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Das Abendland · 1867-11-14 · 23 (14.11.1867) · p. Seite 183

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
23 (14.11.1867)
Date
1867-11-14
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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153 um der Versammlung für die warme Theilnahme zu danken, und so war die Versammlung geschlossen, deren praktische Resultate wir von den Berathungen des Comites erwarten. In das Proseminar-Comite wurden gewählt: Aus der Rabbinergruppe: Dr. Oppenheim, Weiß, Schmiedl, Platschck, Dr. Brüll. Aus der Lehrergruppe: Dr. Eisler, Schöller, Kourad, Pottell, Sborovitz. Aus den Gemeinderepräsentanten: Karplus, Schmiedl, König, Heister und Wohlmuth. 2. Breslau im November. Aus unserer Stadt kann ich heute wieder einige erfreuliche Mitthcilungen machen. Bei den Handelskammerwahlen, die unlängst hier stattfanden, wurden 4 Juden gewählt, ein Resultat, das um so höher anzuschlagen ist, als im Ganzen nur 7 Repräsentanten zu wählen waren. — Dr. med. Weigert, einer der beliebtesten und gesuchtesten Ärzte hiesiger Stadt, auch Hosspitalarzt im Fränkelischen Krankenhause, erhielt den Kronenorden. — Banquier Bernhard hat zu Feier seines 70jährigen Geburtstages der israelitischen Armenkassa 2000 Thaler übergeben, damit von den Zinsen verschämten Armen Brennmaterialien für den Winter angeschafft würden. — In der Wahlversammlung der national-liberalen Parthei wurde zu den bevorstehenden Abgeordnetenwahlen vom Partikulier Riemann der bekannte Reichtagsabgeordnete Lasker aus Berlin vorgeschlagen, indem der Redner dabei hervorhob: „daß Lasker Jude fei und daß es eben jetzt opportun erscheine, für die Gleichberechtigung der Confessioneu einzutreten und ein thatsächliches Petitum an das Abgeordnetenhaus zu richten. Es sei auch für das allgemeine Staatswohl von der höchsten Wichtigkeit, daß endlich die Kluft zwischen den verschiedenen Religionsgescllschaften aufhöre. Die Gesetzgebung müsse mit der Ausgleichung vorangehen, dann werden auch die Vorurtheile im Volke schwinden. Darum empfehle er Lasker." Nach Riemann, dessen Worte mit stürmischem Beifalle ausgenommen wurden, sprach Rechtsanwalt Leut (früher Aügeordireöer und aus dem zweiten Polenprozeß her bekannt): „Es werde gewiß Niemand in der Versammlung sein, der nicht in Betreff der Gleichberechtigung aller Religionsgesellschaften mit dem Vorredner übereinstimme. Es sei die BMHe aller Cuttnr und des religiösen Bewußtseins, nicht nach dem religiösen Bekenntniß des Einzelnen zu fragen. Aber nicht weil er ein Jude ist, fei er für Lasker, sondern weil er Lasker ist, der liebenswürdige, kräftige Mensch, der Kenner des Staatsrechts, der Mann vom großen Scharfsinn etc." — Mit großer Majorität wurde Assessor Lasker von der national liberalen Parthei in Breslau als Kandidat aufgestellt. — Wie bekannt hat im norddeutschen Parlament die Petition der meklenburger Juden den besten Erfolg gehabt, indem der Reichstag den Beschluß der Comissivn annahm, den Bundeskanzler zu veranlassen, zur nächsten Session ein Gesetz über die Gleichberechtigung aller Consessionen im norddeutschen Bunde vorzulegen. — Vor Kurzem fand hier unter großem Andrange des Publikums in der Barbarakirche eine gemischte Trauung zwischen einem Judenmädchen (Frl. Ottilie R.) und einem höhern Bahnbeamteu (evangelisch) statt.— Das Gericht, daß sich die Braut vor der Trauuug habe taufen lassevz Üestuttrgt sich nicht." dieselbe weigerte sich vielmehr entschieden, ihren Glauben zu wechseln und wollte lieber auf das gehvfste Eheglück verzichten, als ihrer Religion untreu werden. Nach langen Unterhandlungen siegte endlich beim Bräutigam die Liebe über alle Bedenken und die Amanten brauchten nicht einmal „eine provisorische Nothehe" einzugehen, um sich für immer zu verbinden. — H. K. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Wie seiner Zeit von dem frühen: Justizminister Herrn Ritter von Komers, wurde auch von dem gegenwärtigen Minister der Justiz. Sr. Excelenz Herrn Ritter von Hye der dem hohen Reichsrathe vorzulegende Entwurf der Strafprozeßordnung unserem allverehrten Herrn Universitätsprofessor Dr. Wesseli zur Begutachtung eingeschickt. Herr Professor Wesseli wurde auch dieser Tage von der juridischen Fakultät als Mitglied der k.k. Bibliothekö-Comissi^n gewählt * Der hiesige Herrenkleiderfabrikant, Herr B. Straschitz wurde auch bei der Pariser Weltausstellung, wie früher in London und München durch eine Preismedaille ausgezeichnet. In den Berichten der „Neuen Pariser Zeitung" über die Weltausstellung wird von der genannten Firma wie folgt gesprochen : So ist z. B.die Herrenklesderkabrik des B.Straschitz in Prag, die auch hier in Paris stets eine große Auswahl fertiger Herrenkleider neuester Facon von den elegantesten Stoffen gefertigt zu staunend billigen Preisen bereit hält. Der bewährte Ruf dieses Hauses, der nun während der Ausstellung noch an Ausdehnung gewinnt, wird dadurch gerechtfertigt, daß sowohl der östreichische wie der französische Hof resp. die beiderseitigen Kronprinzen durch Bestellungen denselben zu befestigen geruheten. Eine Universal-Reisedecke und gleichzeitig auch als Lagerdecke verwendbar für den österreichischen Kronprinzen Rudolf, wie eine gleiche für den französischen Kronprinzen angefertigt, ziehen die allgemeine Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Die Fabrik, welche seit 11 Jahren besteht, beschäftigt durchschnittlich circa 80 Arbeiter, steht in bedeutendem E^portverkehr mit England, Dublin und wurde 1862 in London mit der großen Preis-Medaille ausgezeichnet. In Folge der Billigkeit der Kleider ist die Nachfrage um dieselben hier so groß, daß neue Sendungen verschrieben werden mußten, um allen Anforderungen zu genügen." * Vom Herrn Dr. Unger, Rabbiner in Jglau geht uns die Erklärung zu:' daß er bei der am 29. v. M. stattgefundenen Zweigversammlung mehrerer mährischen Rabbinen in der Wohnung des Dr. Brüll zu Brünn nicht zugegen gewesen sei, daß er aber bei der Hauptversammlung am 30. v. M. den Antrag gestellt habe: Die Versammlung möge dem zu wählenden Comite die Arbeit dadurch erleichtern, und beschleunigen helfen, daß sie sich principicll für die Weglassung jener Bibelstellen beim Jugendunterrichte ausspreche, die sich in folgenden 3 Klassen zusammenfasfen lasse a.) Die aus moralischen Gründen für den öffentlichen Unterricht nicht geeignet erscheinen b) Die in ihrer praktischen Anwendung auf das Leben nur eine geringe Ausbeute gewähren, wie die Gesetze und Bestimmungen für den Opferkultus, und e) die nur Geschlechtsregister u. dgl. enthalten. Dieser Antrag fand jedoch in der Versammlung keine Unterstützung. Als fernere Berichtigung der in den Blättern enthaltenen Referate über dieBrünner Notablenversammlung theilt uns Herr Dr. Unger mit, daß von den für den Unterricht in jüdischen Volksschulen bestimmten wöchentlichen 32 Lehrstunden nur 14 auf das Hebräische entfallen. Nachdem Herr Dr. Unger gegen die Anführungen eines Vorredners remonftrifte, daß es bei einem 10 stündigen wöchentlichen Unterricht nicht möglich ist, den Pentateuch, die ersten Propheten und die liturgischen Psalmen in der vierklassigen Volksschule durchzunehmen, einigte sich die Versammlung über Vorschlag des Herrn Oberlandesrabbiners dahin die wöchentlichen Lehrstunden für das Hebräische in der 1. Klasse auf 10, in der 2. auf 12 in der 3. und 4. Klasse auf 14 festzusetzen. Schließlich berichtigt Herr Dr. Unger, daß in dem Namensverzeichniß der Comitemitglieder für Bearbeitung eines Proseminarplanes die Herren Rabbiner Dr. Duschak und Med. Dr. Stößel nicht als Mitglieder aufgezählt wurden. R.

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