Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1867-11-14 · 23 (14.11.1867) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
23 (14.11.1867)
Date
1867-11-14
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9050333-9088986-9051088--0772-9051096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

184' — Böhm. Leipa. Unser neugewählter aus Mähren berufener Rabbiner, Herr Dr. Müller ist am 4. d. M. hier cingctroffcn, und wurde von der Gemeinde feierlichst empfangen. Das vielseitige Wissen und der biedere Charakter des neuen Scclenhirten berechtigten uns zu den schönsten Hoffnungen auf eine ersprießliche, segensreiche Amtsthätigkeit. Nachod. Der Leincnwaarcnfabrikant und Spinnereibesitzer Herr Isaak D. Pick in Nachod, welcher im vorigen Jahre wegen seiner verdienstvollen Leistungen während der Kriegsepoche von Sr. Majestät dem Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes ausgezeichnet worden war und welcher, außer bei den seit dem Jahre 1850 beschickten Industrieausstellungen zu Leipzig, München, Paris, London, Dublin und Oporto, wo er mit Medaillen bedacht wurde, auch bei der diesjährigen Ausstellung zu Paris die silberne Medaille erhielt, hat aus Anlaß der glücklichen Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph, zur Errichtung einer Mädchenschule in Nachod 500 fl. dem dortigen k. k. Bezirksgerichte übergeben. Brünn. Unter den durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers aus Anlaß des allerhöchsten Besuches der Pariser Weltausstellung ausgezeichneten österreichischen Industriellen befindet sich auch der hiesige Schafwollwaarenfabrikant, Herr Max Gomperz, welcher den Orden der eisernen Krone 3. Klasse erhielt. Herr Gomperz erfreut sich in unserer Stadt wegen seiner Menschenfreundlichkeit und Wohlthütigkeit wie wegen seines bewährten Gemeinsinnes der allgemeinen Hochachtung, und wird die ihm gewordene Auszeichnung allerseits mit freudiger Theilnahme begrüßt. Als Mitglied der hiesigen Cultusgcmcinde-Rcpräsentanz wirkt der treffliche Mann eifrig für das Gedeihen und den Fortschritt seiner Gemeinde. Wien. Im israelitischen türkischen Tempel wurde am 8. d. M. ein Einbruckdiebstahl verübt. Nebst mehreren kleinen Geldbeträgen die sich im anstoßenden Gemeinde Zimmer befanden, wurde ans der heiligen Lade eine silberne Krone im Werthc von 2—300 fl. gestohlen. Breslau im November. Der Tod Rappoports hat hier die schmerzlichste Theilnahme hervorgerufen. — Um so auffallender war es, daß Dr. Joel in seinen Predigten an den letzten Feiertagen des großen Verlustes, den das gesammte Judenthum erlitten, mit keiner Silbe erwähnte. — Wenn der Repräsentant der hiesigen Ortodoxie, Landrabbiner Tiktin, es nicht that, so kann man sich dies allenfalls aus dem religiösen Standpunkte, den der Verstorbene einnahm, erklären. — Das Seminar hat bereits in der Predigt am Schlußfeste seinen schmerzlichen Gefühlen ob des Todes dieses großen Mannes Ausdruck verliehen. An der letzten Anstalt herrscht wieder reges Leben, da nicht bloß die „Alten" vollzählig wieder erschienen sind, sondern auch viele „Neue" den Fahnen des Seminars zugeschworen haben. — Die Vorlesungen haben bereits Dienstag den 29. Oktober begonnen.— H. K. Berlin. Am 2. Oktober kam im norddeutschen Parlament die Petition der Juden in Posen zur Sprache, worin die unbeschränkte Freizügigkeit der Juden im ganzen Gebiethe des norddeutschen Bundes angesucht wird. Der Regierungskommissär Herr von Puttkammer erklärte, daß in dieser Beziehung kein Unterschied zwischen Christen und Juden obwalte. Als am 21. Oktober die Freizügigkeit im Parlamente zur Verhandlung kam, wurde dem Gesetze ausdrücklich der Passus beigefügt, daß die Religion durchaus kein Hinderniß biethen könne — Das votirte Freizügigkeitsgesetz tritt mit dem 1. Jäner 1868 in Kraft. Die seiner Zeit in diesen Blättern erwähnte Petition der Meklenburger Juden kam ebenfalls an diesem Tage im Parlament zu Sprache. Die Versammlung stimmte den Anträgen der Petitionskomission auf volle Gleickberechtigung aller Confessionen im Norden Deutschlands bei. Der Berichterstatter Dr. Endeman äußerte: Es kann in unserer Zeit nicht mehr bezweifelt werden, daß alle Confessionen die gleichen Rechte zukommen. Die Juden erfüllen die gleichen Pflichten wie alle andern Staatsbürger und es gebühren ihnen die gleichen Rechte. * Das 5. Heft der Predigten des Herrn vr. Sachs seligen Andenkens hat bereits die Presse verlassen. Der Grund für einen neuen Tempel ist bereits angekauft und der nun schon seit mehr als einem Jahre projektirte Bau wird nun bald zur Ausführung kommen. Polen. Ein Progymnasium in Warschau ist in eine ausschließlich jüdische Lehranstalt umgewandelt und unter die Leitung eines Rabbiners aus Wilna gestellt worden, die Unterrichtssprache auch für die jüdische Religion ist die russische, und die Bibel wird ins Russische übersetzt. Auch soll ein vollständiges Gymnasium zur Ausbildung von Talmudisten und Rabbinen gegründet werden. Die Regierung hat eine Russifizirung der zahlreichen jüdischen Bevölkernng in Polen vornehmlich ins Auge gefaßt. Bukarest. Aus den Donaufürstenthümern werden leider neue Judenverfolgungen berichtet. Zahlreiche jüdische Familien werden ohne allen Grund aus ihrer Heimath vertrieben, und dem schrecklichen Elend preisgegeben. Wo bleibt der Schutz, der den dortigen Israeliten in einem Schreiben des Fürsten Karl an Sir Moses Montefiorc zugesagt wurde? Es ist die höchste Zeit, daß die europäische Diplomatie im Interesse der Humanität und der Gesittung gegen jene rohen mittelalterlichen Verfolgungen energisch einschreite. Zn Aosalia Uoöitschek's israelitischer Privat-Töchterschule Pragkleinen Ring Nro. Cons. 142 — 1 findet die Aufnahme neuer Zöglinge für das nächste Schuljahr 1867—68 statt. Das einmonatliche Honorar beträgt je nach der Klasse und den Gegenständen von 2—4 fl. ö. W. per Monat. Für Wohnung und Verpflegung nebst Unterricht von 240 bis 280 fl. ö. W. jährlich. Den P. T. Herren Altern und Vormündern vom Lande wird von der Unterzeichneten auf frankirte Briefe bereitwilligst Auskunft ertheilt, und Programme werden gratis eingesendet.^ Prag am 27. September 1867. Rosalia Robitschek Zvstitutsvorsteheriu. Druck von Senders & Brandeis in Prag.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.