Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 23 (14.11.1867)
- Date
- 1867-11-14
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9050333-9088986-9051088--0769-9051093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
181 alle Nettesten und Beamten der Indenschaft unter Pauken und Trompetenschall tractirt, und hat ferner den vor dem Judenrathhaus angesammelten Christenweibern, Taglöhnern, Geld zum Fenster hinansgeworfen. Damit aber diese Lustbarkeiten in Gottesfurcht endigen mögen, so hat Baruch Austerlitz in Anwesenheit des Oberrabbiners qua vives administrirender Prädicant in allen Judenschulen andeuten lassen: daß von 13 bis 60 Jahren den 21 Mai alle in den Schulen früh erscheinen um da gewisse Gebete für ihre kaiserliche und königliche Majestäten, als auch für den neugebornen Erzherzog beten, und den ganzen Tag über fasten sollen zur Danksagung Gott dem Allmächtigen für den Sieg und das Glück des hochlöblichen Erzherzogthums Oesterreich auch zu baldiger Wiederverleihung dergleichen hoher Geburt, bis die Zahl der Söhne Jakobs von der schönsten Rachel wird erfüllet worden sein. Amen. Correspondenzen. Lraueraudachtm für den seligen Dberrabbiner Rappoport. Prag. Die große Sensation, die der Tod Rappoports in der jüdischen Welt erregte, gibt sich auch in den vielen Tranerandachten kund, die aller Orten zu Ehren des Verstorbenen veranstaltet wurden. Aus allen Thcilen unserer großen Monarchie, wo Juden ansäßig sind, liegen Berichte über stattgefuudene Trauerfeierlichkeiten vor, und auch in sehr vielen Gemeinden des Auslands wurde auf diese Weise dem Verblichenen der Tribut der Anerkennung und Verehrung gezoltt.^Jn vielen Gemeinden wurde diese Liebespflicht bereits am Schlußfeste maty töp vor der Seelenandacht erfüllt, in andern wurde zu diesem Zwecke ein eigener Trauergottesdienst theils in älterer Form durch bloße Abhaltung einer Trauerrede, theils nach moderner Gestaltung mit Predigt und Gesang veranstaltet. Natürlich fand in Prag der Schmerz um den Heimgegangenen den stärksten Wiederhall, und so haben wir auch mehrere derlei hier stattgesundenen Trauerfeierlichkeiten zu registriren. Wir müssen es vor Allem lobend hervorheben, daß die Eultusgemeinderepräsentanz im Namen der Gesammtgemeinde einen imposanten Trauergottesdienst arrangirte, der an 2 aufeinanderfolgenden Sontagen am 3. u. 10 d. M. derart ausgeführt wurde, daß die beiden Abtheilungen sich gegenseitig ergänzten, und einen um so wirksamer» und nachhaltiger» Eindruck hervorbrachten. Die schöne Meiselsynagoge wurde als geeignete heilige Stätte für diese Andachten ausersehen, und die Herren Prediger Prof. vr. Kämpfund vr. Stein mit Abhaltung der Trauerreden und der Seelengebethe betraut. Am 3. d. M. hielt Professor Kämpf die Predigt, der das von vr. Stein vorgetragene Gebeth folgte, am 10. d. M. war wieder Dr. Stein der Redner und Professor Kämpf hielt das Schlußgebeth. Bei beiden Andachten wurden schön ausgeführte Trauerchorale abgesungen. Die beiden Predigten der trefflichen Redner brachten auf das zahlreiche alle Räume des Gotteshauses ausfüllende Publikum eine mächtige, Geist und Gemttth anregende Wirkung hervor. In beiden Reden wurde eine Eharakterisirung des Betrauerten in geistvoller Auffassung und Darstellung gebothen, und in beiden Reden dem herben Schmerze, den das Judenthum durch den Tod Rappoports empfand, ein würdiger Ausdruck gegeben. Anch in andern Synagogen Prags wurden Trauergottesdienste abgehalten. So am 31. v. M. in der Hocham 6. d. M. in der Neuam 7. d. M. in der Pinkas- und am 11. d. M. in der Klaussynagoge. Die Trauerreden