Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 14 (11.7.1867)
- Date
- 1867-07-11
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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schcri Gcmcindevorstand und dem hochwürdigen Bischof nach den griechischen Journalen in Smyrna mitzutheilcn. Der Brief, womit das Geschenk begleitet war, lautet wie folgt: Hochwürdigster Herr! Durch die Strassen unserer Stadt trug man 6 Glocken aus den beraubten Kirchen Candias nebst andern Gegenständen aus der Plünderung der eingeäscherten Dörfer dieser unglücklichen Insel herrühreud zum Verkaufe aus. — Dieser schreckliche Anblick hat die Herzen der Israeliten, welche noch jetzt auf den Ruinen des Tempels weinen und den Raub des priesterlichen Schmuckes beklagen, mit Theilnahme und Schmer; erfüllt. Die Israeliten, durch Jahrhunderte den Qualen und Verfolgungen ausgcsetzt, und noch jetzt unter manchen Regierungen und Völkern zu Märtyrern des Manotheismus gemacht, konnten nicht ungerührt bleiben bei der Entweihung jener heiligen Metalle, deren Klang von der Höhe der Thürme die Christen zum heiligen Gebete und zur göttlichen Lehre der Nächstenliebe zusammen, ief. Deßhalb sammelten sie unter sich die kleinen Beiträge, um besagte 6 Glocken anznkaufen, die sie hiemit durch die Unterzeichneten Euerer bischöflichen Gnaden mit der ehrfurchtsvollen Bitte aubiethen, solche für die ersten Kirchen, die in Eandia wieder ausgebaut werden, zu bcstimnicu. Die Israeliten machen dieses Geschenk mit bewegtem Herzen in Erinnerung an ihre eigenen bestandenen Leiden und im Gefühle der Dankbarkeit gegen Eure bischöfliche Gnaden, der stets die Nächstenliebe predigte. Indem wir den Schutz des Allerhöchsten für die Unglücklichen erflehen, ist unser inniges Gebet zu Gott auch für das Leben Eurer bischöfliche Gnaden, damit Sie noch lange wie bisher den Bekenncrn Ihres Glaubens die Grundsätze der Nächstenliebe lehren können. Smyrna U. — 23. Mai 1867. Eu. bischöfl. Gnaden unterthänigste Diener: Für die Gemeinde. Guis 1\ Ventura di Vita. — Abram 8. Lev.— Vita Eli Arzi. Diesem Schreiben wurde gleich am folgenden Tage nachstehende Antwort: Bisthnm Smyrna. Nr. 393. An die Herren Vita, Levi, Arzi! Hochgeehrte Herren! Wir erhielten ihr Schreiben vom gestrigen Dato, in welchem Sie uns gütigst mittheilen, daß 6 Glocken aus unfern heiligen Kirchen in Eandia, die in den Strassen unserer Stadl zum Kaufe ausgeboteu waren, von den Israeliten aus einem Gefühle von Theilnahme und Wohlwollen in der Absicht selbe für die ersten in Eandia aufzubaucndcn Kirchen als Geschenk zu widmen, angekauft wurden. In Erwiderung dieses Schreibens berichten wir Ihnen mit inniger Freude, daß wir besagte Glocken empfangen haben als einen Beweis der edlen Gefühle, welche das göttliche Gebot der Nächstenliebe, das wir stets mit Aufrichtigkeit und Neigung lehren werden, cinflößte. Indem wir Ihnen, geehrte Herren! im 'Namen unserer hiesigen christlichen Gemeinde den innigsten Dank aussprechen, beten wir zu Gott daß Ihr edles Herz stets von solchen rühmlichen Gefühlen für das Wohl der Menschheit beseelt sein möge. Der Bischof von Smyrna: Crmntos. (Cornere Israelitico.) fomlt und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Hr Dr. Hübsch, Rabbiner und Prediger der Ahawath-Chesed Gemeinde zu Neu-Jork hat sich aus seiner Durchreise nach Ungarn, wohin er sich zu seiner Vermählung mit der Schwester seiner vorigen Jahres verstorbenen Gattin begab,. durch 2 Tage hier ausgehalten. Er hatte viele Besuche von seinen zahlreichen Freunden^allhier, die mit Vergnügen von ihm hörten, daß er sich in seiner Stellung ganz glücklich fühle. Vor seiner Abreise von New-York wurde ihm von dem Präsidenten seiner Gemeinde ein herzliches Abschiedsfest bereitet. * Am 