Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 12 (13.6.1867)
- Date
- 1867-06-13
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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pressen konnte (vgl. Jean d’ Espagne. 225.) — Unter den Nachfolgern Heinrich II. Johann, Heinrich III. und Eduard I. hatten die Juden eine ununterbrochene Reihe von Verfolgungen zu erdulden. — König Richard I. auch in der Geschichte unter dem Namen Richard Löwenherz bekannt, verbot 1189 unter Todesstrafe, daß am Tage seiner Krönung kein Jude weder in der Kirche noch im königlichen Pallaste sich blicken lassen sollte. Trotz dieses strengen Verbotes aber soll die Neugierde den in hohen Ansehen stehenden Juden Benedikt in den Pallast getrieben haben, weshalb er von einem Hofdiencr auf verletzende Weise insnltirt wurde. Das Volk fiel uun auf diese geringe Veranlassung über sämmtliche Juden her und tödtete ihrer eine sehr zahlreiche Menge (vgl. Bromt. Chron. s. 159) König Johann, als er anno 1206 gegen Philipp II. in Feankreich zu Felde zog und an dem nöthigsten Faktor zur Kriegführung, nämlich an Geldmittel großen Mangel litt, beraubte er die Juden Englands sämmtlicher ihrer Güter, und ließ einem reichen vornehmen Juden, zu Bristol wohnhaft, Namens Jossen, der aus Furcht, ebenfalls ein Opfer des habgierigen Königs zu werden, seine Schätze und Reichthümer an einem sichern Ort verborgen, in's Gcfängniß werfen, woselbst ihm auf Befehl des Königs jeden Tag ein Zahn ansgebrochen wurde, so lange bis er nicht seine Schätze entdeckte. Jossen erduldete standhaft 7 Tage hindurch diese unmenschliche Folter, ließ sich 7 Zähne ausrcißen, bis er endlich den Qualen nachgebcnd, das Versteck worin sein Geld verborgen entdeckte, von welchem der König auch so fort Besitz ergriff. — (Vgl. Basnage Hist, de Juifs. c. 19 s. 1233.)— Die Verfolgungen nahmen so sehr überhand, daß die Inden sowohl von Seite des Königs als auch des Volkes den größten Grausamkeiten ausgesetzt waren, in Folge dessen sic unter Eduard I. anno 1290 größtentheils freiwillig England verließen. (Fortsetzung folgt.) CorrespondenM. Paris 30 Mai. Crcmieux veröffentlicht in den Blättern einen ausführlichen Bericht über die Audienz, welche er in der Angelegenheit seiner unterdrückten Glaubensbrüder in der Moldau am letzten Sonntag in den Tuillerien gehabt hat. Der Kaiser, sagt er darin, war von dieser Tragödie vollkommen unterrichtet, er hatte Depeschen erhalten, welche mit den meinigen übereinstimmten, ich theilte ihm die letztern mit. Die Einzelnheiten waren ihm bekannt. Ich fand den Kaiser ebenso entrüstet als erstaunt. Indem ich ihm sagte, daß seine Minister die Initiative bei dem Generalkonsul in Bukarest ergriffen hatten, bat ich ihn doch noch um seine persönliche Dazwischenkunft. Diesen Augenblick (antwortete er mir) telegrafire ich an den Fürsten Karl, das war schon heute mein Vorsatz. Eine solche Verfolgung in unserem Europa gestatten, heißt sich der Acht der Völker aussetzen. Ich sagte ihm, Fürst Karl ist von den freisinnigsten Absichten erfüllt und hat mir erklärt, daß er seine Ehre daran setzen werde für die Juden seiner Staaten die bürgerliche Gleichheit zu proklamiren, er hat aus seinen Mitteln eine bedeutende Summe gezahlt für den Wiederaufbau der in den Unruhen des letzten Jahres zerstörten Synagoge. Wer von den Völkern in die Acht erklärt werden muß, das ist der Minister Bratiano, der sich gleichwohl einen Liberalen und Demokraten nennt, welchem aber die öffentliche Entrüstung Rechenschaft für diese Barbarei abfordern wird — Nach längerer Auseinandersetzung sicherte der Kaiser Herrn Eremieux wiederholt in den wohlwollendsten Ausdrücken sein unmittelbares persönliches Einschreiten zu. (Wie wir bereits früher meldeten hat die österreichische Regierung ebenfalls