Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 13 (27.6.1867)
- Date
- 1867-06-27
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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101 ftina gekommen. Das Hebräische fing immer mehr und mehr an auszustcrben; schon im Buche Daniel ist sie recht unbeholfen und nicht lebendig, so daß der Verfasser gerne der aramäischen Sprache das Feld räumt; Jose b. Joeser, welcher zur Zeit Johann Hirkans lebte, gab eine das Ccremonialgesetz betreffende Ueberliefcrung in aramäischer Sprache, die uns Edeoth 8, 4. aufbewahrt ist. Ein dem Johann Hirkan ertöntes bat Kol wird uns Sota Jer. 9, 13. ebenfalls in aramäischer Sprache mitgetheilt, daher kam die Paraphrase des Onk. welcher er die Targumum von Esra und Nehemias zu Grunde legte, ganz gelegen. Nach Zerstörung des Tempels als die Abkömmlinge Hillels unter römischer Aegide das Patriarchat bekleideten, und die Juden in ziemlicher Freiheit und Selbstständigkeit lebten, neigte man sich mehr dem Griechischen zu, so daß Rabbi der Busenfreund des Antoninus es rügte, daß man in Palästina sirisch rede, und nicht lieber hebräisch oder griechisch. Sota 49, 2. Ja schon R. Simon hatte gegen das Targum geeifert. „Ein Bauer, sagte er, hat ihnen das Aramäische aus dem Griechischen erlogen. Wie uns scheint, war auch R. Jehuda dem Targum des O. nicht gewogen, indem er Kiduschim 49, 1. sagt, „Wer einen Vers wortgetreu paraphrasirt, ist ein Lügner, wer seine Gedanken hinzufügt, ein Lästerer. Raschi bemüht sich das. das Targum des Onkelos damit zu rechtfertigen, daß es, vom Sinai gegeben, eine Ausnahme bilde, was aber nirgends gesagt wird, wovon in Meg. 3, 1. nichts erwähnt wird. (S. S. Edels Nedarim 38, 2. Hag. Maim vom Geb. 13). Um die Worte des R. Jehuda durch ein Beispiel zu veranschaulichen führt R. Chananel, den Vers: ''Px.i nx um an, den man chaldäisch mit X“ip' mim 'nSxn geben müsse was eine Anklage auf Onkel, involvirt, der diese Stelle soparaphrasirt: 1*7X2 xijn2 'wpnxi pmmipa pn nrn .ptm p2X Vgl. More 1, 5. wo ebenfalls das „Essen und Trinken" der *7X22" '32 'S'3fX wörtlich genommen wird. Allein die Mühe ist vergeblich, denn auch R. Ich. war dem Targum des O. nicht gewogen. — (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Prag (Einst und Jetzt.) * In Nro. 12 des viel gelesenen „Abendland" verspricht der geistreiche Verfasser des Brieses eines „Drinnigen" daß er öfters Streiflichter über „Einst und Jetzt" hiesiger Eultus-Gemeinde Zustände werfen wolle. Wahrlich, da hat er sich eine im reichen Blüthenschmucke prangende Flur für seine Spaziergänge gewählt, und wenn er es erlaubt, werden wir ihm zuweilen dahin folgen. „Einst und Jetzt" wie viel Stoff zum Nachdenken liegt in diesen beiden kleinen einsilbigen Wörtern! „Einst" in der glaubensseeligen, glaubenstreuen Zeit, in der man Alles glaubte, was eben „Glauben" hieß, sagte man von einem Gerüchte, das sich eben verbreitete, ohne daß man sicher wusste, woher es entstand, es sei ein Bathkol, also vom Himmel abstammend, und es hatte daher eine volle Berechtigung, und man glaubte daran; jetzt nennt man es nicht mehr Bathkol, sondern man nennt es „öffentliche Meinung" und diese hat auch ihre Berechtigung. Wir, die wir im Zeitalter des Realismus stehen, sagen lieber „die Vögel in der Luft schwatzen es aus" und dieß sagt unserem Gedankenkreis besser zu, weil wir uns lieber an das Sichtbare halten. ^Also die „Vögel in der Luft" erzählen uns, daß sich die Herren Vorstände der hiesigen 9 Hauptsynagogen zeitweilig versammeln, um Berathungen zu pflegen; jedoch wissen die Vögel nichts Näheres darüber anzugeben, weil diese Berathnngen