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Das Abendland · 1867-07-25 · 15 (25.7.1867) · p. Seite 114

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
15 (25.7.1867)
Date
1867-07-25
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 denschaft ein Buch mit 7 Siegeln, und wer die böhmische Judenschaft über einen Gegenstand zu belehren wünscht, darf sie nicht an ein Blatt weisen, das so gut als gar keine Lech ser unter den Landbewohnern Böhmens hat. — Sie Herr *• via. o. geben unter Andern in ihrem Aufsatze „Unterstützung jener Zahlreichen denen die Sabalhf^ier die Härte st en Entbehrungen auferlegt" * . afe Zweck des Vereines an, wenn dies aber ein Haupt- ^veck des Vereines sein soll, dann müßte vor Allem der Verein 'NvV *r> riptnn" S ab bathh alt er-Un terstützungöverei n" und nicht Sabbat H-H eiligungsv er ein heißen — und überdies was solls mit diesem Unterstützungsverein? Will man z. B. dem Hausirer die 2— 3 fl. die er vielleicht so er seinem Geschäfte am Sabbath 1 nachginge, erwerben könnte, auf die Hand geben, damit er ja durch die ihm von Gott gebotene Sabbathfeier nichts an Geld einbüße? ich glaube nicht, daß der mildherzige und wirklich fromme Dr. Hildesheimer dies in dem angedeuteten Sinne wolle — er muß mit mir einstimmen, wenn ich sage, man gebe dem Armen so viel man kann, man vereine sich der Armut zu steuern, aber man glaube nicht ein gottgefälliges Werk geübt zu haben, wenn man Jemand durch Gaben die man ihm für seine Sabbathfeier gibt das Verdienst nimmt aus eigenem Antriebe und in gottgefälliger O pfer freudig feit den Sabbath gefeiert zu haben — oder fürchtet man nicht vielmehr es könnte auf diese Weise mancher unter den sogenannten „Lauen" der obwohl arm doch noch den Sabbath des Erwerbes wegen nicht entweiht, gereizt durch die Munificenz des Vereines sich an denselben herandrängen, und die Heilighaltung des Sabbath an die Bedingung materieller Unterstützung knüpfen wollen? — Ferner will — so behaupten Sie — der Verein es ermöglichen daß ein junger Mann Künstler, Gelehrter u. s. w. werde, ohne seine Ueberzeugung mit Füßen zu treten — aber auch in dieser Richtung ist das Streben des Vereines mir unklar — wie will der Verein dies anfangen? hier werden die Jahresbeiträge der Vereinsmitglieder wenig oder gar nichts ausrichten, es lässt sich in dieser Beziehung nur auf die Gemüther wirken — der Strömung der Zeit aber einen Damm entgegenstellen, vermag der Verein nicht, wenn auch alle Rabbiner beiträten, und wenn der Jahresbeitrag auch noch so hoch bemessen wäre. — Dock vielleicht irre ich, vielleicht ist mein Sinn nicht praktisch genug um das weite Feld der Thätigkeit eines Schomre-Schabboth-Vereines im Vorhinein zu ermessen, darum darf es mir aber nicht übel genommen werden, wenn ich meine Meinung „sine ira“ frei geäußert habe, ich denke es könne nur ersprießlich sein, wenn diese Angelegenheit durch eine öffentliche Ventilirung pro und contra dem jüdischen Volke klar gemacht wird. — Daß Sie Herr a. o! mich einer unverzeihlichen „Jneonsequenz" beschuldigen, weil ich mit dem vielerwähnten Vereine mich nicht befreunden kann und doch für eine Cultus-Gemeinde- Ordnung plaidire, würde ich Ihnen gerne verzeihen, wenn ich die Logik dieser Anschuldigung auch nur v e r st e h e n könnte. — Sie sagen ich nenne die Vereinigung zur Unterstützung u. s. w. einen „Z w a n g" wo ums Hunmelswillen sagte oder schrieb ich dies? ja wenn man meinen armen Aufsatz verstümmelt, und das Unterste zu Oberst kehrt, wenn die Frage „welchen moralischen Nutzen brächte dieser Zwang"? die ich factisch wie Jedermann sehen kann auf die projektirte Wo chenm arktv erlegungsidee anweudete, aus dem Zusammenhänge gerissen und als auf den Verein überhaupt angewendet citirt wird, dann ist es freilich ein wenig herbe, aber es ist dies auch ein klein wenig escamotage gegen die ich mich in aller Höflichkeit verwahre — Der Gegenstand ist viel zu ernst als daß von