Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 13 (27.6.1867)
- Date
- 1867-06-27
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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Verfolgung derselben 1349 bei, die sich damit aber immerhin noch nicht entschuldigen läßt. (Colombel die Judenverfolgungen in der Mitte des XIV. Jahrhunderts). Der Libelüderseher Onkelos. von Di\ M. Dujchak. 1. Wo und wann Onkelos gelebt habe, darüber fehlen uns sichere und zuverlässige Nachrichten, so daß die Biografie dieses merkwürdigen Bibelübersetzers noch immer zu den litterarischen Räthseln gehört. Nach Tosista Sabbat 8. Awoda Sara 11, 1. Semachot 8. hat der Proselit Onkelos dem ältern R. Gamliel ein sehx kostspieliges Leichenbegängniß bereitet, daher behauptet Zunz S. 62 Onkelos hätte den Pentateuch zur Zeit des Philo übersetzt und unterstützt seine Meinung dadurch, daß schon aus der Mitte des ersten Jahrhunderts einer schriftlichen Uebersetzung des Hiob bestimmt Erwähnung gcthan wird, und da man wohl mit Hiob nicht den Anfang gemacht haben wird, so lässt sich mit Wahrscheinlichkeit für die ersten Uebertragungcn des Gesetzes ein noch höheres Alter voraussctzen. Zun; selbst aber fühlt die Schwierigkeit dieser Annahme, da ja das Targum gleich der Halacha zu den Dingen gehörte, die man nicht aufschreiben sollte. Auf ein anderes Datum führt uns Megila 3, 1. Dort lesen wir: R. Jirmia habe gesagt: das Targum der Tora habe der Proselit Onkelos aus dem Munde des R. Elieser und R. Josua geliefert, womit die Tosista zu Kelim 3, 2, und zu Mikwaot 6. übereinstimmt, wo er mit dem jungen R. Gamliel in Uebereinstimmung gebracht wird. Wir sind aber, behufs der Ausgleichung nicht berechtigt, anzunehmen, daß auch in jenen drei ersten Stellen der jüngere Gamliel gemeint sei, da gerade dieser, um bei den Leichenbegängnissen dem eingerissenen Luxus zu steuern, nach Ketnbot 8, 2. Moed Katan 27, 2. befohlen haben soll, daß man ihn möglichst einfach bestatte. — Im Sohar 3, 73 wird O. für einen Schüler des Schamai und Hillel erklärt, wovon aber alle sonstigen Quellen schweigen. 2. Bei dem Umstande, daß nur der babylonische Talmud des O. erwähnt, der Talmud von Jerusalem aber nichts von ihm weiß; bei dem Umstande, daß seine Sprache nicht palästinisch chaldäisch, sondern rein und dem Stile Daniels und Esras ähnlich ist; sind wir vor allem berechtigt, ja verpflichtet anznnchmen, O. habe in Babylon gelebt, geblüht, und seine Uebersetzung angefertigt. So wird ja schon Megila 3. 1, der Ausdruck Lnva Nech. 8, 8 auf ein Targum bezogen. Der Talmud versteht darunter eine wirkliche Uebersetzung, denn die chaldäische Paraphrase der Propheten soll nach ibid: Jonatan aus dem Munde von Chagai, Sacharja und Maleachi erhalten haben, und nach Synh. 21, 2, wäre die Tora in Esras Tagen in aramäischer Sprache gegeben worden. So auch Maim. von den Gebeten 12, dem Talmud war also das Targum ein babylonisches Produkt, das von Nehemias Zeiten her datirte. Nun war zwar zu Nehcmias Zeiten die Sprache des Volkes noch die hebräische, wie dessen Klage 13, 24, zeigt, daß die Ehen mit den Frauen aus Aschdod, Amon und Moab die Wirkung hätten, daß die Kinder aus solchen Ehen nicht mehr rein jüdisch sprächen was er doch nur zu Gunsten der hebräischen Sprache kann geäußert haben; gleichwohl war es damals, da sich schon aramäische Elemente in das Volksidom durch das babylonische Exil müssen eingebürgert haben, sehr nothwcndig, gewisse Stellen durch eine aramäische Paraphrase zu erläutern, und zum Verständniß zu bringen. Der Babylonier Onkeles vervollständigte später das bestehende Targum und setzte der Paraphrase die Krone auf. Es war der Impuls der Nationalität, der ihn zu diesem Werke