Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 12 (13.6.1867)
- Date
- 1867-06-13
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Einrichtungen sind höchst eigenthümlich, inz wischen ist er ein Mann von Kenntnißen und Energie, seine Predigten sind logisch und gehaltvoll; nnr sollte er seiner äußern Erscheinung mehr Sorgfalt zuwenden. Im vergangenen Winter hielt er einen Cyklus von Borträgen über „Ethik der Al ten" die von den Mitgliedern der Gemeinde ziemlich besucht waren. — Vorzugsweise hebe ich jetzt jene Gemeinde auf der Westseite hervor, welcher Herr vr. Felscuthal vorsteht.— Dieser bescheidene Gelehrte, obwohl kein hervorragender Redner, versteht cS doch vcrcdlcnd auf das Gemüth seiner Hörer zu wirken und ist auch bei seiner Gemeinde ungemein beliebt. Daß hier auch eine Reliefassociation besteht, die jährlich an 6000 Dollars verausgabt, daß auch mehrere wohlthätige Fraucnvercine bestehen, darf nicht unerwähnt bleiben. — Es bestehen auch einige Gesellschaften zum Vergnügen und zur Förderung der Bildung unter den Juden. — In Philadelphia wurde vorigen Monats die Prüfung an der dortigen Erzichungsschule abgchalten, und die Leistungen in den allgemeinen, Kenntnissen wie im hebräischen waren überraschend. Die oberste Klasse übersetzt aus dem Stegreif jede beliebige historische Stelle in der ganzen Bibel und gibt über grammatische Analyse die sicherste Auskunft. Die Knaben übersetzen seit einigen Monaten auch Mischnajoth und sind darin sehr geschickt. — Die Tcmpelgemeiude Emanucl in Reu Jork hat den jährlichen Gehalt ihres Predigers Dr. Adler aus 6000 Dollars erhöht, auf einen gleichen Gehalt wurde Rcv. Gutheim Prediger der Lebare Obeseä Gemeinde in Neu-Orleans gestellt. — Dieser erhielt außerdem ein Ehrengeschenk von 2000 Dollars für seine trefflichen Leistungen während des letzten Jahres. — (Hebrew Leader.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Nachdem Herr Leopold Edler von Porthcim die von dem von ihm zu einer Armenstiftung gewidmete Kapitale pr. 8000 si. entfallende Rechtsgebühr pr. 524 fl. aus Eigenem berichtigt hat. so werden auch Heuer u. z. am 18. Juni als dem Gedächtnißtage der vor 2 Jahren gefeierten goldenen Hochzeit des Stifters, die von diesem Stiftungskapitale entfallenden Interessen stiftuugsmäßig an 2 christliche und 2 israelitische arbeitsunfähige, arme wohlverhaltene Prager Familienväter oder Familienmüttcr vertheilt werden können und ist wegen Besetzung dieser Stiftungen der Concurs bereits ausgeschrieben worden. Koschelil) (Böhmen) Unser würdiger Rabbiner und Lehrer, Herr Löbl Mautner hat nach 25jähriger ersprießlicher Wirksamkeit zum Bedauern aller Gutgesinnten unter uns seine Gemeinde verlassen und seinen neuen Wirkungskreis in Lukawetz angetreten. Wir bedauern, daß mancherlei erfahrene Kränkungen Herrn Mautner zu diesem Schritte veranlasstcn. Wir verlieren in ihm eine tüchtige Kraft, einen wahren Menschenfreund, einen biedern Charakter. Der liebe Gott gebe ihm Glück und Segen in der Sphäre seiner neuen Thätigkeit, uns wird der Mann unvergesslich bleiben. 4. B. Wien. Die hier Ende April d. I. verstorbene zu Preßburg geborne Wittwe, Frau Ranette Schlesinger, welche das Alter von 78 Jahren erreichte, widmete testamentarisch einen großen Theil ihres bedeutenden Vermögens wohlthätigen Vereinen und Stiftungen. Sie bestimmte 150 fl. zur Vertheilung an die Armen, 150 fl. an arme Verwandte welche beide Beträge am Bcerdigungstage zur Vertheilung kamen, 6000 fl. für Beerdigungskosten, 150 fl. für Verrichtung des Kadischgebeths, 400 fl. dem Beerdigungsvereine in Eisenstadt 2000 fl. dem gleichen Vereine in Wien 38000 fl. und 20 Aktien der Tristiner Azienda auf die bereits 600 fl. eingezahlt sind, dem Tedeskohospital in Baden 100 fl. der Talmud-Torah in der Leopoldstadt, 500 fl. dem Pikuach-Nefe,ch-Vereine in Wien 5000 fl. dem dasigen israel. Taubstummeninstitut, 