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Das Abendland · 1867-05-30 · 11 (30.5.1867) · p. Seite 88

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
11 (30.5.1867)
Date
1867-05-30
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 wie EsS langsam, leise; (nach Ndak;) wahrscheinlich sind auch die in Daniel genannten Gasrin dieselben, denn auch Ansar heißt „leise sprechen."') Die Schlangenbeschwörer mancher Völkcrstämme erlangten im Alterthume eine Berühmtheit darin, daß sie den Schlangen das Gift zu nehmen so abzurichtcn verstanden, daß sie sich auf gewisse Beschwörungsformeln taktmäßig bewegten. Noch heute gicbt es im Oriente, besonders in Egypten und Indien Schlangenbündiger; „sie zichen'I in großer Anzahl durch die Städte und Ortschaften, locken durch verschiedene seltsame Manipulationen die in den Schlupfwinkeln der Häuser verborgenen Schlangen an sich und fangen sie weg. Sie sind dermaßen sicher vor ihrem Bisse, daß sie dieselben nicht nur an ihrem bloßen Körper herumkriechen lassen, sondern selbst zum Bisse reizen. Nach der Beobachtung der Franzosen in Egypten beruht ihre Kunst keineswegs auf dem Ansbrechen der Giftzähne. Das Hcrbeilockcn der Schlangen wird natürlich daraus erklärt, daß letztere den gehörten eigcnthümlichcn Tönen folgen; die Beschwörer aber sollen durch Geruch die Nähe der Schlangen wittern, da diese überhaupt stark ausdünstcn. Zur Besänftigung der aufgcreiztcn Schlangen dient der Speichel, der den Schlangen in das Maul geworfen wird." 6. Die Magier der sechsten Gattung sind solche, die einen gewissen Schutzgeist anrufen, und entweder durch die Natur oder durch Kunst die Bauchrcdnerei verstehen. Der biblische Ausdruck ist 2\S' Daß ob der Bauch heißt, ersieht man aus Hiob 32, 19. Nach Manchen soll allerdings ob aus dem Arabischen hcrgeleitet sein, wo es ein Gefäß bedeutet, mittelst dessen man die Kunst ansübte. Die Mischna (Sanhedrin 7, 7) sagt, daß baal — ob ein Python ist, ein Mann, der von seinen Achselgruben Hervorreden konnte. Maimonidcs erklärt, daß nach der einen Beracha, die der Talmud bringt, Bauchredner, nach der andern, Geislerbeschwörer darunter zu verstehen sein/') Durch die Fähigkeit des Bauchredners d. h. eine falsche Stimme hören zu lassen, die von anderswo zu kommen schien war es leicht, dem Unerfahrenen die Ueberzcugung beizubringcn, als habe die mit diesem sonderbaren Talente begabte Person einen Schutzgeist zur Verfügung, der stets bereit, auf jedwcgc Frage Rede zu sichen. Man kann daher nicht überrascht sein, wenn das Alterthum die Bauchredner mit der Gcisterwclt in Verbindung dachte; charakteristisch ist die Beschreibung des Bauchredens vom Propheten Jesaias: „Du sprichst gebeugt wie aus der Erde hervor, dämpfst aus dem Staube deine Rede, wie Gespenst^) ans der Erde ist deine Stimme, und ans dem Staube zirpt deine Rede." 7. Die Magier der siebenten Gattung sind solche, die vorgcben etwas zu wissen, was sie nicht wissen; sie heißen jid'oni von jada wissen. Im Grunde sind es dieselben, wie die Bauchredner kommen auch überall nur in Verbindung mit ihnen vor. Iesais bringt ein und denselben Ausdruck mit beiden in Verbindung, (vergleiche 8, 19. mit 29 4.) Nach der Erklärung des Talmuds bedeutet jidoni einen Mann, der das Bein eines Thiercs, genannt jidoni, in den Mund nahm und so Zauberei trieb. 