Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 14 (11.7.1867)
- Date
- 1867-07-11
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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108 XQ'W trm — Onkelcs paraphrasirt sehr oft gegen die Tradition. Einige von den vielen Beispielen mögen hier angeführt werden. 5. M. 25. 5. nimmt O. den Ansdruck pl ganz buchstäblich, wonach die Leviratsehe statt fände, selbst wenn eine Tochter da wäre. (Maim. Jibum 1, 3.) 3. M. 22. 13, übersetzt er nb ]\x jnn mit p, während nach der Tradition auch hierin zwischen Sohn und Tochter kein Unterschied obwaltet. (Maiin. Ternma 6, 12.) das Zeitwort Jnn 3. M. 19, 17, gibt O. in der Mehrzahl, während der Talmud Joma 43, a ein besonderes Gewicht ans die Einzahl legt, 3 M. 11, 9, 10, wird TD3D von O. in der Mehrzahl übersetzt, gegen die Mischna Cholin 59, L 3 M. 25, 47, wird das Wort na von O. mit übersetzt, während es in Torat Koh. ausdrücklich heißt pur *uni. Zur Stelle U2E 3. M. 19, 32 gibt er den Beisatz "odi \xn"TX2, im geraden Widerspruche mit Kidnschin 32, 2. Vielleicht lässt sich dieß daraus erklären, daß O. eben in einer Zeit lebte, in welcher die Tradition noch nicht Gemeingut gewesen, noch nicht zum allgemeinen Bewusstsein gekommen mar, zur Zeit Hillels. — Es bliebe aber ausfallend, daß O. in der Tradition auch in denjenigen Dingen abweicht, die den damaligen Tempelknltns betrafen. Das Abendopfcr wurde Nachmittags um l/,ß Uhr geschlachtet, so wird nämlich von der Tradition das D'anyn J'3 gedeutet. Um diese Stunde wurde auch das Passaopfer gcscklachtet, gegen die Samaritaner und Karaiten, welche behaupten, diese Opfer seien nach Untergang der Sonne dargebracht worden. Mit diesen übereinstimmend übersetzt O. X"E'EL> JO. Das nn*n nccn in Deut, deutet die Tradition, um den Widerspruch zu beseitigen, auf das Essen des Passaopfers, O. übersetzt mnn die wichtigsten Stücke aus dem Deutr. wurden nach Sota Ende am Ansange des 8. Jahres dup yap jpE nach Verlauf von 7 Jahren, njrm an den Halbfeiertagen vorgelesen, O. übersetzt xnEEtn xnttP xn>u. 4. M. 19, 21 übersetzt O. .tute tei xnmx 'E xtt, gegen die Tradition welche darunter den Träger des Sprengewassers begreift. Wäre O. ein Palästinenser gewesen, so wären diese seine Abweichungen von der Tradition in Dingen, die eben an der Tagesordnung waren, ein nicht zu lösendes Rätlsiel; war er aber ein Babylonier, so musste er von den Tempelgebränck.en nicht vollkommene Kunde gehabt haben, besonders in Dingen, wo die Meinungen getheilt waren. Es ist bekannt, daß O. mit aller Vor- und Umsicht dogmatischen Jrrthümern durch seine Uebersetzung entgegen zu arbeiten suchte; ins Besondere war er bemüht, alles Antropopatische und Antropomorphistische zu vergeistigen, was sich auch die griechischen Uebersetzcr in Egypten hatten angelegen sein lassen, um die Neigung zum ägyptischen, babylonischen, assirischen und griechischen Cnltus, nicht noch durch die materiellen Ausdrücke in der Tora, wo von Gott die Rede ist, zu fördern. O. ließ es sich, meinen wir, besonders angelegen sein, die Theorien des SadducäiSmuö und Esse nismns, welche damals das Haupt erhoben, zu ncgiren. 1. B. 3, 5 übersetzt er E'.nbxo dt\T ihr werden sein pmu). Dieß erklären wir so: Nach bell; jnd. 2, 8, 12, bildeten sich die Essäer zum Weissagen gehörig aus, und wurden in ihren Meditationen, in ihrer asketischen^ Richtung in ihrer Schwärmerei so überspannt und überschwenglich, daß sie glaubten, der Mensch könne es bis zum Gotte bringen. — Jakob war nach Gen. 25, 27 ein bnx 22T O. übersetzt es mit xaabix no um den Essenern einen Stützpunkt zu nehmen, daß ein zurückgezogenes klösterliches Leben gottgefällig sei. Ein Hauptpunkt des Sadducäismus war die Verwerfung der Unsterblichkeit und den Glauben an Lohn und Strafe, Abot d. R. Natan. 5. Berachot 54, a. Synh. 90, 2. 