Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 15 (25.7.1867)
- Date
- 1867-07-25
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Zu den bei der Pariser Weltausstellung ausgezcichneter jüdischen Firmen hiesigen Platzes, haben wll noch nachzutragen: Jacob S. Goldschmidt, bereits im Besitze der Londoner Medaille, erhielt die silberne, Ludwig B. Goldschmidt und B. Fogcs die bronccne Medaille. Alle drei für ausgestelltes Leder. * Das große Brandunglück in Brodi, das so viele Bewohner jener Stadt ins äußerste Elend versetzte hat auch in unserer Gemeinde viel Theilnahme erregt. Eine dieser Tage von den Herren Religionsprofessor Adler und Salomon Kohn vorgcnommene Sammlung zur Unterstützung der Verunglückten hat bereits ein günstiges Resultat erzielt; sie ist noch im Zuge und wünschen wir ihr einen weitern ausgiebigen Erfolg. * Wie wir hören, wurde Herr vr. Prazak, Rabbiner in Rakonitz zum Kreisrabbiner des Piseker Kreises ernannt. . Derselbe wird in Brezuitz, wo auch m frühern Zeiten die! prachincr Krewrabbincr ihren Sitz hatten, wohnen. * Von dem ehemaligen Rabbiner in Frankfurt a. M. Herrn vr. Leopold Stein wird eine Subskriptions- Einladung zu einem Werke unter dem Titel: „Die Schrift des Lebens. Inbegriff des gesammten Judenthums in Lehre, Gottesverehrnng und Sittengesetz (Dogma, Cultus, Ethik) Schriftgemäß, volksthümlich und zur Kenntnißnahme für Israeliten und Nichtisraeliten dargestellt" — versendet. Das Werk, das in Lieferungen zu I V, Bogen ä 9 Kreuzer ausgegeben wird, erscheint nach Disposition des Titels in 3 Theilcn. Der Verfasser sagt in dem Prospekte, daß er in diesem Buche den Ertrag seines Lebens, die Ergebnisse seines religiösen Denkens und Forschens, überzcugungstreu wahr und offen kundthun. Es ist für die Zustände im Jndenthume bezeichnend, daß der Vers, in der Gunst der ihm gewordenen Unabhängigkeit, d. h. in der Scheidung aus dem Amte, zugleich eine Gunst für den Gehalt des Buches erblickt. Jedenfalls ist von einem Manne wie Leopold Stein nur Vorzügliches zu erwarten. Ans Ersuchen des Vers, sind wir zur Annahme von Prämunerationen auf das Werk bereit — R. Wien. Im hiesigen Tempel wurde für Weiland Kaiser Maximilian von Mexiko ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. * Die Trauung der Hofopernsängerin Frl. Bettelheim mit Herrn Gompcrz aus Brünn hat im hiesigen Tempel in feierlicher Weise stattgefunden. Viele hervorragende Persönlichkeiten, besonders Kunstnotabilitäten wohnten der Feier bei. Wien 18. Juli. Im Laufe der heutigen Abgeordnetensitzung erhielt der Abgeordnete Kuranda ein Telegram aus Orsova, das ihm den bereits durch die Zeitungen bekannt gewordenen neuen Gewaltakt gegen die Juden in Galatz mit der Bitte mittheilte, die Intervention der k. k. Regierung zu Gunsten der so hart bedrängten Juden in Rumänien nachzusuchen. Noch während der Sitzung verständigte Herr Kuranda den Reichskanzler Freiherrn von Beust von dem Inhalte der empfangenen Depesche — Dieser edle Staatsmann sandte sogleich, nach einer kurzen Besprechung mit den Abgeordneten Kuranda und Winterstein, telegrafisch den Auftrag an den österreichischen Consul in Galatz: Gegen diesen Gewaltakt wie gegen jede Verfolgung der Juden in Rumänien im Namen der österreichischen Regierung die energischeste Einsprache zu erheben, auf die Ermittelung und Bestrafung der Schuldigen ernstlich zu dringeu, und die dortigen Juden ohne Unterschied, ob sie unter österreichischem Schutze stehen oder nicht, gegen alle weitern' Verfolgungen in Schutz zu nehmen. Lemberg. Der verdienstvolle Redakteur der hier erscheinenden Zeitschriften der „Judenfreund" und der „Neuesten Nachrichten" Herr Josef Kohn hat einen herben unersetzlichen Verlust erlitten. Seine kaum 40 Jahre zählende, wegen