Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 22 (31.10.1867)
- Date
- 1867-10-31
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu bewundern ist auch bei diesem Punkte die Consequeuz, die der Herr Verfasser auch hier betrachtet hat. Während er die Mondesviertel zur rechten Zeit und am gehörigen Orte verzeichnet, lässt er die ersten Neumondtage bald einige Tage bevor, bald einige Tage nachdem der Mond seinen Verjüngungsprozeß überstanden, vorangehen oder Nachfolgen." — Älte Urkunden. Aie Juden in Aom. HVon Ludwig Lichtschein, Rabbinatsassessor in Gr. Canizsa. (Fortsetzung). Wenn der Papst einem Inden Audienz ertheilte, so geschah dies nicht in dem gewöhnlichen Audicnzsaale, sondern im Vorgemach; auch durfte der Jude bei der Andienz nicht wie allgemein üblich die Füße des Papstes küssen, sondern wenn der Jude sich zu den Füßen des Papstes bückte, zog dieser seinen Fuß zurück, und der Jude mußte die Erde, woraus der Fuß des Papstes gestanden, küssen. Diese Ausnahmsgesetze für die Juden bei der Audienz sind vom Papst Urban VIII eingesührt worden, und zwar wie Zimmermann in seiner Gesch. der Philolog. S. 312 bemerkt „non a libris instructus, non a Magistro rituum monitus, sed coelitus illuminatus etc.“ d. h. (Als cmsl die jüdischen Vorsteher zu Rom bei Papst Urban VIII. erschienen zur Audienz, um über die immensen Abgaben Beschwerde zu führen, hat er diese Ccrvmonie eingeführt) „er lernte es nicht aus den Büchern, ncch von dem Ceremonien-Meister erinnert, sondern vom Himmel erleuchtet. — Bei jeder neuen Papstwahl, so der ueugcwählte Papst nach üblicher Sitte und Herkommen in einer solennen Procession in der St. Laterans Kirche erschien, mußten die zu Rom wohnenden Juden, bis zum Berge Jordan (mons Jordanum) entgegen gehen, daselbst aus die Knie fallen, und eine Thora-Rolle, die der Vorsteher in Händen hielt, dem Papst anbietcn, der ihnen dann mit den gewöhnlichen Worten autwortete: „Sanctam legem, chari Hebraei, et laudamus et veneramur, utpote quae ab omnipotenti Deo per manus Moisi patribus vestris tradita est: 0bservantiam vero vestram et vanam interpretationem damnamus utque improbamus: Quia Salvatorem, quam adhuc irustra expectatis, Apostolica fides jampridem advenisse docet et praedicat Dominum nostrum etc.“ d. h. Liede Hebräer! Das heilige Gesetz loben und ehren wir, da es von dem allmächtigen Gott durch Moses Hände eueren Vätern gegeben würbe: Eure Haltung aber und Auslegung verdammen und verwerfen wir, weil der apostolische Glaube lehrt, daß der Erlöser, auf den ihr vergebens wartet, schon längst gekommen, nämlich Ehr. — Diese Cerernvnie leitet ihren Ursprung wahrscheinlich vom Papst Jnocentius II. her; als er nämlich im Jahre 1246 nach Frankreich entfloh und in Paris seinen Einzug hielt, trugen ihm die daselbst wohnenden Juden, als ihrem Gönner, eine Tho- , rarolle entgegen, wobei sie eine hebräische Ansprache hielten. Der Papst dankte den Juden für diese Aufmerksamkeit, nahm die ihm angebotcne Thora-Rolle freundlichst entgegen, und erwiderte in lateinischer Sprache „Auferat Deus etc.“ d. h. Gott möge die Decke wegnehmen, die sie verhindere das zu sehen, was in diesem Gesetz enthalten ist. (Vgl. Basnage histoire de Juifs. s. 543. — In der anonymen Reiscbeschreibung des Kirchenstaats S. 306 findet sich folgende Schilderung bei der Thronbesteigung des Papstes Jnoccncius XII. im Jahre 1692. Als nämlich Jnnocentius XII. am 13. April 1692 in der St. Lateran Kirche unter solenner Procession seinen Einzug hielt, errichteten ihm die zu Rom wohnenden Juden auf dem Platze des Ampbiteatro Titi Vespasiani einen prachtvollen Triumph-Bogen. Sie überreichten ihm daselbst die Gesetz- Rolle, .mit der üblichen hebräischen Ansprache. Der Papst sprach ohne Ertheilung seines Segens folgende Worte: „Legge buona ma popolo maledetto d. h. das Gesetz ist gut, aber das Volk ist verflucht. Der Triumphbogen war mit passenden Bibelstellen geschmückt, welche Glückwünsche und Anspielungen aus das Wappen und die Thaten Jnoceutius XII. enthielten. An dem Eingänge des Triullipfbogens stund folgender Spruch: (-|rm3 nn« inm ,"«22 nnx -pna) Deut. 28. 