Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 11 (30.5.1867)
- Date
- 1867-05-30
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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87 folgt: In Italien ist einer der ausgezeichnetesten Aerzte auf diesem Gebiethe der vr. Ritter von Namias Sekretär des venezianischen Instituts der Wissenschaften und schönen Künste. Bereits seit vielen Jahren widmet er sich mit unermüdlichem Eifer der Anwendung der Elektricität in der Medizin, und seine dicßfälligcn Leistungen wurden von der Pariser Akademie der Wissenschaften unlängst durch Znerkennnng des großen medicinischcn Preises und Ertheilung einer Ehrenmedaille anerkannt. Es gereicht dieß den Aerzten Italiens zu um so größerer Ehre, als sich unter den französischen Bewerbern um den Preis auch der berühmte Duchenne befand. Namias war der erste, der diese Heilmethode nach Italien verpflanzte, und im städtischen Spitale zu Venedig eine Abthcilung in der Klinik für sie einrichtete. Italien. Freiherr Nathanicl v. Rothschild hat vom Könige in Italien das Osfizierskreuz des St. Maurizins- und Lazarusordens erhalten. Donanfnrstenthiimer. Wie die „Wiener Abendpost" vernimmt, sind die kais. österreichischen Consnle in Jassy und Bukarest angewiesen worden, gemeinsam mit den Vertretern Frankreichs, welche gleichartige Instruktionen erhielten, sich auf das Lebhafteste zu Gunsten der bedrückten Iudenbevölkcrung in Rumänien verwenden. Alessandria. Unser Glaubensgenosse Herr Baron Montel, der nun bereits das zweite Mal als Stadtrath gewählt wurde, zeichnet sich durch seine Wohlthätigkeit und durch seine Liebe znm Jndenthnme ans. So oft er zur Torah gerufen wird, spendet er reichliche Gaben den Armen und den wohlthätigen Vereinen. Ein Beweis der hohen Achtung, deren er und seine Familie sich allgemein erfreut, läßt sich auch daraus erkennen, daß die Gattin unseres Präsekten, Frau Gräfin Lconilda Mayer eine bedeutende Summe der Frau Montel zu dem Zwecke übergab, solche unter den Armen der Pfarrei St. Maria di castcllo zu vcrtheilen, welcher Ausgabe sich Frau Baronin Montel mit lobenswerthem Geschick und Eifer entledigte. Amerika. In einer kleinen Ortschaft in der Nähe des Niagarasallcs bildet sich eine jüdische Gemeinde, die bereits mit den nöthigsten Cultusinstitutionen und Requisiten versehen ist. lieber die Magie bei den Altenvon Rabbiner vr. Samuel Mühsam. (Fortsetzung). d Der Ausdruck ist überhaupt überall anwendbar, wo auf gewisse Voraussetzungen muthmaßliche Conjektnren gemacht werden?) so wäre er nicht unpassend für jene philistäischcn Weissager, die die beiden Kühe mit der auf dem Wagen befindlichen, heiligen Lade, auf gut Glück gehen ließen; auch nicht unpassend für jene Combination des Königs von Babylon, der aus dem Wurfe der Pfeile etc. weissagen wollte. Alle Weissager dieser Gattung sind sehr gut bezeichnet mit dem Lateinischen Conjcctores. Die Römer wenden dieses Wort aus Individuen au, die hinsichtlich ihrer Weissagungen als geschickte Magier gelten wollen; bene qui conjiciet, vatem liunc perhibeto Optimum, sagt Cicero. Dieser charakterisirt ') Der Talmud erklärt: Wenn ihm das Brot aus dem Munde fiel, sein Kind ihm beim Fortgehen nachrief, ein Rabe hinter ihm schrie, ein Hirsch vor ihm des Weges lief, eine Schlange kam zu feiner Rech ten oder ein Fuchs zu seiner Linken, so galt das dem menaebtiscb als schlimmes Zeichen. Ais Zeichen galten ferner: ein Wiesel, Vogel oder Stern etc. (Sanhedrin 65) diese Gattung Zauberer als Zauberer „per sortern" d. Ist als Betrüger, die da vorgeben, ans dem gefallenen Loose die Wahrheit oder die Zukunft zu entdecken. „Quid enim est sors?