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Das Abendland · 1867-07-25 · 15 (25.7.1867) · p. Seite 118

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
15 (25.7.1867)
Date
1867-07-25
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 ten Tradition, vielleicht mit einer tdö ntpoS naSn zu thun. Und eine solche sollte man ohne Noth umgehen, bloß von dem Schatten einiger unwesentlichen Förmlichkeiten geborgen? Es ist einmal dem Nichtpriestcr verboten, die Pricsterfunktion, der Gemeinde den Segen zu erthcilcn, ebenfalls ausznüben; ist es nun dem gesunden Menschenverstand einleuchtend, daß dieß erlaubt sei, wenn cs nicht eben nach run geschieht? Dennoch wollte ich niemals behaupten, daß meine Ansicht unanfechtbar sei, und ich hatte, um mit Herrn Dr. Stein zu reden, vorsichtig (wenn auch nicht wie ein D3n,) den Ausdruck „streng genommen" gebraucht. Aber ich habe hier sowohl, wie in den übrigen Punkten, weniger den halachischen, als den aus der Natur der Sache selbst hcrvorgehendcn Gesichtspunkt fcstgchalten. Ich fand es überhaupt unpassend, daß die Spende des Segens, welche sowohl ein Recht wie eine Pflicht in sich schließt, die Gott der Herr als eine Prärogative den Ahroniden verliehen hat, von wem auch noch so würdigen und hoch zu verehrenden religiösen Oberhäuptern prätendirt wird, insonders weil cs offenbar auf eine Nachahmung kirchlicher Gebräuche hiuausläuft. Schließlich muß ich noch die cigenthttmliche, aus meinem Aufsatze ohne allen Grund gezogene Schlußfolgerung des Herrn Dr. Stein, zurückweiscu, als könnten die itzigen jüdischen Zustände keine andere Bedenken in mir wachrufen. Bin ich denn berufen alle jüdischen Berhältnisse zu beleuchten, und deren Gebrechen bloß zu legen? Was würde dann den Männern im Amte und vom Fache übrig bleiben? Aber ich habe nicht über allgemeine jüdische Zustände gesprochen, sondern nur einen Punkt aus denselben heransgehobcn, die synagogale Neuerungen. Oder meint Herr Dr. Stein daß es auch noch in dieser Sphäre, schwerer wiegende Bedenken gibt, etwa die erst jüngsthin in dieses Blatt wieder anfgetauchte Chuppadie Almemor- und die Frauengitterfrage? Simon Hock. CorrespondenM. Slabetz 23. Juni 1867. — Seit meiner wiederholten Bitte, um dringende Unterstützung, zum Ban unserer Synagoge etc. sind ca. zwei Monate verflossen, und schon gaben wir, durch die deprimircnden Erfolge eingeschüchtert, welche unsere Bittgesuche und Subscriptionen erfahren, jede Hoffnung aus, unser Unternehmen heuer oder je realisiren zu können. In dieser höchsten Noth — wurden wir vergangenen Samstag, durch unfern vcrehrlichen Eultus - Vorstand sehr erfreut, welcher uns mitthcilte, — daß die in weitesten Kreisen als Wohlthäter bekannten Herren Pereles und Pollak in Prag, ferner der vcrchrliche isr. Cultusvorsiond Pilsens, uns einen milden Beitrag crstere von 25 fl. ö. W. letzterer von 50 fl. ö. W. zu obigem Zwecke zuzumitteln geruhten. — Möge dieses edle Beispiel die vielen Wohlthäter Israels zur Nachahmung animiren, und die milden Geber sich des besceligenden Bewußtseins erfreuen ein gutes Werk unterstützt zu haben, wofür denselben des Himmels reichster Segen zu Theil werde. „Verite.