Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 12 (13.6.1867)
- Date
- 1867-06-13
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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95 »Gliche des Finanzkomites ernannt nnd der König zeich-! nete ihn in Anerkennung seiner vorzüglichen Dienste mit dem j Ritterorden des Nordstern ans. Drei Israeliten sind Mitj glieder des Gemeinderalhs in der Hauptstadt, deei in Gothen- . bürg und einer in Navkoping. Einzelne Israeliten fnngiren als Lehrer in den Bürgerschulen und jüdische 'Studenten erhalten königliche Stipendien an der Universität zu Upsala. Drei Mitglieder des jüdischen Vorstands wurden unlängst mit > Orden bedacht. Die zweite Kammer nahm vor Kurzem ein- , stimmig den Antrag au, wo'nach die Juden zu allen öffentlichen Aemtern zugelassen werden sollen. O esee An'ra.z wurde jedoch j von der ersten Kammer mit 58 gegen 43 Stimmen verwor-; sen. Die liberale Presse wie die öffentliche Meinung sprach j sich aus diesem Anlasse sehr bitter gegen die Herren Bischöse ( aus, so daß einer dieser Würdenträger der Kirche sich ver- \ anlaßt sah, der Negierung einen bezüglichen Vorschlag in der j liberalsten Weise zu mach n. — Die vollständige Emauci- > pation ist jedenfalls für die Juden in Schweden nur noch eine Frage der Zeit. Straßburg. Die hiesigen israelitischen Studenten, welche die öffentlichen Schulen besuchen, enthalten sich nach Vorschrift ihrer Religion an Sabbath und Festtagen des Schreibens. Kürzlich traf cs sich an dem von vielen Israeliten be suchten protestantischen Gymnasium, daß am späten Nachmittag des Sabbath bis in die Nacht hinein gearbeitet wurde. Als die Nacht hereinbrach, gieng der Lehrer aus der Schule heraus und als er nach einem Weilchen zurückkam, sagte er zu den jüdischen Studenten: Jetzt könnt ihr schreiben, man sieht bereits Sterne am Himmel. Sicherlich ein schöner Zug toleranter Gesinnung. (Eorriere Israel.) Bern. In Locke, nahe bei Chaux de Fonds lebt ein Greis, Namens Moses Weil, welcher in Monath Januar 1767 geboren und demnach mehr als 100 Jahre alt ist. Er befindet sich noch ganz wohl, nur seine Augen sind etwas geschwächt. Erst neulich trug er noch Kurzwaaren herum und bestieg die hohen Berge. In Anbetracht seines hohen Alters wurde ihm die Steuer nachgelassen. Bukarest. Die von dem Minister Bratconio durch Erneuerung eines unter der R'giernng Cusa's suspcndirten nnd auch bisher von der jetzigen Regierung nicht beachteten Gesetzes wornach der Staat Güter, Wirthshäuser etc. nicht an Juden verpachten darf, hcrvorgerufene Hetze gegen die Juden hat die Lage unserer Glaubensgenossen in allen Theilen der Donaufürstentbümer zu einer so schrecklichen und jam- I mcrvollcn gestaltet, wie sie nur in den finstern Zeiten des Mittelalters ihres Gleichen haben konnte. Die rohesten Leidenschaften des wildesten Pöbels sind in Aufregung, und es ist das Schlimmste zu befürchten, wenn nicht die auswärtigen Mächte schnell und energisch eiuschreiten. In Jassy scheint man nichts Geringeres zu beabsichtigen als die gänzliche Vertreibung der Juden aus dem Laude. Das Jammergeschrei der Weiber und Kinder deren Gatten und Väter, die man willkührlich als Vagabunden bezeichnet, in den Kerker geschleppt worden, erfüllt die Strassen, und das Elend der Unglücklichen hat das höchste Maaß erreicht. Und solche Ereignisse gehören dem 19. Jahrhundert an, dem Zeitalter der Gesittung und Aufklärung. Unsere einzige Hoffnung bleibt der uralte Satz der heiligen Schrift. — „Es schläft nicht; und schlummert nicht der Hüter Israels!" Paris. Für specifisch jüdisches Interesse biethet die Welt- - ausstellung auch manche Einzelheiten. Die israelitische Schule j zu Tanger hat eine ganze Kiste mit französischen und