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Das Abendland · 1867-11-14 · 23 (14.11.1867) · p. Seite 179

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
23 (14.11.1867)
Date
1867-11-14
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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17 y bloß Sache der Humanität, sondern der Gerechtigkeit, daß wir, die mit Freuden allen Staatspflichten Nachkommen und Gut und Blut fürs Vaterland zu opfern stets bereit sind, auch in unfern Rechten nicht verkürzt werden. Das Staatslebcn Oesterreichs ist in eine neue Phase getreten; Licht und Freiheit sind zur Anerkennung gekommen, die finstern Vorurtheile vergangener Zeiten sind besiegt. ■— Dank unserem gütigsten Landesvatcr und seiner erleuchteten Regierung steht es jetzt schon um die Emanzipation der Juden in unserem Staate bei weitem besser, als in andern, mit ihrer Intelligenz sich brüstenden Neichen. — Vertrauen wir darum der Zukunft und hoffen wir, daß auch diese unsere Wünsche bald billige Berücksichtigung finden werden. — Me Urkunden. Die Juden in Uom. Don Ludwig Lichtschein, Rabbinatsassessor in Gr. Canizsa. (Fortsetzung). Um nur jüdischen Seelen dem Schoße der katholischen alleinseligmachenden (?) Kirche zuzuführcn, wurde kein Aufwand des Pompes und Luxus gescheut. Die durch Aussicht auf Gewinn Bekehrten, wurden vom Papste und sämmtlichen Cardinälen reichlich beschenkt, mit Ehrenbezeugungen überhäuft. Es ist nun leicht denkbar, welcher Vovtheil der katholischen Kirche aus solchen Convertiten erwuchs. Hätte nicht die katholische Kirche in diesem Punkte die Lehre des vielverschrieenen Talmud beherzigen sollen: (NNLO2 bK'iP'b C’*U D‘tt>p) Doch kehren wir zur Sache zurück, und wollen uns blos aufs historische beschränken. Im Jahre 1704 trat ein Jude aus Livorno mit seiner Familie, die aus seinem Weibe und seiner einzigen Tochter bestand, zur katholischen Kirche über. Die Taufe wurde zu Rom in der Peterskirche, in Anwesenheit sämmtlicher Kardinäle, von dem damals regierenden Papst Clemens XI. in eigener Person vorgcnommen. Als Taufpathen fungirten bei dem Convertiten Cardinal Ottoboni, damaliger Staatsminister am päpstlichen Hofe, bei seinem Weibe die verwitlwcte Königin des Polcnkönigs Johann Sobjesky, und bei der Tochter der Cardinal Acciajoli damaliger Schatzmeister am päpstlichen Hose. Zu Mittag speisten die Rcubekehrten im päpstlichen Consistoriensaal, wobei der Papst, aus Freude eine jüdische Familie der christlichen Kirche gewonnen zu haben, jedes Ccremoniell außer Acht lassend, den Convertiten selbst die Speisen austrug. Nach vollendetem Mahle wurden sie vom Papst und den betreffenden Pathen reichlich mit Geschenken versehen, wurde ihnen ein Haus zu Rom zur Wohnung eingeräumt, und erhielten aus der päpstlichen Privat-Cassa 30 Scudi monatlich. — (vgl. Jovel histoire de relig. S. 138). — Papst Clemens XI. gefiel sich besonders in der Bekchrer-Rolle und obschon stets die christliche Kirche ziemlichen Zufluß von Personen erhielt, die theils vom Eigennutz getrieben, thcils durch Aussicht aus Erlangung irgend eines einträglichen Amtes ihrem Glauben untreu wurden und sich in den Arm der Kirche warfen, so war dies doch hauptsächlich unter der Regierung des Papstes Clemens XI. der Fall. — Im selben Jahre, nämlich 1704 trat ebenfalls ein Jude Namens Vitine zur katholischen Kirche über. — Die Taufe wurde am Morgen des 12. März in der Vatikans- Kirche vorgenommen, als Taufpathe erboth sich der Großherzog von Florenz, der zu dessen Stellvertreter den Cardinal Ottoboni ernannte. Der Convertite erhielt in der Taufe den Namen des Papstes und Großherzogs, nämlich Elemente Cosmo. — Der Großherzog beschenkte ihn mit einem Kreuze von Diamanten, Cardinal Ottoboni mit einem werthvollen Ring, die Königin von Polen mit einer kostbaren Uhr von Diamanten, Herzogin Mattei mit einem Edelstein vom Papste aber erhielt er eine kostbare Krone und einen Orden (vgl. das. Ton. S. 139) R. Benjamin