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Das Abendland · 1867-10-17 · 21 (17.10.1867) · p. Seite 165

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
21 (17.10.1867)
Date
1867-10-17
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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Jud dem Christen, dem er den Eid thun sott, oder an seiner Statt dem, der ihm den Eid auch gibt, diese Worte nachsprechen: Adonai ewiger allmächtiger Gott, ein Herr über alle Melachim, ein einiger Gott, Gott meiner Väter, der Du uns die heilige Tora gegeben hast, ich rufe dich und deinen heiligen Namen Adonai und deine Allmächtigkeit an, daß du mir helfest bestättigen meinen Eid, den ich jetzt thun soll, und wo ich unrecht oder betrüglich schwören werde, so sei ich beraubt aller Gnaden, des ewigen Gottes, und mir werden aufgelegt die Strafen, Flüche, die Gott den verfluchten Juden aufgelegt hat, und meine Seele und mein Leib haben auch nicht mehr einigen Theil an der Versprechung die uns Gott gethan hat an Moses, noch am versprochenen Erdreich des heiligen seligen Landes! Ich verspreche auch und bezeuge, daß bei dem ewigen Gotte Adonai ein Schöpfer des Himmels und des Erdreichs und aller Dinge, auch mein und der Menschen die hier stehen, ich rufe dich an durch deinen heiligen Namen auf diese Zeit zu der Wahrheit, als der und der N. mir zugesprochen hat um den oder den Handel, so bin ich ihm darum oder daran ganz nicht schuldig oder pflichtig, und habe auch in diesem Handel keinerlei Falschheit oder Unwahrheit gebraucht, sondern wie es verlautet hat, im Hauptsache, Schuld oder sonst was die Sache ist, also ist es wahr, ohne alle Gefährdung, Arglist und Verborglichkeit, also bitte ich mir Gott Adonai zu helfen, und zu bestättigen diese Wahrheit, wo ich aber nicht recht oder wahr habe, in dieser Sache, sondern einige Unwahrheit Falschheit oder Betrüglichkeit Darinnen gebrauchet, so sei ich cheram und verflucht ewiglich, wo ich auch nicht wahr und recht habe in dieser Sache, daß mich dann übergehe und verzehre das Feuer, als Sodom und Gomora überging, und alle die Flüche, die in der Tora geschrieben stehen, und daß mir auch der wahre Gott, der Laub und Gras und alle Dinge geschaffen hat, nimmermehr zu Hilfe noch zu Statten komme, in einigen meinen Sachen und Nöthen wo ich aber wahr und recht habe in dieser Sache, also helfe mir der wahre Gott Adonai! Die Juden in Afrika, Asien und Australien. Unter den von dem Vereine „Mekize Nirdomim für 1866 herausgegebenen hebräischen Werken befindet sich auch eine Reiscbeschreibung von Jakob Safir, der im Jahre 1858 von Jerusalem aus als Abgesandter der dortigen Gemeinde zum Zwecke einer Geldsammlung für die Armen des heiligen Landes und für den Bau einer großen Synagoge in der heiligen Stadt eine Reise durch mehrere Länder des Orients unternahm, von der er im Jahre 1864 nach Jerusalem zurückkehrte. Der Verfasser, der sich zumeist mit den Zuständen der Juden in den bereisten Ländern befaßt, ist ein vielerfahrner Beobachter, und seine Aufzeichnungen biethen um somehr Interesse, als wir aus der neuern Zeit mit Ausnahme der Reisebeschreibung des Ludwig August Frankl kein Werk über die jüdischen Zustände des Orients besitzen, und unser Reisende durch Länder kam, die bisher, was die darin wohnenden Juden betrifft den Europäern eine terra incognita waren. Wir lassen aus dem interessanten Werke für die Leser dieses Blattes einige Notizen folgen. Von Joppe aus reiste Herr Safir mit dem Dampfschiffe nach Alexandrien. In dieser Stadt wohnten vor 30 Jahren noch sehr wenige Juden, seitdem sie jedoch durch den Bau des Muhamedjeh-Canals genießbares Trinkwasser erhielt und eine bedeutende Handelsstadt wurde, ist sic nun der Sitz von Tausenden Glaubensgenossen geworden, die aus allen Wcltgegenden einwauderten. Der Handel ist ihre Hauptbeschäftigung, meistens Wechselgeschäfte und Export egyptischer Produkte, auch Handwerke werden betrieben und an Armen fehlt es ebenfalls nicht. Die Reichen leben nach europäischer Sitte, nnd sprechen meistens italienisch, die ärmere aus