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Das Abendland · 1867-09-19 · 19 (19.9.1867) · p. Seite 149

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
19 (19.9.1867)
Date
1867-09-19
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 fall sich ereignet haben, wodurch hauptsächlich das Unternehmen gescheitert und ihre Wiederaufnahme Hintertrieben worden (vid. Greg. c. 2. p. 239.) Cromvell nämlich war wie bekannt, den Inden sehr geneigt, und soll sogar im Parlamente bei Verlesung jener Petition die Aeußcrung gethan haben. Wenn die Inden noch mehr als diese Punkte hinzugefügt hätten, müßten wir doch ihren gerechten Forderungen auf jede nur mögliche Weise nachzukommen streben. (Vgl. Pand. f. 241.) Als Zeichen dieser besonder» Begünstigung von Seite Cromvells, traten die vornehmsten Rabbinen und Kaufleute Asiens zusammen und beriethen, ob nicht vielleicht dieser Cromvell der längst ersehnte Messias wäre, hauptsächtlich weil mehrere Stimmen sich vernehmen ließen, daß er jüdischer Abkunft sei. — Sie beauftragten den damals berühmten 'Juden Jakob den Azachel mit der Comission nach London zu reisen, um bei dem Protektor daselbst ihr Anliegen vorznbringen, nähmlich, da er die Juden in England wieder ausnehme, und ihnen gestattet werde, in London eine orientalische Handelskammer zu errichten. Er sollte zu diesem Zwecke bei seiner Durchreise, ebenfalls den damals in großem Ansehen stehenden Rabbiner zu Prag, David Eleasar, welcher beinahe aller europäischen Sprachen mächtig war, wie auch der berühmte Rabbiner zu Amsterdam R. Menasse b. Israel als Geleitsmänner mitnehmen. Als diese nun zu London angekommen waren, und ihr Vorhaben veröffentlichten, empfing sie die Handelskammer daselbst mit fast unaussprechlicher Freude, indem ihnen die Vortheile, welche eine solche orientalische Kammer für den allgemeinen Handel besäßen, einleuchtend waren; jedoch erklärten sie, daß sie nicht berechtigt wären, in der brittischen Republik eine fremde Religion auszunehmen, sondern müßten sich an den Protektor Cromvell wenden, welchem allein hierin das Recht znstche. — Cromvell empfing diese Deputation ebenfalls sehr freundlich, schon aus dem Grunde, weil ihm ebenfalls der Vortheil, welcher dadurch dem Handel erwachsen würde, nicht verborgen war. Cromvell erthellte auch ihnen des anderen Tages auf besonderes Verlangen eine abermalige Audienz, wobei sie den Privat-Wunsch ausgesprochen, die berühmte Bibliothek zu Cambridge, welche sie so sehr hoch schätzten, mit besonderer Erlaubnis des Protektors in Augenschein nehmen zu dürfen. — Cromvell ertheilte ihnen willig diese Erlaubniß, erbot sich sogar, die seltensten Manuscripte, welche sich daselbst vorfinden, ihnen käuflich zu überlassen. Sie zogen nun nach Cambridge, nahmen den Katalog mit und besichtigten alle daselbst befindlichen Schriften in Gegenwart des Bibliothekars. Anstatt aber nach London zurückzukehren, zogen sie nach der Provinz Huntington, woselbst Cromvells Verwandte sich aufhiclten, um von ihnen Erkundigungen über seine Geburt einzuziehen, ob ihnen daselbst vielleicht jemand Auskunft ertheilen könnte, ob nicht einer von den Vorfahren Cromvells jüdischem Geblüte entsprossen wäre. Trotzdem sie aber diese Nachforschungen mit der größten Behutsamkeit anstellten, blieb doch die Sache nicht verheimlicht. Die Kunde davavon drang auch nach London, worüber Cromvell so sehr entrüstet ward, daß er ihnen bei ihrer Rückkehr in einer Privat-Audienz zu verstehen gab, daß er ihnen nicht nur den Ankauf jener gewünschten Manuscripte verweigere, sondern auch ihre Ansiedlung, ja sogar den freien Handel untersage, weil sowohl die Republik als auch der Protektor derselben nur eine Religion die christliche nämlich, in seinem Lande dulde. Hierauf mußten sie unverrichteter Sache von London abziehen. Jedoch aber nach seinem Tode unter der kurzen Negierung seines Sohnes Richard kamen doch allmählig Juden nach England, und zwar hauptsächlich aus Polen, Litthauen und Preußen, weil sie daselbst