Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 21 (17.10.1867)
- Date
- 1867-10-17
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 d)ctt Forschungen auf. Grund genug, chm den Haß und die Verfolgung der Finsterlinge zuzuziehen. So verlebte er den großern ersten Theil fernem Lebens unter stetten Kämpfen mit dem unversöhnlichen Zelotismus seiner Landsleute unter stetten Nahrnngssorgen bei seinem vom Glücke wenig begünstigten Geschäftsleben, das Banner der Wissenschaft bochschwmgend trotz der Ungunst der Zeiten und der Menschen. Nach einigen unwichtigen literarischen Produkten, die über die Granzen seines Geburtslandes hinaus nicht bekannt wurden, trat er in dem zu Wien erschienenen bekannten Jahrbuche "'rj: ntit Slrbcitcn tn btc offentltcfjfdt, bic foQ(etcf) itctii) iljrcut (Srfdjetucit btc Stuftncrffcunfctt her ganzen iit^ dlschen gelehrten Welt auf sich lenkten, in denen man sogleich den immensen Gelehrten, den scharfsinnigen Kritiker erkannte Rasch aufeinander folgten nun seine weitern literarischen Erzeugnisse, köstliche Diamanten aus dem tiefen Schachte seines großen Geistes, welche die dunkelsten Parthien der jüdischen Literaturgeschichte beleuchteten. Es lässt sich nun leicht ermessen welche Bedeutung Rappoport's Leistungen für die jüdische Literaturgeschichte erlangten. Es genügt zu sagen daß Hunzens Meisterwerk — „Die gottesdienstlichen Borträge der Juden" den Rappoport'schen Forschungen seine Entstehung und seine Grundlage verdankte, und es sind in den letzten drei Dezenien wenig Werke auf jüdischem Literaturgebiethe erschienen die nicht diese Forschungen benutzten und auf ihnen weiter baueten. Doch auch die Culturgeschickte des Jndenthums weist'dem Verblichenen einen hohen Ehrenplatz an. Die immer zunehmende Bildung und Aufklärung unter den Inden hatte das Talmudstudium beinahe verdrängt — Es fehlte an Männern, die da lehrten, an Jünglingen, die da lernten. 'Die neue wissenschaftliche Richtung, die R. diesen Studien gab, erweckte die schlummernden Kräfte einer wißbegierigen Jugend, und „Kritik" ward das Losungswort für die jüdische Forschung. Die Tragweite dieser Parole ist eine immensurable Größe, und wer tiefer in das Räderwerk der geistigen Zcitrichtnng blickt, erkennt es, daß jene Parole nicht auf dem bloß theoretischen Gebiethe der Textemendationen und Textherstellungen stehen bleiben konnte. R. ist auch Begründer eines wissenschaftlichen hebräischen Styls der an Präcision, Kraft und Eleganz seines Gleichen sucht, wie auch seine poetischen Arbeiten meisterhaft sind. Die Prager Gemeinde hat dem verstorbenen Seelenhirten das unschätzbare Glück des religiösen Friedens zu danken. Der Nimbus seiner Gelehrsamkeit, seine strenge Frömmigkeit, sein sanfter leutseliger Charakter erstickten jede Saat des Unfriedens und der Spaltung im ersten Keime. Das Iudenthum wird nicht leicht für diesen Verlust Ersatz finden, und auch die verwaiste Gemeinde wird schwer den Mann finden, der so nach allen Richtungen hin ihren Wünschen entspricht. Möge sein gesegnetes Andenken heil--, bringend fortwirken zum Segen der jüdischen Gesammtheit. In der Geschichte des menschlichen Geistes wird der^Mame Rappoport's unsterblich bleiben. Ruhe seiner Asche — Ehrmann. Me Urkunden. Die Zuden in Mom. Von Ludwig Lichtenschein, Rabbinatsassessor in Gr. Canizsa. Schon vor der Zerstörung des zweiten Tempels, noch unter der Regierung heidnischer Könige, wohnten zahlreiche Juden in Rom und im heutigen päpstlichen Gebiet. Diese Juden gehörten meistentheils zur Classe der Liberti d. h. Freien, und hatten den Stadttheil jenseits der Tiber inne, woselbst sie eine Synagoge besaßen und ihnen völlig freie Ausübung ihrer Religion