hebräi- I fcfycn Schularbeiten eingeschickt. Unweit von diesen Proben jugendlichen Fortschritts läßt die Londoner Bibelgesellschaft durch ihre Agenten Traktätchen in beliebiger Form gratis austheilc«, sie ist mit ihren Geschenken so freigiebig, daß manchem Besucher die Gabe gewaltsam in die Tasche gesteckt Kdrb- ■— Das arabische Eafee wird von Herrn Valenzi, einem eingebornen Juden aus Tunis geleitet. Aufsehen erregt die Erfindung des Herrn Level, eines Israeliten der längere Zeit in Amerika lebte, wodurch, wie er behauptet, Schiffe in der größten Gefahr gerettet werden können. London 23. Mai. Aus Malta wird von gestern telagraphirt: Die Cholera ist unter der jüdischen Bevölkerung von Tunis ausgebrochen, weshalb von dort einlanfeude Schiffe sich fort an einer 21 tägigen Quarentaine zu unterziehen haben werden. (Gegenwart) * Das englische Unterhaus hat am 29. Mai mit 200 gegen 150 Stimmen in zweiter Losung die Bill angenommen, welche bestimmt, daß die Universitäten Oxford und Cambridge nicht allein von Mitgliedern anderer Religionsgenossenschasten besucht werden dürfen, sondern daß auch die reichen Stiftungen dieser Hochschulen ein Gemeingut der Studirenden ohne Unterschied des Glaubens sein sollen. — Anfangs dieses Monats wurde eine neue Synagoge für die deutschen Juden in Nev Broadstreet durch Oberrabbiner Br. Adler eingcweiht. Arber die Magie bei den Alten, von Rabbiner Or. Samuel Mühsam. (Fortsetzung und Schluß). Etwas Aehnliches finden wir bei Bileam. Balak schickt zu Bileam, auf daß er ihm die Kinder Israel verwünsche, — Gott schickt einen Engel, der sich dem Bileam zeigt,— Balak drängt ihn, Israel zu verfluchen,— Bileam versucht, ob er es durch seine Zaubereien bewirken könne, — Gott verhindert den Erfolg, — nach einem zweiten Versuche sieht Bileam, daß Gott anstatt der Verwünschungen Segenssprüche ihm in den Mund führt, — er fühlt sich ohnmächtig, von selbst etwas zu sagen, und — muß anerkennen, daß es kein Zauber giebt gegen Jakob, noch Weissagung „gegen Israel." Als er zum dritten Male sieht, daß Gott ihn zwingt, Israel zu segnen, „so greift er nicht mehr wie früher, zu seinen Zaubereien." Aus diesen letzten Worten geht hervor, daß Bileam ein Magier eomme il faut gewesen, und aus vielem Andern, daß er seinen diabolischen Künsten aus Motiven des Ehrgeizes und des Interesses gedient. Ferner braucht nicht hervorgehoben zu werden, daß Bileam einen schlechten Charakter zur Schau trägt: als Gott ihm erlaubt, mit den Boten Balaks zu gehen, reist er sicherlich in böser Absicht weg, — als er von Balak fortgeht, rathet er den Moabitern und Midjanitern, Israel zu verführen,— er gehört zu den Anbetern des Baal-peor und zu den später von den Kindern Israel Erschlagenen*): und trotz dem Allen, offenbart sich ihm Gott und bedient sich seiner als Werkzeug, dem Balak seinen Willen kund zu thun. Aehnlich mit dem Weibe zu Endor. Sie greift vor Allem zu ihren Conjekturen und durch ihre Stimme macht sie glauben, als unterhielt sie sich mit den Todteu; ihre Kunst ist gleich der des Bileam Betrug und Täuschung: und dennoch findet Gott es gut, dem Saul das Schicksal hören zu lassen, das ihn erwartet. Blicken wir auf die Magier Egyptens, so finden wir die Mechaschfim dem Moscs eine Zeitlang Stand halten. Wenn man bedenkt, daß diese ihre Stäbe hinwarfen, welche dann zu Schlangen w rden, — daß sie das Wasser des Flusses zu Blut machten, — daß sie Frösche hervorbrachten, wie Moses nnd Aron; — wenn man ferner bedenkt, daß gesagt ist „Moses war bewand.rt in den Künsten Egyptens," nnd hinzuuimmt, daß die Hauptbestandtheile der egyptischen Künste Magie waren: daun will es ja doch bedünken, daß, wenn alles, was die egypt. Magier trieben, purer betrug *) Josua 13, 22. 6310