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Das Abendland · 1867-10-31 · 22 (31.10.1867) · p. Seite 170

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
22 (31.10.1867)
Date
1867-10-31
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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welcher sein Volk Israel aus Egypten erlöset, welcher seine zehn Gebote auf dem Berge Sinai gegeben. — durch Anrufung des himmlischen Gerichtes und des jüdischen Gerichtes auf Erden, und mit Erlaubniß des obersten Rabbis sollen sein verbanneöeit und verflucht Mann oder Weibsperson, wie die Berbannedeiung und Verfluchung von dem Sohne Jsaks geschehen da er hat verbannedeiet die Stadt Iericha mit 613 Fluchungen: —- —- daß, welcher zu dieser jetzt künftigen neuen Rathswahl in der Judenschaft zu Prag elnigerlei Factioncs, Zusammen-Verbindung, heimliche Praktiken, schriftliche, mündliche oder andere Listigkeit anstiften oder Jemanden .dazu Andeutung geben möchte, es sei in was für Gestalt es wolle, von allem, was der Mund reden und das Herz erdenken könnte, sey, er that es selbst oder ließ es durch Jemand Anderen thun. — solches Alles soll bei obbemeldeter Verbannung und bei Straf aller Verfluchungen, so in den fünf Büchern Moises begriffen seyn, abgethan, cassirt und aufgehoben werden. Wofern nun Einer oder mehr, es sei Mann oder Weibsperson, dem zuwider thäte: so soll der oder diejenige verflucht, verbannedeiet und wie Korach, Dyshan und Abiron versunken werden, Gottes Straf, die Aussatzkrankheit solle auf ihre Herzen behaften, wie die scharfen Pfeile: Gott der Allmächtige solle ablöschen ihren Namen unter dem Himmel, und sollen abgesondert sein zu allem Bösen von allem Geschlecht des Volkes Israel: Gott solle sie plagen mit schwerer Pein und ihre Gesundheit und Leben sammt der ihrer Weiber und Kinder verkürzen. Diejenigen Juden aber so sich in dergleichen Sachen oder Factiones, Mannes oder Weibsperson, nicht gebrauchen lasten, und keine Aufwicklerei anspinnen, Gott und ihr Gewissen vor Augen haben; alle Privat-Affecten Feindschaft, Neid und Haß bei Seite setzen und die Gemeinde zu verderben nicht gemeint sind; sondern ehrliche wohlverhaltene Leute, so der Gemeinde fürstehen können, zu diesem Acte benennen — dieselben sollen beschützet und beschirmet werden vor allem Bösen und vor obbesagter Verfluchung. Gott der Allmächtige wolle ihnen allen Segen versichern, der in den fünf Büchern Moises begriffen; er wolle ihnen sammt Weibern und Kindern langes Leben und Gesundheit verleihen, sie sollen Glück und Heil haben und Gott wird ihnen alles Gute geben. Amen. (Unterzeichnet:) Rabbi Israel Brandeis, ältester Primas. Rabbi Simon Bonatus, Acltester. Rabbi Simon Jeiteles Aeltester. Rabbi Joel Karpeles, Gemeinältester. Wentura Sax, Gemeinältester. Herschel Lazar, Gemein-Aeltester, David Kohn, Beisitzer, Salomon Moises, Schreiber-Beisitzer. Bernhard Hanta, Beisitzer. Abraham Fadels, Beisitzer. So finden wir hierarchischen Terrorismus hinübergreifend in die Privatrechte der Einzelnen, die seine Willensäußerung der Gemeindemitglieder hemmend, und mir geistlichen Waffen die Willkühr der weltlichen Macht unterstützend; denn dem Banne, — und in diesem Falle der vom Banne beeinflußten Wahl fügte sich ein Jeder, wollte er nicht wie Grätz V S. 152 es schildert, seine innigsten Freunde von sich verscheuchen, und vereinsamt stehen mitten des Judenthums, das ihn wie einen Ausgestoßenen behandelte. Denn Niemand durfte mit ihm geselligen Umgang pflegen, wenn er nicht derselben Strafe verfallen wollte. Die Kinder der Gebannten sollten aus der Schule und seine Frau aus der Synagoge gewiesen werden. Die Bekanntmachung des Bannes wurde an das Gerichtsgebäude angeheftet und an die Gemeinde mitgetheilt. Kalenderstudirn. Die verspätet erschienene Julinummer der Blätter für Stenographie aus Böhmen bringt in ihrem Feuilleton folgenden Aufsatz: Kaum haben wir die erste