ihren Vertretern in den Donanfürstenthümern Instruktionen ertheilt, sich der Verfolgten kräftigst anzunehmen. (D. Red.) * Die jüdische Bevölkerung in Pwis ist in stetter Zunahme begriffen was auch ans den Todtenlisten ersichtlich ist. Im Jahre 1866 betrug die Zahl der Verstorbenen 500, während sie sich 5 Jahre früher nur mu 300 belief. Diese große Gemeinde hat bloß 2 Tempel, und es ist daher erklärlich, daß ein Sitz in demselben 70 bis 100 Franks pr. Jahr kostet. In beiden Gotteshäusern sind Orgeln angebracht, in dem sogenannten portugiesischen Tempel wird die Orgel an Sabbath und Festtagen, in dem andern nach Art des Präger Tempels nur vor Eingang des Sabbath und bei feierlichen Anlässen an Wochentagen gespielt. Der Ritus ist beinahe ganz nach alter Art, und selbst das herkömmliche Schwätzen während des Gottesdienstes hat in der französischen Hauptstadt noch seine vielen Anhäng r. Es wird beabsichtigt zwei neue Tempel zu bauen, um den religiösen Bedürfnissen der großen Gemeinde zu genügen. Auf dem Geblethe des Handels und der Industrie nehmen die pariser Inden eine hervorragende Stellung ein. Ich nenne Ihnen beispielsweise aus der Branche der musikalischen Instrumente die beiden jüdischen Firmen Alexander pere & fils und Henri Herz neveu. Die erste, deren Chef Ritter der Ehrenlegion ist, verfertigt täglich 500 Stück Harmoniums (für Oesterreich hat Herr Bernard Kohn in Prag die Niederlage dieses Fabrikats) sie hat bei allen Ausstellungen Medaillen erhalten, und ist auch bei der dießjährigen pariser Exposition für die goldene Medaille vorgeschlagen. Die Firma Herz verfertigt Clavicre und beschäftigt in ihrer Fabricke 400 Arbeiter. Ebenso participirt der französische Jude an dem Fortschritt in allen andern Zweigen der Industrie. Amerika. Chicago zählt unter seinen 225000 Einwohnern ungefähr 8000 Juden, ohne jene zu rechnen, die gerne den Juden läugnen, der ihnen aber meist in vollen Zügen im Gesichte klebt. Die Eintheilnng der Stadt in Süd- West- und Nord Chicago wirkt im Allgemeinen etwas störend bei allen Unternehmungen, welche ein gemeinschaftliches Handeln erheischen und es herrscht sogar ein gewisses Eiferi'üchtcln unter diesen 3 Weltgegendcn vor. Auf dem südlichen Theile finden wir den eigentlichen Gescyäftsplatz, so finden wir auch die überwiegende Zahl der sogenannten bessern jüdischen Familien südlich. Auch die Mehrzahl der Synagogen befindet sich hier und die älteste Gemeinde ist natürlich eine ortodoxe die ihr Entstehen den Bemühungen des Rev. Kunrcuther zn verdanken hat und eben im Begriffe steht ein neues Gebäude zu erwerben. Hatten früher die Ortodoxen vor den Reformern das voraus, daß in ihren sämmtlichcn Bethänsern mit wenigen geringen Ausnahmen der ganze Ritus sich gleich blieb, während bei den Reformern je nach der Liebhaberei der Prediger und je nach ihrer Sucht origncll erscheinen zu wollen, der Ritus so viele Verschiedenheiten darbicthct, als Gemeinden bestehen — so fängt es jetzt auch in der Ortodoxie zu spucken an. Man denke sich den Frevel, man will in dem neuen Gebäude Familicnsitze cinführen. Die Sache stößt jedoch noch auf gewaltige Gegner und es steht dahin, ob den Frauen nicht wieder die erhöhten Sitze angewiesen werden. Es besitzt diese Gemeinde übrigens in ihrem Vorbeter und Lehrer einen aufriciitigcn Mann mit dem besten Willen und ihm sowohl als dem strebsamen Prüside'ten ist cs zu verdanken, daß nicht der Starrsinn Vieler im Festhalten an alten verrosteten Dingen krankhaft werde. Unter den andern Gemeinden nenne ich zunächst die des Tempels. Nach dem mehr als einfachen Gebäude zn schließen ist die Gemeinde dem Prunke abhold. Das Programm derselben ist das Radikale, das Einhorn'sche Rltuale ist eingcsührt und der Prediger geht ganz seinen eigenen W.g. und manche seiner