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Das Abendland · 1867-08-08 · 16 (8.8.1867) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
16 (8.8.1867)
Date
1867-08-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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für alle zritg-MSße» des I»ö<!«th««s. Präuumerationsbetra.q ganz;. 3 fl., halb;ahrig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mitPostzusendung und Zustellung ins Haus für's Ausland ganzj. 2 Thlr. halb;- l Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur I. «MUMM. Erscheint alle 14 Tage nud zwar jeden 2. Donnerstag. Administration Breite Gaffe Nr. 108—V. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Das moderne goldene Kalb. — Ferdinandea. Das gelbe Luchläppchen. — Alte Urkunden. — Gebet um Thau. — Die Fische des Ankers. — Hygienische Sünden bei der Beschneidung. — C o rresponde nzen: Aus Böhmen. — Notizen: Prag, Triest, Paris, Metz, London, Plymouth, Constantinopel, Bukarest. — Die Rabbinerwahl in Zappelsdorf. — Inserate. Das moderne goldene Lalb! Von D. K o h n Rabbiner in Neuern. Und als das harrende Volk sah, daß der gehoffte religiöse Fortschritt von den erleuchten und wahrhaft frommen Männern deo Judcnihums zu kommen noch immer zauderte, daß der Rückschritt die Begriffe der Religion immer mehr und mehr verwirrte, daß lichtscheue Gestalten im Dunklen ihr Wesen treiben, daß diese endlich ein Nebelgebilde, den Leichenzug des Iudcnthums darstellend zum Schrecken aller Schwachen und Wahnersüllten aussteigen ließen; da trat es hin zu dem ehrwürdigen Rabbiner vr. Hildesheimer und sprach: „Mache uns einen Gott, der uns lehre den Sabbat nicht zu entweihen; denn wir wissen nicht, was aus der göttlichen Lehre, die wir durch Moses auf dem Sinai empfangen haben, und uns bis zum heutigen Tag ein sicherer Führer, ein treuer Lehrer war, geworden ist. Vergebens suchen wir sie in unfern Volks- Mittel- und Handelsschulen bei dem Religionsunterrichte, vergebens lauschen wir ihren Worten in unfern Gotteshäusern; die Zeit hat sie getödtet, wir haben so eben ihren Lcichenzug gesehen, sie wurde zu Grabe getragen! Und Herr vr. Hildesheimer sprach zu dem Volker „Ziehet die Hände aus den Taschen, öffnet sie, und bringt mir jeder zwei Gulden! Und das Volk öffnete bereitwillig die Hand, und es brachte jeder zwei Gulden. Und Herr vr. Hildesheimer nahm das Geld, gab es in eine Form, und hervor ging das goldene — nein das moderne Geldkalb, belebt und beseelt durch den allmächtigen Hauch des Geldes, belebt und beseelt durch die warmen Worte des frommen und begeisterten a. o. des Correspondentcn des Abendland in Nro. 14. Und der ehrwürdige Herr Rabbiner vr. Hildesheimer rief dem Volke zu: „Dieses Israel ist dein Gott; er wird dir von nun an lehren, den Sabbat nicht zu entweihen; er heißt Schomer—Schabat-Bercin!" „Diesem Gotte zu ehren" sprach er ferner, „werdet ihr den Sabbat feiern, sein Geist wird über euch kommen; denn er wird euch dafür bezahlen!" Und das Volk entweihete den Sabbat nicht. Die Lehrlinge mieden die Werkstätten, Künstler und Gelehrte ruheten aus von ihrem Berufe, die Handelsbcflissenen entsagten dem Handel; sie alle tragen ja ihren Gott in den Taschen, welchen sie über alles fürchten! In der Werkstatt, im Hause im Geschästslokal herrscht Sabbatruhe, aber nicht in den Köpfen und den Gemüthern, nicht in den Taschen, dem Tempel wo ihr Gott wohnt, und sie zur Lust und Freude aufmuntert. Und siehe, alle diese Schomre — Schabbatkinder; Meister und Lehrling, Künstler und Gelehrte, Geschäftsbeflissene und noch viele andere eilen hin in Kaffe- und Gasthäusern in Spelunken und Spielhöllen, in Häuser der Zucht- und Sittenlosigkeit, um dort ihrem Gotte zu ehren, den Sabbat zu feiern durch das Rauchen einer Zigarre, um dort zu spielen, um dort Verbotenes zu essen und zu trinken, um dort jede Ausschweifung zu treiben, und um dort ein Geschäft zu machen, ihr Gott ist mit ihnen; ihm weihen sie den Sabbattag, weil sie nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit machen sollen. Wer den Sabbat nicht zu heiligen versteht, kann ihn auch nicht körperlich feiern. Lellomor wesachor wurden als ein, von einander untrennbare Gebote von Sinai herab verkündet. Ohne geistige Heiligung ist eine Sabbatruhe nicht denkbar, und Geld, der Boden aus welchem die Sabbatschänder wie Pilze hervorschicßen, wird sie nicht zu Sabbatheiliger, zu Sabbathaller umwandlen nwy} ‘mTp iw wo! Das Judenthum lässt sich nicht durch Geld erkaufen, so wenig wie es sich für Geld verkauft. Dieses lehrt seine Geschichte. Die Judenheit hat die Religion seit Olims Zeiten höher als Geld, ja selbst höher als das Leben geachtet. Wer es wie Herr vr. Hildesheimer durch Geld erhalten wollte, der würde sich bald genöthigt sehen, noch andere derartigen Vereine ins Leben zu rufen, z. B. einen Verein der da jenen bezahlt, die sich des Gennsses verbotener Speisen enthalten, etc. Das Judenthum hat etwas werthvolleres als Geld und Silber als Gold und Edelsteine; es hat seine göttliche ewig wahre Lehre, die nie zu Grabe getragen, die ewig fortdauern wird, mit ihr kann man das Judenthum erkaufen mit ihr wird es fort bestehen, wie es bisher fort bestanden hat! Sorget, daß dieses heilige kostbare Gut Gemeingut des Bol-

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