühlet, welches wichtige Glied ihr in der Kette des menschlichen Entwicklungsganges bildet. Wenn bei euren Fortschritten, bei euren Sitten das ernste Antlitz des Vaters sich erheitert und freudig strahlt, wenn in dem Auge der zärtlichen Mutter eine Freudenthräne glänzt, wenn der Lehrer mit Stolz auf das Gedeihen eures Geistes als auf die Frucht seiner mühevollen Arbeit blickt, wenn die Welt euch als die schönsten Blüthen am Baume der Erkenntniß in dem Garten der Bildung und Gesittung betrachtet, sagt euch da nicht eine andere Stimme: Wir haben unsere Pflicht erfüllt, wir haben unsere Schuldigkeit gethan! — Die Jugend hat auch den vollsten Anspruch auf die Bedeutung, die ihr beigelegt wird, der Jugend gehört die Welt, denn der Jugend gehört die Zukunft. „Deinen Kindern, sprach Gott, gebe ich die Erde." Was die Gegenwart Trübeö und Bitteres hat, wird gemildert und verwischt durch die Strahlen der Hoffnung auf eine bessere Zeit, auf eine glücklichere Zukunft. Im erhöhten Grade ist dieß bei der studirenden Jugend der Fall, in der Glauben und Wissen, diese beiden Hauptfactoren des menschlichen Geistes, im innigen Bruderbünde sich entwickeln und reifen sollen, und diese beiden geistigen Hebel der menschlichen Bestimmung und der menschlichen Würde wollen wir unter Gottes Beistand näher ins Auge fassen. Es wäre ein gewaltiger Jrrthum, zu glauben, daß das Judenthum jemals gegen die reichen, den Boden des Geistes befruchtenden Strömungen der Wissenschaft gleichgiltig oder ihnen gar abhold gewesen wäre. Wahr ist es, es gab eine lange, traurige Zeit in Israel, wo uns die Schulen der allgemeinen Bildung, wo uns die Hörsäle der Wissenschaft verschlossen blieben, wo man mit unserem Körper auch den Geist einengte und einzwängte in die dunkelsten Löcher, in die kein Sonnenstrahl deö menschlichen Fortschritts drang, da konnte und durfte der Blick nicht schweifen über die prachtvollen Lagerzelte, die sich die Wissenschaft aufschlug, über die grünen, üppigen Fluren, die der Forschuugstrieb mit jedem Tage neu verherrlichte. Die egyptische Finsterniß der Unwissenheit hüllte uusere Hütten ein, der jüdische Geist mußte zu Grunde gehen, er wäre versumpft und verdumpft in dem Qualm der Ausschließung und Absonderung, hätte nicht im Innern dieser Hütten ein Licht gebrannt, und zwar ein Licht, das wir der Welt aufgesteckt, an dessen Strahlen sich die ganze Menschheit seit uralten Zeiten wärmte und noch heutigen Tages wärmt das Licht des Glaubens — „Israel hatte nur das einzige Licht in seinen Wohnungen", was außerhalb vorging, was außerhalb sich regte und bewegte, das ward mit übelwollender Sorgfalt vermauert und verriegelt, das konnte nicht zu unserer Kenntniß gelangen. Doch das war ja nicht unsere Schuld, wir haben das Unrecht der Zeiten nicht auf unserem Gewissen. Das Judenthum in seiner Entstehung wie in seiner Entwicklung ward auf die Macht des Geistes ge-