Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1867-10-03 · 20 (3.10.1867) · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
20 (3.10.1867)
Date
1867-10-03
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9050333-9088986-9051061--0741-9051065
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

156 ter dem Arm trüge, oder neben sich hinlegte. Er ist dann nicht zizithpflichtig, und es kann daher auch auf diese Weise das Zizithgeboth nicht erfüllt werden. Und geschieht jenes während des Lesens des Schma, so ist nach Analogie des Ausspruches iptp nvw Tyo iS'xa j'San xSa xnprt Sa löxya (Berachoth 14 b.), welcher Mann ja auch nicht sagt „hier stehe ich mit angelegten Tefilin, ähnliches auch da anwendbar. Und wenn man dabei dien"L'x noch so fest in der Hand hielte, so wäre es doch eben so als lägen sic mit dem ruhig im Beutel (xoQipa nnö) da man in diesem Moment nicht mit dem dazu gehörigen Gewände bekleidet ist, ohne welchen Umstand aber eine Erfüllung dieses Gebotes undenkbar ist. Die Funktion der D'Sax als Vorbeter; hatte ich wohl vorübergehend erwähnt, aber ihre Zulassung nicht urgirt, weil ich überhaupt nur positive Gebilde der synagogalen Reformen einer Kritik zu unterziehen die Absicht hatte. Was die praktische Seite der Kadischfrage anbelangt, so scheint mir auch die nicht so unlösbar, als Sie verehrter Freund, solche darstellen. Wenn in den Gemeinden, in welchen Sie früher lebten, sich oft 50 D'Sax zugleich zum Kadisch meldeten, so muß daselbst ein sehr ungesundes Klima, das Land ein «TatiT nSaix px sein. In der hiesigen Gemeinde, die doch wohl nicht zu den kleinen zählt, in einer ihrer größten Synagogen, der ich angehöre, fand ich bloß eine derartige Konkurrenz von höchstens 3—4 Personen,und dies nur selten. Da ist also bei den vielen zu vergebenden L'vnp, der Ausgleich nicht schwer. Den Spruch des Rabbi Jose (Sab. 118 b.) mit dem Talmud in Ketuboth 24 b. in Einklang zu bringen, ist nicht meine Sache. Es haben sich auch schon viele Kommentatoren mit der Erklärung abgemüht; für die plausibelste halte ich die des R. David Lövi im Ture Schab (O. CH. 128. 2), daß R. Jose damit nur die Achtung, die er von den Ansichten seiner Kollegen hatte, ausdrücken wollte. Er wollte sagen, daß er ihnen mehr Glauben, als sich selbst schenkte, so daß wenn sie ihm sagen würden, daß er ein Kohen sei, er es für wahr halten möchte, obwohl er bisher sich des Gegentheils bewußt war. Uebrigens ist die Stelle offenbar hyperbolischer Natur. Der Tosaphist R. Jizchak sagt keineswegs, daß er gegen das Sprechen des Priestcrsegens von Seite eines Laien kein Bedenken habe, sondern daß er den Grund des Verbotes nicht kenne, woraus eben ersichtlich ist, daß er ein solches voraussetzte. Mit diesem Schreiben halte ich die Debatten über die berührte Themata meinerseits für geschlossen. Sollten Sie geehrter Herr vr. noch fernere Beschwichtigungen für mich der Öffentlichkeit übergeben, so werde ich dieselben mit aller Ach- > tung stillschweigend hinnehmen. Ich fürchte, daß die geehrten! Leser d. B. diesen Gegenstand nachgrade für genug bespro-! chen halten, und rufen dürften: Das ist ein Thalith mit 4 > Ecken, und doch kein Ende. Simon Hock. Das jerirsalrmitische Targum. a Targum der Sprichwörter. von vr. M. Dujchak. (Fortsetzung.) Dieses Targum ist nichts anders als eine andere Reccnsion der Peschito, indem es dieser sowohl dem Ausdruck als dem Inhalte nach ganz ähnlich ist. Daher so viele Uebertragungen und Lesearten, welche der Septuaginta entnommen sind, ein Verfahren, welches nur den christlichen, aber nicht den jüdischen Uebersetzern eigen war. daher dieses Targum ganz einfach, ohne hagadifche Ausschmückungen, von denen es in den andern jer. Targnmim wimmelt. Der Anfang Kap. 1, 1—5 ist genau eine Abschrift der sirischen Uebersetzung. Eben so V. 6. 