Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 14 (11.7.1867)
- Date
- 1867-07-11
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I - - 107 — „wachsen fein soll. Allein das ist eitel Verleumdung sowohl" „gegen den Kaiser als gegen die Juden. Kein deutscher Herr-" „scher vor ihm hat seine Kammerknechte so übel behandelt," „verpfändet, verlaust, als Ludwig der Bnicr"" Grätz führt nun die Geschichte mit den Indenschlägern, und dem berichtigtcn Armleder an, so wie auch eine Judenverfolgung in Deggendorf, um zuletzt zu dem Schlüsse zu kommen „Was „that der Kaiser gegen diese Verhöhnung des Landfriedens" „und die Ermordung seiner Kammerknechte? Es ist bisher nichts bekannt darüber." Der freundliche Leser erlaube mir eine kurze Skizze von Ludwig dem IV. zu entwerfen, die zum besseren Verständnisse des Charakters dieses Kaisers unumgänglich nothmendig ist. Ludwig war der zweite und jüngste Sohn Ludwigs des Strengen, der Psalzgras am Rhein und Herzog von Oberbaicrn zugleich war. Seine Mutter war Mechthild, die Tochter Kaiser Rudolfs von Habsburg. Rahe war er also verwandt den Kaisersamilien der Hohenstaufen, der Nassauer und der Habsburger. Frühe schon hatte er durch den vielfältigen Umgang mitMcnschcn aus allcnKlassen jenen durchspähendenScharfblick des tiefen Menschenkenners sich zu verschaffen gewußt und sich zu dem freisinnigen Staatsmanne, so wie zu dem vorurtheilsfrcien und toleranten Herrscher als den wir ihn auffassen, gebildet. Kaum 27 Jahr war c» alt, als seine vorzüglichen Eigenschaften ihm gegen seinen Willen den Weg aus den deutschen Thron gebahnt hatten, als Mainz, Trier, Böhmen und Brandenburg ihn dazu beriefen, ohne daß er Bestechung oder Ränke dazu angewendet hatte. In der deutschen Geschichte steht er zweifelsohne groß da, da es keiner vor ihm so entschieden gewagt hatte das Joch, das Rom seit Jahrhunderten Deutschland auferlegte, abznschütteln. Fern rollte der Donner von Avignon her, doch seine Blitze trafen nicht den tapferen echt frommen und biedern deutschen Mann. Sein Wahlspruch, Sola bona quae honesta stimmt mit seinen Handlungen aufs Genaueste überein. Wer kennt nicht die Schlacht bei Mühldorf, und Ludwigs Sieg über seinen Gegner und Gegeukaiser Friedrich von Oesterreich!— Man denke sich den edlen Sieger, der es versteht den trotzigen Feind zum innigen Freunde zu umwaudeln, und wie er keinen Anstand nimmt Macht und Herrschaft gemeinschaftlich mit ihm zu handhaben! Ein solcher Mann wahrlich kann auch gegen die Juden seines Reiches nicht übelwollend sein, und es fehlt wahrlich nicht an Belegen, die diese Behauptung bcstättigen und also eine Handhabe zu einer gerechteren historischen Bcurthcilung dieses großen Kaisers biethen! Es ist wahr, Ludwig wußte sich die Geldmittel der Juden für seine Zwecke dienstbar zu machen, aber cs thut Roth, daß man sich zur Orientirung auch der ungünstigen äußeren Verhältnisse Ludwigs in vollem Umfange klar bewußt werde. Der Uutersucher findet, daß Ludwig seine ganze Negierung hindurch die beiden mächtigsten Fürstenhäu'er von Deutschland, Oesterreich und Böhmen nebst ihrem Anhänge abwechselnd zu erklärten Gegnern hatte, daß ihn bei seinen Kriegen, nie die Gesammtlraft des Reiches, in dem er König war, unterstützte,^ daß die Hilfe einzelner Großen zumeist auf Privatinteressen berechnet und mit baarcm Gclde zumeist erkauft war, daß er mit Gewißheit nur auf die von ihm beschützten Reichsstädte rechnen konnte, und daß von ihnen von einig e n U e b e r b l e i b s e l n d e r R e i ch s d o m a i n c n und von d e n I n d e n die Sparsamen Einkünfte stoßen mit deren Hilfe er sich mit Würde als römischer Kaiser und Deutschlands König benehmen konnte, um zu gleicher Zeit in Deutschland, und gegen den Papst, Frankreich und Italien zu wirken! — dem Könige blieben zur Behauptung seiner Würde keine andern Gefälle als die Reichsdomaincn die Abgaben der Reichsstädte und die Judensteuer. Die Juden