Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 17 (22.8.1867)
- Date
- 1867-08-22
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Soweit gelingt mir die Verteidigung noch ganz gut, aber je weiter ich lese, desto schwerer fällt sie mir. Woher wissen Sie, daß so Wenige jap jv*?a tragen? Daß sie den Grund meines Uumuths aus meinem Herzen lesen, kann man einem Freunde, von dem man einen sehr vertranten Umgang voraussetzt, allenfalls glauben; aber wer wird Ihnen glauben, daß ihr Blick bis zur nackten Brust durchdringt? — Es ist Ihnen zu wenig, daß ich das Anlegen des eigentlichen Talith eine Sitte, und eine empfehlcnswerthc Sitte genannt habe, Sie sagen: „er (sic) ift gewissermaßen obligatorisch." Dieser Ausdruck durfte doch noch „vager und dehnbarer" sein, als das von Ihnen beanstandete „Anstandsgefühl." Was kann nicht alles „gewissermaßen obligatorisch" sein? Sogar das Hamanklopfen am Purim und das Verspeisen eines Schaskopfs am Neujahr. „Aber die Worte des jny |1*717 werden hier höchst ungenau und in ganz unrichtiger Uebertragung wieder gegeben, und zwar so, daß der Sinn derselben eben hierdurch ganz entstellt wird." So drücken sie sich aus über mein Citat. Haben Sie wohl überlegt, lieber Freund, wessen Sie mich damit anklagen? Wenn man milde urtheilt, bloß einer Uukenntniß, die mir, in meiner Stellung nicht zu verzeihen wäre; nimmt man es aber streng, sogar einer Fälschung. Zur Motivirung dieser Anklage machen Sie es sich aber doch etwas gar zu leicht. Sie sagen: „bekanntlich bedeutet?|1B7 bei den Rabbinen Kopseinhüllung des Gewandes" (Soll wohl heißen: mit dem Gewände,) wie wenn Jemand sagt: Bekanntlich folgt auf Sonntag der Montag. WaS Sie aber da sagen ist nicht nur nicht bekannt, sond«rn es hat ganz und gar nicht diese Bedeutung. Das Verbum >1107 heißt zwar im biblischen Hebraismus: bedecken, verhüllen, es wird aber nirgends im eigentlichen Sinne vom menschlichen Leibe, sondern nur bildlich von Gott und dem menschlichen Geiste gebraucht. Nur das Nomen 122270 (Jes. 3, 21.) ist ein verhüllendes Frauenkleid, aber aus dem Zusammenhänge und aus den später noch besonders angeführten Kopfvcrhüllungen D'TTil nia'iJ: geht deutlich hervor, daß es keine Kopsverhüllung, sondern nach den besten Auslegern eine Tunika ist. Sie berufen sich freilich dabei ans ein Factum „wie sie noch bei den Arabern gebräuchlich ist." Wenn Sie das, etwa durch einen längern Aufenthalt in Arabien auch genau wissen, so beweist das noch Nichts für die Bedeutung, welche das Wort hatte, als es zuerst in rabbinischen Urkunden gebraucht wird, und die älteste dürste die Tosiphtha zu Bcrachoth Abschn. 6 sein. Wir müssen also, um die richtige Bedeutung zu finden den ältern, arabischen Sprachgebrauch zu Rathe ziehen. Wollen Sie nun gefälligst Ihren Golius oder Freitag noch einmal nachschlagen, so finden Sie u. a. Bedeutungen von?]B7 in conjug. V. auch die induit palliumeinen Mantel auziehen, und unter?,807 pallium- Mantel. Nun ist aber „bekanntlich" der Mantel nicht ein Kleid, das so eigentlich zur Kopseinhüllung bestimmt ist. Möglich ist aber auch, die ganze Kunde von der Tracht der Araber beruht nur aus ein Citat der '"i8,i '212 im pa D112X, dann haben Sie — aus Versehen, oder vielleicht absichtlich? — sehr oberflächlich zitirt; denn da heißt es ia'2272 17?]B7ii*7 — Man bedecke sich bis an den Mund, wie es die Araber machen. Dieses va 17 „bis an den Mund" ist aber noch zu hoch genommen; denn nach j?"o XXIV, a. zeigte Rab Nachman diese arabische Mode an seinem eigenen Leibe dergestalt, daß der Mantel reichte K3pn '21J 17 bis an die Grübchen des Bartes." Da Bartgrübchen nun eine unsichere Bezeichnung sind, ein Modejournal aus dem 7. Jahrhundert aber schwer zu beschaffen sein dürfte; so müssen wir uns schon mit der Erklärung Raschi's aus dem 11. Jahrhundert zufrieden geben, welcher sagt: i'avneeS 'N*?217 mau die