“ sagt Cicero, „idem propemodum quod micare, quod „talos jacere, quod tesseras, quibus in rebus temeritas „et Casus, non ratio nec consiiium valet“ (de divin. II. 41.) In diesem Sinne könnten nun alle, die ans imaginären Voraussetzungen, ganz gleich, ob aus reflexiven Combinationcu oder aus der Betrachtung der Thiercingeweide, ob aus der Nahrung oder aus dem Fluge der Vögel weissagen O’tProö conjectores genannt werden. Quintilian sagt: Conjectura dictaest a conjectu: unde etiam somniorum et monstrorum interpretes Gonjectores vocamus. (L. III) 4. Zur viert eu Gattung der Magier gehören die mechascbfim, Zauberer, Hexenmeister, Taschenspieler. Das Wort stammt aus dem Syrischen und bedeutet ursprünglich einen Sprecher, übertragen auf jene Zauberer, die ihre Charlatanterien von unverständlichen Worten, die sie hermurmeln, begleiten lassen. Nach Manchen soll das Wort aus dem arabischen kassafa, stammen, welches „verdunkeln" heißt, und auf jenen Aberglauben deuten, daß manche Zauberer Sonn- und Mondfinsternisse hervorbringcn oder den hellsten Tag in einen finstern umwandeln können. Im Ibbrigen findet man das Wort oft als allgemeine Bezeichnung für falsche Weissager, wie es heißt: eine mechaschefa sollst Du nicht leben lassen, auch die Mechilta erklärt, daß es ein Gattungsname ist. (Mischpotim 17) Pharao stellt diese Art Zauberer dem Moses gegenüber, und die Schrift nennt deren Manipulation latim oder lehatim?) Die Bedeutung dieser Wörter ist schwer zu bestunmen, wahrscheinlich stammen sie von laat bedecken, verbergen, eine Sache im Geheimen verrichten. Merkwürdig bleibt es, daß die einzige Stelle, wo die Bibel diesen Ausdruck bringt, grade von den Zaubern Egyptens handelt, die ihre Stöcke in Schlangen verwandeln u. s. w. Zn erklären wäre es so: Nachdem die Magier gesehen, daß sie mit ihren Consektnren den Wundern Moses nicht Stand zu halten vermochten, nahmen sie ihre Zuflucht zu den „geheimen Künsten." 5. Die fünfte Gattung der Magier ist ausgedrückt durch nnn nan; das Wort heißt: sprechen, mittheilen, erzählen?) Wenn man die Parallelstellen in der Bibel vergleicht, so findet man, daß dieser Ausdruck auf die Worte sich bezieht, die gewisse Zauberer mit leiser Stimme und mit sonderbarem Tone auosprachen, zu dem Zwecke „Schlangen zu beschwören." In den Psalmen (58, 5) wird der Böse zu einer Otter geglichen, die „nicht hört auf die Stimme der Beschwörer." Gewiß waren die Zauberer die der Psalmist hier nennt, nur jene oft genannter Schlangenbeschwörer, die vorgeben, durch den Klang ihrer Stimine oder durch die Kraft ihrer Worte, welche letztere sie entweder leise hcrmurmelten oder zwischen den Zähnen sangen, die Schlangen bändigen und deren Biß unschädlich zu machen. In Kohelot (10 1s) heißt cs „wenn die Schlange sticht weil kein Beschwörer da war"—der Zauber gegen den Biß der Schlange war also ein t”nb ein leises Reden; dasselbe in Jeremias 8, 17) „ich werde gegen euch loolasscn Schlangen und Ottern, für die cs keine Beschwörung gibt," — wörtlich „gegen die cs kein leises Sprechm gibt." — Diese Gattung Magier sind dieselben, die Iesaias2'L8 nennt, dasselbe Wort *) Maimonides und Abenesra halten die beiden Wörter für verschiedene Begriffe, ebenso der Talmud. *) Nach Na ch! und Abenesra heißt es versammeln; nach ersierem Schlangen, nach Letzterem Ge'penster versammeln, Nach Geseninö „knüpfen." wie denn die Wörter anderer Sprachen, die „binden — knüpfen" bedeuten, auch auf Z uberei übertrag, n sind, hinweisend auf den Aberglauben, daß durch das Knüpfen verschiedener Knoten Jemand gebannt werden könne.