Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 21 (17.10.1867)
- Date
- 1867-10-17
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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167 theiligte, und in dessen Folge er auch in contum aciam jitrn Tode verurtheilt wurde aus Deutschland nach Amerika. In der neuen Heimath entsagte er seinen frühern Advokatenberufe und widmete seine energische Thatkraft nnd sein glänzendes Wissen dem Jndenthume. Der Reformrichtung geneigt, machte er die Bildung und Aufklärung seiner Glaubensgenossen zur Aufgabe seines Lebens. Sowohl während seines Aufenthalts in Charleston, wo er durch mehrere Jahre der dortigen Gemeinde als Seelsorger Vorstand wie auch während seines spätern Domicils in Neu-Iork arbeitete er rüstig und erfolgreich für dieses edle Ziel. Der englischen wie der deutschen Sprache in Wort und Schrift in hohem Grade mächtig, gelang es ihm, den deutschen Geist unter den amerikanischen Juden zur Anerkennung zu bringen. Seine schriftstellerischen Leistungen, unter denen wir besonders seine englischen Übersetzungen deutscher Werke aus dem Gebiethe der jüdischen Literatur, und unter diesen seine Uebersetzung von Geigers Vorlesungen zur Geschichte des Judenthums hervorheben, erwarben ihm einen ehrenvollen Namen, Seine trefflichen Aufsätze in englischen und deutschen Zeitschriften wurden ihres ethischen und freiheitlichen Inhalts wegen als durch die Vollendung der Form mit Eifer und Lust gelesen. Seine Hauptwirksamkeit wendete er den jüdischen Logen Amerika's zu deren meisten er als Gründer, als Mitglied oder als Beamte angehörte. Der Bene-Berith-Loge stand er als höchster Würdenträger vor. Das feierliche Leichenbegängniß, zu dem Deputationen aus mehreren Städten der Union herbeieilten, die Trauerfeierlichkeiten in den Synagogen nnd Logen, die Nachrufe in den Zeitungen legen ein sprechendes Zeugniß ab von der hohen Achtung und Liebe, deren sich der Verstorbene unter seinen Mitbürgern zu erfreuen hatte. Die Rodef-Scholom Gemeinde in Philadelphia hat den jährlichen Gehalt ihres Rabbiners von 4 auf 5 Tausend Dollars erhöht. (Nach dem Kebren Geacker.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Den ersten dießjährigen Jmpfpreis im Königreiche Böhmen im Betrage von 210 fl wurde vom k. k. Ministerium des Innern dem Med. vr. Ignatz Genitz in Nimburg zuerkannt. — Bei den Patticoncerten für welche der Unternehmer derselben die vorzüglichsten Kunstnotabilitüten engagirt hat, wirken auch die beiden Prager Künstler, der Cellist Herr David Popper und der Pianist Carl Pohl mit. * Von Herrn I. Hoffmann, Lehrer in Jungbunzlau ist eine schöne ausführliche Karte Palästinas erschienen, in welcher die Ortsbenennungen sowohl in deutscher als hebräischer Schrift gut leserlich und gefällig verzeichnet sind. In einem besondern kleinen Felde ist auch die arabische Wüste geographisch ausgenommen. Für den Unterricht in der biblischen Geographie ist diese Karte als treffliches Hilfsmittel warm zu empfehlen, und ist sie besonders wegen ihrer deutlichen Schrift und der ganzen gefälligen Ausstattung in Schulen sehr brauchbar. Kladno (Böhmen) Unter den durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers, wegen ihrer Leistungen während der Cholerazeit ausgezeichneten Aerzten, befindet sich auch unser Glaubensgenosse der hiesige Bergarzt Stern. Er erhielt das goldene Verdicnstkreuz. I Güssing (Ungarn) Am 28. September starb hier eine > Jüdin, Namens Rebekka Neumann im Alter von 105 Jahren. Sie hinterließ 36 Enkel und 51 Urenkel. Bolgigrod (Galizien) Dieser Tage starb in einem benachbarten Dorfe Herr Wolf Löb in einem Alter von 118 Jahren. Er war sehr stark. Als eines Tages ein Wolf bei seiner Heerde, die er hütete einbrach, kämpfte er mit ihm, und erlegte ihn auch. Kurz vor seinem Tode erzählte er, daß