Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 16 (8.8.1867)
- Date
- 1867-08-08
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 kes werde, daß die Jugend in den Schulen und die Erwachsenen von den Kanzlen herab wahrhaft im Geiste der Gotteslehre belehrt werden; daun werden Lehrlinge, Künstler u. s. w. den Sabbat heiligen, und nicht entweihen! Sorget dem Volke leistungsfähige und leistungswillige Lehrer und Rabbiner zu geben, dann wird man nicht nöthig haben die Sabbathalter zu erkaufen! Daher geehrter Herr a. — 0. wenn sie sich ein Verdienst um das Judenthum erwerben wollen; so streben sie einen österreichischen Talmudthora-Verein zu gründen, der zum Zwecke hat ein Lehrer und Rabbiner-Seminar zu errichten. Ferner will ich Ihnen noch ein anderes Feld eröffnen, auf welchem ihr frommer Sinn segenreich wirken kann. Es ist bekannt, daß die jüdischen Kinder, die das Licht der Welt im Gebährhaus erblicken christlicher Pflege übergeben werden müssen, weil kein Jude diese Verpflichtung für den von dem Gesetze bestimmten Preis übernehmen will. Es wäre wahrlich löblich einen Verein zu gründen, der zum Zwecke habe diese jüdischen Kinder deren Zahl durchschnittlich jährlich 33 beträgt, einer jüd. Erziehung und Verpflegung zu ermöglichen. Möge Herr Rabb. Dr. Hildesheimer wohl bedenken, daß ihn nicht der Vorwurf träfe: „Was hat dir dieses Volk gethan, daß du über dasselbe (eine solche große Sünde gebracht hast, sich für die Sabbatfeier zahlen zu lassen?" Möge der Herr Dr. wohl bedenken, daß er dadurch nur Geldgier hervorruft, wodurch das Volk zur Schmach bei seinen Feinden verwildern muß, aber nicht zur religiösen Ueberzeugung gelangen kann. Das Judenthum hat sich immer durch sich selbst, ohne äußere Einmischung erhalten, lassen wir die »SSna ihren Weg wandlen, wenn wir es nicht durch Belehrung zu verhindern im Stande sind, das Judenthum wird deshalb nicht zu Grunde gehen, es gab doch zu allen Zeiten Verächter der Gebote Gottes; sie vergingen; aber das Judenthum steht heute noch in seiner Glorie! (Nachbemerkung der Redaktion) Als unpartheiisches Organ gönnt das „Abendland" jeder Ansicht willig einen Raum, und so haben wir auch der vorstehenden Arbeit, die über das Projekt des Herrn Dr. Hildesheimer unbarmherzig den Stab bricht, die Aufnahme nicht versagen wollen, obgleich wir den humoristischen Ton in einer ernstlich religiösen Frage nicht ganz am Platze finden. Der Hauptgedanke des Verfassers, den übrigens bereits Herr Rabbiner Ehrentheil geltend machte, daß eine durch Geld erkaufte Religiosität wenig Werth habe, ist gewiß ein an sich richtiger, und es kömmt Herrn Dr. Hildesheimer gewiß nicht in den Sinn alle die gewaltigen aus der Strömung der materiellen Zcitrichtung hervorbrechenden, den Damm der heiligen Sabbatweihe immer mehr zerstörenden Fluthen sammt und sonders dnrch einen Schomre-Sabbathverein zurückdrängen zu wollen. Darin liegt aber noch kein Grund dem Projekte alle und jede Lebensfähigkeit abzusprechen. In einzelnen Fällen, wo die Collission zwischen dem religiösen Gewissen und den Ansprüchen des äußern Lebens einen wirklichen Seelenkampf hervorruft, könnte der Verein immerhin beschwichtigend und ausgleichend interveniren. Die Fehler des Projekts liegen nach unserer Ansicht in der Form. Zunächst ist das Programm über die Wirksamkeit des Vereins nicht klar genug. Die Wochenmarktfrage, die schon für sich eine kaum zu bewältigende Thätigkeit in Anspruch nimmt, ist zu sehr mit andern Tendenzen, deren Tragweite unbestimmt ist, vermischt. Außerdem halten wir die Centralisirung bei einem solchen Vereine für unpraktisch. Ein Verein, der sich über ganze Ländergebiethe erstrecken soll, muß zuletzt an seiner Schwerfälligkeit laboriren oder gar zu Grunde gehen. Wir hätten es für weit