8. Die Magier der achten und letzten Gattung sind die Todtcnbeschwörcr. Herodot berichtet von einer Art Todtenbeschwörer unter einem Volksstamme Lybiens, die, um zu weissagen, auf die Gräber ihrer Väter gingen, daselbst nach einigen Gebeten sich niedcrlegten und einschliefcn, und aus den Träumut, die sie daselbst hatten, ihre Vorhersagungen ') Winer versteht darunter die Sterndeuter und bringt es mit ge. sera, Schicksal, in Verbindung. 3) Aus Winer, Realwörterbuch II 719. 3) Siehe Vcrachoth 59. „Wahrsager durch Todtenknochen" 4) Nach Philipp d i . schöpften. Es scheint jedoch, daß diese Todtcnbeschwörcr auch nichts anderes, als Bauchredner waren, desaias, der auf einer Stelle sagt „wie ein m‘, dessen Stimme ans der Erde zu kommen scheint," sagt anderswo „fraget die rvnx n. s. w. und fügt bald hinzu: „sollte nicht ein Volkseinen Gott befragen? wie, für die Lebenden zu den Tobten?" Es ist nun wahrscheinlich, daß einzelne dieser Bauchredner, um ihrer Knust den Anschein des Mysteriösen zu geben, sich aus Gräber begaben, und dann glauben machten, als hätten sie die Todlcn befragt. ') Es mußte ihnen dies um so leichter werden, als sie nn Stande waren, eine sonderbare Stimme hören zu lassen, die aus den Gräbern aufznstcigen schien. Der Wahn, daß die Seelen der Verstorbenen dieser Gattung Magier Rede stehen, war übrigends ein sehr verbreiteter; von ihm rühren die Namen her, die die Griechen dieser Kunst beilegten; sie nannten sie Psychomanteia oder Nekromanteia. Horaz0) beschreibt das Verfahren zweier Todtcnbeschwörcr 7) im Alterthume und sagt unter Andern: — Cruor in fossam confusus, ut inde Manes elicerent, animas responsa daturas. Das einzige Beispiel, das wir über die Manie, die Tobten zu befragen, in der Bibel finden, ist das von Saul. 8) Er sucht eine Franensperson, die baalatt — ob sein soll; seine Diener sagen ihm, das eine solche inPndorsei; Saul geht zu ihr und verlangt: weissage für mich bo-ob. Auch der Diener hatte mit demselben Audrucke geantwortet; es scheint hervorzugehen, daß der Schutzgeist gemeint sei, den die Bauchredner zu besitzen Vorgaben, und daß „Bauchredner sein" und „einen Schutzgcist haben" ein und dasselbe gewesen. Die Schwierigkeit liegt nur darin, wie dieses Weib einen Geist fingiren konnte, der gerade den Samuel darstclltc. Man vergesse aber nicht, daß das ganze Ereigniß ein außerordentliches und für das Weib selbst ein so unerwartetes war, daß sie, als der Geist Samuels ihr erschien, selbst laut a u s ch r i e. _ (Fortsetzung folgt.) 5) Der Talmud erzählt, daß die Todtenbeschwörer sich vorerst aushungcrn und daun auf den Gräbern übernachten. 8) Satyr. 7) Canidia und Sagena. 8) Der Talmud verspottet die Todtenschwörer: der Todtcnbeschwörcr, sagt er, sieht den Geist, hört ihn aber nicht, der, der ihn heraufbeschwören läßt hört ihn wohl, sieht ihn aber nicht, und der vernünftige Zuschauer sicht den Geist nicht und hört ibn auch nicht. Sara Kuli geh. Huhn Ornamcntenstickerei f. d. Synagoge kleiner Ring Nr. 457 — 3. Stock. Diese Finna welche sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, wird nun nach Dahinscheiden meiner seligen Mutter Salomon Plchns Wittwe von mir sortgesührt und empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publicum insbesondere den löblichen Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Qrnamentenstickerei für die Synagoge als: piODtt JTiED rO'TiB lYT)DD und Thoramantcl und verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. Thorahmäntel und Thoradecken nCCTD sind zu je- _ der Zeit vorräthig._ Druck von Senders ö- Brandeis in Prag.

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