8. 10. 12. 13. ’ll, 9. 10. 13. 14 15. III 2. 9. IV 1. 2. 3. 26. V 1- 2 4 5. VIII 27. 3. 4. 5. 17, 22. übersetzen beide das Hapaxlcgomen nru mit Körperma — tu. 19. 6. haben beide statt -"'8a, 8a Pv gelesen, und übersetzen. Jeder Schlechte schmeichelt dem Manne der Geschenke. 10, 3. lesen beide p 24, 5. haben beide aus der Septuaginta die Leseart mehr als Kraft. 15, 4. haben beide die paraphrastische Erklärung. Wer von seinen Früchten genießt, wird gesättigt. 26, 10. lesen beide 2-aw -2M 27, 16 «np* w -y 7, 22 setzte man in beiden eine verschiedene Leseart voraus, während nur eine verschiedene Exegese obwaltet. Der Chaldäer übersetzt: wie ein Hund, der Syrer: wie ein Kalb. Allein cay bedeutet Fessel arabisch, Fußfessel des Kamels, mit welcher der Vorderkopf und Vorderfuß an einander gebunden werden. Nun ward die Fessel für den Gefesselten genommen, und um den Fesselträger zu bezeichnen, nahmen beide ein ihnen beliebiges Thier. W-mn der Chaldäer und Syrer weiter übersetzen: Wie ein durch einen Pfeil in der Leber getroffener Hirsch so muß ein Glossator das S'ix für S’X genommen, und der Hirsch als das bezeichnete Thier verstanden haben, welche Glosse von dem Chaldäer und Syrer zum spätern Verse genommen wurde. '5, 19. übersetzt der Chaldäer „Lerne Vernunft, was im Texte gar nicht angedeutet. Allein der Syrer hat „lerne ihre Wege" was dann jener figürlich nahm. 29, 9. übersetzt der Chaldäer „Männer des Spottes blasen die Lüge an, da aber im Texte mp steht, so muß der Chaldäer das im Syrer vorkommende xaia für xana gelesen haben, indem das n und n nur durch die verschiedene Stellung des Pünktchens im Syrischen sich unterscheiden. H. Reifmann machten noch auf Folgendes aufmerksam.- 27, 3. heißt es im Chaldäer x*vnyS aipn xS, also statt yjn xS I5>an xS so auch der Syrer die Verachtung des Reichthums ist aber keine jüdische sondern eine christliche Tugend. 30, 31 Kochbe Jizchak 1862 S. 92 die übrigen dort von H. Reifmann allegirten Belege sind nicht neu, und finden sich in Eichhorns Einleitung 1 Thl. der Verf. dieses Targums hat eine sirische Uebersetzung zu Grunde gelegt, aber dabei den hebräischen Text selbst, oder eine andere bereits vorhandene, aus dem hebräischen Original verfertigte chaldäische Uebersetzung der Proverbien zu Rathe gezogen; und nach Gutbefinden gebraucht. (Fortsetzung folgt.) Das sechste Luch Mose. Die Augsburger allgemeine Zeitpng vom Sonntag den 15. September d. I. bespricht in ihrem literarischen Theile unter Anderem auch ein Buch: Mose Prophetie und Himmelfahrt. Aus dem Codex zu l.mal in's deutsche übersetzt von Dr. Volkmar, Prof, der Theologie in Zürich. Leipzig Fues Verlag 1867. — Dieses Werk ist gewiß eines der interessantesten der Neuzeit, denn es soll das „sechste Buch Mose vorstellen, nach welchem man Jahrhunderte lang vergeblich gesucht hat. — Schon das Schicksal desselben biethet großes Interesse. — Vor etwa 30 Jahren wurl en in der Ambrosiana zu Mailand alte Pergamentblätter mit einer mittelalterlichen Skriptur entdeckt, unter welcher eine noch weit ältere Schrift hervorschimmerte. — Man versuchte die neuern Schriftzeichen auszulöschen und die älteru Buchstaben durch einen chemischen Prozeß wieder auszufrischen. — Doch da die Leute, die sich damit beschäftigten, keinen rech-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.