6. d. h. „gesegnet sei dein Ein- und Ausziehen." Ferner der übliche Priestcrsegen (Num. 6. 24). „Es segne dich der Herr und behüte dich etc. Auf der einen Seite waren 3 Töpfe angebracht, welches das Wappen Jnoceutius' XII. bedeutete, und auch sein früherer Name, Antonius Pignatelli (Tops) war. Es waren hier folgende Sprüche angebracht: (Ecl. 10. 17) px nt?« etc. Heil dem Lande, dessen König von edlem freiem Stamme ist. — Ferner, (Exod, 16, 3) Bei den Fleischtöpfen werden sie zur Genüge Brod haben. An dem Triumphbogen war ferner ein Bild der Unschuld angebracht, und unter dem Bilde waren zu lesen die Bibelstellen (2 Sam. 3. 28.) „Ich bin unschuldig (innocens-unschuldig) und auch mein Reich. Ferner (Hiob 4, 7.) Wo ist je ein Unschuldiger umgekommen. Unter dem Bilde der Gerechtigkeit standen die Worte (2 Sam. 3. 28) Du liebst Gerechtigkeit und hassest Ungerechtigkeit, darum hat dich dein Gott gesalbt etc. — Unter dem Bilde der Gütigkeit sah man die Worte (Proverb. 14, 21.) „Wer dem Elenden Gunst erzeigt, dem wird es gut gehen. Es waren noch ferner verzeichnet Sprüche mit Symbolen 'der Mildthätigkeit, Vorsichtigkeit, Weisheit etc. Am Schlüße war noch ein sinniger Spruch für die Gnade angebracht. Am Ausgange des Triumphbogens befanden sich die hebräischen Worte „"sNXL2 nnx P12 Gesegnet sollst du sein beim Ausgange. ■— In späterer Zeit erließ jedoch Papst Gregor XIII. den strengen Befehl, daß sämmtliche Juden sowohl in päpstlichem Gebiet als auch die zu Avignon wohnenden verpflichtet seien, alle Wochen eine christliche Predigt anzuhören, um auf solche Weise der katholischen Kirche Seelen zuzusühren. Es ist nur zu bekannt, wie dieß Mittel der Seelensängerei sich bewährte. Dieser päpstliche Befehl, da er wohl geeignet war, äußerlich einige halbbekehrte Heuchler der Kirche zu gewinnen, wurde auch auf Städte außerhalb des päpstlichen Gebietes ausgedehnt. So waren die Juden zu Venedig, Prag, oc. gehalten, wöchentlich mindestens eine christliche Predigt anzuhören, (vgl. Erenius F. 36) Es wurde zu Ferrara in Italien ein eigenes Institut gebildet, wo blos Prediger zu diesem Zwecke herangezogen wurden, die den Titel Judenprediger sühnen, wie die Predigten derselben Judenpredigten genannt wurden. Zu Rom selbst ließ Papst Gregor XIII zu diesem Zwecke eine herrliche Kirche erbauen, und bestellte hiezu den Pater Josephus Florentia, welcher jeden Samstag zwischen 1 und 2 Uhr in Gegenwart der daselbst versammelten Juden aus den Propheten eine Predigt hielt. Diese Kirche war nahe dem Ghetto erbaut, es befanden sich in derselben weder Gemälde noch Bilder, und waren hiezu Aufseher bestellt, welche genaue Eontrolle über sämmtlich zu erscheinende Juden führten. Diese Aufseher gingen mit Stangen in der Kirche umher, untersuchten auch während der Predigt die Ohren jedes Einzelnen, um sich zu überzeugen, ob solche nicht vielleicht mit Baumwolle verstopft seien. (Vgl. Miß. Kirchengesch. S. 617) So weit ging also die katholische Bckehrungseiser. — Abgesehen von diesen Mitteln, die durchaus dem gewünschten Zwecke nicht entsprachen, ergriff man noch andere wirksamere, um dadurch der gehofften Seelenfängerei weitern Spielraum zu geben, jedoch auch diese fruchteten nicht. So erließ Papst Paul III. im Jahre 1542, wie auch schon vor ihm Alexander III. und nach ihm Papst Clemens V. Verordnungen, welche das bisher übliche Gesetz, den Convertirten nämlich ihre Güter abzunehmen, aufhoben. Ferner wa- 22*