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Das Abendland · 1867-06-27 · 13 (27.6.1867) · p. Seite 103

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
13 (27.6.1867)
Date
1867-06-27
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Wie die Theilnahme der israelitischen Armen an den öffentlichen Wohlthätigkeitsinstituten unbehindert den religiösen Pflichten zu bewerkstelligen sei? — Der Cougreß vertraut, daß die einzelnen Gemeinden ihre gesetzlichen Rechte der Art zu wahren wissen werden, daß sie mit den religiösen Pflichten nicht in Conflikt kommen. Das exeeutive Comite des Congresses soll darüber wachen, daß die gerechten Ansprüche durch die gesetzlichen Mittel bei den Behörden und durch den Apell an die öffentliche Meinung mittelst der liberalen Presse Unterstützung finden. 6. Die bezüglichen Mittheilungen sind an das exeeutive Comite zu richten. 7. Wahl des permanenten exekutiven Comite. Der Gcmeindepräses der Hauptstadt ist Präsident des Comite. Außerdem wurden gewählt: Cavaliere Diena aus Venedig, Advokat Linzzi aus Reggio, Almagia aus Ankona, Malvano aus Turin, Advokat de Rossi aus Livorno, Cavaliere Trcves aus Florenz. Folgende Vorschläge, die nicht im Program Vorkommen, wurden gleichfalls der Berathung unterzogen. 8. Die Versammlung erklärt, ihre Beschlüsse den beim Congresse vertretenen Gemeinden zur Anerkennung vorzulegen. Wird einstimmig angenommen. 9. Ein bereits dem Congresse zu Ferrara unterbreiteter und dem gegenwärtigen Congresse erneuerter Vorschlag der Gemeinde von Asti: Ein Rabbinerkonzil wegen Einführung zeitgemäßer Reformen beim öffentlichen Gottesdienste zu berufen. Besagte Gemeinde macht von dem Erfolge dieses Vorschlags ihre Theilnahme an dem Congresse abhängig. — Der Congrcß, in Erwägung der Wichtigkeit des Gegenstandes, in Erwägung ferner, daß ohne vorherige Verhandlung mit den Rabbinen ein günstiger Erfolg des Concils kaum zu erwarten sei, daß ferner, da der Gegenstand nicht im Programme ausgenommen wurde, die Repräsentanten der einzelnen Gemeinden erst die Willensmeinung ihrer Man- - bauten einzuholen hätten, beschließt: die Herren Rabbiner aufzufordern, die ihnen geeignet scheinenden Reformen ihren respeetiven Gemeinden vorzulegen. Die zwischen den Rabbinen und Gemeinden vereinbarten Bestimmungen seien dann in Form eines Programms dem exekutiven Comite des Congreffes zu übermitteln, welches sodann eine Rabbinerkouferenz aus denselben Gemeinden zu veranlassen habe, um den vereinbarten Reformen die Sanktion zu ertheilen. Nach einem letzten Beschlüße über die Dauer des Comites und über Wiedereinberusung des Congresses, wurde ein Brudergruß an die Alliance universelle in Paris, ein Dank au das Comite des Congresses von Ferrara, an den Präsidenten für seine würdige unpartheiische Leitung der Verhandlung, an den Vorstand der florenzer Gemeinde wegen der den Schwestergemeindcn bewiesenen Gastfreundschaft mit Einstimmigkeit votirt. Unterzeichnet ist das Protokoll vom Präsidenten David Levi und von den Sekretären Tedeschi Dr. Ravenna und Advokat Coen. (Educatore Jsraelita.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Unter denjenigen, die bei den jüngst stattgehabten Staatsprüfungen die Qualifikation für die Professur an einem Obergymnasium erlangten, befindet sich auch unser geschätzter Herr Mitarbeiter Dr. I. Rosenauer. Derselbe ist der erste Jude, der an der hiesigen Universität in dieser Eigenschaft aprobirt wurde. R. * In der Schletter'schen Buchhandlung zu Breslau sind erschienen: Festpredigten von vr. M. Joel, Rabbiner der Jsraeliten-Gemciude zu Breslau. — Die Sammlung enthält 25 Predigten für alle Feste des Jahres und eine Predigt gehalten bei der Grundsteinlegung der Breslauer Synagoge, über welchen feierlichen Akt seinerzeit das „Abendland" einen ausführlichen Bericht brachte. Diese