gestattet wurde, (vgl. Philo in Leg. ad Cajum s. 708 und Talmud a. a. O.) Besonders war Julius Cäsar den Juden sehr gewogen, und die Juden hingen auch an ihm mit Liebe und Verehrung, so daß als die Inden die Ermordung Cäsars im Senate erfuhren, nicht aufhörten zu klagen und zu jammern, und Suet. in Jul. Cäs. s. 34 berichtet Judaei, qui etiam noctibus continuis bustum frequentarunt d. h. die Juden brachten ganze Nächte mit Klagen bei seiner Grabstätte zu. — Cäsars Nachfolger Augustus, war in nicht minderem Grade den Juden günstig, und ließ einst zur Zeit einer herrschenden Hungersnoth Frucht unter den Bürgern vertheilen, mit der ausdrücklichen Verordnung, daß die Juden gleichmäßigen Antheil an derselben erhalten sollten. Josephus im zweiten Buche c. 8 berichtet, daß schon unter Augustus 8000 Juden zu Rom wohnten, jedoch wurden sie später unter Kaiser Tiberius grausam behandelt und verfolgt und Kaiser Claudius hat selbe später ganz aus Rom vertrieben, wohin sie doch bald wieder unter günstigeren Umständen zurückkehrten. — Die Päbste größtenteils waren jederzeit die eifrigsten Beschützer der Juden, so z. B. als Victor, Bischof von Sicilien, den Juden zu Palermo ihre Synagoge mit sämmtlichen heiligen Gerüchen weggenommen hatte, erließ Pabst Gregor Magnus an denselben ein Schreiben, worin er ihm auftrug, die Synagoge den Juden zurückzuerstatten, und die ihnen entrißenen heiligen Gerüche zu ersetzen (vgl. Arnold Kirchengeschichte s. 246.) R. Gedaljah in schals. hakabb. s. 113 berichtet: Pabst Gregor IX. habe in einer Butte, die mit den Worten beginnt „Fachr/rnabile Juda6orimi Franciae etc. Philipp, König von Frankreich anfs strengste verboten, die Juden zu verfolgen, in welcher Bulle er auch den Beweis führt, daß die Juden Christ, nicht ermordet haben. — R. Sal. im Sch. Jeh. erzählt: daß einst die Schwester des Pabstes Johannes XXII. demselben den Vorwurf machte: „precibus Iratrern Pontificem, fatigavit, ut omnes suo expelleret domino Judaeos, dictitans: iadignum videri, cum ipse Christi vicem iu terris sustineret, Christi hostes in regno suo ferre“ d. h. sie bestürmte ihren Bruder den Papst stets mit Bitten, er möge doch alle Juden aus seinem Gebiete jagen, indem sie sagte: „Es scheine unwürdig, da er Stellvertreter Christi auf Erden sei, daß er mithin die Feinde Christi in seinem Reiche dulde, worauf ihr, ihr Bruder der Pabst folgende Antwort ertheilte: „0 stuporem mulieris! quibus Servator ipse pepercit, et ut oculi sui pupillam tangi vetuit: iis nos non parcamus? Sed nempe mulier colo suae affixa, haec alta et sublimia non capit.“ d. h. O thörichtes Weib! Sollten wir diejenigen nicht schonen, die der Erlöser selbst schonte, und sie als seinen Augapfel zu berühren verboten. Freilich ein Weib, das zum Spinnrocken gehört, kann solch erhabene und geheime Dinge nicht sassen. — R. Sal. berichtet daselbst ferner, es sei einst am ersten christl: Osterfeste eine Deputation spanischer Grands, beim Pabste in Rom erschienen, und verlangten von demselben. „Ut ille Judaeos finibus suis exterminaret etc.“ d. h. daß er die Juden aus seinen Grenzen jagen möge, denn es ziemt sich daß der Pabst, als Stellvertreter Ehr. auf Erden, als Führer gleichsam, allen Königen mit seinem Beispiele vorangehen sollte, sie zu gleichem Eifer entflamme, und das böse jüdische Volk, das Gott und seinen Sohn durch das schrecklichste Laster yetödtet, sobald aus seinem Reiche jage, dessen Beispiel sodann auch andere Könige folgen und zu gleichem Eifer entzündet würden; worauf aber der Pabst kalt erwiederte: „Regnum, qui hoc tempore vivunt etc.“ d. h. Ich kann mich über die Könige die jetzt leben, nicht genug wundern. Sie zürnen, daß die Juden