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Das Abendland · 1867-09-05 · 18 (5.9.1867) · p. Seite 143

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
18 (5.9.1867)
Date
1867-09-05
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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männliche und 5167 weibliche starben, so wird das obige, äußerst ungünstige Zahlenverhältniß doch in Etwas gemildert erscheinen. — Getraut wurden unter 1536 Paaren, worunter 483 gemischter Confessionen, 74 jüdische Paare.— Aus Landeshut in Schlesien wird berichtet, daß vorige Woche daselbst auf dem jüdischen Friedhofe eine erhebende Feier stattgefunden habe. — Einem im vorigen Jahre im dortigen Lazareth verstorbenen Oesterreicher wurde ein Denkstein gesetzt. — Die Militärkapelle des Kriegervereins spielte mehrere traurige Weisen, worauf der Lehrer Kohn eine wahrhaft herzerhebende Rede hielt. Dann wurde das einfache, aber schöne Denkmal enthüllt und die beim Grabe ausgestellten Soldaten gaben die üblichen 3 Ehrensalven. Eine zahlreiche Menschenmenge hatte der weihevollen Feierlichkeit beigewohnt. — H. K. Locale und auswärtige Uenigkeiten. Prag. Herr H. K. schleudert in seiner letzten Breslauer Correspondenz im „Abendland" eine Anklage gegen jene Oesterreicher, welche in der letzten Zeit das dortige Seminar verließen, die zur Abwehr herausfordert. Die Behauptung, daß jene Oestreicher trotz ihres vorzüglichen Maturitätszeugnisses kaum einen Satz richtig deutsch sprechen" ist mindestens unrichtig. Die Gründe, warum manche Oestreicher besagtes Institut verließen, sind ganz andere. Sie fanden sich in ihren Vorstellungen von dem Seminar, wo statt der lebendigen Lernfreiheit ein förmlicher Schulzwang herrscht, getäuscht und verließen eine ihrem Wissensdrange nicht entsprechende Stätte, um sich anderweitig auszubilden. Wohl hat das Seminar seine unbestreitbaren Vorzüge aber auch seine Mängel, wie dieß bei jeder öffentlichen Anstalt, besonders einer solchen, welche die erste in ihrer Art ist, vorkömmt. Wir wollen uns weiter über das Seminar nicht einlassen, man könnte glauben, daß wir pro domo sprechen, aber die Lehre aus all' dem ist: Oestreich muß endlich einmal ein eig'nes Seminar haben und darf nicht auf's Gnadenbrvd der Fremde angewiesen sein. Im wissenschaftlichen Wetteifer beider Anstalten würde es sich dann zeigen, ob Preußen oder Oestreich auf dem Gebiethe der jüdischen Theologie mehr zu leisten im Stande ist.*) Philerenes. * Im letzten Aufsatze des Herrn Kreisrabbiner Wiesner in Rro. 16 ist in der Uiberschrift „die Fische des Ackers" anstatt „Ankers" und so auch überall im Aufsatze für Anker „Acker" zu lesen. * Herr Prof: vr. Kämpf hat sich in seinem Gutachten über den Fudeneid für die einfachste Eidesformel und gegen jede dabei zu beobachtende äußere Förmlichkeit ausgesprochen. In diesem Gutachten wird der Gegenstand nach allen Seiten gründlich beleuchtet, und die Benützung und Anführung aller einschlägigen Quellen aus Bibel, Talmud, Codices und Casuisten geben der gediegenen Arbeit einen wissenschaftlichen Werth. * Am 29. und 30. v. M. wurdm an der Hauptschule des Herrn I. Frei die öffentlichen Prüfungen abgehalten. Die Schüler leisteten in allen Lehrge'genständen ohne Unterschied Vorzügliches, wie es von dem tüchtigen Leiter und Lehrern dieser bewährten Anstalt nicht anders zu erwarten ist, besonders muß der rationelle und zweckmäßige Unterricht in der Religionslehre und im Hebräischen rühmend hervorgeho- *) Da» audiatur et altera pars ist ein Grundsatz der Gerechtig. keit und natürlich auch unserer Blattes, doch ist die Beschuldigung au sich ein bedauerliche« Zeichen für den Bildungsgrad mancher RaMneU. E» gibt wirklich Rabbiner, die bei der unwisienden Menge als ausgezeichnete Prediger gelten, und dennoch der deutschen Sprache nicht mächtig