in Folge ausgebrochener Kämpfe verjagt wurden. Es zogen ungefähr 80 Familien hin, welche auch die Erlaubnis erhielten eine Syynage zu erbauen und einen Gottesacker anzulegen. Die portugiesischen Juden erbauten auch eine herrliche Synagoge, während die bei 40 Familien etwa, polnischen und deutschen Juden ein Privat Bethaus unterhielten. — Die daselbst sich ansäßig machenden Juden erlangten auch bald darauf großen Einfluß bei Hofe, so daß ein deutscher Jude Namens Beujamin Levi unter König Wilhelm und Königin Anna, königlich beeideter Mäkler wurde, und auf seiner Brust das königliche Wappen trug, so daß dessen Contrakte Käufe und Verkäufe als unverbrüchlich angesehen wurden. Nach dessen Tode folgte ihm ^nn Amte sein Diener Moses Breslau. (Vgl. Tal. c. b. s. 405) In Schottland und Jrrlaud finden sich in früher Zeit nur geringe Spuren von Juden. Jedoch sollen die .Juden, welche damals nach England eingewandert sind, und voll messianischer Hoffnungen waren, auf die Kunde vmi dem berüchtigten pseudo-messias Sabbathei-Zevi nach Schottland gezogen sein, indcin sich daselbst allgemein die Nachricht verbreitete, daß man in Schottland au der Nordküste ein Schiff landen gesehen, welches Thau und Segel von Seide gehabt habe; die Schiffmannsschast darauf hätte hebräisch gesprochen und in ihren Flaggen folgende Worte verzeichnet gewesen: Die 12 Stämme Israel. (Vgl. Cont. s. 55.) Jonas Larbier geboren 6. Tamns 5549. gestorben 11. Elul 5627. Am 12. September d. I. wurde einer der edelsten und frömmsten Männer unserer Gemeinde zu Grabe getragen. Nicht reich war er an irdischen Gütern, nicht geglänzt hat sein Name durch Thaten, die nur irdischer Adel und materielle Größe groß gemacht. Der Nam e dieses Mannes war umgeben von dem Glorienscheine der wahrsten Gottergebenheit, geziert von dem reinsten Seelenadel; reich war dieser biedere, dessen Hinscheiden heute jeder, der sein bescheidenes edles Leben gekannt, beweint, durch Güter, die er in seinem Herzen barg. Wer erinnert sich nicht mit Wehmuth dieses von den herbsten Schicksalsschlägen gebeugten Mannes, der trotzdem ihm das unerbittliche Schicksal seine geliebten fünf Kinder und zum Schluffe seine geliebte Gattin von seiner Seite gerissen, verwaist und vcrwittwet da geblieben, stets seinen Blick zu Gott emporgehoben und seinen Trost in dem Buche der heiligen Lehre, seinen Trost in seiner edlen Auffassung der Menschen gefunden? Erschüttern muß der Gedanke, daß eine solche Perle für das Auge verloren gegangen, trösten, daß ihr Glanz sein Andenken das er in aller Herzen zurückließ, erleuchte! Der an materiellen Gütern Ueberfluß habende, der in Fesseln der Engherzigkeit geschlagen ist, kann sich unmöglich in die Wirklichkeit hineindenken, daß der gelehrte Jone Rofc — so ward der Verstorbene gewöhnlich genannt — trotz dem nicht reichlichen Einkommen, den 10. Theil desselben den Armen gespendet, daß er Familienväter, denen oft der Miethzins mangelte, Darlehen interesselos angebotcn; ja selbst solchen, bei denen die Armuth nicht zuließ an Festtagen ihre Familie mit den nöthigen Alimenten zu versorgen, ihre Lage durch Verabreichung von Geldmitteln erleichterte. Einen solchen gott- und menschengefälligen Mann aus seiner Mitte verlieren, ist ein großer unersetzlicher Verlust! Gefasst auf seine letzte Stunde, der er mit Muth und Gottergebenheit entgegensah, hatte er auch eine seinem bescheidenen Leben angemessene bescheidene Anordnung getroffen, die sich schriftlich vorfand, seine irdische Hülle von seiner Wohnung aus in die Leichenkammer des isr. Badehofes zu überführen, um einerseits die Andacht in der an sein Zimmer, das er bewohnte, angrenzenden Synagoge nicht zu stören, anderseits schien er nicht zu den Trägern jenes allenthalben geltenden allein nicht begründeten Vorurtheils zu gehören, daß die jüdische Todtenkammer nur dazu diene, den armen und unbedeutenden Verstorbenen ein Asyl zu feinr bevor sie in die letzte Ruhestätte gelangen.

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