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Das Abendland · 1867-05-30 · 11 (30.5.1867) · p. Seite 82

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
11 (30.5.1867)
Date
1867-05-30
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 Mit nimmt weiß auch wenn eben kein Wochenmarkt ist, ein Geschäftchen am Sabbath zn macken — Wozu daher die nichtjüdischen Gemüther gegen uns aufregen — Reden und wieder reden "meKi -ibn\, begeistert und begeisternd reden für die Sabbathfeier — das ist unsere Aufgabe — Lcschwichtigung 11. geschrieben ist auch hier gebraucht wird. Fragen will ich ihn nur, ob er denn niemals als zärtlicher und frommer Vater am Freitag Abend seine Hände auf seines Kindes Haupt gelegt? Hierbei ist ja aber dieselbe Segcnsformel im Gebrauche! Wahrlich ich muß glauben: xnSv xrtS te *iex 2'2L>1 v") na Mein Freund hat aus dem schlafe gesprochen. Aber ich beneide ihn darum, daß er beim Anblicke der heutigen jüdischen Zustände auf keine bedenklichere Bedenken gestoßen ist, als auf diese, aus dem erhöhten Anstandsgefühle unsrer Zeit sich von selbst ergebenden Gebräuche beim öffentlichen Gottesdienste. Dr. A. Stein. Das zweite Bedenken meines verehrten Freundes ist hervorgerufcn durch die Weise wie ouv tPHp das Gebet, welches Söhne im Trauerjahr und am Todestage der Eltern zu sprechen Pflegen in manchen, den Neuerungen zugewcndeten Synagogen verrichtet wird. — Gestehen muß ich, daß die Art, wie dieß Bedenken vorgebracht ist, mich unangenehm berührt hat, und ich gewünscht hätte — infcrnS fiöTp lrurr— cs hätte hier die Scheu vor dem Ehrwüidigcn über die Gelehrsamkeit obgesicgt. Dieser Synagogengebranch ist rein Sache der Pietät und verträgt durchaus keine wissenschaftliche Untersuchung. Daher mag ich auf das Meritorische des Gegenstandes nicht ein gehen, will dem Ausdruck des Bedeukenträgers „Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen" nicht meine eigenen Bedenken entgegensetzen, sondern mich daraus beschränken das Formale desselben, inS rechte Licht zu stellen. Er selbst gesteht zn, daß die Feststellnng der Rechte und Ansprüche auf das Vorbeten und Kadischrecitiren den Rabbinen viel Kopfbrechens verursacht, ich aber muß hinzufügen, daß sie den Laien viel Arm- und Bcinbrechens und den Synagogen viel StänderzerbrechenS verursacht hat. Wer das Vorrecht zum Vorbeten haben soll, an wem die Reihe Kadisch zu sagen sei, war der beständige Zankapfel in den Synagogen, der nicht selten zu Raufereien und blutigen Excessen führte. Es war unvermeidlich, daß die unwürdigsten und unfähigsten P-.rwnen als Jt"tP Vertreter der Gemeinde an das Betpult traten und den öffentlichen Gottesdienst zum Aergerniß und zum Gespötte machten. Um solchen Unfug einfür allemal unmöglich zu machen, haben sehr angesehene Rabbinen und höchst achtbare Gemeinden beschlossen nur Angestellte als Vorbetcr zuzulassen und das Kadisch von allen, welche sollen und wollen unisono sprechen zu lassen. Da sich aber so verschiedenartige Persönlichkeiten, wie sie in einer großen Gemeinde zusammcntrcffen, nicht zu einem choralmäßigen Recitiren abrichten lassen, so blieb, der lieben Ordnung wegen kein anderer Ausweg, czls das Kadisch von einem Gemeindebeamten vorsprechen zn lassen. Wenn dieser für seine Person nicht berechtigt ist, dasselbe zu recitiren, so kann das kein Bedenken erregen, er ist in Function und seine Stellung weist es aus, daß er nicht für sich spricht, sondern nur Hi) iS fxi? '£ tP'-aS JtStP um diejenigen zu unterstützen, die nicht geübt sind Etwas in würdiger Weise laut vorzutragen, wozu in unsrer Zeit, was freilich bedauerlich ist, nicht bloß Kinder gehören. Wenn hierbei noch von einem Hebet die Rede sein kann, so ist es sicherlich das kleinste, und die, welche es gewählt haben, haben wohlgethan. Sie können sich hierbei aus das Vorgehen der