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Das Abendland · 1867-10-31 · 22 (31.10.1867) · p. Seite 173

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
22 (31.10.1867)
Date
1867-10-31
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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verstorbenen Seelcnhirten die letzten pietätsvollen Liebesdienste zu erweisen, nicht fassen, und die Menschenmenge, die sich im Vorhause, auf den Treppen und bis zur Gasse herunter anhäufte, machte es den fortzuströmenden Massen fast > unmöglich ins Innere des Hauses zu gelangen. Dem geehrten Vereinsvorstande gelang es trotz dem musterhafte Ordnung zu erhalten und die Betheiligung aller Vereinsmitglieder an dem frommen Liebesdienste zu ermöglichen. Nachdem dieser Theil des Leichenceremoniels beendigt war, hielt der Gymnasial-Religionslehrer, Herr Michael Adler, eine alle Anwesenden tief erschütternde Leichenrede. Auf den Vornamen des Verstorbenen hindeuteud, gab der wackere Redner einigen Bibelversen ans der Geschichte des König Salomo eine passende Deutung, besonders beifällig wurde die Symbolisirung des bekannten salomonischen Urtheils ausgenommen. Zur festgesetzten Zeit setzte sich der Leichenzug vom Trauerhause aus durch die belebtesten Strassen der Stadt in Bewegung. Eine Menschenmenge, die nach Tausenden geschätzt werden müßte, folgte dem Sarge. Das jüdische Prag nach allen seinen Ständen und Schichten war fast vollzählig anwesend; es ist überflüssig einzelne Persönlichkeiten hervorzuheben. Trotz des für weitere Reisen wegen des eintretenden Sabbath und der darauf rasch folgenden Festtage ungünstigen Zeitpunkts waren zahlreiche Gemeinden aus der Provinz durch Deputationen vertreten; auch die jüdische Landcsrepräsentanz hatte ihre Abgeordneten geschickt. Die Wiener Gemeinde war durch ihre geistlichen Vorsteher den Herrn Rabbiner Horowitz und Prediger Dr. Jellinek repräsentirt. Ueber 100 Wagen folgten dem unübersehbaren Zuge, den der von 6 Pferden gezogene Galla-Leichenwagen eröffnete. Auch die christliche Bevölkerung der Stadt hatte sich glänzend betheiligt. Man bemerkte den edlen Bürgermeister Herrn Dr. R. v. Belsky nebst vielen Stadtverordneten, viele Professoren, Gelehrte, hochgestellte Beamte und angesehene Bürger, mit einem Worte, es war ein Leichenconduct, ganz des großen Mannes würdig, dessen Verlust die allgemeine Theilnahme hcrvorrief. Auf dem Gottesacker wurden die üblichen Bestattungsceremonicn vorgenommen, und es blieb den beiden ehrwürdigen von der Gemeinde der Residenz entsandten Vertretern noch Zeit in kurzen Leichenreden den allgemeinen Schmerz über den großen Verlust, den das gesummte Judenthum durch den Tod Rappoports erlitten einen beredeten in das Herz der Zuhörer tief eindringenden Ausdruck zu geben. Zuerst sprach der greise Rabbiner Horowitz. Seine schöne, schlichte aber geistvolle Rede brachteeinen tiefen Eindruck hervor; ihm folgte ein bekannter Meister in der jüdischen Homiletik, Herr Dr. Jelinek. Seine Rede war nach der gebothenen beschränkten Zeit sehr kurz, aber sie war in wahrem Sinne des Wortes glänzend. In wenigen markigen Zügen gab der treffliche Redner ein plastisches Bild des Verblichenen, dessen hohe Stellung in der jüdischen Wissenschaft er lebhaft zur Anschauung brachte. Die letzte Schaufel Erde deckte das Grab eines unvergeßlichen Mannes, die letzten Gebethe wurden in das geschlossene Grab geschickt, und die Menge kehrte zurück von dem heiligen Orte der Todtenruhe, doch jeder der zurückkehrenden trug den Schmerz im Herzen und das klare Bewußtsein, daß Israel einen seiner größten Männer verloren hat. Dieser Schmerz wird noch lange in den jüdischen Gemeinden einen tiefen Wiederhall finden. Bereits am 20. d. M. wurde bei der Seelenandacht des Festtages in zahlreichen Gemeinden mit Wehmuth des Verblichenen gedacht, und sowohl in den hiesigen Synagogen als in auswärtigen Gemeinden werden eigene würdige Trauerfeierlichkeiten vorbereitet. R. Prag. (Literarisches) Herr Smolenskin, dessen hebräischen Schriften in der vorletzten Nro. unseres Blattes Besprechung fanden, und der sich gegenwärtig in unserer Stadt befindet hat dieser