Grübchen am Kinn unter dem Munde. Es ist also 1'07 auf keinen Fall eine Verhüllung des ganzen Kopfes. Daß ein sehr( vornehmer Mann 821 8122 sich den Kopf verhüllte wird im Talmud zwar berichtet (Kid. VIII, a. u. XXIX, b. u. anderw), aber es ist nicht gewiß, ob dieß mit dem Zizithpflichtigen geschah, diese Verhüllung wird xnio genannt. DaS Bedecken des Kopfes mit den Talith hat mau seit dem 'i"8 den Kabbalisten abgeguktet. R. David Levi bestreitet im nia I an die Ansicht des N. Abraham Gumbinner iin o.nax pa. UcbrigenS verlangt auch dieser nur ^27 eine vollständige Bedeckung für den Augenblick, da man die Enlogie spricht; denn alle die angeführten Anmerkungen, einschließlich der des p'W 1x170 sind nur zu H 1 des Kap. 8 im i"x gemacht, welcher lautet -p2'i n'rn *]S7*t. Der §. 2 aber spricht sich mit einem Ueberfluß von Deutlichkeit dahinaus, daß es Jedem in sein Belieben gestellt ist, wie er sein Kleid tragen will. Uin nicht wieder einer Unwissenheit, oder gar Fälschung geziehen zu werden bin ich genöthigt den ganzen § hcrzustellen: 0'p0i7i piiooa 0*021017 oix 12 *jna 112*07 iiv 10217 |1221 17X1.1 '1*772 0'270 17X11 1022 07272 0128*702 1’*702 it78i Das übersetze ich so: „die Weise des Umlegens geschieht je nach der Lebensweise der Menschen, die sich bedecken mit ihrem Kleide, während sie beschäftigt sind mit ihrer Arbeit, bald mit Bedeckung des Hauptes, bald mit Entblößung des Hauptes; aber schicklich ist's das Haupt mit dem Talith zu bedecken." Nun möchte ich den Menschen sehen, der arbeiten kann, während ihm beide Arme von emem überhängenden Stück Zeug wie unser Talith beengt sind! Aus der ganzen Fassung des §. geht unzweideutig hervor, daß von einem Kleide die Rede ist, in welchem man sich a son aise, so recht zu Hanse fühlen soll. Das KKid hat mit der Religion gar Nichts zu thuen, nur die Zizith sind gesetzlich. Bei mir ist das so anSgemacht, daß trotz meiner Berthcidigung des Ueberhängens über die Schultern, ich es doch liebe, besonders im kalten Winter mich so recht eou amore, vom Kopf bis auf die Füße in meineu Talith einzuhüllen, ohne daß ich glaube damit etwas religiöses, Gott Wohlgefälliges zu thucu und ohne zu verlangen, daß Andere es mir uachthuen. Es ist daher auch kaum glaublich, und ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich es las, daß Sie in einer bloßen Tracht „ein unwürdiges Spiel mit einer religiösen Handlung, eine Fiktion" finden wollen. Was hat nur ein 10x72 ipl7 1117 i’70 mit der Manier mein Kleid zu tragen zu schaffen? Könnte ich doch beim Lesen des Schema die Zizith in die Hand nehmen und damit gleichsam die Quittung vorzeigen, daß ich geleistet waS gefordert wurde! Es würde Jemand falsch gegen sich auSsagen, wenn er ohne Zizith am Kleide sagen würde: Hier stehe ich bekleidet mit Zizith; aber das sagt ja Niemand, hat es nicht zu sagen, und wenn er es sagte, während er ein Zizithpflichtiges mit Zizith versehenes Kleid anum- oder überlicgen hat, so sagt er ja die Wahrheit. —■ Lieber Freund, wo waren Ihre Gedanken, als Sie das schrieben? — (Fortsetzung folgt.) Das jerusalemitische Targum. von Dr. M. Dnjchak. 1. Zum Pentateuch. Außer dem Targum Onkelos gibt es noch ein anderes Targum der Bücher Mose, worüber Zunz gründliches ermittelte. Dieses Targum ist in zwiefacher Gestalt vorhanden, dasjenige welches den gcsammten Pentateuch umfaßt, wird Targum des Jonatan den Usiel; dasjenige aber, welches nur über einzelne Verse und oft über abgerissene Worte sich erstreckt, Targum jeruschalmi genannt. Die Kritik hat dem Jouatan längst die Abfassung des zweiten Targums über den Pentateuch abgesprochen, denn die Uebersctzung der Propheten ist auffallend von dieser Uibersetzung verschieden. Der Styl in dem Pentateuchtargum ist weit unreinerer; Vokablen aus allen Zungen und Sprachen, lateinische, grichische und persische sind zusammen gestoppelt und der Text schwimmt