“ Breslau im Juli. Wieder kann das jüdisch theologische Seminar eines Zeichens ehrenden Vertrauens sich rühmen. Die Synagogengcmcinde zu Worms hat am verflossenen Pfingstseste den Dr. Alexander Stein, seit 1862 Hörer des Seminars, zu f einer Probeprcdigt berufen, die so allseitig befriedigte, daß Dr. Stein einstimmig zum Rabbiner und Prediger gewählt wurde. — Dr. Stein aus Grumbach in Baden gebürtig, besucht seit 5 Jahren die Anstalt und sollte erst am 27. Januar 1868 entlassen werden. — Er ist der erste der bisher vom Seminar ausgestellten Rabbinen, der weniger als die festgesetzten sieben Jahre der Anstalt angehörte. —Außer ihm werden am nächsten Stiftungsfeste noch entlassen werden Ado ph Sidon aus Tyrnau in Ungarn und Dr. Heinemann Vogclstein aus Lage in Lippe Detmold. — Das Seminar schließt am 1. August seine Vorlesungen, der Termin zur Meldung und Aufnahmsprüfung neuer Schüler wird seiner Zeit noch bekannt gegeben werden. — Die österreichischen Hörer des Seminars werden, wie bereits einmal erwähnt, um eine Gleichstellung der Breslauer Anstalt mit den österreichischen Rabbinerschulen bezüglich der Befreiung vom Militärdienste beim Reichsrathe petitionircn, und haben sich zu diesem Zwecke bereits an den Reichstagsabgeordneten Herrn Kuranda gewandt, daß er zu ihren Gunsten plädire, wenn beim hohen Hause der betreffende Paragraph des neuen Wehrgesetzes berathen werden wird. — Sie wollen gleich den Jüngern der Prcßburger Jeschiwa von der Regierung als Caudidaten der jüdischen Theologie anerkannt sein, und zwar natürlich nur so lange, als in Oesterreich keine zeitgemäße Bildungsstätte für Rabbiner besteht. — Der löbliche Vorstand der Wiener Gemeinde hat bereits in dieser Angelegenheit bei der kaiserlichen Regierung die nöthigcn Schritte gethan, und es wäre nur zu wünschen, daß auch die Gemeinden der andern Landeshauptstädte dem Beispiele der Residenz folgten und das gewiß berechtigte Gesuch der österreichischen Hörer des Breslauer Seminars durch besondere Petitionen au die Regierung und den Reichsrath unterstützten. Daß unser berühmter Glaubensgenosse, H. Kuranda, die Bitte bei der hohen Versammlung warm befürworten wird, unterliegt wohl keinem Zweifel, und so darf man sich wohl der angenehmen Hoffnung hingeben, den gewünschten Erfolg zu erlangen. — h. k. Breslau im Juli Der Bau des hiesigen Tempels schreitet rasch seiner Vollendung entgegen; ein anderer „Judentempel" wurde bereits im vorigen Monate eingeweiht. — Es ist dieß die neue Börse, die vielleicht nicht ganz mit Unrecht so genannt wird. — Abgesehen davon, daß sie meist ron Juden bevölkert und belebt wird, verdankt sie auch eigentlich den Juden allein ihr Entstehen. — In Breslau ragt nämlich bis in unsere Zeit ein Stück Mi.telalter herein, das sich „Verein christlicher Kauflcute" nennt. — Dieser Verein, zu dem nach § 1. seiner Statuten kein Jude Zutritt hatte, besitzt mehrere Grundstücke in der Stadt unter andern auch ein schönes Gartcnetablissement, das aber natürlicher Weise den Juden verschlossen blieb. — Nun baute dieser christliche Verein vor einigen Jahren auf dem Blücherplatze ein schönes Gebäude, das den Namen Börse erhalten sollte, — wenn cs die Juden nicht anders beschlossen hätten. — Diese dachten nämlich : „D ü r fe n wir nicht in euren Zwingergarteu, so w o llcu wir auch nicht in eure Börse," und versammelten sich täglich um die Börsenzeit im Cafe restaurant, um daselbst ihre Geschäfte abzumachen. Die Folge davon war, daß das prachtvolle Haus auf dem Blüchcrplatze Sitz der Handelskammer, Local für Kunstausstellungen, Festessen und Lchulplüfnngen, kurz alles andere wurde, nur nicht, wozu es bestimmt war, — eine Börse, und die Mitglieder des Vereins christlicher Kauflcute mussten nolens volens, wollten sie sonst Geschäfte machen, in die improvisirte Börse am Exerzierplatz zu den Juden wandern. — Dieses Local konnte aber für den großen Geschäftsverkehr Breslaus mit der Zeit nicht genügen, und da trotzdem die Inden in das „alte" Börsengebüude nicht gehen wollten, musste ein neues gebaut werden. — Dieß ist die Geschichte des andern „Judentcmpels" von Breslau. H- K.

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