91, 1. bell jnd. 2, 8, 14. aut. 18, 1, 4. O. übersetzt aber das vm nxEn nnesb. „An dem großen Gerichtstage wird deine Sünde einst bestraft werden. Er deutet auch den Ausdruck, daß er lebe" 3. Al. 18, 5, 5. M. 33, 6, auf das ewige jenseitige Leben. — Die Sadducäer läugnctcn nach ant. 13 5, 9, das Schicksal glaubend, dasselbe sei gar nicht, und daß nicht nach ihm die menschlichen Dinge ein Ende nehmen^ daß sic vielmehr alles unter uns selbst stellen, so daß wir sowohl selbst schuld an nnscrm Glücke sind, als auch das Unglück nach nnscrm Unverstand empfangen; die Essäer nahmen nach ant. 13, 5 9, als Herrn aller Dinge gerade das Schicksal an, und gebe es nichts was nicht nach seinem Beschlüsse dem Menschen begegne. Deßwegen betont es O. daß die^ Hanptähnlichkeit des Menschen mit Gott darin bestehe, daß erstercr die Wihl habe zwischen dein Gaten und dem Bösen, was auch Maim. (v. d. Buße 5, 2.) als die erste Bedingung zur Besserung erklärt uee nnx: ti 21x1 jn paraphrasirt O. „Er ist der Einzige in der Welt, Gutes und Böses zu erkennen." Nach bell. jnd. 2, 8, 9, wurde von den Essäcrn. derjenige mit Tode bestraft wer Moses gelästert hatte; ein solches Urtheil aber hätten die Pernschim ziemlich einem Morde gleich geachtet. Dieser essenischen Ansicht entgegen unterscheidet O. zwischen demjenigen der wider Gott, und dem, welcher gegen Moses sprach, und übersetzt 4. M. 21, 5. ntPEai E\nbx2 oyn um. „Das Volk beklagte sich über das Wort Gottes, und haderte mit Moses." Der Tag, auf welchen das Omer- und Wochenfest fallen müsse, haben die Sadducäer dem Buchstaben gemäß genommen, daß das Wochenfest auf einen Sonntag fallen müsse. O. übersetzt dagegen^. M. 23, 11 nach dem Festtage; eben so ibid 15.— Der Styl des O. ist rein, und an Politur dem Stil Daniels und Eiras ganz gleich, die Uebersetzung folgt im Ganzen Wort für Wort dem Originaltext, und drängt sich an ihn so hart an, daß man sie nach den Accenten des Erstern absingen kann. Nur Figuren und allznsinnliche Ausdrücke von Gott, sucht sie bald zu mäßigen, bald weg zu feilen bald mit figürlichen zu vertauschen. Uebriaens ist sie ganz frei von Zusätzen und Fabeln, mit denen die andern Targumim überladen sind, und me sie diesen Charakter zu verlassen scheint, da lässt sich meistentheils erweisen, daß Zusätze und Jnterpelationen ans einem andern Targnm der 5 Bücher Mosis daran schuld sind.') So stehen in der complntensischen Ausgabe und ihrer Tochter der Antwe.pschen Poliglotte manche frcmbe Zusätze, welche größtentheils aus Pseudo-Jonatan genommen sind. z. B. 1. M. 49, 18. „Ich hoffe 0 Gott, spricht unser Vater Jakob, auf deine, nicht ans Gideons, des Sohnes Joas Hilfe, weil von kurzer Dauer ist; auch nicht aus SimsonS des Sohncö Manach Hilfe, weil sie vorüber geht, sondern auf die Hitfe des Messias, Davids Sohn, welcher die Israeliten zu sich führen wird, nach seiner Erlösung verlangt mich. Eben so 4 M. 21, 19. „Weil ich mich euch geweiht habe, gehe ich mit euch in euer Besitzthnm, und besteige von da mit euch die Anhöhe. 1. B. M. 22, 13 sind die beiden Lesearten TIX und nnx zugleich ausgedrückt ibid 45, 27, ist übersetzt. Der heilige Geist ruhte auf ihrem Vater Jakob, ibid 49, 3. Dir hätten 3 Theile gebührt. Die Erstgeburt, das Priesterthum, und das Königreich, ibid 11. Er wird Israel nach seiner Stadt führen, dort wird das Volk den Tempel bauen. Fromme werden rings um ihn sein, und die Diener der Lehre werden bei seiner Lehre sein, aus feinem Purpur wird sein Kleid, sein Gewand wird mit glänzenden Farben geschmückt sein, ibid 32, 14.- Ich gebe ihnen die Beute der Könige und der Herrscher mit dem Reichthum ihrer Großen und Starken etc. S. noch 2. M. 15. 4. M. 23. 5. M. 32, 33. Obgleich O. sich den natürlichen, nicht den halachischen Wortsinn zum Vorwurf machte, so nimmt er doch auf letzter» Rücksicht, wo der Text dazu veranlasst. So 1 M. 9, 6. Wer Menschenblnt vor Zeugen vergießt, dessen Blut soll nach Urtheil des Gewichtes vergossen werden denn wo Zeugen und Urtheil folgen, fordert Gott selbst, nach dem frühern Verse das Leben des Menschen. 2. M. 12, 43. „Wer sich dem Jndenthuine entfremdet, esse nicht davon." O. Deutung ist oft so gelungen, und klar, daß die spätere Casuistik sie zur Halacha erhebt. 2. M. 22, 2. „Wenn Zeugen beim Einbrüche sind, darf der Dieb nicht während desselben getödtet werden. S. Maim. ’) lieber die falschen Llseartcu s. Luzzato Philoxenus.