Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1867-07-11 · 14 (11.7.1867) · p. Seite 110

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
14 (11.7.1867)
Date
1867-07-11
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9050333-9088986-9051007--0689-9051013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

110 bcr hohen Behörde zu gründenden Vereine, entgegenzunehmen. Hr. Hoff hat sich dieser Ausgabe bereitwillig unterzogen und hat sich hierbei der Thcilnahme und der Unterstützung seiner Kollegen zu erfreuen. Herr Rabbiner und Tcmpclpredigcr Prof. vr. Kämpf hat seinen Beitritt erklärt, und mehrere achtbare Gemeindegliedcr sind seinem Beispiele gefolgt. Es hatte offenbar bei den edlen Zwecken dieses Vereincs, bei allen wohldcnkenden einer speziellen Empfehlung nicht bedurft; — wenn sich nicht — sogar in diesem Blatte eine Stimme in einer Weise erhoben hätte, die vollkommen geeignet ist die Tendenz des zu begründenden Vereines in ein unrichtiges, schiefes Licht zu stellen. Diese Stimme erscheint um so gewichtiger und ist eine Widerlegung derselben um so nothwendiger, als sie von eine m M a n n e erhoben wurde, von den: wir g cwohnt sind, die Interessen des I u d e n t h u m s, ui i t F r e i m n t h, mit Energie und mit Erfolg > v e r t h e i d i g t z u s e h c n. j Rabbiner Ehrcuthcil, wir citircn seine eigenen Worte j „denkt in seiner Einfalt, das ganze" „Judenthum als '3'D -na “taijn ist an und für sich ein großer Verein von Sabbathhältcrn, — wir sind, alle geborene Schomre Schabbos Vercinsmitglieder" und fragt dann weiter „welchenmoralisch-religiösen Nutzen brächte dieser Zwang" Aber wahrhaftig Rabbiner E. ist hier in eine arge Inkonsequenz verfallen! Rabbiner Ehrenthcil der „in seiner Einfalt" von einem Zwange spricht, der nicht beabsichtigt wird, nicht beabsichtigt werden kann, den niemand ausznübcu wünscht, der eine Vereinigung edler wohlthätiger Männer zu dem Zwecke, — allen jenen, denen die Sabbathheiligung, Bedürsniß, ansrichtiges inniges Bcdürfniß ist, diese z u e r m ö g l i ch c n; als einen Zwang bezeichnet der gegen eine Idee kämpft, die von a l l e n P a r t h ei en, welcher religiösen S ch a t t i r u n g sie auch a n gehör e n möge n, schon aus dem einfachen und g ewichtigen Grunde gebilligt und t h a t k r ä f t i g st unterstützt werden muß, weil diese das oberste P o st u l n t der Gewissensfreiheit bildet, —d e rselbe Rabbiner plaidirt in d c m s e l b e n Aufsatz e, für die baldige Einführung einer geregelten Cnltus-Gemcindcordnung. Wir sind weit entfernt, diesen Wunsch als einen unberechtigten zu erklären, — wir sind vollkommen damit einverstanden, aber eine unverzeihliche Jnconsequenz ist es, die Einführung einer Cnltus-Gemeinde Ordnung, die jedenfalls für jeden einzelnen gesetzlich bindend sein muß, als dringendeste N o th w e n d i g keit w ü r m st en s z n empfehlen —und gleichzeitig eine V e r c i n i g u n g z u r U nt e r st ü tz u n g jener z a h l r e i ch e n, d e n e n dieSabbathfeier die härtesten Entbehrungen auf erlegt, als einen Zwang zu bezeichnen! Ist es etwa ein Zwang, wenn es einem Familienvater ermöglicht wird, seinen Sohn ein Handwerk erlernen zu lassen, ohne im entschiedensten Widerspruche mit seiner innigsten U e b c r z e u g u n g, die heiligsten Principien seines Glaubens zu verletzen? Ist cs etwa ein Z w a n g, wenn cs einem talentvollen jungen Manne ermöglicht wird. — Künstler Gelehrte u. s. f. zu werden, ohne daß er in die traurigste aller Lagen kommt entweder seinem Lebensbcrnfe zu entsagen, oder seine Ueberzeugnng mit Füßen zu treten? Ist cs etwa ein Zwang, wenn sich ein Verein bildet, der jungen Handlungsbeflissenen Häuser verschafft, wo sie einen ehrlichen Erwerb finden, ohne daß sic ein Geboth übertreten, das sic als göttlich bindend, unlöslich betrachten? Wir antworten getrost, ohne Furcht, daß jemand das Gegentheilige behauptet: Rein, gewiß nicht! Daß diese Zwecke erreichbar sind, kann aus dem