Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 20 (3.10.1867)
- Date
- 1867-10-03
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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157 kn Begriff von ihrem Unternehmen hatten, und der Inhalt, soweit er entziffert werden konnte, dem neuern Geschmacke anstößig erschien, ließ man die Arbeit wieder ruhen und vermied, ja verhinderte die weitere Berührung des Manuscripts; bis vr. Ceriani, ein sehr wissenschaftlich gebildeter und dabei unabhängiger Mann, als Bibliothekar der Ambrosiana die Sache neuerdings in die Hand nahm und 8 genau zusammenhängende Pergamentblätter fand mit einer Schrift, die bisher nirgends bekannt war, — (Leider ist nicht näher angegeben, welcher Art die Schrift war.) mit Ausnahme einer einzigen Stelle am Anfang. — Aus dieser Stelle sei aber ersichtlich, daß das ganze das „sechste Buch Mose" in seinen wichtigsten Parthien enthalte. Das Aufgefundene bildet nämlich den bedeutendsten Theil eines Mose Apokryphums, das unter dem Titel: „Assumtio Mosis," (weil es den Gesetzgeber lebend zu Goltes Thron aufsteigen lässt) ein angesehenes Andachtsbuch der altchristlichen Kirche war. — Das Buch selbst heißt sich „Prophetia" und beginnt demgemäß mit einer aus dem Munde des sterbenden Mose geschöpften Enthüllung der Zukunft. Seinem Charakter nach ist es ein Erbauungsbuch, das mit großer Energie zum treuen Festhalten an den Geboten des einzigen Gottes mahnt und trotz aller Bedrängnisse den der einstigen Sieg des Gottesreiches über den Götzendienst und die zwar furchtbar dräuende, aber innerlich ausgefaulte, römische Weltmacht verkündet. — Der Schluß ist noch nicht vollständig bekannt, doch lässt er sich nach Anführungen in altchristlichcn Schriften also construiren: Nach Mosis Tode tritt der Erzengel Michael herzu, um seinen Leichnahm zu begraben, dagegen aber erhebt sich der Satan, der sich desselben bemächtigen will. Die Disputation, die sich darüber erhebt, endigt mit dem Siege des Princips der Gottesverehrung. — Nach Volkmar ist es nach dem Sturze der letzten und furchtbarsten Erhebung Judäas gegen die Götzcndienermacht Roms (137—138 nach Christus) mit Rücksicht ans das Martyrium R. Akibas von einem schriftgelehrten Pharisäer verfaßt worden, und hat für die Geschichte sowol, wie für neutestamentliche Kritik großen Werth. — H. K. Correspon-rilM. Prag. (Literarisches) In der Schletter'schcn Buchhandlung zu Breslau, die nculichst auch ein Verzcichniß ihrer Verlags- und Commissionsartikel aus dem Gebiethe der jüdischen Literatur ausgegeben hat, ist erschienen: Hanna, ein Gebetbuch für isr: Frauen von Freund, welches seiner Reichhaltigkeit und seiner für die Andacht geeigneten Sprache wegen, empfohlen zu werden verdient. In demselben Verlage sind auch liturgische Compositionen von dem wackern Cantor Deutsch in Breslauerschienen, die von Fachmännern sehr gelobt werden. — Herr Wilhelm Ochs, Hauptschuldirektor zu Verbö (Ungarn) hat ein Schriftchen veröffentlicht unter dem Titel: Die nicht geeigneten Bibelstellen in der jüdischen Volksschule. Der Vers: ist gegen jede Ausscheidung gewisser für die Jugend nicht geeigneter Bibelstellen beim Unterrichte, und behauptet, der Pentateuch müsse in seiner Integrität und auch in seiner Ordnung der Jugend beigebracht werden. Die befürchteten Nachtheile, meint Herr Ochs, könnten durch eine zweckmäßige Lehrmethode, die auch in dem Schriftchen ausführlich erörtert wird, beseitigt werden. Mehrere renomirte Rabbinen, darunter vr. Duschak, vr. Hildesheimer, Joseph Weiße, deren Approbationen dem Werkchen vorgedruckt sind, stimmen der Ansicht des Vers: bei. Dieser gibt sich in seiner Arbeit wirklich als einen gewiegten praktischen und zugleich vielbelesenen und denkenden Pädagogen zu erkennen. Dennoch glauben wir, daß die Ansicht des Vers: nicht als allgemeine Norm gelten