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Das Abendland · 1867-05-30 · 11 (30.5.1867) · p. Seite 85

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
11 (30.5.1867)
Date
1867-05-30
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Glocke nebst den kostbaren Fenstern dieser Kirche verschmolzen seien" (Joann: Rer: Mog: I 662.) Dieser Brand kann sich nur auf die Anzündung der Judcnhäuser beziehen. v5in dritter Chronist, der Dominicaner P. Herb endlich schreibt: Im Jahre 1349 seine ans dem Festtag des h. Bartholomäus — 24 August — alle (?) Inden zu Main; von den Bürgern dem Feuer übergeben und verbrannt worden. (Colombcl die Judenverfolgung in der Mitte des XIV. Jahrhunderts.) Bis nach Frankfurt verbreiteten jene raubgierigen Schaaren der Flagellanten Angst und Schrecken. In Frankfurt selbst kam es in dein Unglücksjahren 1348 — 1349 in welchem letzten: Kaiser Karl IV. die dortigen Jude» pfandweise an die Stadt abgetreten hatte (Senkenberg Sei. I 634) Zu blutigen Auftritten. Es rückte eine Schaar von Geißelbrüdcrn in die Stadt und mit ihr ein Thcil der am Rhein hausenden Jndcnschläger. Sofort fielen sie plündernd in die Wohnungen der wohlhabenden Inden und erschlugen viele. Bei diesem Austanfe entstand Feuer, das von der Pfarrkirche bis zur Mainbrücke wüthete, und dessen Anlegung den Juden zngeschrieben wurde. Darüber erbittert griffen nun auch die Bürger die Juden an, die theils niedcrgcmacht wurden, thcils sich aus der Stadt flüchteten. Die Verfolgung erreichte eine solche Ausdehnung, daß sich K a i s c r K a r l IV. e n d l i ch i n s Mittel legte aber nicht ans Rechtlichkeitsgefnhl, sondern weil er durch Vertilgung seiner Kauunerknechte dem königlichen Schatze manche Abgaben entgehen sah. Er gab einzelnen Städten wegen dieses Frevels Verweise, ließ sich aber die Güter der Gctödtcten oder deren Werth betrag heraus geben; anderen Städten und Herren schenkte er die Hinterlassenschaften. So übergab er am 17. Feber 1349 seinem Großoheim dem Erzbischof Baldewin von Trier und seinem Stifte nicht nur das nachgelassene Gut der verderbten Juden, sondern bewilligte auch, daß er alle, die bei der Indcnschlacht und der Wegnahme ihres Gutes gewesen seien, wieder in des Reiches Gnade aufnehmcn könne, und die von denselben dem König und Reich zufallenden Bußen cinziehe. Und in Erweiterung dieser Gnade that er zwei Tage darauf kund, da er den Erzbisch Baldewin sehr große Summen Geldes schuldig sei, und dieser wegen des Königs und Reiches Roth und Ehre großen Schaden gelitten, habe er denselben alles Erbe, Geld, Bereitschaft, Bücher, Briefe, Pfänder, Kleinode und alles andere Gut, welches den Juden gewesen sei, die in Elsaß oder anderswo erschlagen worden sein oder noch erschlagen würden gegeben, i n d e IN d i e I u d e u und ihr Gut in des Königs und des Reiches Kammer gehörten (Domiuicus Baldv: Lutzelb. 497) Was die Indcnschulden betraf, so ertheilten Carl IV. besondere Urkunden, wodurch man aller derselben los und ledig wurde. Schon 1347 hatte Kaiser Karl IV. den Burggrafen von Nürnberg, 1349 den Markgrafen von Baden, 1354 die von Scharfenstein und 1360 sogar zwei böhmische Edcllcute von Allem, was sie den Juden an Kapital und Zinsen schuldig waren, frcigesprochen. Eben so hob Carl IV. nach der großen „Judcnschlacht" die sümmtlichen Judenschulden des Bischofs von Speier auf und begründete seine Gcwalrmaßrcgcl erstlich damit, daßviele von den Gläubigern erschlagen waren, dann daß Bischof u. Stift diese Schulden nicht mehr bezahlen könnten. Kaiser Karl IV. betrachtete die Juden in Deutschland eben so gut wie Deutschland selbst, bloß als einen Gegenstand seines Privatvortheils, als ein zum eigenen Besten erworbenes und wegen der vorübergehenden Dauer um so emsiger auszunützcndcs Besitzthum. Ünthätig sah er den um sich greifenden Verbrechen gegen die Humanität und die Gewaltthaten gegen die Juden zu, ja ermunterte