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Das Abendland · 1867-06-13 · 12 (13.6.1867) · p. Seite 96

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
12 (13.6.1867)
Date
1867-06-13
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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96 — gewesen wäre. Nkoses sie sofort hätte entlarven können und müssen. Vielmehr ist es gewiß, daß auch sie durch ein unsichtbares Wesen müssen unterstützt worden sein. Hätten sic durch Taschenspielern allein gewirkt, warum haben sie nicht ebesogut das Ungeziefer u. s. w. hervorbringen können? Gicbt man dagegen zu, daß ein göttlicher Einfluß mit im Spiele ist, so wird man es erklärlich finden, daß Gott ihnen dem selben endlich entziehen mußte; denn würden die Magier in ihren Wundern nicht behindert worden sein, wie leicht hätte man argwöhnen können, daß auch Moses Taschenspielern treibe. So weit hat cs Gott nicht kommen lassen, — MoseS widerlegt offenbar, daß seine Kunst eine trügerische, und beweist unzweideutig, daß sie eine höhere sei, als die der Magier. Wir wissen, daß Gott einerseits sich in Träumen, Gesichtern und Erscheinungen offenbarte und andererseits Engel als seine Boten ausschicktc, — das kam den Magiern gar sehr zu Statten: die Absicht Gottes aber war, den Menschen den Glauben an ihnt beizubringen: darum fand er cs für gut, den Menschen irgend ein Wunder Hervorbringen zu lassen, um dann den wahren Propheten desto gewisseren Sieg zu vcrschaffeu: „wenn auftritt in deiner Mitte ein Prophet und giebt ein Mcrkinal oder Zeichen u. s. w." — Die egyptischen Magier müssen nun den Sieg Moses selber verkünden, indem sie endlich zu der Ucberzeugung kommen, „daß das ein Finger Gottes sei." — So lange ein Prophetenthum in Israel, so lange eine Mag'e bei den Heiden, — das lag in der Bestimmung Gottes; als Gott den Kindern Israels den prophetischen Gei>l entzog, geräth auch die Magie in Verfall: nunquam, sagt Cicero, illud oraculum Delphis tarn celebre et tarn darum iuisset, neque tantum donis refertuin omnium populorum atque regum, nisi omnis aetas oraculorum illorum veritatem esset experta Jam diu idem non facit1) Dieselbe Bemerkung macht Plutarch in seiner Abhandlung „De defectu Oraculorum;" als Grund für das Aufhören der Orakel führt er das Ausbleiben eines Geistes an, der, nach seiner Philosophie, „seinen Wohnort gewechselt." Welches auch die Ursache gewesen sein möge, die Heiden selber bezeugen, daß der prophetische Geist der Orakel zu einer Zeit aushört, wo auch das Prophctenthum rn Israel seinem Ende zugcht. So lange Gott mit dem Prophetenthume eine Gegenmacht bestehen ließ, und zwar derart, daß nur in ihr „der Finger Gottes" erkennbar war: war es mit der Weisheit und Güte Gottes durchaus nicht unvereinbar, zu gewissen Zeiten und unter gewissen Umständen den Magiern also auch denen Egyptens, beizustehen in ihren Künsten und Zaubereien. Die Rabbinerwahl in Zappelsdorf in Ungarn mitgctheilt von vr. F. L. Friedländer. Als Schreiber dieser Szene vor wenigen Jahren im Monate August den famosen Ort Zappelsdorf in Ungarn paßirte, fand gerade in der dortigen isr. Gemeinde, welche aus heterogenen Elementen, die aus allen Windrosen dahinströmten besteht, die Rabbinerwahl statt. Da dieselbe nicht ganz uninteressant ist, daher finde ich es für angemessen das Resultat dieser famosen Rabbinerwahl den geschätzten Lesern dieser weitverbreiteten Blätter mitzutheilen. Es war gerade an einem Sonntag des Monats August als die löblichen Repräsentanten der isr. Gemeinde zu Zappelsdorf sich gegen 2 Uhr Nachmittags auf Anordnung des vielgepriesenen Präses Ignatz Hocker behufs Besprechung der zu stattfindcndcn Rabbinerwahl im Gemeindelocale sich eingefundcn hatten. Der Präses Ignatz Hokcr cröffnete die Sitzung mit folgenden geistreichen gehaltvollen Worten r Meine Herren, ich habe Sie heute behufs Besprechung eines sehr wichtigen, ja eines hochwichtigen Gegenstandes hieher beschicden. Bekanntlich zählt doch unsere neu im Werden begriffene Gemeinde ungefähr 40 Mitglieder. Wohl sind sie nicht alle von einem Geiste beseelt und durchdrungen, worüber sich auch niemand wundern darf, wenn man bedenkt, daß sie aus verschiedenen Gemeinden verschiedener Länder, wie z. B. der Eine aus Lemberg, der andere aus Tartokov, der dritte aus Helischau und der vierte aus Hotzenplotz, zusammengestoppelt sind, nichtsdestoweniger sind unter ihnen sehr achtbare intelligente Männer, Männer die fähig sind dem Domestiken am Rüsttagc des Versöhnungstages wie am Purim einen ganzen »Zwanziger" als „Rezclgeld" zu schicken. Eine solche Gemeinde, die überdies einer glorreichen Zukunft entgegengeht, kann und darf meines Dafürhaltens nicht länger einen Lehrer entbehren. Da nun unser Lehrer und Prediger zufolge eines ehrenvollen Rufes nach D. seinem hiesigen Posten, den er volle 3 Monate inne hatte, zur Freude Aller verläßt, was man ihm übrigens nicht verargen darf, da man doch nicht ewig auf einen Posten verbleiben kann und überdies sich doch jeder Mensch stets bestreben soll seine Lage zu verbessern so glaube ich meiner unmaßgeblichen Meinung nach, daß wir ungesäumt einen „Lehrerkonkurs" ausschreiben sollen. Herr mann Arnstein. Was verstehen sie Herr Präses unter dem Worte Lchrerconcurs? Ignatz Hoker. Ich meine nämlich, daß wir in der Zeitung bekannt geben sollen, daß bei unfern sehr würdigen Gemeinde die Stelle eines Lehrers für unsere zarte Jugend mit dem Gehalte von 12 Rcinisch pro Quartal sofort zu besetzen sei. (Fortsetzung folgt:) Concnrs. In der israelitischen Eultusgemeinde in Saaz werden zum Wintersemester 1867 Itens ein geprüfter Hauptschullehrer, 2 „ ein geprüfter Lehrer, der zugleich die Funktionen des Cantors und Kores zu übernehmen, befähigt ist, ausgenommen. Mit jedem dieser Posten ist ein fixer Gehalt von 600 fl. pr. anno nebst freier Wohnung, mit letztern auch die üblichen Emolumente verbunden. Bewerber wollen ihre eigenhändig geschriebenen, mit Befähigungszeugnissen belegten Gesuche bis längstens 15. Juli d. I. dem Cultusvorstande einsenden. Prag am 1. Juni 1867. Der Cultusvorsteher S. *) De divin. I, Druck von Senders ö- Brandeis in Prag.

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