orientalischen Ländern eingewanderte Klasse hat die Gewohnheiten des Orients beinhalten. Alexandrien hat mehrere Synagogen und geregelte Schulen, in denen ein zeitgemäßer Unterricht ertheilt wird. Jedes reiche Haus hat 2 — 3 schwarze Sklavinen zur Bedienung. Oberabbiner der Gemeinde^ ist der aus Corfu hieher berufene vielgebildete David Chasan. Cairo zählt gegen 600 eingeborene jüdische Familien außer den Einwanderern aus Italien, den türkischen Provinzen Rußland und Polen, auch sind hier gegen 150 karaitische Familien meistens Gold- und Silberarbeiter. Cairo hat 10 meistens verfallene Synagogen. — In den Schulen wird arabisch und italienisch aber wenig hebräisch gelehrt. Das Ghetto, in dem die Juden wohnen, hat enge finstere Strassen. Sie treiben meistens Geldgeschäfte. Sic gehen sehr reinlich gekleidet, die Frauen nach türkischer Art ganz verhüllt. Ihre Liturgie ist nach sefardischem Ritus. In Kairo sind manche eigenthümliche Gebräuche. Während der Beschneidungsfunktion in der Synagoge spielt Musik. — Bei Hochzeiten wird das Brautpaar in einem Thalith gehüllt, vom Ehebaldachin (Chuppa) weiß man hier nichts. Am Sabbath in der siebentägigen Trauer um einen Verstorbenen wird der Leidtragende unmittelbar nach dem Morgengottesdienste von der ganzen Gemeinde besucht, wobei ihm mit passenden Bibelstellen Trost zugesprochen wird. Auf dem zwei Stunden Weges von der Stadt entfernten Gottesacker finden sich keine Grabsteine mit Inschriften. Laubcrhütten können wegen der engen Wohnungen und Strassen nicht angebracht werden.— In jeder Synagoge ist neben der heiligen Lade, in welcher die Gesctzrollen stehen, noch eine kleine Lade, in welcher sich ein Manuscript befindet, dem ein hohes Alter zugeschrieben wird; es heißt panp — Antiquität. — Es darf das ganze Jahr außer am Vorabende des Versöhnungsfestcs nicht herausgenommcn werden, und auch an diesem Abende bleibt es in seiner vielfachen Einhüllung. Unser Reisender wußte sich vom Oberrabbiner die Erlaubniß zu verschaffen, diese geheimnißvollen Reliquien zu untersuchen. — Wie fand er sich getäuscht! Einige zerfezte mangelhafte Bibelmanuscripte, ein gedruckter Theil des Maimonidischen Werkes Jad Hachasaka ein Bibeltheil mit Comentarien, Venezianer Ausgabe — das war die ganze Ausbeute seiner Neu- und Wißbegierde. Wie kömmt das Judenthum zu solchem lächerlichen Reliquicndienste? — In Alt-Cairo (daZ biblische Mizrajim) wohnen nur wenige Juden. Es ist da eine alte Synagoge, die man als von Esra erbaut betrachtet, in ihr wird auch eine angeblich von Esra geschriebene Gesetzrolle als unnahbares Heiligthum aufbewahrt. Herr Safir untersuchte auch diese Reliquie, und fand eben nichts als eine gewöhnliche alte vermoderte Gesetzrolle. — In Oberegypten wohnen fast gar keine Juden. Von Egypten aus wendet sich unser Reisende nach dem Innern Arabiens, das er unter großen Entbehrungen uud Beschwerden mit mehrfacher Lebensgefahr erreichte. Lange hatte er zu wandern bis er endlich in einem Orte, der den Namen Giruach hat, eine kleine Judengcmeiude traf, wo er gastliche Aufnahme fand. Der Rabbiner dieser Gemeinde ist sehr gelehrt und erfahren, selbst die Araber erholen sich bei ihm Raths; doch alle seine Weisheit würde ihm kein Brod verschaffen, wenn er nicht neben seinem geistlichen Amte ein schweres Handwerk betreiben würde, wobei ihm seine 3 Frauen und seine Söhne behilflich sind. Er ist Schmied seines Zeichens. Einer seiner Söhne führt den Vornamen des Vaters, und der Vcrf. macht hiebei die Bemerkung, daß cs da Sitte sei, wenn jemand schon mehrere Kinder durch den Tod verloren hat, einem ncugebornen Sohne, um ihm vor dem Schicksal seiner Brüder zu sichern, den Vornamen des noch lebenden Vaters betzulegen. Die Lage der Inden in Arabien ist eine schreckliche, sie sind ganz der Willkühr der übrigen Bevölkerung preisgegeben. Der Jude darf nicht reiten, keinen verbrämten Turban, überhaupt keine anständige Kleidung tragen. In den öffentlichen Bädern hat der Jude keinen Zutritt, dafür verlangen die Araber es als eine Art Tribut,

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