dieselben durch eigenes Beispiel wie durch die Krafilosigkeit seiner Gegenvcrfügnngcn, die ohnehin nie ein't gemeint waren. Er war ein frömmelnder Gelehrter, der sich aber trotz seiner Kirchlichkeit wenig um die Moral kümmerte, und was seine 85 — I Maßregeln in Betreff der Inden in Deutschland betrifft, so darf kein Freund der ernsten Wahrheit sein Auge von den I schmcichlerhasten Lobpreisungen über die Resultate seiner Regierung in Böhmen blenden lassen. In Böhmen sorgte c r f ü r die ö ff c u t l i ch e Sicherheit der jüdischen Ansiedler eben fo sehr als er sie in Deutschland v e r n a ch l ä ß i g t e undsogar untergraben half! Correspondeiy. M. S. Prag 24. Mai. Am 21 d. M. hat eine Generalversammlung des Privat-Frauen - Bcrein's zur Erziehung isracl. Waisenmädchen stattgefunden. Warum diese nicht wie alljährlich schon am chol hamoed abgehalteu wurde ist uns unbekannt. Gewiß waren gewichtige Gründe vorhanden, welche einen Aufschub bis zu dieser Zeit nöthig machten, lieber das Wesen und den Zweck dieses Vereines haben wir uns schon iu diesem geschätzten Blatte bei Gelegenheit der vorjährigen Generalversammlung ausgesprochen. Ueberhanpt sind diese schon in dem Namen desselben ansgedrückt, und cs genügt daher zu sagen, daß, wenn auf sein bisheriges Wirken und bis jetzt erzieltes Resultat hingeblickt wird, man eingestchen muß, derselbe entspreche vollkommen seinem Namen, erfülle in vollem Maße, die ihm vorgczcichnete Aufgabe — was wohl nicht bei allen unfern Vereinen sein mag — und liefern einen Beweis von der Wahrheit des Sprüchwortes: Erziehung macht den Menschen. Jedoch lassen wir lieber Thatsachen sprechen. Aus dem dießjährigen Geschäftsberichte, welcher von der Vcreinspräsidentin Fr. Karoline Stark verlesen wurde, entuehmen wir, daß, trotzdem unsere Stadt im Vorjahre von den mannigfachen Ealamitäten in erster Linie betroffen und dadurch der Wohlthütigkeitssinn der Vereinsmitglieder auch andcrseitig vielfach in Anspruch genommen wurde, der Verein dennoch ein plua von nahe an tausend Gulden aufzuweisen hat, was sich auch bei Ablegung der Rechnung bestättigte. Das Vermögen des Vereines betrug nämlich zu Ende des Jahres 1865. 21738 st. 88% kr. und ist nach Abzug der Ausgaben im J-chre 1866 welche 3086 st. 62'. kr. ausmachen, auf 2267Ist. 9'/.kr. heran gewachsen. Ein solches Ergebniß zeigt einerseits, daß die den jüdischen Etamin besonders anszeichnenden Eigenschaften als Wohlthätigk.it, Mildthätigkeit und Barmherzigkeit, sich bei jeder Gelegenheit und unter allen Umständen bewähren, anderseits aber auch, daß die Verwaltung in guten Händen liegt und mit besonderer Umsicht und Sorgfalt geleitet werde. An Schluß der Sitzung erfolgte die statuarisch stattzuffndende Auslosung eines Drittheils von Vorstande, der aus 15 Damen besteht. Dießmal aber wurden nur zwei ausgelost und zwar Fr. Emilie Brandeis und Fr. Anna Jeiteles, weil der Vorstand schon ohnehin nicht mehr vollzählig war, denn Fr. Wilhelmine Hock übersiedelte im Laufe des Jahres nach Wien, Fr. Anna Goldschmied ist gestorben — die Versammlung gab bei Erwähnung dieses trauerigeu Ereignisses seinem Beileide durch Aufstchcn Ausdruck — und Fr. Anna Lipvmann hatte resignirt. Letztere wurde mit Acclamation wieder gewählt, und auch die beiden Damen welche ausgelost wurden, erschienen bei Eröffnung des Scrutiniums als wieder gewählt. Neu gewählt wurden zwei: Fr. Luise Nuß und Fr. Amalie Roscnberg. Die Versammlung sprach auch H. Prof. Dr. Kämpf, der unentgeltlich die geistliche Aufsicht über die Anstalt führt, und Hrn. Dr. Pribram, der unentgeltlich ihr Arzt ist, und derselben im Winter wo Kinderkrankheiten stark grassirten, besonders ersprießliche Dienste leistete, ihren Dank aus. In der Anstalt befinden sich gegenwärtig 12 Mädchen. Für zwei, die von ihren Müttern, deren Verhältnisse sich ge- :.fi fl M Üi: - int; 41 ,,

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