Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 19 (19.9.1867)
- Date
- 1867-09-19
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 oder meine vermeintlichen Jrrthümer in einem mildern Lichte erscheinen zu lassen, obwohl Ihnen dies wie Sie selbst sagen, nicht so leicht war. Ich bin Ihnen für Ihre Anstrengungen sehr dankbar, da mir der Erfolg jedoch etwas zweifelhaft scheint, und Sie nur zu oft ans der Defensorenrolle fallen, wie dies auch nicht anders möglich ist, ni)')2 rupyj mrap |\s* so erlauben Sie, daß ich meine Vertheidigung oder Rechtfertigung schon selbst in die Hand nehme. Daß die jüdische Religion kein Reglement über Kleiderzuschnitt und Tragweise derselben gegeben, ist richtig, wer hat denn aber jemals das Gegentheil behauptet? Ein leise nachgesprochenes Gebet, meinen Sic, müsse dieselbe Wirkung haben, wie ein laut gesprochenes; warum nicht auch ein bloß gedachtes? Ist es nöthig, vor dem der Herz und Nieren prüft, der unsere geheimsten Gedanken kennt, die Gefühle unserer Verehrung zu mündlichem Ausdruck zu bringen? Ist nicht wie der Dichter sagt, ein Seufzer, der sich der andächtigen Brust entringt, das schönste Gebet? Wollten Sie eine vielleicht konsequenterweise, daß der S2X statt das Kadischgebet zu sprechen, einen ohnehin seiner Stimmung entsprechenden Seufzer ausstieße? Die jüdische Religion, meinen Sie ferner, habe keinen Einspruch dagegen gethan, daß auch derjenige segne, d e m zu segnen nicht befohlen ist. Wie bedauere ich noch nach 3000 Jahren die Unglücklichen Nadab und Abihu, wie nicht minder die 250 Complicen des Korach, die mit dem Feuertode bestraft wurden, für nichts Anderes, als daß sie eine Priesterfunktion, einen Akt der Gottesvcrehrung vollzogen 'n mit X8 UPX, den ihnen der Ewige aber nicht befohlen hatte. Es mögen dieselben vielleicht auch vor der Anschauung ausgegangen sein, und geglaubt haben, daß darin nichts Sträfliches liegen könne, und daß Moses und diejenigen, welche ihre Bedenken dagegen ausgesprochen haben dürfte, es unmöglich im Ernste meinen könnte, und im Grunde nur Scherz trieben. Aber diese Ansicht wurde auf fürchterliche Weise dementirr. Es scheint also doch, als ob die Thora, die auch den Ausspruch thnt nar mpn um, nicht ganz damit einverstanden wäre, daß man den Priestern in's Handwerk pfusche, und daß der vom Talmud adoptrrte Grundsatz Ntr»x2 ">217 i'M nx xtmi m, ganz im Geiste der Schrift sei. Dagegen, daß Sie die auf das Zizithgeboth bezüglichen 2 Bibelstellen als Belege dafür anführten, daß die Zizithpflicht an die Bedingung eines viereckigen Kleides geknüpft sei, was meiner Meinung nach nur und zwar bloß theilweise aus dem Talmud hervorgeht, hatte ich einen biblischen Standpunkt von dem talmudischen unterschieden. Daß der natürliche Schriftsinn, der nicht immer mit der Halacba kongruirt, auch zu beachten sei, hatten die Rabbinen aller Zeiten, ohne sich einer Kezerei schuldig zu machen, immer zugegeben iöipb 'Tö «am X'pa fix. Nach dem natürlichen Schriftsinne aber ist nicht die Stelle im Deuteronom, die Ergänzung und Erklärung jener in Numer., sondern umgekehrt. Es ist jedes Kleid zizithpflichtig, und wenn es einmal heißt: “fmon mcan ymx Sy, geschah dieß, weil viereckige Kleider damals eben Sitte waren, mim 222,1 121, ohne daß andere Kleiderformen von der betreffenden Pflicht dadurch entbunden sein sollten. Die Tradition Hot dieß jedoch anderst aufgefasst, der wir uns natürlich zu fügen haben. Daß die Araber mit ihrem Oberkleide auch zugleich den Kopf bedecken, und daß fpay eine solche Einhüllung bedeute, halte ich noch immer für richtig, und Letzteres für Diejenigen, die sich mit dem Studium rabbinischcr Schriften befassen, auch als allgemein bekannt. Daß Sie Hr. vr. sogar die Sache selbst