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Das Abendland · 1867-08-22 · 17 (22.8.1867) · p. Seite 134

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
17 (22.8.1867)
Date
1867-08-22
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 — übertragen war, so ist ein Gleiches von den andern Ketubim vorauszusctzen. Von einem Targ. zu Ester ist auch Megila 21, 2. die Rede. Zwar will Raschi den bezüglichen Passus für interpolirt erklären, weites damals noch kein Targum Ketubim gegeben haben soll; allein da Raschi selbst mehrere Mal das hagiographische Targum citirt. Ps. 68, 5. >74, 6. 19. Taanit 18, 1. Meg. 13, 1. Chagiga 22, 2; da ferner Gitiu J38, 1. von einem Targum Kohelet und nach der Leseart Einiger auch Nasir 3, 1. von einem Targum Hiob die Rede ist, so dürste Raschi nur meinen, daß es kein, für den öffentlichen Gebrauch sanktionirtes Targum der Hagiographen gab, indem mau cs ja nicht gerne sah, wenn das Volk mit der Lektüre der Ketubim sich beschäftigtem die Zeit der Muße ganz den Bekcnntnißschriften des Gesetzes und der Propheten zuzuwendcn, wie aus der Mischna Sabbat 115, 1 hervorgeht, ohne daß man zu Zmizcuö Meinung seine Zuflucht nehmen müßte, daß der sogenannte Raschi Eomcntar zu Megila nicht Raschi angehöre. Das Targum der Hagiographen wurde in Jerusalem verfaßt. Auch in diesem Falle mußte die Abreviatur '"n Targum Jcrasch. Raschi irre geleitet haben, denn Ps. 68, 5, 74, 6, 19 meint Raschi, es sei aus der Feder Jonatans geflossen, diese Arbeit ist aber eine Arbeit mehrerer Uibcrsetzer, die jeder einen eignen Genius beurkunden. Das Targum über die Sprichwörter hält sich von hagadischer Auslegung ganz frei, das über die Psalmen ist bald wörtlich, bald paraphrastisch, betritt die jonatanische Bahn, und erinnert durch seine Hagada sehr oft an noch jüngere Arbeiten der Art, das von Hiob hat wieder seinen eigenen Gang und die Paraphrasen der 5 Mcgilot sind wegen ihrer ganz eignen Manier von der Version der übrigen Hagiographen abgesondert worden, sie werden fast zum Hagadischen Commentar, welches in immer stärkerem Grade nach der Reihefolge Ruth, .Klagelieder, Kohelet, Ester, hohes Lied der Fall ist. (Fortsetzung folgt.) Corrrsponduyen. Tabor den 19. August. Vorgestern Nachmittags 4 Uhr wurde in unserer Synagoge eine würdige Doppclfeier begangen. Die Vorfeier des Gcburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers und die Wiedereröffnung des Gotteshauses, das durch mehrere Wochen einer Restauration unterzogen wurde, und jetzt in prachtvoller Ausstattung da steht. Das Minchagebeth! wie die zum allerhöchsten Gebnrtsfcste bestimmten Psalmen wurden unter Begleitung des neuen Orgclharmoniums von! unserem vorzüglichen Eantor. Herrn I. Prager und dem wohleingeschnlten Chorpersonale trefflich vorgetragen. Besondere Wirkung machte die schöne Predigt unseres verehrten Rabbiners, Herrn Gntmann Klemperer. Dieser folgte ein j Gebeth für das allerhöchste Kaiserhaus, und zum Schlüsse wurde die Volkshymue abgesungen. Die Spitzen der k. k. Behörden und mehrerer Honoratioren der Stadt beehrten die Feier mit ihrer Anwesenheit, und verließen das Gotteshaus mit sichtlicher Befriedigung. X. Breslau im August. Das jüdisch theologische Seminar hatte abermals die Freude, mehrere ehrenvolle Anstellungen seiner Zöglinge notircn zu können. — Dr. Adolf Blüh aus Leipnik in Mähren wurde von der Geincinde zu Berndt als Prediger und Religionslehrer bestallt; Märkisch Friedland ernannte zum Nachfolger des Dr. Paul Bnchholz, (ebenfalls ein ehemaliger Zögling des Seminar?) der nach Stargardt in Pommern berufen wurde, den Dr. Jacob Horowitz aus Krakau, und nach Saaz wurde Dr. A. Frank aus Arnheim in Holland einstimmig zum Rabbiner und Prediger berufen. — Letzterer ist der erste der aus dem Seminar hervorge- | gangenen Rabbiner, der in Böhmen eine Anstellung gefunden. — Seine wissenschaftliche Befähigung