Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 16 (8.8.1867)
- Date
- 1867-08-08
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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124 r" . wurden an die äußersten Grenzen des Landes gesendet, um als Christen erzogen zu werden. — Nach dem Tode Heinrich III. 1273, unter der Regierung Eduard I. erreichten die Verfolgungen der Juden erst recht ihren Culminationspunkt. König Eduard ließ nämlich nahe am Ufer der Themse 2 große Zelte errichten, von denen das eine mit dem Bilde Mosis, das andere hingegen mit dem Bilde Christi versehen wurde. Über jede dieser Zelte war je eine Tafel vorhanden, mit der Bemerkung: Es solle den Juden frei stehen, in welches dieser Zelte immer sich zu begeben, damit der König erkennen möge, welche Juden bei ihrem Glauben auch fernerhin zu verbleiben und welche Christen zu werden gesonnen seien. Da aber, wie leicht vorauszusehen war, der größte Thcil der Juden in das mit dem Bilde Mosis gezierte Zelt sich begaben, so wurden sämmtliche sogleich beim Eintritte durch eine Thürc welche an der Rückseite des Zeltes angebracht war, aus dem Zelte hinansgeführt, und in die Themse geworfen. (Vgl. R. Ged. s. 215,) Doch dem sei wie immer, die Verfolgnng war ungeheuer groß, uud mußten alle Juden im Jahre 1290 unter Eduard 1. aus England auswandern. So blieben nun die Juden aus England verbannt und ausgeschloßen, bis endlich im Jahre 1655 der berühmte amsterdamer Prediger R. Menasse b. Israel, sowohl durch sein umfangreiches Wissen; wie auch durch seine Rhetorik besonders hervorragend, als Vertheidiger der Juden nach London kam, und dem damaligen Protector Englands Richard Cromwell seine Bitte um Wiederaufnahme der Inden in England mit folgenden 7 Punkten motivirte: (Vgl. Näheres hierüber vr. Kaiserling im Jahrb. für Geschichte der Juden 1862.) a) Möge die jüdische Nation wieder in England geduldet und gleich der englischen geschützt werden. d) Möge der jüd. Nation gestattet werden, außerhalb der Stadt einen freien Ort zu ihrer Begräbnißstätte zu benützen, worin sie von Niemanden beunruhigt würden. e) Daß ihnen gestattet werde, um ihren Gottesdienst gehörig verrichten zu können, Synagogen im Lande zu erbauen. ä) Möge der isr. Nation gestattet werden, daß sie frei und ungehindert im ganzen Lande Handel treiben dürfen, e) Möge der Herr Protektor Cromwell, für die cinzuwandernden Juden eine besondere Person beistellen, welche ihre Pässe Nachsehen und zugleich den Eid der Treue von ihnen abnehmen. I) Daß zur Vermeidung jeglicher Belästigung bei vorkommenden Streitfällen unter den Inden, ihren eigenen Synagogen-Vorstehern das Rechtzugestanden werde, jene . Streitigkeiten beizulegen und zu schlichten, g) Daß diejenigen Ausnahmsgesetze gegen die Juden welche bisher bestanden, zur größern Sicherheit der nun cinzuwandernden Juden, ad acta gelegt und annulirt werden mögen. — Menasse ben Israel verfaßte übrigens schon 1647 ein Werk „Mikveh Jjsroel" spes Israelis, Hoffnung Israels genannt, deßselben Inhaltes, welches er den damals tagenden engl. Parlamente widmete und welches den Parlamentsgliedern so sehr znsagte, daß ein Mitglied des Parlaments E. 8. Middelsex, welcher im Namen des Parlaments den R. Menasse ben Israel für die Widmung den innigsten Dank ausdrückte, ihn in der Zuschrift carrissinms frater, d. h. werthester Bruder nennt. — Cromwell ließ nun den 4. Dezember 1665 geistliche und weltliche Rechtsgelehrte zur Berathung des von R. Menasse vorgelegteu Entwurfes nach London berufen, woselbst sie ununterbrochen, bis zum 18. Dezember ihre Sitzungen hielten und heftig sowohl pro wie auch contra dedatttrt wurde.— Der größte Theil jener Rechtsgelehrten, die weltlichen nähmlich stimmten für die Aufnahme der Juden, die geistlichen Rechtsgelehrten hingegen, boten alle Macht ihrer Beredsamkeit auf, um nur das bisher bestehende Gesetz die Ausschließung der Juden nähmlich, aufrecht zu erhalten. So blieb nun die Petition unerledigt und die Sache unentschieden. R. Menasse sah sich in Folge dessen gezwungen unverrichteter Sache wieder nach Amsterdam zurückzukehren. (Vgl. Sant. 240.) Gebet um Thau. Uebersetzung des Talgebetes vou Professor M. Stößel.*) Spend' o Herr Erquickungsthau — jeder Saat auf Feld und Au! — Heb', wenn Korn uud Most gedeihst, —- auch das Volk, das dir geweih't, — durch Erquickungsthau! Schaff durch Than ein Segensjahr, — Früchte schön und wunderbar — deine Stadt, verödet ganz, — schmück' auch mit dem Blüthenkranz — durch Erquickungsthau! Thauestropfen ohne Zahl — funkeln durch des Himmelsstrahl; — auch dein Volk ans Dunkelheit — laß es funkeln hell und weit — durch Erquickungsthau! Gieb durch Thau doch Honigseim — nun der Reben jungem Keim; — süßen Trost auch uns'rer Brust, — daß wir preisen dich mit Lust — durch Erquickungsthau! Thau gib, der uns Fülle bringt, — gleich der Flur dein Volk verjüngt, — daß es einem Garten gstich — prang' an Blüth' und Früchten reich — durch Erquickungsthau! Segen laß der Nahrung thauen, — daß zum Heilste, nicht zum Grauen! — laß auch deiner Heerde treu —- Gnade rieseln immer neu — durch Erquickungsthau! Bemerkung. Es wird jedem Leser sogleich klar, daß der Dichter in jeder Strofe von Thau und Pflanze im eigentlichen Sinne auf Thau und Pflanze im figürlichen Sinne, auf den Than der Belebung und Erhebung Israels nämlich, übergeht. Höchst zart jedoch drückt der Dichter den Wunsch, daß der Verjüngung der Natur im Frühling die des gedrückten Volkes sich anschließen möge in der 5. Strofe aus, rnd ist diese Strofe eben wegen dieser zarten Wendung, meines Wissens, bisher nicht verstanden worden. Die Verbindung der beiden Ideen drückt der Dichter durch den Satz aus, der nämlich übersetzt lautet: „Möchtest du doch wie die Zeit (Frühjahr nämlich) auch unsere Tage erneuern!" Die Commentatoren haben diese feine Jdeenassoeiation nicht beachtet und daher zu allerlei gezwungenen Erklärungen sich genöthigt gesehen. Die Fische des Änkrrs. Von KreiSrabbinee I. Wi e S n e r. Gar Mancher wird wohl schon die Fische des Ankers (kuis ’m KJVi’3), die der Talmud (Makoth 16; b) für unrein erklärt, belächelt haben, und es scheint in der That dieser Begriff einen Widerspruch zu enthalten. Und doch ist die Sache, in der Nähe betrachtet, so widersinnig nicht. Es ist bekannt, daß mehrere Arten der Stachelflosser sehr lange *) Dieser posthume Artikel wurde unS von dem selig. Verfasser wenige Wochen vor seinem Tode für das Abendland zugeschickt nebst einem altern historischen Dokument, welches wir in einer nächsten Nr. mittheilen werden (d. Redaktion)