bestreiten, wundert mich in hohem Grade. Um das Kostüm der Araber kennen zu lernen bedarf es durchaus nicht erst der beschwerlichen Reise nach Arabien; da gibt es ja noch andere Mittel, Reisebeschreibungen, Abbildungen, Werke über Kostüme der Völker können auch gute Dienste leisten. Auch sind, besonders seit der Besitznahme Algiers durch die Franzosen, hie und da Araber so gefällig, uns in Europa einen Besuch abznstatten. Wer aber nicht in der Lage ist, ein solches Exemplar in natura zu sehen, der kann durch Besichtigung von guten Abbildungen z. B. der berühmten afrikanischen Gemälde eines Uornee Vernet u. A. die ja auch in zahllosen Abdrücken zirknliren, sich darüber Gewissheit verschaffen. Daß das Verbum spy auch in der Bibel nicht bloß von Gott und dem menschlichen Geiste gebraucht «wird, beweist die Stelle 12 ivay D'puyi (Pf. 65. 14.) Und wenn wir auch diese Radix nicht in der Bedeutung der Umhüllung des Körpers finden, so treffen wir das mit derselben sprachlich eng verwandte nay in diesem Sinne, S72 nay Km (Sam. I. 28. 14) nay' 1:22 (Pf. 109. 19) und mit der Bedeutung, daß die Umhüllung sich auch aus den Kopf erstrecke dsv Sv nayn xSi (Ezech. 24. 17,) 22p Sy layi (Micha 3. 7) und auch im Pentateuch nay’ 22L> Syi (Lev. 13. 45.) Wenn Sie aber auch diese Sprachverwandschaft in Abrede stellen wollten, so halte ich Ihnen die Targumim entgegen, welche nay regelmäßig mit?py übertragen, wie auch Onkelos die letzterwähnte Stelle mir spyn* xS’2X2 22L> Syi und Jonathan mit spy» \T .ts.ip Syi übersetzt. Es war also jedesfalls im Aramäischen mit der Wurzel ^ay, der von mir aufgestellte Begriff verbunden, und es bedarf daher nicht der Zuhülfenahme arabischer Wörterbücher, da wo die heimischen Quellen so klar und reichlich fließen. Aber auch dort finden wir nicht das von Ihnen gesuchte Resultat. Sie wollen daraus, daß Frcvtag rpy auch mit iiiclu.it pallium übertrügt, schließen, daß es nicht die Bedeutung der Kopfeinhüllung habe. Denn, sagen Sie „bekanntlich ist der Mantel nicht ein Kleid, das so eigentlich zur Kopfeinhüllung bestimmt ist." Ein europäischer Mantel vielleicht nicht, aber ob dieß nicht mit einem arabischen Oberkleide der Fall ist, darüber mögen uns zwei von ganz verschiedener Seite gebrachte Stellen Aufschluß geben. Im Journal „Ausland" Jahrgang 1846 theilt ein Tourist aus Abyffinien mit: Die Männer bekleiden sich mit einem großen weißen Tuche, in der Landessprache Gabe genannt, das als M ant el und beim Schlafen als Decke dient. (R. 33 S. 132.) Wer sich das Ansehen eines großen vornehmen Mannes geben will, und dieß glaubt ein Jeder zu sein, der nicht selbst zur dienenden Klasse gehört, wickelt sich ganz in seinen Gabe, bedeckt mit dieser den Mund bis dicht unter die Nase, u. s. w. (Nro. 35 S. 140.) In dem letzten Hefte der Frankel'fchen Monatsschrift findet sich unter den Bemerkungen des vr. Perles zu Löwys chaldäischem Wörterbuche, nachstehendes: n’Sa arabisch jxoS'a persisch fxaSxa wie im Talmud: Kleid überhaupt und dann besonders, ein über den Kopf geworfcner und über die Schultern herab hängender Mantel D6 Sacy ehrest, arabe II. 269. Werden Sie nun Herr I)r. noch immer nicht glauben, daß ein Arabermantel, auch zur Kopfeinhnllnng bestimmt sei? Um nun darznthnn, daß besonders die Rabbinen unter fpay eine Bekleidung, die auch den Kopf (zum Theil, nicht gänzlich, denn daß die Orientalen für gewöhnlich blinde Kuh spielen, wird wohl Niemanden einfallen) umhüllt, verstehen, will ich hier einige Stellen rabbinischer Schriften anführen. (Fortsetzung folgt.) Älte Urkunden. Die Juden in England. Von Ludwig Lichtschein Rrbbinats-Affessor in Gr. Kanizsa. (Schluß.) Es soll aber zu jener Zeit, als R. Menasse b. Israel dem Parlamente jene Petition unterbreitete, ein anderer Vor-