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Das Abendland · 1867-07-11 · 14 (11.7.1867) · p. Seite 109

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
14 (11.7.1867)
Date
1867-07-11
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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109 vom Dicbst. Endo. Beim Scgensspruche der Priester übersetzt er En'? "iiex, „indem du ihnen vorsagst." S. Tosafo. Mcnachot 44. Häufig weicht O. von der Masora ab. 1. M. 14, 5 hatte er die Leseart ENi'p, so auch der Syrer robu8ti 5. 9W. 1, 44, wie geräuchert werden So auch der Syrer und Araber fumigantur. 5. M. 13, 7. Das Weib deines Vertrages ntPtf. So auch der Chaldäer und Syrer uxor koeüeris tui. O. stand aber in so großem Ansehen, daß die Inden über sein Targnm, wie über die hebräische Bibel, eine Masora verfertigten, die unter dem Titel Masora Hatargum bekannt ist. Seiner Brauchbarkeit wegen ist dieses Targum am öftersten gedruckt worden. Der contcmplutcnsische Text hat besonders in der Punktation viele willkührliche Aendernngen von den Herausgebern leiden müssen. Kritischer ist der bombergische Text nach dem zu Grunde gelegten Manuscript adgcdruckt worden, ward aber dafür auch, weil er eine sehr schwankende Punktation hat, von den biblischen Philologen exemplar coruptissimum genannt. Mit Zuziehung eines Manufcripts ist er wiederholt in der edit. Beneta bibl. rabb. R. Jakob b. Chaim. Buxtorf machte zwar die erste Ausgabe der rabbinischen Bibel des R. Jakob b. CH. zur Basis der seiuigen aber mit Text und Punktation ist er sehr gewaltsam verfahren. Die übrigen minder beträchtlichen Ausgaben haben Wolf und le Long registrirt. Die Samaritaner haben vom O. bei der Abfassung in ihrem Landesdialckte einen starken Gebrauch gemacht. der Prager Cultusgemeinde. in. Haben Sie, Herr Redakteur! schon etwas von einem klimatischen Geiste gehört, der in seiner eigenthümlichen Gestaltung und in seiner Totalität das ausschließliche Attribut einer bestimmten Gegend, einer einzelnen Ortschaft oder einer einzelnen Gemeinde ist? Es ist dies nicht der Menschengeist im Allgemeinen, wie er dem Vater Adam am Schöpfnngssreitage als erbliche Königskroue für ewige Zeiten von Gottes Gnaden verliehen wurde, es ist nicht der Weltgcist, wie er durch die Geschichte der Menschheit ziehend bald in Iubelliedern bald in Klagetönen seine Stimme hören läßt, nicht der Rationalitätengeist, wie er namentlich in den mit utraquistischcr Bevölkerung gesegneten Städten durch die Blätter rauscht, auch nicht der sogenannte Zeitgeist, der zum zehnten und zwanzigsten Male aufgewürmt jedem Geschlecht als frisches Gericht aufgetischt wird; es ist eine eigene psychologische SpecicS, ein gewisser Typus des Geistes, eine markante Physiognomie des Charakters, die der genaue Beobachter nicht so leicht aus dem Gedächtnisse verliert, und aus tausend andere leicht wieder heraussindet. Er hat von jeder der genannten Geistsorten etwas an sich, und ist doch ein eigener, Selbstständiger. Wir nennen ihn klimatisch, weil er gleichsam in der Lust zu liegen und nur unter einem gewissen Horizonte zu gedeihen scheint. Schon die Alten haben sich dieser Ueberzcugung nicht verschlossen. Ein- Talmudlchrcr behauptet, daß die Luft in Palästina klug mache, hingegen wird den Babylonern, obgleich die gelehrtesten Männer aus ihrer Mitte hervorgingen, wie im griechischen Alterthum den Abdcriten und in der jüdischen Neuzeit mancher achtbaren Gemeinde das Narrenthum oktroyirt. Doch wir haben uns von unserem eigentlichen Thema schon etwas zu weit entfernt, wir wollten eben von dem klimatischen Geiste der Prager Cultusgemeinde sprechen. Prag galt in srühcrn Zeiten als der Sitz jüdischer Gelehrsamkeit. Aus benachbarten und fernen Ländern strömte die wißbegierige Jugend herbei, um sich jene Kenntnisse anzueigncn, die