find. Die Redaktion. ben werden. Die zahlreichen Gäste die durch beide Tage mit sichtlichem Interesse der Prüfung beiwohnten, sind Beweise des verdienten Rufes, dessen sich diese treffliche Lehranstalt erfreut. * Am 2. d. M. fand in der Beck'schen Lehranstalt die öffentliche Prüfung statt. Wir waren bei der Prüfung aus der Religionslehre und dem Hebräischen, welche Fächer Herr S. Kohn Leiter eines Kindergartens, und aus der deutschen Sprache, welche der wackere Direktor Beck lehrt, gegenwärtig, und können mit Vergnügen unsere volle Befriedigung aussprechen. Die Leistungen der Schüler wie die Methode der Herren Lehrer verdienen alles Lob. R. * Am 30. v. M. wurde den Statuten der Bccrdigungsbrüderschaft entsprechend, wie alljährlich am Vibx n"i auf dem israelitischen Friedhofe ein religiöser Vortrag gehalten. Herr Oberrabbiner Rappoport, der sonst immer diesen Vortrag hielt, konnte zum allgemeinen Bedauern wegen Unwohlseins diese Funktion dießmal nicht übernehmen, und vertrat Herr Rabbiner Simon Lasch seine Stelle. Dieser gelehrte Talmudist entledigte sich seiner Aufgabe mit vieler Gewandheit und Geist, und sein schöner Vortrag erfreute sich des Beifalls aller Anwesenden. Es muß bemerkt werden, daß der eigentliche Tag für diese Friedhofsandacht nach den Vereinsstatuten der 29. v. M. gewesen wäre; die Festlichkeiten bei Einholung der könig-böhmischen Kroninsignien veranlassten jedoch den Borstaud die religiöse Feier auf den folgenden Tag zu verlegen. * Nach einem mündlich geäußerten Wunsche des Verstorbenen wird von den Erben des Herrn Leopold Ritter von Lämel ein Kapital von 200000 fl. zur Errichtung einer (Creche) Krippe für Pfleglinge ohne Unterschied der Confession bestimmt. Wien. Graf Rossetti, Präsident des rumänischen Senats weilte vor einigen Tagen hier. Er hatte eine längere Besprechung mit unserem Prediger vr. Iellinek wegen der Judenverfolgungen in den Donaufürstenthümern, die er höchlich mißbilligte. Er versprach auch bei seiner Rückkehr nach Bukarest alle seine Kräfte auszubiethcn, daß sich solche aller Gesittung und Civilisation hohnsprechende Szenen, wie sie in der jüngsten Zeit in Rumänien vorkamen, nicht mehr wiederholen. Die Initiative zu dieser Besprechung gab der rumänische Senatspräsident, der Dr. Iellinek zu sich bitten ließ. * Es ist eine erfreuliche Wahrnehmung, daß unter dem Ministerium Beust bereits mehrere Israeliten zu öffentlichen Staatsdiensten berufen wurden. So wurde vorige Woche Herr Sigmund Taußig aus Trebitsch als Staatsdiener für die Bausektion in der nied: oft: Statthalterei in Gegenwart des Predigers Dr. Iellinek beeidet. * Der durch feine Wohlthätigkeit bekannte Zündwaarenfabrikant, Herr A. M. Pollak hat 100000fl. zur Errichtung eines Collegieuhauses für unbemittelte Studirende bestimmt, welches den Namen Rudolphinium führen, und im August d. I. eröffnet wurde. Rostock, 28. August. (Für die Juden.) Durch ein Ministerial-Rescript vom 15. d. M. ist der hiesige Magistrat aufgefordert, binnen 3 Wochen sich berichtlich darüber zu äußern, auf welche gesetzliche Bestimmungen sich die hier bestehende gänzliche Ausschließung der Juden stützt, und ob und welche Bedenken gegen die Zulassung der Juden zum Aufenthalte und zur Niederlassung überhaupt und zum bürgerlichen Nahrungsbetriebe, so wie zur Erwerbung von Grundbesitz in hiesiger Stadt insbesondere zur Zeit noch vorhanden sind. — Der Magistrat hält das Recht Rostocks zur Ausschließung der Juden für unbestreitbar, beabsichtigt aber, da diese Abwehr nach den veränderten Zeitumständen und Ansichten sich doch nicht länger halten lasse, das Rcscript dahin zu beantworten, daß bei der Berathung eines Landesgesetzes über die Ertheilung von bürgerlichen Rechten an die Juden, so wie deren Zulassung zum Erwerbe von Grund-

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