er niemals Kopf- oder Zahnweh hatte, und daß niemals seine Kraft gewichen wäre. Er hinterläßt eine sehr zahlreiche Familie, viele Enkel und Urenkel; sein ältester Sohn ist 70 Jahre alt. Bei seinem Leichenbegängniß betheiligten sich fast sämmtliche Einwohner des Dorfes. Halle. In der orientalischen Sektion der Versammlung der Philologen- und Schulmänner hielt Prof. Delitsch aus Leipzig einen Vortrag über ein Bruchstück der Maßora Ben Aschers aus Tiberias, des ältesten hebräischen Gramatikers. Das Räthselhafte dieses Bruchstücks hat der Meister im Hebräischen und Talmudischen fast gänzlich zu lösen verstanden. Gera. Der freisinnige Fürst von Reiß-Schleitz, Heinrich XIV hat bei seinem Regierungsantritte die Juden seines Landes emancipirt. Miloslaiv. (Posen) Am 21. v. M. ist das ganze sogenannte Judenviertel, einige 40 Häuser umfassend von einer Feuersbrunst zerstört worden. Paris. Der in diesen Tagen verstorbene frühere Finanzminister, 1800 geboren, war Sohn eines reichen israelitischen Banquirs. Im Jahre 1842 in Tarbcs zum Deputirten gewählt, machte er sich in der Kammer bald in finanziellen und volkswirthschaftlichen Fragen bemerklich. In der auswärtigen Politik war es Guizotist. Mit der Februarrevolution söhnte er sich schnell aus und ließ sich wählen. Auch mit dem Kaiserthum bald einig, trat er aus seinem väterlichen Geschäfte, um Finanzminister zu werden. Er protestirte gegen das Dekret über die Besitztümer der Familie Orleans, nahm in Folge dessen seinen Abschied, wurde aber zum Senator erhoben und trat alsbald wieder als Staats¬ und Hausminister ins Amt. Er suchte immer der kolossalen Vermehrung der Staatsausgaben Einhalt zu thun, und arbeitete deshalb selbst für eine ausgedehntere Controlle des gesetzgebenden Körpers über das Budget. Ebendieß und speziell seine Nichtübereinstimmung mit den neuesten Plänen einer Reorganisation d. h. Vermehrung des Heeres veranlaßten seinen Rücktritt vom Finanzministerium vor etwa Jahresfrist. Es darf nicht erst erwähnt werden, daß er in der Religion, in der er geboren wurde, auch starb. In Frankreich bildet die Confession kein Hinderniß, um zu den höchsten Staatsämtern zu gelangen. Neapel. Das hier erscheinende vom Prof. Battaglini redigirte Journal für Mathematik enthält mehrere gediegene Arbeiten von dem talentvollen Julius Askoli, einem Mitgliede der bekannten jüdischen Familie dieses Namens. (6. Isr.) Spanien. Unlängst starb in Cadix ein jüdischer Jüngling, der sich dahin als Flüchtling begab. Die Verwandten desselben baten fußfällig und mit gefalteten Händen die spanischen Behörden, ihnen für den Verstorbenen ein kleines Plätzchen aus dem städtischen Gottesacker zu gewähren. Doch jene waren schamlos genug den Befehl zu crtheilen, daß die Leiche des unglücklichen Israeliten am Mceresufer begraben werde, wo man gewöhnlich die tobten Hunde und Pferde einscharrt. Das barbarische Verfahren wurde jedoch durch den englischen Consul verhindert, welcher der betrübten Familie einen Platz auf dem englischen Friedhof anwies. Solche Thatsachen bedürfen keines Commentars, Der göttliche Zorn zieht drohend über den iberischen Boden, der nicht Rast und Ruhe finden kann, wenn er sich nicht muthig ermant, die beiden Todfeinde zu verscheuchen, die in seinen Eingeweidcn mörderisch wühlen: den Absolutismus und die Unwissenheit. (Corriere Israelita) Griechenland. In Chalcis ist eine kleine Jsraelitengemeinde, deren Mitglieder griechische Unterthaneu sind, und fid)t derselben politischen Rechte erfreuen, wie die übrigen Griechen, sie haben das Wahlrecht und alle Rechte des Bürgers. Die Einverleibung der jonischen Inseln in das griechische Reich war für die Juden in Corfu ein glückliches Ereigniß. Unter dem englischen Protektorate waren sie mancher Rechte beraubt, jetzt sind sie den übrigen Bürgern gleichgestellt —