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Das Abendland · 1867-11-14 · 23 (14.11.1867) · p. Seite 182

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
23 (14.11.1867)
Date
1867-11-14
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 Er schilderte die nachmcndelssohnische Periode, wo des großen Weltwciscn Bestreben, die Verträglichkeit der Lehre des Iudenthums mit Wissenschaft und Aufklärung darzuthun, so wenig begriffen wurde, und der Abfall vom Judenthume, vorzüglich aber vom Talmudismus wie eine Pest in Israel zu grassiren begann — und wie dieser Pest nur durch ein von Rappoport gänzlich nengeschaffenes Talmudstudium Einhalt gethan wurde, so daß von ihm, wie einst bei ähnlichem Zwiespalte in Israel, von dem Großpriester Ahron gesagt werden konnte: (Rum. 17, 13) .nvtivn nirym n*nn pi D'ron pa *iejn Er stand muthig zwischen den Todten und Lebenden, zwischen den im Grabe ruhenden Heroen des Talmuds und den Männern der Neuzeit, zwischen dem todten und lebenden Gcschlcchte — und der Pest ward Einhalt gethan! Den Eindruck dieser Rede welcher noch durch die diesem verehrten Redner eigcnthümliche drastische Vortragsweise erhöht wurde, vermag Ihnen meine schwache Feder nicht wiederzugeben. Ich konstatire bloß, daß selbst des Unempfindlichsten Augen nicht thränenleer blieben. Wahrscheinlich dürfte später noch ein weiterer nocn folgen, worüber ich Ihnen seinerzeit, wenn Sie es erlauben, Bericht erstatten will. Lnck bei Buchau, 11. November. Gestern Nachmittags um 4 Uhr wurde im hiesigen Tempel eine feierliche Trauerandacht für den verewigten, hochbegabten und geistreichen Oberrabbiner zu Prag, S. L. Rappoport, in würdiger Weise abgehalten, wobei die weihevolle, mit hinreißender Begeisterung gesprochene Gedächtnisrede unseres Herrn Predigers Israel Friedländer alle Gemeindeglieder, die fast vollständig versammelt waren, tief erschütterte. Die Feierlichkeit begann mit Absingung des Psalms 16. In der Predigt hob der Redner die große Verdienste Rappoports um die jüdische Wissenschaft, und schilderte in ergreifenden Worten den herben Verlust, den Israel durch den Tod dieses so ausgezeichneten Mannes erlitten. Es folgte ein deutsches, dann hebräisches Gebet, und wurde die Feier mit Absingung des Psalmes NI^'L.1 TtP geschlossen. Ich erachte cs als eine angemessene Pietät gegen diesen hochbegabten Verklärten, der eine Zierde Israel war, wenn eine abgehaltene Trauerandacht in den öffentlichen Blättern bekannt gegeben wird. Milip Kohn Gemeinde - Vorsteher. Brünnl. November. Die hier am 30. und 31. Oktober stattgefundene Versammlung von Cultusvorständen, Rabbinen und Lehrern Mährens war recht zahlreich besucht. Am 29. Abends wurde bereits im Hotel Padowitz eine Vorbesprechung gehalten. Der hiesige Gemeindepräses Herr Spitzer begrüßte die Anwesenden im Namen der Brünner Gemeinde, und forderte sie auf einen Präsidenten zu wählen. Herr Med. vr. Stößel, Mitglied des hiesigen Vorstands wurde per Aklamation zum Präsidenten der Versammlung ernannt. Mit einer passenden Ansprache eröffnete dieser sein Ehrena mt, und bezeichnete die Gründung eines Proseminars als ein aus den Grundsätzen des Iudenthums und den religiösen Zuständen der Gegenwart hervorgehendes Bedürfniß. Herr vr. Duschak, Rabbiner in Gaya meinte, es sei vorerst nöthig die Volksschule zu regeln. Nun kamen die vom hiesigen Ministerium der Versammlung vorgelegten 7 Punkte zur Debatte. Da traten nun so verschiedene Ansichten zu Tage, und es ging so wirsch und unruhig zu, daß die Versammlung, die allen parlamentarischen Halt verlor, vom Präsidenten aufgehoben werden mußte. In einer darauf folgenden