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Das Abendland · 1867-11-14 · 23 (14.11.1867) · p. Seite 180

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
23 (14.11.1867)
Date
1867-11-14
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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180 Man soll nämlich an diesen beiden Säulen stets in den ersten 9 Tagen des Monats Ab Schweißtropfen bemerken, als wollten sie dadurch ihrem Schmerze über die Zerstörung des jerusalcmitischeu Tempels Ausdruck verleihen (Basnag. hist, de Juifs S. 1801) berichtet, daß in der Bibliothek des Dominikaner-Klosters zu Bologne eine Handschrift der hebräischen Bibel vorhanden gewesen sei, von der die Dominikaner daselbst rühmten, daß sie von Esra herrühre und dessen eigene Handschrift wäre. Jedoch berichtet der englische Bischof Gilbcrtus Burnet in seiner (Reisebeschr. 403) daß er selber dieses Manuscript gesehen hätte, allein, es sei nichts anderes als ein Bruckstück einer alten hebräischen Bibel, und obschon es nicht den zehnten Theil der Bibel enthielt, hielten die Dominikaner es dennoch für ein Ganzes und Vollständiges. Die Dominikaner daselbst erkauften es um das theuere Geld im guten Glauben daß es eine Reliquie sei. — Memorabilien der Prager Zudenschast mttgecheilt von Leopold Wolf in Prag. 6. Ein feierlicher Judenaufzug in Prag im Jahre 1716. Kaiser Karl VI. war mit Elisabeth Christina, einer Tochter des Herzogs Ludwig Rudolf von Braunschweig Lüneburg vermählt; diese gebar am 13. April 1716 einen Sohn den Erzherzog und Prinzen von Asturien Leopold, welcher aber in kurzer Zeit starb. Hernach kam die nachmalige Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1717 auf die Welt. Der jüdische Quartiermeister Marcus Marle in Prag verfaßte eine von Schotky citirte Schilderung des von den Prager Juden unter Anleitung ihres Primas Samuel Sachsel zur Feier der Geburt des Erzherzogs Leopolds veranstalteten Festes, welche den Titel führt: „Gründliche und wahrhaftige Beschreibung des zu allerunterthänigster Beehrung der lang höchstgewünschten Geburt des allerdurchlauchtigsten Erzherzogen von Oesterreich und Prinzen von Asturien Leopoldi den 18. Mai 1716 von vier Uhr Nachmittags bis gegen acht Uhr Nachts prächtig und freudenvoll gehaltenen „Juden Aufzugs" An den Adel in Prag, an die Geistlichkeit, an sämmtliche Mönchsorden, Magistratspersonen und Beamte der vereinigten Städte waren von den Judenältesten Einladungen ergangen und ihnen bequeme Plätze angewiesen worden. Musikchöre standen in den Gassen der Judenstadt viele Fenster waren mit Teppichen von Sammt- Gold- und Silbersteff behängen und mitten in der Judengasse war eine 29 Ellen hohe Ehrenpforte erbaut, auf der man den neugeborenen Erzherzog und über ihm die Taube mit dem Oehlzweige, den Patriarchen Jacob und die schöne Rachel, unter denen man den Kaiser und die Kaiserin verstand, sah. — Wolf Selig, der Schreiber und Mayer der Maler veranstalteten und leiteten den Aufzug; zuerst kamen 4 Läufer die in einer Hand einen Stab, in der anderen einen Brief hielten, und die unter Vivatgeschrei die glorreiche Geburt des Erzherzogs verkündeten, diesen folgten die bei Judenfestlichkeiten sonst unumgänglichen Schalksnarren und andere Possenreißer. Der erwähnte jüdische Quartiermeister Marcus Marle ritt vor dem Judenprimator Sachsel; dieser selbst trug einen schwarzsammetnen Rock und Schauben mit Zobel staffirt, ein jüdisches Barettel, über den Rock eine große goldene Kette mit einem goldenen Schaupfennig, in der Hand das goldene Schild Davids. Unter ihm war Selig Josel Libchowitz, der über 80 Jahre alte Gemeindeälteste, gleichfalls mit gleichen sammetnen Kleidern bekleidet; beide ritten auf mit kostbaren Schabracken und Pferdenzeug bedeckten Pferden. Bei dem Primas waren noch zwei jüdische Hayduken und hinter ihm ein jüdischer Page. Diesen folgte noch der Judengemeindeälteste Abraham Jsac Schnürdreher, dieser hielt in der Hand einen Schild