antrieb, vielleicht auch weil er merkte, daß die beliebt gewordene Uebersetzung ganz in den Vordergrund getreten war. Er vervollständigte die Paraphrase, ohne irgend eine Fabel einzumischen, was die palästinischen Uebersetzer so gerne thaten. War Babylon das Vaterland d. Onk. und die Geburtsstätte seiner Paraphrase, so ist es begreiflich, wie Origenes und Hieronimns von dieser Uebersetzung gar nichts wissen konnten. Die Behauptung, Meg. 3, 1, daß das Targnm durch palästinensische Ueberlieferung, vermittelst R. Elieser und R. Josua auf die Nachwelt gekommen sei, wird von dem Babylonier Rab ibid: geradezu in Abrede gestellt; nach ihm wurde der Keim dieser Uebersetzung in Babylon durch Esra und Nehemia gelegt, den O. später znr Blüthe brachte, woraus sich erklären lässt, daß O. so oft gegen R. Elieser und R. Josua in seiner Uebersetzung ist. Samuel b. Nachmeni ein Babylonier erklärt Megila 19, 2 den Namen nma nach der Paraphrase des O. mlt koi na, und bedient sich des Ausdruckes "pannav, „wir Babylonier übersetzen." So drückt sich auch der Babylonier Abaia aus, indem er das njrnn dv vermittelst des T. O. R. H. 33, 2 erklärt. So R. Abdima aus Chacpas über Hiob 11, 12. b’Sn pannai. 2. M. 27, 6. So Gitin 68, 2. xnso ui pannaT So Raba Bechorot 59, 1, ma pi ppy piama. R. Aschi Synh. 197, 2. piennai paiSnS nwasrS. R. Joseph Sabbat 28, 1. peama twin Kaiaao etc. dagegen drückte man sich in Babylo.l, wenn der Paraphrase des Jonatan Erwähnung geschah, mit dem Worte "jianna’i,, sie übersetzen, aus. Umgekehrt sagt die in Palästina verfasste Mschna von der chaldäischen Uebersetzung peannei. S. Ende Nasir. In Palästina nannte man O, weil er ein Babylonier war, in DiSpaix, nicht daß er ein Proselit, sondern weil er ein Ausländer ein Fremder war. Man begreift nunmehr, da Onkeles und Akilas später identificirt wurden, daß man dem Worte die Bedeutung vo n „Proselite" gab, und die Herkunft O. außer Acht ließ. R. Jirmia ein palästinensischer Amora zur Zeit des Kaisers Konstantins, identificirt durchweg O. und Akilas. Megila 3, 1, macht er O. zum Schüler des R. Elieser und R. Josua so wie er wieder ib. jer. 1, 9. Akilas zu deren Schüler macht. Gewiß war auch bei den Palästiniensern ein Grad von Eigenliebe herrschend, daß ein Palüstinienser, ein so herrliches Targum müsse gearbeitet haben. Ursprünglich war es eine griechische Uebersetzung, welche von R. E. und R. I. belobt wurde; allein zu R. Jirmias Zeiten wurden die Juden von den Römern zu sehr gequält und bedrückt, als daß man ihre beliebte und bei ihnen eingesührte Bildungssprache bei den Juden hätte gewogen sein können, man übertrug das Lob ans das Targum, zugleich auch als Erinnerung an die einstige Befreiung von der babylonischen Gefangenschaft, wie schon Nachmanides P. Bo die chaldäische Benennung der Monatsnamen dieser Reminiszenz zuschreibt, und so mag es kommen, daß R. Jirmia R. E. und R. Jos. Lob auf das Targum bezog. Wir können auch annährungsweise den Ort bestimmen, woher O. gekommen. Gitin 56, 2 wird er Onkelos b. Klonikos genannt; Awoda Sara 11, 1 aber Onkelos b. Klonimos. In der nämlichen Weise aber wird seiremot R. K. 30 von Aquilas erzählt. A. und Onk. wurden also confundirt. Vielleicht daß O. aus Keuleukia kam, daraus wurde Dipaibp und daraus mapSp, indem man ihn mit Aqnila identificirte. Daß Aquila so genannt und zum Verwandten des Kaisers gemacht wurde erklärt Grätz gut daraus, daß nach Dio Cassius 67, 14. Domitian einen nahen Verwandten wegen seiner Hinneigung zum Judenthum hinrichten ließ, und aus Debarim Raba 2. ist zu entnehmen, daß die Juden hievon eine dunkle Kenntniß hatten. — Wir glauben demnach, O. der Babylonier sei mit, oder bald nach Hillel dem Babylonier nach Palä-