Separatversammlung bei Herrn Rabbiner vr. Brüll, der 20 Rabbinen anwohnten, entschied sich die überwiegende Majorität gegen die Ausscheidung gewisser ungeeigneter Bibelstellen beim Jugendunterrichte. Am 30. Oktober wurden die eigentlichen Sitzungen der Versammlung im Prüfungssaale des k. k. Obergymnasiums vom Schulrathe, Herrn Dr. Nowak, dem landesfürstlichen Commissär eröffnet. In seiner Ansprache sprach er seine Befriedigung darüber aus, daß der Aufforderung des hohen Ministeriums in so zahlreicher Betheiligung Folge gegeben wurde, und entwickelte die Normen, nach denen die Abstimmung statt zu finden habe. Die Versammlung rangirte sich nun nach den 3 Gruppen der Gemeinderepräsentanten, Rabbiner und Lehrer, und wurden aus der letztgenannten Gruppe die beiden Schriftführer gewählt. Der Antrag des Herrn Schulraths, dem Taubstummeninstituts - Director Deutsch aus Wien, einem geborenen Nikolsburger, die Betheiligung an der Versammlung mit Ausnahme des Stimmrechts zu gestatten, fand einstimmige Annahme. Ein weiterer Antrag des Herrn Schulraths, bei der Behandlung der eigentlichen Programmspunkte wegen der kärglich zugemessenen Zeit Generalredner pro und contra zu wählen, führte zu einer lebhaften Debatte, an der sich der hiesige Rabbiner vr. Placzek, Rabbiner Bloch aus Leipnik und der Brünner Gemeinderepräscntaut Franz Flesch hervorragend betheiligten. Die erste Frage, die hierauf zur Berathung kam, war ob eine P e nt a te u ch au s g ab e mit Ausscheidung der für den Jugendunterricht nicht geeignete Stellen zu veranstalten sei? Die Debatte hierüber wurde so tumultuarisch, und überfluthete die Dämme eines ruhigen geordneten Parlamentarismus der Art, daß diese erste Sitzung, die von 9—2 Uhr währte, ein vollständiges Abbild der gestrigen Vorbesprechung gewährte. Die Erklärung eines Rabbiners, daß er der ortodopen Parthei angehöre, wies der Landesrabbiner Placzek würdig mit der Bemerkung zurück, daß das Iudenthum der Gegenwart keine Sekten kenne, und die Trennung in Ortodoxe und Neologen keine statthafte sei. Nach langem Debattiren wurde der Antrag des Taubstummeninstituts-Direktors Deutsch, — aus jeder Gruppe 3 Mitglieder zu wählen, die als Comite über die fraglichen Punkte zu berathen haben, angenommen. Bei der Nachmittagssitzung wurde nun diese Wahl vorgenommen. Es erschienen als gewählt. Aus der Rabbinergruppe: vr. Placzek aus Brünn, Bloch aus Leipnik, vr. Feuchtwanger aus Nikolsburg. Aus der Gruppe der Gemeinderepräsentanten: Blau aus Nikolsburg, Karplus aus Göding, Wohlmuth aus Brünn. Aus der Lehrergrnppe: Bondi aus Pohrlitz, vr. Eisler aus Nikolsburg und Storch aus Boskowitz. Ueber die Anzahl der Lehrstunden in der jüdischen Volksschule resulurte der Beschluß der Versammlung, 32 wöchentliche Lehrstunden festzusetzen, und 14 davon dem hebräischen Unterricht zuzuwenden. Am 31. Oktober wurde in der Sitzung die Errichtung eines Proseminars in Berathung genommen. Herr vr. Placzek entwickelte in trefflicher Rede die Nothwendlgkeit eines solchen Instituts und skizzirte einen Organisationsplan für dasselbe in klarer Darstellung, doch auch dieser Punkt des Programms rief stürmische Debatten hervor, bis man sich endlich zur Wahl eines aus 15 Mitgliedern, je 5 aus jede Gruppe bestehenden Comites einigte. Zum Schluffe forderte Herr vr. Stößt die Versammlung auf, auf unfern erhabenen Kaiser, aus den Herrn Schulrath, als den umsichtigen Leiter der Versammlung und auf den Herrn Landesrabbiner ein dreimaliges Hoch anszubringen, welcher Aufforderung mit Begeisterung entgegengekommen wurde. Nun ergriff der Präses abermals das Wort,

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