gehörten damals als kaiserliche Kammerknechte mit ihrer Person und Habe dem Regenten, und die von ihnen bezogenen Einkünfte sind immerhin beträchtlich, obwohl die Reichsstädte den wichtigsten Zweig der königlichen Revenuen lieferten. — Es ist wohl wahr, daß außer der gewöhnlichen Steuer noch anderweitige Summen auf die Juden verschrieben, oder sie, wie z. B. die Juden zu Augsburg um 400 M. verpfändet wurden, aber Ludwig verspricht ihnen auch wieder, in diesem Jahre ihnen nicht ferner beschwerlich zu fallen. Einzelne, aber ohne Zweifel reiche Judenfamilien blieben nicht ohne Bedeutung für die königlichen Finanzen. Drei Familien zu Buschweiler werden an einen Adeligen als Reichslehen für 100 Pfund verpfändet, und die Familie des Juden Lamp zu München mit seines Bruders Kindern zahlen jährlich 20 Pfund Heller. Doch war dies kein aus Gehässigkeit gegen die Juden entspringender sondern ein in damaliger Zeit ganz landläufiger Akt der nicht nur die Juden sondern auch die Bürger, und Städte und Klöster traf, womit die Fürsten einerseits für ihre Bedürfnisse sorgten, und andererseits gegen Freunde und Helfer in der Roth ihre Dankbarkeit abstatteten. Gerade bei Ludwig dem Baier läßt sich dies ganz genau Nachweisen, und Oefele so wie Volkmar die Biografen Ludwigs zählen davon mehr als genügende Beispiele auf. Ich erinnere dabei nur, daß er z. B. den Herren von Reichenbach einen Theil seiner Steuern und Einkünfte verpfändete, da Ulrich von Saks das Gericht Schöngau, an den Freundsberger und Preisinger das Gericht zu Klings, nebst der Steuer des Klosters Semen; dem Grafen von Würtenbcrg weist er 2000 Mark ans die Steuer in Eßlingen an. Außer den Steuern disponirte der König noch öfters über andere Einkünfte der Städte so weiset er z. B. 60 Mark auf den Mehlaufschlag der Bäcker in Ulm, in andern Orten Zahlungen auf das Ungeld, und verpfändet den Zoll in Ravensburg. Da also die ordentliche und manchmal außerordentliche Besteuerung der Juden kein exccptionellcr Fall ist, sondern nur dieselbe i'ehr oder minder eben so traf, wie andere Corporationcn Städte und sogar Klöster, so liegt in diesem Umstande wahrlich kein Grund zu einer so scharfen Anklage gegen Ludwig, wie sie sich bei Grätz eben vorfindet. Kaiser Ludwig gewährte den Juden nicht nur selbst Schutz, sondern stellte sie wenn auch gegen Gegenleistung von Schutzgeld auch noch unter den Schutz seiner Vasallen, verlangte aber auch, daß dieser Schutz ein kräftiger und wirksamer sei, und überwachte sogar die genaue Handhabung des ihnen zngesicherten Schutzes. Im Jahre 1640 überwies er dem Schutze des Grafen Wilhelm von Katzeuellenbogen nnd seinen Erben 24 Juden, eben so dem Gottfried von Epstein je 10 Juden zu Steinheim, Hamburg und Eppstein, bis auf Widerruf für den Fall, daß die Juden sich beschweren würden. (Senkenberg Sel. I. 203.) (Fortsetzung folgt). Der Libelüberseher Gnkelos. von vr. M. Dnjchak. (Fortsetzung.) Zur Zeit, als O. blühte, waren die Sadducäcr noch nicht ganz überwunden. Rach Mcg. Taanit 4 haben die Sadducäcr die Bestimmung Aug' um Auge, Zahn für Zahn buchstäblich genommen, und verlangten, daß die Jebama ihrem Schwager in das Angesicht speien solle. Die Besiegung dieser sadducüischen Theorie erregte ein solches Aussehen, daß man den Tag des Sieges als einen Halbfeiertag eiusetzte. Und dennoch übersetzte O. spbn xry und \*na3X2. Onkelcs hat aber zu einer Seit gelebt, wo dieser Kampf schon nicht ansgekämpft war, zur Zeit Hisels. Ebenso überetzt O. tt'LZ, xtpai p]bn xtra:, worauf sich die Sadducäcr berufen, daß die Todesstrafe bei Zeugen, die das alibi überführt wurden, nur in dem Falle cintritt, wenn bereits der Justizmord vollzogen worden, denn cs heißt: Leben für Leben, die Pharisäer aber deuteten dieß auf die Intention. Rach den Sadducäcrn sollte ferner der Ausdruck,n^rr»n wnai wörtlich genommen werden, nach den Pharisäern aber eine figürliche Bedeutung haben. Meg. Taanit 4. O. übersetzt 14*