und seine weltmännische Routine lassen das Beste von ihm erhoffen. Dr. Frank ist ein ausgezeichneter Bibel- und Talmndkenner, dabei ein tüchtiger Hebräer und gewandter Redner. Er ist kein Essekthascher, prunkt nicht mit hochtrabenden Phrasen und sublimen Abstraktionen, sondern spricht einfach, herzlich und darum auch jedem verständlich, Gelehrter wie Laie fühlen sich gleichmäßig durch seine Predigten erbaut. — Dabei ist er kein Stubengelehrter, sondern kennt die Welt und ihre berechtigten Ansprüche. In mehreren der größeru schlesischen Gemeinden, wo er während der hohen Feiertage als Prediger berufen war, hat er sich manche Erfahrung gesammelt. Außerdem fnngirte er an einer hiesigen Religionsschule mehrere Jahre hindurch als Religionslehrer mit ausgezeichnetem Erfolge. — Wir können nicht nur ihm, sondern auch der saazer Gemeinde aus vollem Herzen zu seiner Wahl gratulireu. — Am Seminar wurden am Freitag dem 2. August bereits die Vorlesungen geschlossen. — Oede und leer stehen jetzt die Räume, wo sonst so reges Leben herrschte. — Der H. Director und die Herren Lehrer haben schon ihre Erholungs- und Badereisen angetreten, und auch die meisten der Hörer sind heimgeeilt zu ihren Lieben, um fern von der ungesunden Hauptstadt Schlesiens den Körper zu kräftigen, nachdem ihr Geist durch neun Monate so herrliche Nahrung genossen hat. — Der neue Kursus beginnt am 29. October, die Aufnahmsprüfungen finden am 25. und 27. October statt. — Zur Aufnahme in die Rabbinerabtheilung ist ein Beschlagensein im Haupterforderniß; außerdem wird ein gutes Verständniß des Talmudteptes mit '"bh und den leichtern Tossaphotstellen und die wissenschaftliche Reise für Secuuda (Septima der öfter. Gymnasien) verlangt. — Es haben im letzten Jahre auffallend viele österreichische Hörer die Anstalt verlassen, um entweder dem theologischen Berufe gänzlich Valet zu sagen, oder in Prag resp. Preßburg ihre Studien sortzusetzen. — Der Grund, der die Letztcrn zum Verlassen des Seminars bewogen, ist nicht etwa;bie Sorge, an der Anstalt nicht die nöthige Ausbildung erlangen zu können, oder ein religiöser Skrupel, daß der Geist des Seminars nicht orthodox genug sei; die Ursache ist vielmehr eine ganz cigenthümliche. — Die meisten dieser Herrn kamen mit einer äußerst mangelhaften Gymnasialbildung hierher und konnten oft trotz ihres vorzüglichen Maturitätszeugnisses kaum einen Satz richtig deutsch sprechen. Es war darum natürlich, daß sie der H. Director strengstens dazu verhielt, dem Unterrichte in den Gymnasialgegenständen am Seminar regelmäßig beizuwohnen. — Dieß behagte nun aber den Wenigsten. Sie hatten bereits von den Wonnen des freien Studentenlebens geträumt, oft schon ihren Namen bei einer Fakultät genannt, und sollten sich nun noch 2 bis 4 Jahre laug mit den alten Plagegeistern von Cicero oder Plato abmühen, denen sie längst schon den Laufpaß gegeben hatten. — Lieber gingen sie, und — der Herr Director hielt sic nicht auf. — Ich möchte darum allen Oesterreichern, die in das Seminar eintrcten wollen, freundschastlichst rathen, ihre alten Klassiker und Lexica nicht zu verkaufen, sondern nach Breslau mitzuuehmen; sie werden dieselben hier noch sehr gut brauchen können. — Um meine Correspondenz nicht ganz mit Seminarangelegenheiten anzufüllen, will ich auch von einem netten Histörchen berichten, das sich vergangene Woche hier ereignete. Eine junge, kinderlose und dabei sehr reiche Wittwe suchte einen Trost für ihren unnennbaren Schmerz um den zu früh dahiugeschiedcnen Gemahl und fand denselben auch in dem nach Liebe und Geld durst.nden Herzen eines jungen Merkursohnes. — Die beiden Leutchen hatten sich bald verständigt, der Hciratsconsens war schnell ausgcwirkt, der Herr Bräutigam hatte sogar schon 1500 Thlr. praenümerando erhalten; nichts fehlte als der priesterliche Segen. — Der

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