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Das Abendland · 1867-09-05 · 18 (5.9.1867) · p. Seite 142

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
18 (5.9.1867)
Date
1867-09-05
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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142 einander entfernten Glaubensgemeinden stattgefunden, und sind diese auch sowohl durch die in verschiedenen Ländern verschiedenartig fick gestaltenden Verhältnisse der jüdischen Gemeinden, als auch durch die in deren Mitte hinsichtlich der Ordnung ihrer Cultusangelegenheiten stets herrschend gewesene Gemeinde - Autonomie leicht erklärlich; alle derartigen Divergenzen aber sind rein formeller Natur, bei deren Entstehung nie an ein Schisma gedacht wurde, und die auch von den in dieser Beziehung divergirenden Gemeinden nie und nimmer als schismatische Trennung aufgefasst worden sind. Ebenso wenig können die oben bezeichnten heutzutage sich kundgebenden Gegenbestrebungen der altern und jüngern Generation als schismatischer Bruch angesehen werden, da ja beide in der Auffassung und Erklärung der h. Schrift völlig einig sind, und was die dogmatischen Lehrsätze des Judenthums anbelangt, gar keine Meinungsdifferenz zwischen ihnen obwaltet. Nur die Karaiten, welche in der Deutung und Auslegung gewisser mos: Gebote von den übrigen Juden prinzipiell sich unterscheiden, verdienen mit Recht „eine jüdische Sekte" genannt zu werden. Aber auch in Betreff dieser würde die Einführung einer vereinfachten Eidesformel die Rechtssicherheit durchaus nicht gefährden, denn auch für sie, wie für die übrige ganze Judenheit ist die eidliche Betheuerung in ihrer einfachsten Weise von unverbrüchlicher Heiligkeit und rechtskräftiger Verbindlichkeit. (Fortsetzung folgt.) Lorrespondeiyen. Prag. Am 28. v. M. Nachmittags 5 Uhr wurde in dem geschmackvoll in schwarz drapirten Betlokale der Babette von Lämel'schen Alterversorgungsanstalt bei Anwesenheit eines der kleinen Räumlichkeit entsprechenden aber gewählten Publikums eine Gedächtnißfeier für den am 19. v. M. verstorbenen Sohn der Stifterin, Herrn Leopold Ritter von Lämel abgehalten. Außer den Töchtern, Schwiegersöhnen und andern nahen Anverwandten des Dahingeschiedene.n ferner den Mitgliedern des Stiftungsvorstandes, Herren Hermann Wiener, Schwager des Ritter von Lämel, Repräsentant und Vorsitzender des Vorstandes, David Zappert Stadtverordneter und Mitglied der Cultusgemeinde-Repräsentanz, Jakob Dormitzer, Gatte der Tochter der Mitstifterin Frau von Salemsfeld, Josef Lippman und Leopold Braudeis bemerkten wir unter den Anwesenden mehrere Mitglieder der Cultusgemeinde-Repräsentanz als die Herren: vr. Wiener, S. K. Frankl, Stadtrath Adolf Schwab, dann die beiden hochbetagten Greise Herren Moses Edler von Portheim und Josef Pollak und andere Honoratioren und distinguirte Damen. Nach Verrichtung des Minchagebeths wurde ein Choral unter Begleitung des Orgel-Harmoniums abgesungen. Hierauf wurde vom Prediger der Meiselsynagoge, Herrn vr. Stein eine der Feier ganz würdige Gedächtnißrede gehalten. Der Redner hob die Verdienste des Verstorbenen mit Wärme hervor, gedachte auch des gemeinnützigen und wohlthätigen Wirkens der Eltern des Verstorbenen, die durch bleibende Denkmale der Humanität ihr Andenken zum allgemeinen Segen erhalten haben. Sinnig und treffend war die Paralelle zwischen Vater und Sohn. Beide traten für die Gerechtigkeit in die Schranken; jedoch hatte es der Vater zu seiner Zeit nöthig für das verkümmerte Recht seiner Glaubensgenossen zu plaidiren, während der Sohn in der glücklichen Lage war als Vertreter der Stadt und des Landes für das allgemeine Recht des Bürgers sein Wort erheben zu können. Nach der