meiner oder von Ihrer Seite irgendwelche kleinliche persönliche Rancune sich einmischen sollte, bleiben wir bei kaltem Blute. — Herr Dr. Hildesheimer, S i e, und glauben Sie mir es auch ich, wir wollen das Gute, wir wollen den Sabbath in Israel geheiligt und unentweihet in Ehren gehalten und gefeiert sehen, daß wir in den Mitteln zur Förderung dieses Zweckes nicht gleichen Sinnes sind, kann der guten Sache nicht schaden — denn wie ich auch über den Verein denken mag, ich dessen schönstes erhebendstes Bewußtsein es ist für die Kräftigung und gegen die Schädigung der Relzgion Israels stets aus allen Kräften unerschrocken in die Schranken getreten zu sein, ich werde dem Vereine niemals hindernd in den Weg treten — sobald man mich aber ''für dessen Zwecke durch Belehrung gewonnen haben wird, sollen meine schwachen Kräfte ihm geweiht sein. — Äus der Prager Culturgemeinde. IV. Am 14. d. M. wurde eine Sitzung der Eultusgem.-Repräs. abgehalten: Das Programm brachte bloß 3 Punkte zur Verhandlung. Das Einschreiten des Herrn Oberrabbiner Rappoport um Enthebung von der Matrikenführung und provisorische Zutheilung derselben an einen andern, wurde dahin erledigt, daß Herr Religionsprofessor Adler mit dieser amtlichen Funktion betraut werden solle. Nach dem Gesetze ist zuerst der Rabbiner und in zweiter Reihe der Religionslehrer zu diesem Amte berufen. Herr Rabbiner Freund, der strikte genommen, auf die Matrikenführung den nächsten Anspruch hatte, wurde wahrscheinlich wegen seines vorgerückten Alters, mit dieser immerhin mühevollen Arbeit verschont. Ein anderer Gegenstand der Verhandlung war die Erhebung der Thalmudthora zu einer höhern Rabbinerschule. Die Debatten über diesen Punkt, der eigentlich nur den ersten Paragraphen eines von dem Thalmudthora-Ausschusse vorgelegten Organisationsentwurfes ist, führten zu keinem bestimmten Resultate. So lange der Entwurf nicht der Oesfentlichkeit vorliegt, läßt sich über seinen Werth kein Urtheil fällen. Der Name an sich ist unwesentlich, ob nun das Institut, Thalmudthora, Rabbinerschule mit oder ohne die luxuriöses Bezeichnung „höhere" — oder auch Rabbinerseminar genannt werde, ist schließlich ganz gleichgültig, wenn es nur den wissenschaftlichen Anforderungen, die an eine Bildungsanstalt für Rabbiner gestellt, werden müssen, genügend entspricht. Ist dieses der Fall, so wird die Thalmudthora bei der bescheidensten Firma in Wirklichkeit ein jüdischtheologisches Seminar sein, im Gegentheile jedoch wird der hochtrabendste Titel die innern Lücken zu decken nicht im Stande sein. So weit wir die Thalmudthora in ihrem gegenwärtigen Bestände kennen, ist sie, wie auch der im Mär; v. I. gedruckte Eomissionsbericht es eingesteht „kein Seminar, nicht l einmal eine Vorschule zu einem Seminar" denn zu einem! solchen fehlen in der That die wichtigsten Doktrinen. Rrb-! binen zu bilden ist in unserer Zeit keine schwere Kunst. Bei der allgemeinen Unwissenheit der Laien in den jüdischen Fächern braucht es eben nur ein Rabbinatszeugniß und eine hinreichende Dosis von Selbstbewußtsein, um ein geistliches Amt zu bekleiden. An Männern, die nach Aemtern greifen, wird es sicherlich auch in Zukunft nicht fehlen. Der Eifer für Gründung guter Rabbinerschulen geht aus einem gan z andern Bedürfnisse hervor. Wir wollen nicht bloß Rabbiner, die der geistliche Ornat schön kleidet, wir wollen tüchtige Theologen, wir wollen mit dem Stande zugleich das Judenthum heben. Wir wollen die Thora nicht vergessen werden lassen in Israel, wir wollen die jüdische Literatur nicht verdorren und absterben lassen, sie soll vielmehr im zeitgemäßen und wissenschaftlichen Fortschreiten frisch aufblühen, und Religion, Moral, Wissenschaftlichkeit ihre Säfte und Kräfte zuführen. Von dieser Anschauung ausgehend, dürfen wir bei aller Anerkennung für das Vorhandene und Gebotene der Mängeln und Fehlern des Instituts unser kriti-

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