Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 11 (30.5.1867)
- Date
- 1867-05-30
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 bessert haben, wieder in eigene Obsorge genommen wurden, wurden zwei andere ausgenommen. Ein Mädchen, das in der Anstalt erzogen und schon früher entlassen wurde, erhielt eine Stelle als Erzieherin in einem sehr achtbaren Hause auf dem Lande. Prag. Die neu angestelltcn Prediger der Pinkas - und Ncusynagoge haben die hochstcllige Bestättigung erhalten; über dao Recht derselben zur Vornahme einer Trauung soll vorerst das Gutachten des ehrwürdigen Rabbinats eingeholt werden. Bei der in den letzten Tagen stattgcfnndenen Ergänzungswahl der Cultusgemeinde- Repräsentanz sind die sämmtlichen ausgetretenen nenn Mitglieder wieder gewählt worden. Herr Rabbinatskandidat I. Kohn aus Miskolz ist in der Klanssynagoge nach einigen daselbst gehaltenen Probevorträgen als Prediger ausgenommen worden. Von dem Rabbiner in Hermann - Miestitz, Herrn S. Rosenberg ist ein interessantes Schriftchcn „über die Entstehung des Gottesdienstes überhaupt und des jüdischen insbesondere" erschienen. In der ersten Abtheilnng unterzieht der Vers: die philosophischen Ansichten über die Gottesidce im Menschen einer geistreichen Kritik und gelangt zu dem Resultate, daß auch die Uranfänge des jüdischen Gottesdienstes in dem allgemeinen Mcnschcnbcwußtsein ihre Ouclle hatten. — Wie wir aus guter Quelle hören, wird der Herr Kreisrabbiner Wiesner in Rachod eine Fortsetzung seiner „Scholien" erscheinen lassen, und ist ihm hinzu von dem edlen Mccän der jüdischen Literatur, Herrn Albert Kohn in Paris, eine Subvention zugcsichert worden. Herr Wiesncr, auch den Lesern dieser Blätter durch seine trefflichen Arbeiten bekannt, trotz seines Domicils in einer kleinen Landstadt ein eifriger und gründlicher Förderer jüdischer Wissenschaft. Wir sehen seiner neuen Arbeit, die sich über die Traktate „Erubin und Pesachim" erstrecken wird, mit Spannung entgegen. Im Verlage von Senders und Brandeis ist unter dem Titel „Ein Wort zur Zeit" eine Brochüre erschienen, welche die Zustände der Prager Cultusgemeinde in einer blühenden bilderreichen Sprache einer strengen Kritik unterzieht. R. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Der „Tagcsbote ans Böhmen" von 28. d. M. bringt einen wohlwollenden Artikel über unser Blatt, für welchen wir dem geehrten Herrn Redakteur der genannten Zeitung unseren verbindlichsten Dank anssprechen. Die Aufmunterung eines wegen seiner publicistischen Tüchtigkeit und seiner politischen Gesinnungstreue so ausgezeichneten Mannes wird uns gewiß als Sporn dienen, die betretene Bahn mit einem der guten Sache würdigem Eifer weiter zu verfolgen und im Vereine mit unfern geschätzten Herren Mitarbeitern die zeitgemäßen Interessen des Judenthums in einer von persönlicher Rancune und pikant sein wollender Klatschsucht freien Weise zu vertreten. R. Karlsbad. Der hiesige Brunnenarzt Dr. Leopold Flecklcs erhielt in Anerkennung seiner Verdienste um die praktische und theoretische Heilkunde da.i Comthurkrcuz des russischen Staniolaus-Ordens. Wien. Die Med. Dr. Schlesinger und Böhm in Wien sind mit dem Ritterkreuz des sächsischen Albrechtordens ausgezeichnet worden. Leipzig. Kürzlich meldeten die Leipziger Blätter zur hohen Eroauung der Frommen im Land, daß ein 14 jähriges Judenmädchen Tags zuvor in der Thomaskirche getauft worden sei. Ein paar Tage nachher brachte nun das „Leipziger Tageblatt" nachstehende Bekanntmachung: Die Welt soll es erfahren, was sich in Leipzig 1867 zugetragen, eine ähnliche Mortarageschichte, wie es der Fall in Rom war. Mein Kind, Jda Elbmann, geboren zu Jestnitz im Herzogthum Anhalt, israelitischem Glauben