Religionsbehörde in alter Zeit berufen, welche nach der Mischnah (Joma 2, 2. vgl. auch d. Gern. z. St.) einen alten Gebrauch aus dem Grunde abschaffte H'S pxatP YB.iiTtt* H33D weil die gute Ordnung und die Würde des Gottesdienstes dabei gefährdet war. Konnte es scheinen als hätte ich bei Beschwichtigung der beiden ersten Bedenken pro domo gesprochen, so könnte ich mich bet dem dritten in die Brust werfen und geltend machen, daß ich als Ahronide jederzeit zum Sprechen des Pricstersegens berechtigt sei. Aber ich werde mich wohl hüten dem Beispiele meines verehrten Freundes zu folgen und das rituelle rxnrJ mit dem harmlosen Aussprnche eines Segenswunsches zu identifiziren, weil eine Formel, die dort vor¬ Äus dem Grabe der Zeiten Unserem an Erfindungen so reichen Jahrhunderte w ie es auch Vorbehalten eine längst vergrabene Culturwelt des höchsten Alterthumes zu entdecken und aus ihrer unterirdischen Verhüllung an das Tageslicht zu ziehen. Von dein alten Assyrien und Babylonien hatte man bisher außer den wenigen Daten der Bibel nur sehr dürftige und mythenhafte Berichte. Die durch Franzosen und Engländer in der neuen Zeit vorgenommenen Ausgrabungen am Tigris und Euphrat haben einen Culturzustand jener Völker auf technischem Gebiethe zu unserer Kenntniß gebracht, der die großartigsten Bauten der Neuzeit beschämt, und von einem Unternehmungsgeiste der menschlichen Thätigkeit Kunde gibt, der Alles übertrifft, was unsere Zeit zu leisten vermag. Unter der Aufschrift „Ninweh, Babylon, Nebukadnczar" hat das Magazin für die Literatur des Auslands" einen höchst interessanten Aufsatz über die dießfälligen Leistungen, aus dem wir Einzelnes hervorheben. Die ersten Ausgrabungen wurden 18ck0 von dem französischen Consul in Mosul, Herrn Botta in der Nähe von Khorsabad vorgenommcn. — Es gelang ihm einen großen Saal mit vielen Skulpturen zu entdecken. Dieß war der Anfang zur Wiederaussindung der alten assyrischen Hauptstadt Ninweh, welche schon in den ältesten Urkunden der Bibel „die große" genannt wird, und in der zur Zeit des Propheten Jona mehr als 120000 kleine Kinder lebten, die nicht recht und links zu unterscheiden wissen. Im Jahre 1850 wurden die Ausgrabungen von Ninweh von den Engländern Rawliuson und Layard fortgesetzt, und die nun zahlreich aufgefundenen Gegenstände mit den vielen Inschriften boten der Sprach- und Geschichtsforschung neue Gesichtspunkte. Eine neue Fundgrube für die Wissenschaft wurde durch die großartigen Entdeckungen der eigends zu diesem Zwecke ausgerüsteten französischen Expedition unter Fresnel im Jahre 1852 eröffnet. — Diese beschränkte ihre Arbeiten nicht bloß auf Ninveh, sie spürte nach dem alten Babylon und die Resultate dieser Arbeiten übertrafcn die früher» noch weit an Bedeutung. Herr De. Julius Oppert, nebenbei bemerkt ein deutscher Jude, der wie sein Landsmann Munk tue orientalischen Studien in Deutschland begann und in Paris fortsetzte, ward der Expedition als linguistischer Leiter beigcgebeu. Dieser berühmte Orientalist hat nun in 4 verschiedenen Schriften die Resultate der so mühevollen Ausgrabungen und der noch mühevollern Lesung der in Keilschrift abgcfaßten Inschriften veröffentlicht. Nach diesen Mittheiluiigen war das alte Babylon eine wahre Wunderstadt und der Lchöpfer dieses Wunderwerks war der in der Bibel so oft genannte Eroberer König Nebukadnezar. Babylon von einem vierfach größer» Umfang als das heutige London war überreich an Kunst- und Prachtbauten und was Herodot von den Wunderwerken Babylons cnählt, bleibt noch weit hinter der Wahrheit zurück. — Mauern, Thürme, Brücken, Pyramiden, Thore in fabelhaften Dimensionen und kunstvoller Ausführung stellen die babylonische Architektur auf eine Höhe, die noch von keiner andern Nation erreicht wurde. Ein Euphrat-Tu-

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