Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 21 (17.10.1867)
- Date
- 1867-10-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Uro 21 Urag den 17- Aktober 1867. siv. Zahl«. für alle Erscheint alle 14 Tage un 2. Donnerstag. Administration Breite Gaffe Inserate werden billigst Pränumerationsbetrag aanzj. 3 fl., halbsahrig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Hans siir's Ausland ganzi. 2 Thlr. Halbs. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur A. LhriNllNN. Erscheint alle 14 Tage und zwar jeden 2. Donnerstag. Administration Breite Gaffe Nr. 109—V. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Salomon Löb Rappoport. — Alte Urkunden. — Beiträge zur Geschichte deS Judeneides. — Die Inden in Asien, Afrika, und Au' stralien. — Das jeruscilemitische Targnm. — C o rresp^nbe n zen: Dobrovitow, Ncu-Uork. — Notizen: Prag, Kladno, Güffing, Bolgigrod, Halle, Gera, Miloslaw, Paris, Neapel, Spanien, Griechenland. Tripolis, Algier. — Inserate. Salomon Db Rappapart Oberrab. der Prager Israeliten gemein de geboren 19. Sivan 5550 (1790) in Lemberg, gestorben in der Nacht vom 16. auf den 17. Tischri 5628 halb 2 Uhr in Prag. Es ist 2 Uhr Nachts. Wir kommen von einem Sterbebette, umgeben von einer großen Anzahl schmerzerfüllter Männer aus unserer Gemeinde, Männer jedes Standes und jedes Alters, Vorstände und Mitglieder der frommen Brüderschaft, Männer des Wissens neben solchen der geachteten Lebensstellung, rüstige, kräftige Gestalten neben hochbetagten Greisen umstehen ein Schmerzenslager, alle ergriffen von der gleichen Wehmuth, alle gerufen von der gleichen traurigen Pflicht: eine scheidende Seele mit frommen Gebeten aus der trüben Erdenheimath in das lichte Reich des ewigen Lebens zu geleiten. Da lag er der edle Greis in dem schönsten Glanze seines ehrwürdigen Antlitzes, dem wir den letzten Liebesdienst im Leben bei dessen Abschluß erweisen wollten. Lange konnte sich die Seele von der irdischen Hülle nicht loslösen in der sie so Großartiges gewirkt, so Großartiges geschaffen; doch auch der letzte Kampf des Erdenpilgers, der Todeskampf, nimmt ein rasches Ende, und dahin, für immer dahin ist der große Mann, der unser Stolz, der unsere Zierde war. Was seit Wochen jede Brust mit banger Ahnung erfüllte, was das tief bekümmerte Herz nicht den Lippen anzuvertranen wagte, ist nur allzurasch zur Wahrheit geworden. Die Präger Gemeinde hat ihren unvergleichlichen Seelcnhirten, die jüdische Wissenschaft den Nestor, die jüdisch-historische Kritik ihren Schöpfer und Begründer, die hebräische Sprache ihren ersten Meister, das Judenthum einen seiner kräftigsten Verfechter und Vertreter, die Welt—fassen wir alles in einem zusammen —einen Rappoport verloren. Der grausame Tod hat seit den letzten Jahren die schönsten Zweige vom Lebensbaume der jüdischen Wissenschaft abgerissen, mit Rappoport hat er ihn des schönsten Kronenschmucks beraubt. — Ach! woher sollte unsere Zeit die Triebkraft erlangen, um diesem Baume wieder zu der ehemaligen Pracht zu verhelfen? O - L. ^— <— rz^r s..»11 . . . ' - - - — ■- - - - Noch zittert die Feder in unserer Hand von der Erschütterung, in die uns das tragische Ereiqniß versetzte, ...... ... £..:rx ....v ... 1. .z i.' c .• .. r- .... ° ' ' . . ... ° . ■ y ' , > . Ur -.- ' -O’IT noch ist der Schmerz zu frisch und zu heftig, als daß wir die nöthige Fassung erlangen könnten, um die Größe des Verlustes nach seinem ganzen Umfange zu würdigen, noch ist nicht einmal, während wir diese Zeilen schreiben, das Grab gegraben, auf das wir den Ehrenkranz der Anerkennung und Verehrung legen wollen. Eine eingehende Charakteristik dieses großen Mannes für eine nächste Nro. dieses Blattes aufsparend, wollen wir für heute unfern Lesern nur die wichtigsten Momente dieses reichen Lebens vorführen. S. L. Rappoport lebte bis 1840, in welchem Jahre er, bereits eine literarische Berühmtheit von 'europäischem Rufe, als Oberrabbiner nach Prag berufen wurde, in seinem Heimathlande Gallizien. In einer Zeit wo das Talmudstudium nach der ftühern pilpulistischen Methode ausschließlich den jüdischen Geist in Anspruch nahm, in einem Lande, wo profanes Wissen verpönt war und die Beschäftigung mit demselben als die unverzeihlichste Sünde galt, trat R. mit kriti-