Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 13 (27.6.1867)
- Date
- 1867-06-27
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 102 — gesordnuug gesetzt waren. Einem Gesuche der Cultusgemeinde Slabetz um Unterstützung zum Baue einer neuen Synagoge, nachdem die frühere sammt allen darin vorhanden gewesenen Cultusrcgnisitcu ein Raub der Flammen wurde, entsprach die Repräsentanz in so weit, daß die hiesigen Synagogenvorstände ersucht werden sollen, einige entbehrliche Torahrollen der genannten Landgemeinde uncntgcldlich zu überlassen. Mehrere andere Gesuche von Privaten wie von einem jüdischen Vereine in London wurden als unberechtigt abgewiesen. Ucber Antrag des Herrn S. K. Frankl wurde eine Verstärkung^ der Armenkommission von 5 auf 7 Mitglieder beschlossen. Ein Antrag des Herrn Dr. Wiener wegen Entwürfe neuer Gemeindestatuten wurde einstimmig angenommen, und für Abfassung der Vorlage eine Commission von 5 Mitgliedern eingesetzt. Die Wichtigkeit dieses Antrags wird wohl niemand bezweifeln, der die gegenwärtigen Gcmeindezustände näher kennt. Das Verhältniß der Synagogengemciuden zur Gesammtgemcinde erheischt dringend eine Ordnung und Reglung. Ein Antrag des Herrn Prof r Dr. Wessely wegen Anstellung eines Soser wurde bis zur Vorlage des erwähnten Gcmeindestatuts verschoben, womit der Antragsteller sich einverstanden erklärte. X. Slabetz. 1. Juni 1867. Der hiesige verehrliche Gemeindevorstand entwickelt seit dem 23. Mai l. I. wo die einfach sollenne Grundsteinlegung zum Neubaue unseres Gotteshauses, schule, Rabbiuatswohnuug und Tauche stattgefunden, eine besondere Rührigkeit. — Tagtäglich werden aus dem Bureau desselben Bittcirculaire an Gemeinden, Private, wohlthätige Vereine, cxpedirt; doch ein erfreuliches Resultat, eine milde Spende ist bisher noch nicht eingegangen. Wir sind zwar im Vorhinein von der Resultatlosigkeit eines derartigen Vorgehens überzeugt gewesen, doch, wir hofften wenigstens von den bedeutendcrn Cultus-Gcmeinden, von unserer Landesrcpräsentanz, etc. einen nahmhaften Beitrag zu erhalten, worauf wir allem Anscheine nach verzichten werden müssen, da besonders letztere ein Gesuch um Spendung einer disponiblen Torarolle bereits abweislich beschieden haben soll. — Möglich daß selbe mehr Überfluß an Geld als an Torarollcn haben wird und deshalb soll unser Vorstand beschlossen haben, das betreffende Gesuch in diesem Sinne umzuändcrn. — Trotz dem aber schreitet der Bau, Dank der Energie des sich hierum, und unsere Cultus-Gemeinde große Verdienste erwerbenden Herrn Leopold Popper rüstig weiter, und ist nur zu bedauern, daß der Sinn unserer Glaube nsbrüder für ein derartiges gottgefälliges Unternehmen erkaltet, denn bei dem Umstande, daß sich mehrere Stunden in der Umgebung kein Gotteshaus befindet, daß nicht einmal ein Zimmer, wo die' Frauen dem Gottesdienste beiwohnen können, zu aquiriren ist, und daß wir durch den vor Kurzem beendeten Neubau eines Beth Olam- und Zadik Hadinhäuscheu unsere Mittel bedeutend erschöpften, und durch die, im v. I. hier grassirte Cholera das tägliche Brod zu verdienen verhindert waren, empfehle ich den Ausruf unseres CultusvorstandeS in Nro. 10 Ihres schätzbaren Blattes allen wohlthätigcn Corporationcn und Privaten, hoffend, daß dieser wiederholte Apell an deren Mildthätigkcit von besserem Erfolge gekrönt sein wird! „Verite.