Tage ein allegorisches Trauergedicht und einen elegischen Nachruf in Prosa auf den seeligen Rappoport veröffentlicht. Beide kleinen Piecen sind in einem sehr fließenden Hebräisch geschrieben. Der Vers, kann zu den vorzüglichsten hebräischen Stylisten gezählt werden. Die Idee der Dichtung ist nicht neu. Weisheit und Tugend umstehen schützend das Sterbebett, können aber gegen den unerbittlichen Tod, der nicht einmal auf die koncretej Gemeinde Prags, bei der die ätherischen Personifikationen Sukkurs suchen, nicht viel ausrichten. — Er ist überdieß ganz unschuldig, dieser so verpönte Tod, er übt nur seines Amtes, und will ja nichts mehr als den gebrechlichen Körper. — Man sieht, es steckt nicht viel Poesie in dieser Dichtung. Der Uebersetzer des Carmen's, Herr S. Heller, gibt sich genug Mühe, das Original mit poetischem Anhauch zu umduften, doch will es ihm dießmal weder mit dem Inhalt noch mit der Form recht gelingen. Die letztere leidet an mancherlei Härten. Ausdrücke wie: „auf zur Himmelsklause führt ihn der Weg" haben von der Poesie eben nur die Licenz. Auch der prosaische Nachruf des Herrn Smolenskin hat Ueberfluß an Phrasen, Gedanken konnten wir wenig herausfinden. Wir wissen eigentlich nicht in welches acstetische Genre wir diese letztgenannte Arbeit rangiren sollen. Ist sie eine Leichenrede, eine Homilie, eine biographische LlluSie? Möge der Herr Verfasser uns verzeihen, wenn wir mit der Bezeichnung „Nachruf" seine Intention mißverstanden haben. — Von dem Werke „die Schrift des Lebens von Dr. Leopold Stein ehemaligem Rabbiner in Frankfurt a. M., sind die 2 ersten Lieferungen (September und Oktober) bereits erschienen. Nach einer längern „Eingangspforte" bezetchneten Einleitung über Geist, Entstehung und Ziel des Werkes, wird die Eintheilung desselben in Lehre, Gottesverehrung und Sittengesetz motivirt, und die Bezeichnung dieser Theile mit Licht, Leuchte, Weg, gerechtfertigt. Der Schluß dieser Hefte bringt bereits den Anfang des „Lichts" dichterische Phantasie Reichthum der Gedanken und eine glänzende hinreißende Sprache sind Eigenschaften, die wir an dem Verfasser gewöhnt sind, die sich auch in diesen beiden Heften kundgeben. In einzelnen Stellen tritt uns der begabte Redner, in andern, der geistvolle Dichter entgegen, überall versteht es der Verfasser das Interesse des Lesers zu erringen und zu fesseln. Wir folgen ihm mit Theilnahme, wenn er uns die Entwicklung, den Kampf und den Sieg seines Geistes mit lebhaften Farben schildert, wir hören es gerne, wenn er uns seine Lebensereignisse vorführt, und sie uns im Lichte eines höhern geististigen Strebens erscheinen läßt. Doch können wir es bei all dem uns nicht verhehlen, daß uns der wissenschaftliche Gang, die Methode der Behandlung durch diese beiden Hefte nicht zur klaren Auffassung gebracht werden konnte. Der Conflikt zwischen Lehre und Leben, der den eigentlichen bewegenden Hebel zu dem edlen Geisteskampf des Verfassers bildet, ist so alt als die Lehre selbst, und unter welchen Conditionen und Concessionen ein Ausgleich zwischen den widerstrebenden Elementen zu Stande gebracht werden kann, hat bis jetzt noch nicht den Versuch einer Lösung erfahren. Freilich wenn der eine Theil seine ganze Berechtigung aufgibt, seinen Ansprüchen entsagt, ist der Friede vollständig hergestellt, aber dann ist es kein Ausgleich mehr, dann ist es ein Aufgebcn der Existenz, dann ist es eine unbedingte Eapitulation. Um so neugieriger sind wir auf die Anschauungen des geehrten Verfassers die er in dem 2. Theile seines Werkes — „die Leuchte" entwickeln wird. R. Teplitz. Die mexikanische Frage, die Luxemburg-Frage, die Concordats-Frage, die römische Frage, alle diese brennenden Tagcsfragcn, theils sind sie schon, theils werden sie bald erledigt sein und nur eine Frage gibt es noch, die zwar schon öfter angeregt, aber leider noch nicht Aussicht hat baldigst erledigt zu werden — die ist: Unsere Tempelbausrage. In Teplitz in der großen Badestadt gibt es ein jüdisches Gotteshaus, reete Gottesstube, die auf keine Art und Weise den Ansprüchen einer durch Zuwanderung in den letz.

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