Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 17 (22.8.1867)
- Date
- 1867-08-22
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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135 heiß ersehnte Hochzeitstag kam heran; die Chuppa ward ausgestellt, das Liebespaar stand weinend darunter und der Rabbiner fing eben an, die Heiligkeit der jüdischen Ehe in warmen Worten auseinander zusetzen: da zupfte ihn ein anwesender Hochzcitsgast am Talar, um Entschuldigung wegen der unliebsamen Unterbrechung bittend; da er ein Ehehinderniß vorzubringen habe. — Der Rabbiner ging sogleich mit dem böswilligen Störenfried in's Nebenzimmer, und erklärte dann nach kurzer Unterredung mit demselben, daß er die Trauung nicht vollziehen dürfe, da die Braut eine Chaluza (eine kinderlose Wittwe) und der Bräutigam ein edler Sprößling aus dem Stamme Ahrons ein Kohen sei, weßhalb sie niemals nach jüdischem Gesetze ein Paar werden könnten. — Die Bestürzung, die diesen schrecklichen Worten folgte, lässt sich leicht denken; zwischen Lipp' und Kelchesrand war das Verhängniß in Gestalt des rigorosen Priesterehegesetzes getreten, und hatte die liebendsten Herzen aus einandergerissen, um sie nie mehr zu vereinen. — Aus war'ö mit dem gehofften Eheglück, einsam und allein fuhren die armen Brautleute ihren Wohnungen zu. — Was mit den 1500 Thlr. Vorschußgcldern geschehen wird, ist mir nicht bekannt. 6. K. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Von Herrn Di*. Kohn, Rabbiner in Neuern ist uns eine längere Entgegnung aus unsere Nachbemerkung zu seinem in der vorigen Nr. enthaltenen Artikel zugekommen. In dieser behauptet der Entgegner mit vieler Emphase, daß in dem genannten Artikel der humoristische Ton, der „ein rollender grollender Donner" und abermals „ein leuchtender zündender Blitz" ist, vollständig am Platze war. Nun, wir können das gelten lassen. Wir gönnen jedem das Recht einer Meinung, nehmen aber natürlich dasselbe Recht auch für uns in Anspruch. Uns schien der humoristische Ton dort nicht am Platze, ebensowenig am Platze als der Schulmeistcrton unserem Blatte gegenüber in der Entgegnung. Ferner zieht der Entgegner neuerdigs gegen den Schomre-Schabbosverein scharf los, in dem er den Untergang des Iudenthums erblickt. Wir fanden die Entgegnung zur Aufnahme ins „Abendland" nicht geeignet, und würden von ihr gar keine Notiz genommen haben, hätten wir nicht dem möglichen Jrrthume begegnen wollen, als ob darum, weil wir selbst Parthei sind, bei der Nichtaufnahme andere Motive alsb die allgemeinen Grundsätze der Redaktion maßgebend gewesen wären. R. * Zu Ende des letzten Studienjahres wurde vom Herrn Direktor Karl Arenz ein Jahresbericht über den Zustand der Prager Handelsakademie ausgegeben. Einem größern Aufsatze des Herrn Prof. Krieg — „Einfache oder doppelte Buchhaltung"? folgen Mittheilungen des Direktorats. Aus den letztern ist die mit jedem Jahre steigende Theilnahme für das durch seine Lehrkräfte und Lehrmittel vorzügliche Institut ersichtlich. Für die Leser dieses Blattes bietet es Interesse aus dem Program zu erfahren, daß in dem aus 6 Mitgliedern bestehenden Vcrwaltungsrathe, ein Jsraelite, Herr Markus Kaufmann, sich befindet, und unter dem mit Inbegriff des Herrn Direktors aus 17 Mitgliedern bestehenden Profcssorenkollegium außer dem israel. Religionslchrer Herrn Prof. vr. Kaempf, noch zwei Glaubensgenossen aufgezählt werden u. z. Herr S. Bleyer der die Stenografie und Herr A. Fischet, der die Kalligrafie lehrt. Die Akademie zählt überbieg eine verhältnißmäßig bedeutende Anzahl jüdischer Hörer, und sie verdient auch wegen des in ihr herrschenden wissenschaftlichen und humanen Geistes allen jenen Eltern, die ihren