1000 fl. der Kleiukindcrbcwahraustalt, 500 fl. dem Theresienkreuzervercm, 5600 fl. bei isr. Schule in Eucnstadt, 3000 fl, dem dortig, n Bikur Cholim Verein, 2000 fl. dem Preßburger isr. Spirale, 1000 fl. dem Wienerje 500 fl. dem Preßburger und Eiseustädter Frauenveiein 3000 fl. dem Wiener Armeniuslitut 4000 fl. dem Untersiütznngsverein in Wien 1000 fl. der Waisenversorgungsanst lt 3000 fl. den barmherzigen Brüdern in Wien 1000 fl., für 10 österreichische Invaliden 4000 fl., der KlOnkindcrbewahranstalt in Preßburg, 1000 fl. der Pernswimgcmeinde in Jerusalem, 5000 fl. dem Wiener- Handwcrksverein De» Rest ihres Vermögens von mehr als 190000 fl. vermachte sie einem Verwandten, wovon auch die in ihrem Dienste gestandenen Personen mit reichlichen Legaten bedacht wurden. Mit Recht wird die edle Wohlthäterin von den Zeitungen „eine verschämte Reiche" genannt, die während ihres Lebens im Stillen Wohlthütigkeit übte und deren seltene Hochherzigkeit erst nach dem Tode ans Tageslicht kam. Drevden. Bei den Sitzungen des könig: stenographischen Instituts wurde auch der Antrag vorgebracht, die Telegraphirung in hebräischer Sprache einzuführen. (Wir unserseits finden in diesem Vorschläge wenig Praktisches. Die Juden aller Länder bedienen sich in ihrem Verkehre der Landessprachen, die hebräische Sprache ist den Juden als die Sprache, in der ihre Religionsgesetze abgefasst sind, heilig, und wird auch deren Kenntniß in den Schulen gefördert; allein sie bleibt iiumerhin eine tobte Sprache, und ist zu telegraphischen Mitthcilungcn ebenso entbehrlich als die altgriechiche und lateinische. (D. Red.) Flrch. Bei der letzten Anwesenheit Sr. Majestät des Königs wurden auch mehrere hiesige Fabricken mit dem königlichen Besuche beehrt, und erhielten als Zeichen der Zufriedenheit und des Wohlwollens mancherlei Geschenke. Unter andern erhielt auch eine Fabricke, die zwei Besitzer hat, von denen der eine Israelit der andere Katholik ist eine kostbare Diamantennadel. Eine Theilung des königlichen Geschenkes war nicht gut statthaft und man vereinigte sich dahin, daß der jüdische Besitzer die Radel am Sabbath, sein christlicher Compagnon solche am Sonntag trage. Ladenburg (Baden) Am 1. Mai hatten wir das Vergnügen, ein Lehrcrsest im wahren Sinne des Wortes zu feiern. Es wurde unserem israelitischen Hauptlehrer Herrn Ladcnburger die von S. K. H. dem Großherzog verliehene goldene Verdienstmedaille durch den Herrn Kreisschulrath von Heidelberg überreicht. Um 11 Uhr bewegte sich der Festzug von der Synagoge aus nach dem Rathhaussaale. Voraus die Schuljugend beiderlei Geschlechts, dann der Jubilar begleitet von dem Herrn Bürgermeister Schäfer, Bezirksrath Scola und dem israelitischen Ortsschulrathe. Der Rathhaussaal mochte die Festtheilnehmer kaum fassen. Herr Kreisschulrath hielt eine würdevolle Ansprache und schloß mit einem Hoch auf S. K. H. den Großherzog. Nach der Ueberreichuug dankte der gerührte Jubilar mit Hinweisung auf die frühere darniedcrgebeugte Stellung der Nachkommen Israels und schilderte wie glücklich er und seine Mitbürger sich unter der jetzigen Regierung nach durchgeführter Emancipation befinden. Hierauf überreichte Herr Kaufmann Hauser Namens der israelitischen Gemeinde einen prachtvoll gearbeiteten silbernen Pokal als dankbares Andenken an diesen Festtag, bei welchem die Mehrzahl der Anwesenden bis zu Thräncn gerührt war. Das im Gasthaus zur „Rose" veranstaltete Festmahl vere nigtc die Freunde und Verehrer unseres Jubilars und eine Reihe von Toasten würzte die freudige Stimmung. Neu-Buckov, (Meklcnburg.) Am 18. Mai verstarb hier der Jsraelite Lcvin Markus im Alter von 116 Jahren. Stockholm. Obgleich die Emancipation der Juden in Schweden noch nicht den Weg durch die Kammern genommen hat, werden doch manche Israeliten zu öffentlichen Aemtern berufen. Ein Jsraelite aus Gothenburg wurde unlängst zum