nicht öffentlich stattfinden. Nun ist es zwar stets erfreulich, wenn sich ein Kreis achtbarer Männer — und dieß sind sie ansnahmlos alle — zusammenfindet; sie mögen sich auch da in Eomites und Subcomites gruppiren, und sich nach ihren Sympathien gemüthlich über fromme Wünsche für Gemeindewohl und Gemeindcintercssen aussprcchen. Wenn sie aber, gehüllt in die Toga, und angethan mit der Amtsmiene, in diese Versammlung und zu besagtem Zwecke eintreten, so möchten wir uns denn doch erlauben, bescheidentlich anzufragcn, ob das Mandat der H^'^n Vorstände, die doch zunächst nur als Verwalter der betreffenden Synagogen gewählt sind, auf Einleitung von Transactionen auszudehneu sei, die jedenfalls über den bezeichneten Wirkungskreis hinausgehen. Wäre es da nicht angemessen, daß sich die Herren Vorstände mit ihren betreffenden Gemeinden zum Voraus darüber verständigten, was denn eigentlich angestrebt werden will und soll? Man sage uns nicht, daß diese berathenden Herren, wenn sie ihre Vereinbarungen spruchreif halten werden, selbe zur Kenntnis ihrer Gemeinden bringen werden, denn darauf müssten wir antworten, daß es dann „zu spät" sei. Bekanntlich hat sich nämlich nach parlamentarischem Brauch die Minorität einfach zu fügen; gesetzt nun, es würde ein oder die andere Gemeinde manche der Beschlüsse, die in jener Berathung gefasst wurden, für ihre Zustände und Verhältnisse nicht ersprießlich finden und würde ihren Vorstand dahin instruiren, daß er in der Versammlung ablehnend votire, was würde cs nun nützen, da er majorisirt ist, denn schon sein Eintritt allein in die Versammlung unterordnet ihn der Majorität, und die Gemeinden sind dadurch in die Lage versetzt, Beschlüsse über sich fassen zu lassen, von denen sie entweder nichts wissen, oder die sie nicht für heilsam halten. Wir erwarten daher, daß die Gegenstände der Bcrathung in geeigneter Weise zur Kenntniß der Bctheiligten gebracht werden mögen. — Y. Prag. Wie man uns meldet, dürfte in nächster Zeit der literarische Nachlaß des der Prager Israeliten Gemeinde als Amtsvorsteher, dem Judenthume als Gelehrter unvergeßlichen leider zu früh dahingeschiedenen M. I. Landau aus der Officin der Buchdruckcrei von Senders und Brandeis hervorgehen. Diese Herren haben weder Mühe noch Kosten gescheut die nachgelassenen bis heute noch nicht veröffentlichten Schriften von den Erben des Dichters anzukaufen, um sie der Oeffentlichkeit zu übergeben, wodurch nicht nur dem vielgehegten Wunsche seiner Verehrer entsprochen, sondern auch dem Judenthume und der Wissenschaft überhaupt genützt wird. Von den gediegenen noch bei Lebzeiten des Dichters vergriffenen Werken Landau's wie: sein „Aruch", „Geist und Sprache der Hebräer" etc. etc. läßt sich leicht auf den geistigen Werth jener Produkte schließen, die nach seinem Tode die Presse verlassen. So weit wir erfahren, soll das Werk, das einen Band umfassen wird, vermischte Schriften verschiedenen Genres enthalten; unter Anderem sollen seine orientalischen Poesien, so wie seine Gedichte überhaupt, den hohen Flug der Phantasie des Dichters, so wie die geistreichen Aufsätze dessen gediegenen Charakter zeichnen, der wo es sich um Judenthum handelte, stets in die Schranken trat. Seltenes Interesse bieten ein Fragment aus seinem Tagebuche das er in seinem 18. Jahre begonnen, so wie die Aufsätze: „Eine gekrönte Preisschrift" und „Plutarch und der Talmud". Jedenfalls begrüßen wir mit Freude das literarische Unternehmen vorgenannter Verleger. Prag. Am 16. d. M. fand eine Sitzung der Cultusgemeinderepräsentanz unter Vorsitz des Präses Herrn vr. Tedesco statt, für welche 10 Prozrammspunkte auf die Ta-