auf welchem mit Gold ein „L" stand: dann kamen die jüdischen Gasseniuspectorcn Herschel Toders und Salomon Sekeles. Dann kamen die Prager Judcnschüler, dann die jüdischen Cautores und Schulsiuger, welche den 61. und 72. Psalm Davids sangen. Darauf folgte das Schild Davids, auf welchem der folgende Segen geschrieben war, den das erste mal Israel Kantor, das zweite mal Sine Klaber, und das dritte mal Mayer Perl geschworener Schreiber auf das Wohlergehen des allergnädigsten Kaisers und der Kaiserin, des Erzherzogs Leopold, und des ganzen höchstgepriesencn Erzhauses mit lauter Stimme in der Judenstadt sprechen, auf welchen allseitigcs Amen erschallte, und wobei die Geschütze am Ufer der Moldau gelöset wurden. Der Segen lautete also: „„Gott der Allmächtige, der Himmel Erde und alle Kreaturen erschaffen hat und unsere Voreltern Abraham Jsac und Jacob, Moses und Aron, die Könige David und Salomen unb auch alle anderen Könige gesegnet hat — der soll auch benedeien unseren allergnädigsten römischen Kaiser, König u. Erbherrn Carolum VI. wie auch Ihre römische Kaiserin u. Königin Elisabeth, sammt dero glücklich geborenen kaiserlichen Prinzen und Erzherzogen Leopoldum Joscphum Joannem und das ganze hochlöbliche Erzhaus Oesterreich. Gott, der soll erhöhen mehren und vergrößern den Thron ihres löblichen Königreiches und ihrer Länder; er soll beschützen, beschirmen vor allem Unheil und vor allen Verfolgungen und Gott soll ihre Feinde in ihre Unterthänigkeit bezwingen, und die Feinde sollen vor ihren Füssen fallen, auch in allen Orten und vornehmenden Streit sollen sie glücklich sein. Gott soll ihnen verleihen ein hochvernünftiges Herz zum Administriren der lieben Gerechtigkeit mit Gnade, Barmherzigkeit und Sanftmüthigkeit; sie sollen haben Glück und gute Gesundheit, auch alle selbst erlangende Wohlfahrt mit Leib und Seel zu ewigen Zeiten; ihnen mit ihren Erben und Erbs-Erben, sammt den lieben getreuen Räthen, wie auch allen dero Kriegshelden und Schaaren, wie sie immer Namen haben mögen, insgesammt 'und sonders, womit die Feinde verfolgt und dieses Königreich immer mehr vergrößert und erhoben werden soll. Hierauf sagen wir alle zugleich „Amen!" Nach den Eantoren kamen unter mit Gold und Silber köstlich gestickten Baldachine drei Judenrabbiner, nämlich Michael Wedeles, welcher die Thorarolle trug, neben ihm waren Salomon und Israel Cantor, und neben ihnen gingen 6 schwarzbärtige Männer in weißen Sterbekitteln und Sterbehauben — Dann kamen 2 große Männer die Moses und Aron darstellten, hernach ging ein Schulklopfer, wie auch 30 über 60 bis 70jährige alte Leute mit weißen Bärten in Sterbekleidern. Daun kam der wohlberühmte Judenschafts Mcdicus ordinarius Salomon Gumpert, sammt seinem Sohne Moses Ltuäioso meäieiuae in schwarz - sammtenen Doktorskleidern, Nach diesen kam der jüdische Apotheker und nach diesem alle jüdischen Barbierer, dann die jüdischen Fleischhauer, vor welchen Musicanten, nach diesen aber ein Schild und ein großer anderthalb Ellen langer schön glänzender Schlüssel getragen wurde. Die Meister waren in Sterbekleidern und hatten eine carmoasin damastene mit Gold verbrämte und mit jüdischen Inschriften gezierte fünfzehn Ellen lange Fahne aus der Altneu-Schul die ihnen Carl IV. im Jahre 1357 geschenkt hatte — dieweil die Juden — (vgl. Kohn „ein glaubwürdiges Datum Hajeks) — den Christen wider die Heiden solchen ritterlichen Beistand gethan, also wurde ihnen erlaubt eine rothe Fahne mit Davids Schild und Salomons Siegel zu führen. — Dann kam Moses Günzburg Buchhalter und Amtsprotokolist der Gemeindekassa wie die verschiedenen Schulmeister und Schüler. Während des Zuges wurde auch eine Illumination veranstaltet, so daß die ganze Judenstadt nur eine Flamme zu sein schien, wozu sich der hohe Adel und eine große Menge Zuseher cingefunden hatte. Den 20. Mai aber hat Samuel Sachsel JudenprimaS zu Prag auf dem jüdischen Rathhaus

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