angehörig, war in der Erziehung beim Buchbindcrmeistcr Schmahler, ist am 4. April durch Herrn Dr. Mille getauft worden. Ich habe bereits schon seit längerer Zeit protestirt dagegen, keine Erlanbniß ertheilt eine solche Handlungsweise vorzunehmen, doch alles ohne Erfolg. Ich habe keinen Schutz und Beistand hier gesunden — Hcrrmann Elbmann. Die schlechte Grammatik, bemerkt die „Gegenwart" in Bezug aus diesen traurigen Nothschrei eines unglücklichen Vaters, wirft die Thatsache nicht um. * Von „Dr. Jul ns Fürst's hebräisches und chaldäisches Handwörterbuch,, des alten Testaments ist in London eine englische Uebcrsetzung von Davidson erschienen. Hohenems. Der bereits im Monate April d. I. erfolgte und. erst jetzt zu unserer Kenntniß gelangte Tod unseres Freundes, Herr Dr. Wilhelm Steinach hat uns höchst schmerzlich ergriffen. In ihm hat nicht bloß Hohenems und seine Umgebung einen der tüchtigsten, rationellsten und humansten Acrzte, sondern auch die dortige Cultusgemeinde einen höchst würdigen für Förderung des Gemeinwohls und des Fortschritts begeisterten Vertreter verloren. In unserer rabbinischen Amtsthäligkeit daselbst vom Jahre 1845 bis 1852 hatten wir vielfach Gelegenheit die geistigen und moralischen Vorzüge des Verblichenen zu bewundern. Seiner einflußreichen Anregung und Mitwirkung hatten wir es nächst Gottes Beistand zu verdanken, daß die von unserem trefflichen Vorgänger, dem bekannten Abraham Kohn s. A. dem Fortschritte und der allgemeinen Bildung gebrochene Bahn zu weitern erfreulichen Resultaten führte. Als mehrjähriger weltlicher Schulenaufsehcr verstand es Dr. Steinach das Schulwesen zu heben, und die Crcirung einer mehrklassigcn Bürgerschule schuldet seinem Eifer und seiner Thätigkeit einen großen Anthcil. Der Tod dieses Ehrenmannes hat, wie uns berichtet wird, in ganz Vorarlberg die schmerzlichste Thcilnahme erregt, was wir ganz begreiflich finden, da der Verblichene ebenso als Mensch wie als Arzt sich der allgemeinen Hochschätzung und Zuneigung erfreute. Herr Dr. Steinach hinterlässt einen einzigen Sohn den Med: Dr. Simon Steinach, der als Erbe der Kenntnisse, und der Tugenden seines würdigen Vaters gerühmt wird. Seine treffliche Gattin wurde bereits vor mehreren Jahren plötzlich dem Leben entrissen — Friede seiner Asche! R. Bonn. Frau Jsabella Fulda, gcb. Herz hat 2000 Thaler für arme israel. Studenten aus Coblenz gestiftet. Der im Einvernehmen mit Herrn Dr. Philippson entworfene Stiftungsbrief hat bereits die Bestättigung des Ministeriums erhalten. Diese Frau stiftete auch 2000 Thaler für die Waisenkassa. Paris. Die „Aliance israelite“ ist von dem im November v. I. zu Venedig verstorbenen Engländer Sir Scot mit einem Legate von 25000 Frks bedacht worden. Der Verstorbene, ein geborner Jude, dessen eigentlicher Name Blumcnthal war, zeichnete sich als Soldat aus. Im Jabre 1859 machte er als Freiwilliger den italienischen Krieg mit, aus dem er nebst einer ehrenvollen Wunde den Osfiziersrang und die Dekoration des italien. Militärordens davontrug. Im Jahre 1860 diente er unter Garibaldi, von dem er die Erlaubniß erwirkte, sich mit einigen Kameraden als Capuciner verkleidet, nach Rom begeben zu dürfen, um den jungen Mortara von dort zu entführen. Durch ein unvorhergesehenes Ereigniß wurde der Plan vereitelt. Sir Scot glühete für die Befreiung seiner Glaubensgenossen von jedem politischen Drucke, und er konnte sein bedeutendes Legat keinem bessern Institute zuwenden als der Alliance, deren Leistungen in dieser Richtung bereits so erfolgreich gewirkt haben. Turin. Ein hiesiges Fachblatt welches über das Heilverfahren durch Anwendung der Elektricität berichtet, schreibt über unfern Glaubensgenossen Dr. Namias in Venedig wie