5. d. M. starb in Smichow die 76jährige Gattin des Fabrikanten Herrn M. v. Portheim. Die Verstorbene war eine fromme biedere Frau und besonders wegen ihres Wohlthätigkeitssinnes allgemein geachtet. Vor einigen Jahren feierte das greise Ehepaar seine goldene Hochzeit, welches häusliche Fest gleichfalls durch reichliche Akte der Wohlthütigkeit eine erhöhte Weihe erhielt. * Kürzlich starb in Brünn, Herr Prof. M. Stößel, isr. Religionslchrer am dortigen k. k. Gymnasium nach längerer Krankheit. Derselbe war wegen seines Charakters wie wegen gewissenhafter und erfolgreicher Erfüllung seiner Berufspflichten eine allgemein geachtete Persönlichkeit. Seine trefflichen literarischen Leistungen die er seit einer Reihe von Jahren zumeist in jüdischen Zeitschriften veröffentlichte, verschafften ihm auch einen ehrenvollen Namen in den weitern Kreisen der jüdischen gelehrten Welt. Seine dießfälligen Arbeiten gehören zum größten Theile in das Gebicth der talmudischen Sprachforschung; seine metrischen Uebersctznngen liturgischer Dichtungen und talmndischer Erzählungen zeichnen sich durch Sinnigkeit der Anffassnng und Gewandheit in der Form aus. Auch für sein eigentliches Berufsfach war er literärisch thütig durch sein schon vor Jahren erschienenes Lehrbuch der israelitischen Religion. Das „Abendland" verliert in ihm einen sehr tüchtigen Mitarbeiter. Friede seiner Asche! R. * Bei der Preisvertheilnng der Pariser Weltausstellung sind viele jüdische Firmen ausgezeichnet worden, und das in Paris erscheinende jüdische Organ „Archives Israelites“ hat alle ihm bekannten einer Auszeichnung theilhaftig gewordenen jüdischen Aussteller namentlich aufgeführt. So viel uns bekannt ist, wurden aus Prag die jüdischen Firmen: v. Portheim, Pribram, Dormitzer, Michael Goldschmied Söhne u. a. m. mit größeru oder kleinern Auszeichnungen bedacht. Besondere Aufmerksamkeit erregte bei der die Ausstellung, die österreichische Spiritusfabrikation und hat die Spiritusrasfinerie M. Fischels Söhne (in Prag und Miskowitz), die einzige unter den österreichischen Spiritus- Ausstellungen den Preis einer Medaille erhalten. Daß der sächsische Kronprinz in Paris bei dem hiesigen Wollwaarenexporteur, Herrn S. I. Schwarz, mehrere Einkäufe machte, haben bereits vor einigen Tagen die Zeitungen berichtet. — Wir werden in einer der nächsten Nro. dieses Blattes in der Lage sein, eine vollständige und genaue Liste liefern zu können, und würden daraus bezügliche Mittheilungen mit Dank eutgegennehmen. Triest. Der verdienstvolle Redakteur des hier erscheinenden Gorriere „Israelitico“ Herr A. B. Morpurgo ist am 25. vorigen Monats nach einer langwierigen Krankheit im Alter von 54 Jahren verschieden. Die von ihm herausgegebene Monatschrift, wird unter Redaktion des Herrn A. di S. Curiel weiter erscheinen und bleibt Eigenthum der zurückgebliebenen Witwe Elena Morpurgo. Das Unglück der zahlreichen, nun ihrer Stütze beraubten Familie wird gewiß die Theilnahme für das wegen seines Inhalts empfehlenswerthe Blatt noch erhöhen. Jassy 4. Juli. Der Fürst hat eine Rundreise durch die Departements der obern Moldau angetreten. Vor der Abreise wohnte er einem Gottesdienste in der Sgnagoge bei, empfing eine Deputation der jüdischen Gemeinde, welche für seinen schütz dankte und eingestand, daß ihre Befürchtungen übertrieben gewesen. Der Fürst antwortete mit wohlwollenden zusicherndeu Worten (Nach den bekannten Vorgängen in den Douaufürstenthümern, welche nicht bloß die gesammte liberale Presse Europa's in Harnisch brachten, sondern auch die diplomatische Intervention einiger auswärtigen Mächte hervorciefen, scheinen denn doch die Befürchtungen nicht so ganz übertrieben gewesen zu sein. — D. Red.) Brüssel. Unser Oberrabbiner Herr Aristides Astruc hatte