Predigt wurde ein vom vr. Stein gedichteter von Herrn D. Rubin komponirter Choral gesungen und die Feierlichkeit mit einem Gebete für das Seelenheil des Verstorbenen geschlossen. Den gesanglichen Theil der Andacht leitete der Cantor der Neusynagoge, Herr Landau mit der ihm eigenen Begabung. Der Vorstand der Anstalt verdient für das Arrangement dieser erhebeuden Feierlichkeit alles Lob. Die Vorstandsmitglieder Herr vr. Em. Pribram und Herr vr. Tedesko Landcsausschuß-Stellvertreter und Präses der Cultusgemeinde-Repräsentanz konnten wegen Abwesenheit von Prag an der Feierlichkeit nicht theilnehmen. W. Wien. Es dürfte Ihnen, Herr Redakteur! gewiß aus den Zeitungen bekannt sein, daß der hiesige Großhändler Herr Eduard Wiener, Ritter des Ordens der eisernen Krone 3. Klaffe und des portugiesischen Ordens der unbefleckten Empfängniß von Villa Vicosa mit Allerhöchstem Diplome Sr. Majestät des Kaisers vom 30. Juni l. I. in den Ritterstand erhoben wurde. Da nun dieser durch die Gnade seines erhabenen Kaisers so ausgezeichnete Mann unser Glaubensgenosse und ein geborner Prager ist, dürfte die nachfolgende biographische Skizze desselben den Lesern Ihres geschätzten Blattes von besonderem Interesse sein. Eduard Wiener, Sohn des allgemein geachteten Herrn Herrmann Wiener in Prag und Schwestersohn des kürzlich verstorbenen Herrn Leopold Ritter von Lämel wurde 1822 in Prag geboren. Er widmete sich der kommerziellen Thätigkeit und gründete in Wien ein Großhandlungshaus, woselbst er 1851 das Bürgerrecht erlangte. Seine gemeinnützige Thätigkeit, sein Wohlthätigkeitssinn und sein bewährter Patriotismus erwarben ihm in den darauf folgenden Jahren verschiedene Ehrenstellen und Auszeichnungen 1855 wurde er Verwaltungsrath der Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe, als deren erster Vice - Präsident er gegenwärtig fungirt, 1856 wurde er Verwaltungsrath der Südbahngesellschaft, 1861 wurde er zum Gremialrath des Vorstandes des Wiener Großhandlungsgreniums gewählt, 1862 kam er in den Bankausschuß, 1863 wurde er Administrator der Donau-Dampfschiffahrtsgescllschaft. Seit 1854 führt er das Amt eines königlich-portugiesischen General-Consuls. In Anerkennung seiner vielen Verdienste wurde er mit Allerhöchstem Kabinets-Schreiben S. k. k Majestät unseres erhabenen Kaisers durch Ertheilung des Ordens der eisernen Krone 3. Klasse ausgezeichnet, in Folge welcher Auszeichnung er den Statuten dieses Ordens gemäß sammt seiner Gemahlin und seiner ehelichen Nachkommenschaft beiderlei Geschlechts für alle Zeiten mit dem Prädikate Ritter Wiener von Welten in den erblichen Ritterstand erhoben, und zur Führung eines eigenen ritterlichen Wappens berechtigt wurde. X. Breslau im August. Am 22. dieses Monats verschied nach längerem Leiden der 8tuä. phil. und Hörer des jüdisch-theologischen Seminars Wilhelm Lisser aus Ratibor in noch nicht vollendetem 19. Lebensjahre. — Die Anstalt verliert in ihm einen ihrer fleißigsten, frömmsten und bescheidensten Zöglinge, seine Commilitonen betrauern einen liebenswürdigen Collegen, dessen sie stets in Wehmuth gedenken werden. — Er unterlag einem typhösen Fieber, das er sich in Folge übermäßigen Studirens zugezogen haben soll. Seine vielen Freunde konnten ihm nur bis zum Bahnhofe das Geleite geben, da er erst in seiner Heimath die letzte Ruhestätte finden soll. — Nach der eben ausgegebenen Nachweisung der im Unglücksjahre 1866 in Breslau vorgekommencn Geburten, Todesfälle und Trauungen wurden im verflossenen Jahre 173 Knaben und 203 Mädchen jüdischen Glaubens geboren. — Es starben 171 männliche und 154 weibliche Personen. — Bedenkt man, daß im Ganzen 9839 Personen, u. z. 4672.

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