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Das Abendland · 1867-10-31 · 22 (31.10.1867) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
22 (31.10.1867)
Date
1867-10-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Uro 22. Mag den 31. Oktober 1867- IV. Zahrg. zeitgemäße» I«teresse« des I«-e«'th»ms. Pränumcrationsbetrag ganzj. 3 fl., hallijahrig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus für's Ausland ganzj. 2 Thlr. halvj. l Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigentümer und verantwortlicher Redakteur A- LhrMWN. Erscheint alle 14 Tage und zwar jeden 2. Donnerstag. Administration Breite Gaffe Nr. 109^L> Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Die Juden in Asien, Afrika, und Australien. — Memorabilien der Prager Jndenschast. — Alte Urkunden. — Das jerusalemitische Targum. — Correspondenzen.- Prag, Teplitz, Gallizien, Breslau. — Notizen: Prag, Brünn, Wien, Berlin. Hambura. Odessa, Smyrna, Ncu-Aork. — Inserate. Die Juden in Afrika, Asten und Australien. (Fortsetzung.) Die arabischen Juden nähren sich größtenteils von Pflanzenspeisen. Fleisch wird schon aus dem Grunde wenig gegessen, weil die Mohamedaner von einem von Juden geschlachteten Thiere nicht essen, daher auch die Juden den nach rituellen Vorschriften verbotenen Theil des Viehs, so wie diejenigen Stücke, bei denen nach der Schlachtung ein den Genuß störendes Gebrechen (.ns^rr) gesunden wird, nicht vekausen könnten. Beim Vorlesen aus der Thora liest jeder Vorgerufene selbst die ihm zukommende Lektion, wie dich zur Zeit des Thalmud üblich war; auch besteht noch das Institut des Uebersetzers (Meturgeman). Ein Knabe von 9—10 Jahren übersetzt sogleich jeden vorgelesenen hebräischen Satz ins Arabische. Sie haben eine eigene Aussprache des Hebräischen, die weder der spanischen noch der polnischen ähnlich, und daher für den Fremdländer fast unverständlich ist. Sie haben eine eigene Gebethordnung, die häufig von der unsrigen abweicht; beim Tachnugebeth werfen sie sich täglich zu Boden, wie es bei uns nur am Neujahrs- und Versöhnungstage vorkömmt. Vor dem Eintritte in der Synagoge legen sie die Fußbekleidung ab. Beim Essen haben sie nicht wie wir Messer und Gabel, sie bedienen sich ihrer Hände; ihre Kleidung ist ganz eigenthümlich, sie tragen keine Hosen, sondern umhüllen sich den Unterleib mit einer Decke die zugeschnürt wird. Salbungen des Körpers, deren der Thalmud öfters erwähnt, werden bei ihnen täglich vorgenommen, sie schmieren sich Hände, Füße und auch den ganzen Körper mit gekochter Butter. Von Aerzten wissen sie nichts, ihre Krankheiten suchen sie durch abergläubische Beschwörungsmittel zu heilen. Es sind auch unter den Juden viele solche mystische Heilkünstler, bei denen sich selbst die Mohamedaner in Krankheitsfällen Raths erholen. Die Frauen sind in der Regel sehr arbeitsam, sie gehen ganz verhüllt, und selbst bei Mädchen darf das Haupthaar nicht gesehen werden. — Frühzeitige Ehen und daher auch Ehescheidungen sind an der Tagesordnung. Das jüdische Mädchen in Arabien wird förmlich zur Ehe verkauft, der Bräutigam zahlt dem Vater der Braut eine nach dem Stande und Werthe des Objekts vereinbarte Summe, und es ist eine Schande für das Mädchen, wenn für sie nichts gezahlt wurde. Polygamie ist wie im ganzen jüdischen Orient gestattet. Ihre Zeitrechnung ist nach der seleucidischen Aera. Bei Ehescheidungen beobachten sie nicht viele zeremonielle Förmlichkeiten wie die europäischen Juden; sie haben fertige Formulare, die sie beim Bedarf mit dem Namen ausfüllen. Hochzeiten werden mit mehrtägigen Gastmählern gefeiert. Am Passafeste werden die ungesäuerten Brode jeden Tag frisch gebacken. In Zanah ist eine eigene abgesonderte große Judenstadt die an 6000 Häuser zählt. Der Reisende drang bis in das Tiefinnerste Arabiens unter großen Beschwerden und Mühseligkeiten und so kehrte er auch den Landweg zurück, bis er sich nach Aden einschiffen konnte. Ueberall fand er Judengemeinden, überall denselben Druck, dieselbe verkümmerte Lage. Der Verfasser berichtet nun, daß längst in Arabien die Spuren der verlorenen 10 Stämme gesucht wurden, und es gibt allerdings Gegenden wo ganze Judenstämme nach Beduinenart und außer aller Verbindung mit ihren Glaubensbrüdern in anderen Gegenden leben. Memorabilien der Prager Zubenschast mitgetheilt von Leopold Wolf in Prag. 5. In Wahlangelegenheiten. Gegen Wahlintrigucn bei Gelegenheit der Wahlderjüdischen Vorsteher in Prag im Jahre 1647 — unter der Regierung Ferdinands II. wurde folgender Bann erlassen: (Schottky) Durch Anrufung Gottes des Allmächtigen, der Alles, Himmel, Erde, Laub, Gras und Creatur erschaffen.

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