praktischen Leben vielfach bewiesen werden. Was endlich die Verlegung des WochcnmarktcS betrifft, deren Folgen Herr Rabbiner Ehrentheil so außerordentlich fürchtet, so hat er sich auch hier von einer unrichtigen Anschauung leiten lassen. Es gibt viele Orte in denen die Verlegung des Wochenmarktes vom Samstage auf einen andern Tag, — nicht nur von der jüdischen sondern mehr noch von der Gesa m m t b e v ö l k er u n g und zwar lediglich im Interesse der l e tz t e r n gewünscht wird. Es gibt nähmlich unter „dem großen Vereine geborener Sabbathhälter" wie Herr Rabbiner Ehrentheil die Judenheit scherzhaft bezeichnet, immer einige, zuweilen sehr viele, die diesen Scherz sehr ernst nehmen, und wenn sie zufällig Oekonomen oder Getreidehäudler sind, den am Samstage abgehaltenen Markt, nicht befahren. Nun wird es eines Beweises wohl nicht bedürfen, daß es sich bei einem Fruchtmarkte darum handelt, möglichst viele Verkäufer und möglichst viele Lebensmittel zu erlangen. In allen solchen Fällen ist es ein dringendes Bedürsniß für die Stadt, die m ö g l i ch st billig und m ö g l i ch st reichlich a p p r o v i s i o n i r t werden soll, den Markttag auf einen andern als den Samstag zu verlegen und wird es in sehr vielen Fällen nur einer leichten, scheinbar absichtslosen Anregung bedürfen, um die betheiligte G e stimmtb e v ö lk e r un g zu den betreffenden Maßnahmen zu veranlassen. Darüber wollen wir Herrn Rabbiner Ehrentheil vollständig beruhigen; gegen den Wunsch der Bevölkerung wird nirgend auch nicht der leiseste Versuch zu einer von ihm so gefürchteten Verlegung gemacht werden. Nebenbei bemerkt, werden Hierlands alljährlich zur Herbstzeit eine große Zahl von Märkten welche auf jüd. Feiertage fallen, in Folge Verordnungen der hohen Statthalterei verlegt, ohne daß dieser Umstand der jüdischen Bevölkerung je irgend wie Unannehmlichkeiten bereitet hätte. Wir sind vollkommen überzeugt, daß Herr Rabbiner Ehrentheil nach dem wir hier offen die klaren und wohlwollenden Zwecke dieses Vereines ausgesprochen, demselben nicht nur nicht hemmend cntgegentrcten; sondern mit seinen reichen Kräften und mit allem Einflüsse thätigst unterstützen wird, da alle Freunde des Judenthumes, alle toleranten Menschen, alle jene welche dem erhabenen Principe der Glaubensfreiheit huldigen, zur Unterstützung dieses zu begründenden Vereines sich verpflichtet fühlen müssen. Der Minimalbeitrag ist auf die kleine Summe von 2 ff. jährlich festgestellt, und somit ist es jedermann ermöglicht dem zu gründenden Vereine beizutreten. Derselbe wird hiermit jedermann bestens empfohlen. a. o. Triest. In dem Journale „il Citadino“ erstattet der Grieche, Herr Spiridion Vitiuri Bericht über einen Akt der Humanität, den unlängst die Juden in Smyrna ausübten. Die Gräulthatcn der türkischen Truppen unter Omar Pascha, von denen die christlichen Bewohner der Insel Candia so schrecklich hcimgesucht werden, übertrcffcn an Wildheit und Grausamkeit Alles, was jemals eine entmenschte zügellose Horde Gräßliches verübte. Raub, Plünderung, Mord sind an der Tagesordnung, und die fanatische Wulh schont auch die Kirchen nicht, welche der Verwüstung preis gegeben werden. Neulichst wurden in den Strassen von L-myrna öffentich verschiedene aus den Kirchen von Candia geraubten Gegenstände unter andern 6 Glocken zum Kaufe ausgeboten. Die durch diesen Skandal hcrvorgcrufene Aufregung der christlichen Bevölkerung war so groß, daß es, obgleich in einer türkischen Stadt, sicher zu tumultuarischen Auftritten gekommen wäre, wenn nicht die Jsraelitengemeinde daselbst die Beruhigung der Gemülher hcrbeigesührt hätte. -Die brachte die erwähnten Glocken käuflich an sich, und machte damit dem griechischen Bischof ein Geschenk. Dieser Akt der Humanität und Toleranz von Seiten der Smyrnaer Israeliten ist über alles Lob erhaben, und können wir cs uns nicht versagen die bezügliche Correspondcnz zwischen dem israeliti-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.