Kindern eine gründliche komerzielle Ausbildung verschaffen wollen, bestens empfohlen zu werden. R. * Bon unserem Correspondenten a. o. ist uns vor Schluß des Blattes ein trefflicher Artikel über. den Sabbathvereiu zugekommcn, den die nächste Nr. bringen wird. R. * Uns liegt ein von dem k. k. Kreisamt zu Tabor abverlangtes Gutachten des dortigen Rabbiners, Herrn Gutmann Klemperer über die von der hohen Regierung beabsichtigte Vereinfachung des Judeneides vor. Wir werden das treffliche Gutachten, das namentlich wegen der darin angeführten Gutachten über denselben Gegenstand von 2 berühmten Prager Rabbincn aus den Jahren 1765 und 1806 besonderes Interesse biethet, in der nächsten Nr. des Abendland vollständig anfnehmen. R- * Am 19. d. M. starb hier der Banquier Leopold Ritter v. Lämel, Ritter der eisernen Krone etc. nach langem schmerzvollen Leiden im 77. Lebensjahre. * Am 18. d. M. wurden anläßlich des allerhöchsten Gcburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers in den hiesigen Synagogen feierlicher Gottesdienst abgehaltcn. * Herr Prof. vr. Wessely hat ein zur Vorlage an die Regierung bestimmtes Gutachten über den Judeneid ausgearbeitct. Prof. Wessely, eine Autorität in der jüdischenwie in der Rechtswissenschaft ist besonders kompetent in einer Frage, über die er bereits vor Jahren Mehreres in Fachjurnalen veröffentlichte. Krakan. Hier hat sich ein „jüdischer Haudwerksverein" gebildet. Sein Zweck ist, arme jüdische Kinder zu geschickten Handwerkern in die Lehre zu geben. Berlin Die Michael Beer'sche Preisbewerbung für Künstler jüdischer Religion, dicßmal für das Fach der Skulptur eröffnet, war ohne Bewerber geblieben. Dagegen hatte die in diesem Jahre zum ersten Male eröffnete Prcisbewcrbung der Meyerbecr'schcn Stiftung für Tonkünstler ein gutes Ergebniß. Es lagen die Arbeiten von 4 Coukurentcn vor, die sämmtlich ancrkennenswcrth waren. Den Preis erhielt Wilhelm Claussen aus Meklenburg-Schwerin. Angsbnrg. Die dießwöchentlichc Nr. der hier erscheinenden Zeitschrift — „das Ausland" bringt aus den 1861 in Manuskript gedruckten Reiseskizzcn weiland Sr. Majestät Kaiser Maximilian von Mexiko einen ausgezeichnet schönen Artikel unter dem Titel „Eine Judenhochzeit in Gibraltar" datirt vom 30. November 1859. Tnrin. Eiu israel. Mädchen von kaum 15. Jahren hat zu Ehren der Hochzeit des Herzogs von Aosta eine Ode und ein Sonett verfasst. Der Herzog nahm die Aufmerksamkeit mit dem lebhaftesten Danke auf. Der Name des begabten Mädchens ist Ernestina Croecolo aus Livorno. (Oorriere Israelitieo) Paris. Der als Mensch wie als Gelehrter ausgezeichnete Herr Albert Cohn hat den Orden der Ehrenlegion erhalten. (Wir bringen dem trefflichen Manne unfern innigsten Glückwünsche, möge er sich der Früchte der allgemeinen Anerkennung bis in das höchste Alter erfreuen. D. Red.) Philadelphia. Die hier im Mai stattgefundene Versammlung der Deputationen der amerikanischen Israeliten, in welcher 52 Gemeinden vertreten waren, fasste unter anderem folgende Beschlüsse. Das Präsidium wurde ermächtigt für jede Mission nach China und Abyssinien 550 Frks als Beisteuer zu verabfolgen, sobald zu diesem Zwecke eine Aufforderung von Seiten des Londoner „Board" oder der Pariser „Alliance" erfolgt. Der Fond zur Unterstützung der jüdischen Bewohner Palästina'- soll durch einen Apcll au die Wohlthütigkeit gehoben werden, um erfolgreich für die Förderung der Agrikultur und der Industrie im heiligen Lande wirken zu können — Dem englischen Parlamentsmitglied Sir Francis Goldschmid wurde für seine Rede im Parlamente zu Gunsten der serbischen Juden eine Dankadresse votirt. Auch wurde die Gründung eines Collegiums für jüdischen Unterricht beschlossen.