könne, da beim Unterrichte zuletzt das meiste von der Individualität des Lehrers wie der des Schülers abhängt. Leider biethet in unserer Zeit die Tüchtigkeit der hebr. Lehrer ebensowenig Garantie als die bedauerliche Frühreife unserer Jugend ein zweifelhaftes Experiment verträgt. Wir sind wohl zufrieden wenn die jüdische Jugend die ganze Bibel im Urtexte mit Ausschluß einiger wenigen Stellen erlernt, und kann der kleine Rückstand später leicht nachgeholt werden. Die kontinuirliche Ordnung beim Bibelunterricht wurde bekanntlich auch in der talmudischen Zeit nicht beobachtet. Jedenfalls hat der Vers: zu einer nicht unwichtigen, noch nicht zum Abschluß gebrachten Frage aus dem jüdischen Unterrichtsgebiethe einen schätzenswerthen Beitrag geliefert, den wir der Beachtung des jüdischen Lehrstandes warm empfehlen. — Es liegen uns zwei in Odessa erschienene hebräische Brochüren vor die eine — ^löjn — die Uebersetzung einer Erzählungaus dem Deutschen, die in der letzten polnischen Revolution spielt. Sie ist in einem vorzüglichen Hebräisch geschrieben. Die zweite irrm mips — ist eine Kritik des bekannten Werkes mix p von Lettens. Darin wird dem berühmten Uebersetzer des Göthe'schen Faust der Vorwurf gemacht, daß Ben Abuja nicht die passende Persönlichkeit sei, welche den Faust als Surrogat unterlegt wurde König Salomo oder Sabbatai Zwi, meint der Vers: hätten eher die Rolle des Faust übernehmen können. Ferner wird nachgewiesen, daß Letteris nicht immer den Sinn des deutschen Originals richtig ausgefasst und wiedergegeben habe, ein Vorwurs der der Letteris'schen Uebersetzung auch von Seligmann Heller im Ben- Chananja gemacht wird. Der Vers: beider Brochüren ist Herr P. Smolenskin. Herr vr. Hamburger, Rabbiner in Meklenburg Strelitz hat für sein Werk „Realencyklopädie der Bibel und des Talmud" von dem bereits 2 Hefte erschienen sind, ein Anerkennungsschreiben von dem bekannten E. Renan in Paris erhalten. Von dem wackern Rabbiner vr. Kobak in Lemberg ist wieder ein hebräisches und ein deutsches Heft seiner Zeitschrift „Jeschurun" ausgegeben worden. Neben mehreren trefflichen Aufsätzen von dem Herausgeber sind auch beachtenswerthe Beiträge von D. und I. Oppenheim, Güdeman, Bondi u. a. m. R. Postelberg im September 1867. Am 17. d. I. haben wir eine Feier begangen, die an Solennität Alles übertraf, was unsere Stadt vielleicht jemals gesehen: es war die Einweihung unsres neuen Gotteshauses. Sowohl die große Betheiligung an derselben von Seite der christlichen Bewohner, als die ganze Art der Feier machten es vollständig zu einem Stadtseste, das durch die zahlreichen Gäste und Deputationen von Auswärts an Großartigkeit nur gewann. Sämmtliche k. k. Beamten, sowie die städtischen und die fürstlich- Schwarzbergischen, ferner alle Genossenschaften und Gewerke und endlich die Gesang-, Schützen- und Turnverein der hiesigen Stadt waren in corpore erschienen; letzterer hat von beiden Seiten des Zuges Spalier gebildet und neben den Festordnern für die Aufrechthaltung der Ordnung Sorge getragen. Um 1 Uhr Mittags setzte sich unter den herrlichen Klängen der k. k. Militairmnsik der imposante Zug in Bewegung, holte die Thoras und den Schlüssel zum neuen Gotteshause ab und bewegte sich, nachdem Herr vr. Mühsam, unser verehrter Rabbiner, Worte des Abschiedes am provisorischen Bethanse gehalten, nach dem neuen Tempel. Hier übergab der Rabbiner nach einer abermaligen Ansprache den Schlüssel, der getragen wurde von einem Mädchen, dem noch etwa fünfzig andere, weißgekleidet, folgten, an den Regierungscomissair, Herrn k. k. Bezirksrichter Günther. Dieser sprach: „Ich übernehme den Schlüssel zur Eröffnung dieses Tempels mit dem Wunsche daß Gott der Herr, der der Vater aller Menschen ist, auch hier und von Ihnen als solcher verehrt werde; ich öffne mit Gott!" — Im neuen Tempel angekommcn begann der