ihrer Tugenden allgemein geachtete Gattin ist nach langer Krankheit in's bessere Leben übergegangen. Der Schmerz des tiefgebeugten Gatten, der nach 24 jähriger glücklicher Ehe seine treue und biedere Lebensgefährtin verlor. Die Trauer der beiden zurückgebliebenen Söhne, welche die beste und edelste Mutter beweinen, fanden hier die innigste Theilnahme, d«e sich bei dem feierlichen Leichenbegängnisse der würdigen Frau, in schmerzlichster Weise kund gab. Die beiden Leichenreden welche von dem betrübten Gatten und dem ältern Sohne, dem hochbegabten Herrn David Kohn gehalten wurden, ließen kein Auge der zahlreich Anwesenden trocken. Herr Josef Kohn, der seit Dezenten für die Bildung und den Fortschritt seiner Glaubensgenossen in Galizien unter stellen Kämpfen mit dem Materialismus der Zeit und der an die Ferse jüdischer Gelehrten sich hängenden Ungunst des Schicki sals rühmlich wirkt, hat durch diesen neuen Schicksalsstreich i einen erhöhten Anspruch auf die Theilnahme und Unterstüt- | zung in seinen literarischen Unternehmungen von Seiten seiner jüdischen Glaubensbrüder, die wir ihm aus vollem Herzen wünschen. Herr Kohn möge in seinem gerechten Kummer darin Trost finden, daß seine beiden Söhne, namentlich der ältere, zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Dieser junger Gelehrte, der schon in seiner ersten Kindheit als Wunderkind galt, hat seit längerer Zeit von seinem Vater die Redaktion der hebräischen Zeitschrift „Hamwasser und Hanescher" übernommen, und entwickelt dabei eine Gewandheit und Tüchtigkeit wie sie kaum in solchem Alter weiter ihres Gleichen finden. Wenn, wie wir hoffen, die weitern scientifische Entwicklung der bisher unverkümmerten Frühreife entspricht, darf das Judcnthum sich von dieser aufstrebenden Kraft viel Gutes versprechen. R. Pkst 19. Juli. Das Amtsblatt publicirt eine Verordnung des Justizministers an den Bürgermeister, in welcher auf Grund der Bewilligung des Ministerraths zum Behufe der Schwurgerichtslisten die Conskription sämmtlicher die vorgeschriebene Qualifikation besitzender Israeliten angeordnet wird. — Breslau. Der Dichter Seume schreibt in seinem „Spaziergange nach Syrakus." „In Budin, einem Orte wo all- „gemeine Verlassenheit zu sein scheint, traf ich bei dem Jn- „deu Lasar Taußig eine kleine Sammlung guter Bücher an „und ließ mir von ihm, da er Lessings Nathan einem „Freunde geliehen hatte, auf den Abend Kant'ö Beweisgrund „zur einzig möglichen Demonstration über das Dasein Gottes geben." — Da Seume am 8. Dezember 1801 seinen „Spaziergang" von Grimma in Sachsen aus angetretcn hat, so dürfte er beiläufig Mitte desselben Monats in Budin gewesen sein. — Ist nun schon diese Thatsache an und für sich merkenswert!), baß im Jahre 1801 in einem kleinen böhmischen Städtchen ein ganz gewöhnlicher Jnd: im Besitze einer Sammlung guter*) Bücher ist, worunter die Werke von Kant und Lessing sich befinden; so gewinnt sie für uns noch insofern an Jutresse, als dieser Jude der Vorfahr (vielleicht Vater oder Großvater) des wohlbekannten und verdienstvollen Obmannes der böhm. jüdischen Landesrepräsentanz, H. Gabriel Taußig aus Budin, ist. — K. n. London. Der gewesene Lordmayor in London, Sir Benj. Philipps wurde dieser Tage auf seiner Villa freudig überrascht. Eine Deputation der hiesigen Israeliten überreichte ihm ein Ehrengeschenk, bestehend in 2 silbernen Candelabern deren eingravnte Inschrift „dieses Geschenk als ein Zeichen der Hochachtung" erklärt, von der die Mitglieder der Gemeinde Sir Philipps, wegen der ruhmvollen Weise, mit der er als Lordmayor vom November 1865 bis Nowember 1866 den hohen Charakter der Corporation lvertrat erfüllt sind, und zugleich den Dank seiner Brüder, den er *) Seume dürfte hier kaum hebräische gemeint haben. —