zweckmäßiger gehalten, wenn die Bildung solcher von einander unabhängigen Vereine in einzeln größer« Gemeinden angeregt worden wäre. Indessen wollen wir der weitern Entwicklung des Vereins nicht vorgreifen; vielleicht auch, daß er sich in seiner Tendenz praktisch klärt, und seine jedenfalls lobenswcrthen Absichten durch die geeigneten | Mittel zur Förderung bringt. In Betreff unseres geehrten | Correspondenten a. o müssen wir bemerken, daß derselbe, ein vielseitig gebildeter Mann aus seiner Ortodoxie kein Hehl macht, und auch in der von Herrn Rabb. Kohn beregten Findelhausfrage seinen Beitrag als gründendes Mitglied eines dießbezüglichen Vereins bereits zugesichert hat. Das Streben, Religiosität im Judenthume zu fördern, hat übrigens Herrn a. o. nicht gehindert, bei geeigneter Veranlassung für die Creirung eines Rabbinerseminars in Böhmen kräftig und eindringlich zu plaidiren. Ferdinande«. Aas gelbe Huchtäppchen. von Leopold Wolf in Prag. I. Das Zeitalter der Reformation führt uns aus der finsteren Welt des Mittelalters in die lichtere neue Zeit, welche sich die „„Volksaufklärung und die Erhebung" „früher verachteter Klassen der menschlichen Gesellschaft"" zur Aufgabe macht. Eine solche Zeit sollte man meinen, müssie zur Verwirklichung ihrer hohen Probleme Männer an ihrer Spitze haben, die durch ihre erhebende Charaktergröße und durch ihre geistige Individualität uns als imponirende geschichtliche Gestalten entgegentreten, die als Ideale der humanistischen Bestrebungen in uns eine wahre Begeisterung zu erwecken im Stande sind. — Aber nur in seltenen Fällen entspricht die Wahrheit dem Phantasiegebilde, das wir uns geschaffen; in dem ChaoS frömmelnder Schwärmerei, fanatischer Leidenschaft, finsteren Glaubenshasses und blutiger ReligionSverfolgnngen finden wir in unseren Erwartungen nichts als optische Täuschungen; den Männern dieser Zeit schwindet sehr oft der Glorienschein vom Haupte, und bei der „Reform der Kirche in Haupt und Gliedern" haben wir gar Vieles auszusetzen „an Haupt und Gliedern" der Reformations- und ihrer Gegenparthei. Wir haben in diesen Blättern bereits das Verhältniß der beiden Hauptträzer des Reformationsgedankens nämlich Reuchlins und Luthers zu den Juden besprochen. Die heutige Skizze betitelt sich nach einem Gegner der von diesen Männern wachgerufenen Reformation, und zeigt uns den erwählten deutschen König; Kaiser Ferdinand I. (1556 — 1564) wie er neben seinem Protestantenhasse auch noch Zeit fand seine Abneigung gegen die Juden in nerqelnden eines Herrschers unwürdigen Plackereien kund zu geben. Man weiß, daß Staatsklugheit, Charakterfestigkeit und Selbstständigkeit eben Ferdinands Sache nicht war. Er bedrängte die Protestanten und mäckelte an den Satzungen des ersten am Augsburger Reichstag (1555) zustandegekommenen Religionsfriedens; und er haßte die Juden und gab ihnen seine Abneigung in zahlreichen Verordnungen, aus denen wir eine Blumenlese biethen werden, zu erkennen. Der Protestantismus und das Judenthum beförderten die Denkkraft des gemeinen Mannes, die Sittlichkeit des Volkes, „„das aus" „den heiligen Schriften des Judenthumes den Urquell seiner" „religiösen Bildung zu schöpfen begann,"" — das war der katholischen Clerisei ein Dorn im Auge, und Ferdinand I. ward, er wußte gar nicht wie, bestimmt den kürzlich entstandenen Orden der Jesuiten als Gegengewicht gegen Protestanten und Juden in seine Staaten aufzunehmen. Der fromme Jesuitenpater Canisius wurde von Ferdinand I. aus Ingolstadt nach Wien berufen, damit er dem wankend gewordenen alten Glauben neue Stützen schaffe. Der Orden verfolgte einen doppelten Zweck: erstens das Umsichgreifen des Protestantismus scientifisch und politisch zu hindern; zweitens durch Erziehung der Jugend die streng katholischen