Tudela I. in seinen Reisebeschreibungen S. 10 berichtet, daß des Papstes Alexander III. (um 1161) Gütervcrwalter und Haushofmeister ein Jude Namens R. Jechiel gewesen. Es gehörte dieß aber nicht zu den Seltenheiten, da nach Meinung mehrerer Autoritäten die Juden mit Recht zu den wichtigsten Staatsämtern in Rom zugelassen werden durften, indem sie genannt werden könnten, „Treue Unterthanen der römischen Kirche." Der berühmte päpstliche Jurist Marcus de Susanis in seinem Werke (de Judaeis S. 180) sagt: Judaei dicantur, seu dici possunt, fideles et devoti Sanctae Romauae Ecclesiae, si nobiscum pacifice versantur et vivunt, quia ejus protectioni 86 subjiciunt, et misericorditer ad ea sustinentur, et eis contumelia inhibetur fieri etc.“ d. h. die Juden werden genannt oder können genannt werden, Treue und Ergebene der h. röm. Kirche, wenn sie friedfertig mit uns verkehren und leben, weil sie sich ihrem Schutz unterwerfen, von ihr mitleidig erhalten, und vor Schmach geschützt werden. — Ueberhaupt waren die Juden in Rom zur Regierungszeit des Papstes Alexander III. zu großer Macht und Ansehen daselbst gelangt (vgl. Basnage hist de Juifs S. 1646) Papst Leo X. im Jahre 1521 ernannte einen Juden zum päpstlichen Nuntius am baierischen Hofe (vgl. Epist. de Guaverra S. 24) woselbst es heißt: Ich habe auch mit dem päpstlichen Nuntius um ihre Heiratsdispensation gesprochen, dieselbe wird ungefähr 60 Dukaten kosten. Weil er aber ein Venetianer und ein Jude ist, so will er die Dispensation nicht eher unterfertigen, bis er nicht das Geld in Händen hat. So unglaublich und unwahrscheinlich es auch klingen mag, daß ein Jude das Amt und die Würde eines päpstlichen Nuntius bekleidet hätte, um so nnwahrscheinlicher scheint die Angabe in (Seser Chasioim S. 83) daß ein Jude, Namens Elchanan aus Mainz sei römischer Papst geworden« — Es ist daselbst auch nicht angegeben die Zeit, um welche er ungefähr regiert, noch der Name den er als Papst geführt haben soll, mithin ist nach der Reihenfolge der Päpste, die uns aus der Geschichte bekannt ist, kein Beweis dafür zu deduciren. — Es wird daselbst folgendermaßen erzählt: Als R. Simon, gewesener Rabbiner zu Mainz, am Sabbate in der Synagoge sich befand, kam eine Christenfrau ins Haus, die am Sabbat stets den Heizer-Dienst versah, nahm daS 2 Jahre alte Söhnchen des R. Simon, Namens Elchanan mit sich, führte es in ein Kloster, woselbst es erzogen und unterrichtet wurde. Der jüdische Knabe brachte es durch sein Talent zum Cardinal, und wurde bei der Papstwahl zum Papst ernannt. Da ihm nun sein jüdischer Ursprung entdeckt worden sei, erließ er an den Erzbischof zu Mainz den Befehl strenge darüber zu wachen, daß die Juden daselbst weder die Sabbathruhe halten, noch die Beschneidung ihrer Kinder vornehmen dürfen. Diese 2 Dinge bilden, wie bekannt den Herd des Judenthums. Er hatte es darauf abgesehen, daß die Juden daselbst sich in Folge dieses strengen päpstlichen Befehls sich veranlaßt sehen werden, eine Deputation an den Papst zu senden unter dessen Mitgliedern doch auch sein Vater der Rabbi sein dürfte. Er täuschte sich auch in dieser seiner Berechnung nicht. Die Juden zu Mainz sandten eine Deputation mit dem Rabbi Simon an der Spitze an den Papst, um die Aufhebung dieses strengen Befehles zu erwirken. Als die Deputation nun im Vatikan anlangte und in den Audienzsaal geführt wurde, gab sich der Papst seinem Vater als sein einst verlorenes Kind zu erkennen, entfloh mit ihm heimlich nach Mainz, und kehrte zum Judenthum zurück. — Diese ganze Erzählung gehört allerdings ins Bereich der Fabel. — Ebenso unwahrscheinlich scheint der Bericht des berühmten Reisenden R. Binjamin Judela I. in seinen (Reisebcschr. S. 13) zu sein. — Er berichtet nämlich daselbst, daß zu Rom in der Stefanskirche 2 Säulen angebracht seien, die vom jcrusalemitischen Tempel herrühren, und vom König Salomo angefertigt wurden. 23*

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