damals ausschließlich geschätzt und gepflegt wurden. Die Talmudherocn, die hier lehrten, erfrcueten sich eines europäischen Rufes, und ihre Lehrthätigkeit rechtfertigte die gute Meinung, die man allgeinein von d r jüdischen Hochschule Prags hatte. Als durch Mendelssohns Auftreten die jüdischen Studien eine wissenschaftliche Richtung erhielten, wußte sich Prag auch bei veränderter Geistesströmung ans seiner einstigen Höhe zu behaupten. Aus Böhmen, Mähren, Ungarn, Polen, zogen schaarcnweise Jünglinge, die in den heimatlichen Schulen ihre Vorbereitung erhielten nach der böhmischen Metropole um hier gelehrt zu werden oder wenigstens bei der Rückkehr in die Heimath gelehrt zu scheinen, denn die Präger Luft trug in Wirklichkeit einen reichhaltigen Bildungsstoff in sich, der, wenn er auch nicht immer tief unter die Haut drang, einen äußern Anstrich der Wissenschaftlichkeit zu verleihen selten verfehlte. Manche Rabbinatsstühle in Ungarn und Mähren wurden nur mit solchen Bewerbern besetzt, die eine längere oder kürzere Zeit die prager Ghettolust einathmeten. Das war noch bis vor einigen Decenicn der Fall. Heutigen Tages tritt das jüdische Wissen in Prag nur sporadisch auf, und wenn sich einzelne Körnlein davon finden, so sind sie nur bei solchen zu suchen, die den Aequator der menschlichen Lebensdauer bereits überschritten haben. Wir sprechen hier nicht von dem normalen und obligaten Religionsunterricht in den Schulen, dem wir nächstens eine eigene Besprechung widmen wollen, wir haben heute das höhere, fortgesetzte aus Neigung und Selbsttrieb hervorgehendc Studium im Auge, und für dieses Studium stellt Prag so viel als gar kein Contingent. Die hier bestehende höhere Talmudtorahschule hatte bei der vor einigen Jahren abgchaltenen öffentlichen Prüfung kein einziges prager Kind unter den Zöglingen der oberu Klasse auszuweisen. Mit der Abnahme des jüdischen Wissens schwindet auch das Interesse für die jüdische Literatur. Was nur im Entferntesten darnach riecht, wird als gelehrter Kram bei Seite geschoben, und doch ist eine gründliche Lösung der sogenannten Zeitfragcn nur durch den so perhorrescirteu wissenschaftlichen Apparat zu bewerkstelligen. Sie finden hier eine Masse von Vereinen und Stiftungen für das Elend in allen Gestalten, zur Förderung eines literarischen Unternehmens hebt sich keine Hand. Die jüdischen Mecäne müssen in Prag erst geboren werden. Ihr „Drinniger" Herr Redakteur! ist weit entfernt von der Absicht vorhandene Zustände zu ändern oder zu bessern, er bespricht sie nach seinen subjektiven Eindrücken, um das Weitere kümmert er sich nicht; er hat auch nicht -die offizielle Pflicht der Welt zu predigen, aber mit Projekten ist er ziemlich versehen, die führt er zu Dutzenden in jeder Tasche. So möchten wir denn mit Bezug aus die obige Darstellung einen Verein zur Förderung jüdischer Wissenschaft und Literatur in Vorschlag bringen. Mißverstehen Sie mich nicht, ich meine nicht eine gelehrte Akademie, nicht eine gelehrte Gesellschaft, in der etwa Vorlesungen gehalten werden, nein! ganz einfach eine Chewra, die jederman zugänglich, die jeden ausnimmt, der für Zweck und Tendenz des Vereins Interesse hat. Wer das Gute fördern Hilst, sei es durch materielle oder geistige Mittel hat für das Allgemeine gewirkt. Nächstens mehr davon. — CorrespondeiiM. Prag. Dr. Israel Hildesheimer Rabbiner in Eisenstadt ein Mann bekannt durch seine edlen uneigennützigen Bestrebungen zur Förderung des Jndenthums und der jüd. Interessen, hat einen Aufruf zur Gründung eines Vereines imKaiserstaate Oesterreich erlassen, und hat seinen Landsmann Herrn vr. Hoff Prediger an der hiesigen Pinkassynagoge ausgefordcrt, diesen Aufruf zu verbreiten, und Beitrittserklärungen und Beitrüge, zu dem mit Bewilligung

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