“ Platz. Geehrter Herr Redacteur! In jeder Nummer Ihres geschätzten Blattes maniscstirt sich Ihr edles Streben, durch Ihre Zeitung das Judcnthum so viel als möglich bei den Israeliten so wohl, als auch bei andern Glaubensgenossen in Achtung zu bringen. Dies berechtigt mich zu der Annahme, daß Sie auch folgendem Artikel einen kleinen Raum in Ihrer Zeitung gönnen werden. Es ist nicht zu verkennen, daß für die gründliche Erlernung des Hebräischen und für das Emporblühen der jüdischen Literatur in unserer Zeit viel geopfert wird. Aber es ist auch wiederum nicht zu läugnen, daß für die Masse des Volkes, für den sogenannten p#n vx so viel wie nichts geschieht. Er versteht kein Wort seines Gebetes, welches er an den allgütigcn Vater im Himmel richtet, dadurch ist auch sein Gebet ein andachtsloses Schreien und sein Benehmen dabei anstandswidrig. Wir haben zwar Gebetbücher mit deutscher Übersetzung, aber diese ist für den pxn Lp nutzlos, weil er sich das ganze Jahr nicht die Mühe nimmt die daneben stehende Übersetzung zu lesen, und wenn er sie schon liest, so weiß er doch nicht jedes einzelne Wort zu übersetzen, sondern es ist ihm gleichsam als ein gesondertes deutsches Erbauungsbuch. Der talmudische Satz n:ii22 mmö >121122 rrpv 21a wird dadurch rcduzirt auf die Worte Lpv 2D >121122 Das Radebrechen und das Zusammcnlesen der Wörter von heterogendster Bedeutung z. B. n.iiO injn und dergleichen ist ein wirklicher F|ii2i pn Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht wäre es rathsam, wenn solche Leute Gebetbücher mit einer wörtlichen Uebersetzung hätten, das heißt, wo die Übersetzung über jedem Worte stünde, dadurch würde dem Betenden die Übersetzung eines jeden einzelnen Wortes gleich ins Auge fallen. Wohl zeigt sich bei einer solchen wörtlichen Übersetzung des Gebetbuches eine Schwierigkeit, nähmlich die, daß dadurch der Zusammenhang des Satzes gestört würde; aber der könnte uöthigenfalls iu einer Anmerkung abgesondert hergestellt werden. Ich will hiermit nur die Initiative ergriffen haben, die weitere Ausführung dieses Planes überlasse ich geübtern Federn.*) Leopold Müller. Rabbiner. Florenz. Bei dem am 30. April hier stattgcfundenen israelitisch italienischen Congrcsse waren 20 Gemeinden vertreten. Die Piogramsgegenstände waren folgende: 1. Der finanzielle Bericht der Comission des in Ferrara abgehaltenen Cougresscs. — Wird einstimmig genehmigt. 2. Bericht der Commission für Veröffentlichung guter israelitischer Bücher. Es wurde beschlossen, daß von den italienischen Gemeinden jäbrlich 1000 Lire für diesen Zweck zu beschaffen sei, daß die Verwaltung einer eigenen Comission übergeben werde, welche für Verbreitung nützlicher belehrender Bücher für Israeliten in italienischer Sprache Sorge zu tragen habe. 3. Die gesetzliche Regelung der Cultusgemcindcn und ihre Stellung im Staate. Über die meisten Punkte dieses wichtigen Gegenstandes wurde zur Tagesordnung übergegangen, weil man erst znwarten müsse, inwiefern die Regierung dem Grundsätze „Freie Kirche im freien Staate" Geltung gebe. Ans demselben Grunde wurde auch das Verlangen einer Subvention des Sraatcs für den israelitischen Cultns vorläufig abgclchnt. 4. Die Erhaltung des italienischen Rabbincrkollegiums und Belastung desselben in Padua.— Wurde unter folgenden Modificationen angenommen. Die jährlichen Kosten dürfen 9000 Lire nicht übersteigen. Der Unterricht für Jünglinge aus den beigetretenen Gemeinden ist unentgeldlich, der Ersatz für Wohnung und Verpflegung von den Studirenden darf den jährlichen Betrag von 500 Lire nicht *) Die wörtliche Uebersetzung der Gebethe fördert wohl die Kenntniß des Hebräischen, weniger aber die Andacht, weil durch den Mangel an Zusammenhang der Sinn der einzelnen Sätze nicht so schnell und klar ins Bewußtsein tritt. Das einzige Mittel gegen den alten Uebclstand wäre, daß die Uebersetzung der Gedeihe in allen jüdischen «chuleu ohne Ausnahme als Unterrichtsgegenstand ausgenommen würde. Für diesen Unterricht sind allerdings wörtliche Uebersetznngen am geeigneteste, deren cs auch welche wirklich gibt. (Die Redaktion.)