Predigten zeichnen sich durch gediegenen Inhalt, edlen Styl und eine einfache aber geistvolle Exegese aus. Sie sind als mustcrgiltig zu rühmen, und mögen unsere jungen Prediger daraus lernen, daß nur ein logischer Gedankcugang und ein gründliches tiefes Er- und Umfassen des Thema der Predigt bei einem gebildeten Publikum einen Werth geben, daß weder gezwungen, textverrenkende Deutungen von Talmudstellen noch hochtrabende hohle Phrasen den 'Mangel an positiven Inhalt ersetzen können. Es braucht zum guten Predigen eben keinen großen Gelehrten, allein der exakte Denker ist unerläßlich, und daß tüchtige Gelehrsamkeit den homiletischen Leistungen nicht schadet, davon liefert uns der Verfasser vorliegender Sammlung neben mehreren anerkannten vorzüglichen Kanzelrednern den schlagendsten Beweis. Am wenigsten in der Predigt läßt sich die geistige Subjektivität verläugnen, und insofern gehört die Sammlung zu den hervorragenden Erscheinungen auf homiletischen Gebiethe. Einen Tadel, den wir weder als Schmeichelei noch als ein Attentat auf die Geduld des Publikums betrachtet wissen wollen, erlauben wir uns auszusprcchen. Die Predigten in dieser Sammlung sind häufig etwas zu kurz. Der Gedankenreichthum darin hätte mitunter eine weitere oratorische Amplifikation verlangt, die wir namentlich bei solchen Stellen, die das gemächliche Element in den Vorderi grund drängen, ungern vermißten; doch wollen wir zugeben, daß das Breslauer Publikum einer solchen Schmuckfülle cntratheu kann. Die äußere Ausstattung des Buches ist eine vorzügliche. R. Böhm. Leipa. Am 19. d. M. starb hier in seinem 64. Lebensjahre Herr Emanuel Altschul, k. k. Gerichtsarzt und mehrjähriger weltlicher Aufseher der israelitischen Schule. (Wir betrauern in dem Dahingeschiedcucn den aufrichtigen Freund und den mehrjährigen treuen und theilnehmenden Hausarzt, und bezeugen hiemit der tiefgebeugten zurückgebliebenen Familie unser inniges Beileid. Herr Arzt Altschul erfreute sich wegen seines biedern Charakters und seines ärztlichen Wissens der allgemeinen Achtung. Er hatte eine bedeutende Praxis in der Stadt und ihrer Umgebung; auch war er Hausarzt beim hochw. Lehrkörper des k. k. Obergymnasiums. Er hinterläßt, nebst mehreren Töchtern, einen einzigen Sohn, den M. Dr. Josef Altschul. Der Redakteur.) Pest. Den 16 d. M. fand hier eine Trauung statt, die deßhalb schon zu den seltenen zählt als das Brautpaar, dem Künstlerstande angehört. Der Bräutigam Herr Hirsch und die Braut Frl. Meißner gehören in den Verband der hiesigen deutschen Bühne und erfreuen sich beide was ihre künstlerischen Leistungen sowohl, als ihr Privatleben betrifft eines vorzüglichen Rufes. Der Trauungsakt fand im hiesigen Tempel in solenner Weise statt und wußte Herr Prediger Dr. Meist eine ergreifende und dem Stande des Brautpaares anpasscnde Rede zu halten, in welcher er in höchst | sinniger Weise zu berühren wußte, das junge Ehepaar möge - das Scheinleben auf der Bühne nicht in das wirkliche Leben I übertragen. Die Rede begeisterte das aus der Elite der Gei rneinde, so wie aus künstlerischen Celebritäten bestehende Auditorium. Nach Beendigung des so wichtigen Aktes, wußte das hier gastirende Frl. Gallmeier einen Akt aus ihrem wirklichen Leben zu spielen, in dem sie angeeifert von ihrer bekannten Gutmüthigkeit, sich an dem Tische der beim Ausgang des innern Tempels stand, stellte, um die üblichen Zdoke- Gelder von den Herausgehenden einzusammeln. Selbstverständlich wurde die Collegialität dieser Kunstgenossin damit belohnt, daß der Zdoke viel Geld cinfloß. Brannsbach. (Würtemberg.)Herr M. L. Rosenstein, Israelit, hat dem hiesigen Orte, seiner Geburtsstätte, ein Legat von 20000 fl. ausgesetzt, indem er 10000 fl. der hiesigen israelitischen Gemeinde und 10000 fl. der evangelischen

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