Hälfte des Jahres 67 hinter uns und von neuem werden schon wieder die Fragebogen an die Körperschaften und Vereine unserer Knnst ausgesandt; denn das königlich stenographische Institut geht in seiner rastlosen Thätigkeit und in seinem regen Eifer für unsere schöne Sache schon wieder ans Werk frisches statistisches Material fürs stenographische Taschenbuch auf das Jahr 68 zu sammeln. Werfen wir bevor noch das neue Jahrbuch den Druck der Presse zu fühlen bekommen hat, einen aufmerksamen Blick auf das Taschenbuch pro 67, so finden wir, daß dieses recht nett und geschmackvoll ausgestattete Merkchen trotz den vielen Hindernissen, welche seinem Entstehen in den Weg traten durch eifriges Zuthnn des genannten Instituts zur allgemeinen Befriedigung des stenographischen Publikums ausgefallen ist. Aber weniger Ursache zur Befriedigung haben jene unserer Kunstgenüssen, die auf Anrathcn mehrerer Fachblätter sich dieses Werkchen als „Kalender" zu bedienen wünschten, und unter diesen am wenigsten die jüdische Confeffion. — Diese haben am meisten Ursache gegen den Verfasser des Kalendariums Klage cinzulegcn— denn nicht nur daß er ihnen vorschrieb schon am Vorabende des 31. März ihr Ostermahl zu bereiten und ei ihnen auf diese Weise unmöglich machen wollte, die Pfingstfeiertage mit ihren nichtjüdischen Brüdern gemeinsam begehen zu können, gebietet er ihnen sogar am 15. Ab. (was aber nicht am 22. Juli sondern am 16. August fiele) ihren Körper mit Fasten zu traktiren und die Jeremiadcn anznstimmen; — aber so viel wir in der Geschichte des Judenthums cingemeiht zu sein uns schmeicheln, ist weder der Salomonische noch der zweite Tempel zu Jerusalem am 15. d. M. zerstört worden. Dabei geht aber der Herr Verfasser nicht ganz ohne Vorsicht zu Werke, und um die Söhne Judas mit feinem außerordentlichen Fasttage nicht zu sehr zu überraschen, beschenkt er sie vorher den 10 Tamu; mit einem etwas mildern Bnßetag; doch zweifeln wir, daß selbst durch Abhaltung dieser beiden „außerordentlichen" sich „Zion" aus seinen Trümmern erheben würde.— Ob die Israeliten des schönen Sachsenlandes sich an diesem modernen Kalendarium halten, lässt sich nicht bestimmen, aber bei uns in Österreich brechen sich „derartige Neuerungen sehr schwer Bahn und es dürfte höchst wahrscheinlich wieder beim Alten bleiben.-Zu bewundern ist bei'dicser Gelegenheit die weise Vorsicht des Verfassers des Tirolers Stcnographenkalenders, er stellte es bei Abfassung seines Kalendariums weit klüger an. indem er das „auserwühlte Volk" ganz aus dem Spiele läßt und es auf diese Weise zu verhüten versteht solche Wirren heroorzubringen, die unwillkührlich an jene kopflose Zeit von anno „1866" erinnern.- Ja, freilich kann man cs der ganzen Welt nicht recht thun, und was der Eine tadelt, das lobt sich oft der Andere. So dürfte unser „liebe Mond" sich ganz wohl in dem Wahne fühlen seinem Gebieter „Sonne" auf so leichte Weise einen Vorsprung von etwa ungefähr 20 Tagereisen abgewonnen zu haben. Das ist aber nur ein „falscher Wahn." Der Mond der das edle Bestreben hat wo möglich der Menschheit Beleuchtung zu geben, befindet sich über seine eigene Lage ziemlich im Dunkeln uud scheint nicht zu wissen, daß er seinen „Marsch" von 66 in unserem Kalender noch einmal ausgenommen hat, gleich einem „Studiosus," der das Studienjahr zu wenig gewissenhaft benützte und in Folge dessen seine Examen schlecht bestanden hat. — Aber unser "Studio" aus den höhern Regionen hat gewiß im 2. Semester des unheilvollen Jahres 66 aufmerksammere und interessantere Betrachtungen gemacht als je zuvor; doch hätte er vielleicht dem Herrn „N" bei „N" wie einst dem „berühmten Feldherrn des Alterthums" bei „Ajalon" zum Siege verhelfen sollen, und „Strafe muß sein" sagte einst ein alter Schulmeister und aß seinen Schülern gewöhnlich das Butterbrod vom Munde weg, welches sie in die Schule mitbrachten.

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