wurden von den in diesen Synagogen angestellten Predigern den Herrn Singer, Or. Sonneschein, vr. Hoff, vr. Kohn gehalten. Der Raum unseres Blattes gestattet es nicht über diese Feierlichkeiten ausführlich zu referiren, wir können aber mit Vergnügen konstatiren, daß sie in entsprechender würdiger Weise stattfanden, daß sie allesammt ein zahlreiches und gewähltes Publikum vereinigten, zu dessen Erkenntniß und Würdigung der Bedeutung Rappoports die gehaltenen Reden beitrugen. R* Prag. Die gegenwärtig unter Leitung des Hrn. Religionsprofeffors Michael Adler hier bestehende Freitisch-Stiftung für arme jüdische Volks- Unter- und Oberreal-Schüler hat durch ihren Kassier Herrn Samuel Fischl und ihren Eontrollor Herrn Simon Jakob Bunzl den Ausweis über die Einnahmen u. Ausgaben vom 15. Oktober 1866 bis Ende Juli 1867 veröffentlicht. Nach demselben wurden in dem genanntem Zeiträume 3642 Mittagsportionen und 40 Nachtmahle im Gesammtbetrage von 513 fl. 88 kr. an arme Schüler verabreicht. Die Auslagen wurden durch die Jahresbeiträge der Mitglieder, durch Spenden und von den aus dem Stistungsfond pr. 1300 fl. entfallenden Interessen gedeckt. Wir wünschen dem trefflichen Vereine, um dessen Entstehen und Bestehen die Mitglieder des Eomites sich so verdient gemacht, eine allgemeine Betheiligung von Seiten unserer Gemeinde, damit er seinen rühmlichen, die allgemeine Theilnahme verdienenden Zweck durch eine erweiterte Thätigkeit fördern könne. Die an Wohlthätigkeitsinstituten wie an Wohlthätigkeitssinn so reiche Gemeinde Prags darf in dieser Beziehung gegen ihre eigene Vergangenheit nicht Zurückbleiben. Was geschah alles für arme Studiosen zu jener Zeit als Prag noch eine weitberühmte von allen Enden der Welt besuchte jüdische Hochschule hatte, wie wurden da Hunderte von armen Schülern durch die bloße Privatwohlthätigkeit erhalten? Es gab selten eine Haushaltung in der nicht arme Kinder mehrere Kosttage in der Woche hatten. Die Zeit ist nun freilich eine andere geworden, das Studium der jüdischen Jugend hat eine dem allgemeinen Bildungsdrange konforme Richtung genommen, allein mit den Bedürfnissen hat auch die Noth der Studirenden zugenommen, und eine Linderung dieser Noth ist nicht bloß Sache der Privatmildthätigkeit, sondern auch Gegenstand der Fürsorge für die Eultus-Gemeinde- Verwaltung. Danken wir den geehrten Mitgliedern des genannten Vereins für das, was sie bisher geleistet, und wollen uns der Hoffnung hingeben, daß es ihnen in der Folge gelingen werde ihrer humanitären Wirksamkeit eine noch größere Ausdehnung zu geben. R. Herrnanmestez, im Oktober. Die herbe Trauerkunde von dem Ableben Rappoports, der Sie ehrwürdiger Herr Redakteur in der vorletzten jNro. des „Abendland" einen so überwältigenden Ausdruck verliehen haben, vibrirt noch immer fort in den Gemüthern derjenigen, welche auch nur den leisesten Begriff von der Größe des Verlustes haben, den das Judenthum mit Rappoports Tode erlitten hat. In der hiesigen Gemeinde kam unbegreiflicher Weise die Trauerkunde zu spät an, als daß noch jemand von hier dem unsterblichen Todten die letzte Ehre hätte erweisen können, was sonst bei der großen Verehrung, welche der Verewigte hier genossen, sicherlich geschehen wäre. — Nichts desto weniger hat die hiesige Gemeinde das Andenken Rappoports in der erhebendsten Weise gefeiert. Unser ehrwürlige Rabbiner, Herr Samuel Rosenberg benützte nähmlich die am Schlußfeste abgchaltene Gedächtnisfeier für die Todten, um in kurzer, gedrängter Weise auseinander zu setzen, waS Rappvport durch seine großartigen Forschungen dem Judenthume geworden war.